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Jahresbericht - Afrika
JAHRESBERICHT 2009 - ABTEILUNG AFRIKA I Christine du Coudray Wiehe
STEH’ AUF, AFRIKA!
Diese Worte des Heiligen Vaters bildeten den Abschluss der zweiten Afrika-Synode im Oktober. Es war wie ein Echo auf den Appell Papst Johannes Paul II. anlässlich der ersten Afrika-Synode vor 15 Jahren: Jesus ruft Afrika! Die gesamte Kirche war von der Hellsichtigkeit, der Entschlossenheit und der Hoffnung der afrikanischen Bischöfe beeindruckt. Es war die Synode eines neuen Pfingsten, wo Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden nicht allein aus einem menschlichen Willen heraus entstehen können.
Der Heilige Vater hat es betont: Das Jahr 2009 war das Afrika-Jahr. Es begann im Februar mit seiner Reise nach Kamerun und Angola, als Auftakt zur zweiten Afrika-Synode. Im Oktober kamen in Rom etwa 350 Bischöfe, Ordensleute und Laien aus Afrika sowie Vertreter der anderen Kontinente zusammen. Afrika ist eine „riesige geistliche Lunge für eine Menschheit, die sich in einer Krise des Glaubens und der Hoffnung befindet“, so Benedikt XVI. in seiner Predigt anlässlich des Eröffnungsgottesdiensts der Synode. „Es steht dennoch außer Frage, dass die sogenannte »Erste« Welt zuweilen geistlichen Giftmüll exportiert hat und exportiert, der die Bevölkerungen anderer Kontinente ansteckt“. Wir haben nicht vergessen, wie die westlichen Medien absichtlich verschwiegen hatten, dass der Heilige Vater sich anlässlich eines Streits um die Verwendung von Präservativen 33 Mal an Afrika wandte, was wenigstens zu einer intelligenten, da mit Argumenten belegten Berichterstattung hätte führen müssen. Veröffentlicht wurde lediglich gehässige Empörung, mit welcher die Medien diese inakzeptable Einmischung, beruhend auf einer in Marmor gemeißelten Haltung verurteilten. Dennoch wagten einige Wissenschaftler zu äußern, der Heilige Vater habe zu Recht verkündet, dass Präservative keine Lösung für die AIDS-Pandemie darstellen könnten. Doch wer griff dieses schwache Echo auf? Eine Debatte tut hier Not… Welche Missachtung unserer afrikanischer Brüder und Schwestern, deren Existenz, wenn nicht gar Überleben, auf ein Stück Latex reduziert wird! Während der Synode war es ebenso: Die Medien, mit Ausnahme derer, die sich von den dargebrachten Zeugnissen berühren ließen, schenkten den aus drei Wochen des Gesprächs hervorgegangenen und vom Heiligen Vater während des Abschlussgottesdiensts als „erbauende Teilnahme“ bezeichneten Feststellungen, Überlegungen und Vorschlägen keine weitere Beachtung. Wir, die wir an der Synode teilgenommen haben, haben den Mut der afrikanischen Bischöfe gewürdigt, mit dem sie die Licht- und Schattenseiten Afrikas hervorgehoben und jeden von uns dadurch zu seiner eigenen Bekehrung aufgefordert haben. Ich habe folgende Nachricht von Msgr. Djitangar, dem Sondersekretär der Synode, erhalten: „Zu behaupten, die Synode wäre eine schöne Erfahrung gewesen, ist eine Untertreibung. Wir haben einen Höhepunkt der bischöflichen Brüderlichkeit erlebt und wahrhaftige, emotionale Kollegialität ganz konkret gelebt...“.
Die Demokratische Republik Kongo und der Sudan, zwei hoffnungslose Tragödien. Es gibt Länder in Afrika, welche die Sünde der Welt tragen, um nur den Osten Kongos oder den Sudan zu nennen. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda, im Sudan, aber auch in Madagaskar und in Burundi verhält sich, bedingt durch den großen Reichtum an Bodenschätzen oder die schamlose Korruption, die Gier nach Geld umgekehrt proportional zur Achtung der Menschen.
Sieht man sich die Situation in den Kivus (im Osten der Demokratischen Republik Kongo) an, wird man von einem Schwindelgefühl erfasst. Die lange und schmerzliche Reihe von Massakern, Vergewaltigungen (beider Geschlechter), Brandanschlägen, Schreckenstaten, Entführungen, Diebstählen und Plünderungen, der die Zivilbevölkerung Kivus zum Opfer gefallen ist, ist inzwischen allseits bekannt und nimmt noch immer kein Ende. Die Bilanz: Über 6 Millionen unschuldige Opfer und Märtyrer seit 1996. Anfang Dezember ermordeten nicht identifizierte bewaffnete Männer in der Nähe von Bukavu Pater Daniel, Vikar in der Pfarrei Kabare und Schwester Denise, Trappistin in Murhesa. Bereits am 2. Oktober hatte eine Gruppe bewaffneter Männer in Militäruniformen die Pfarrei Ciherano überfallen und am 4. Oktober das Kloster der Maristenbrüder in Nyangezi überfallen und geplündert. Am 23. Dezember verhinderten Polizisten die Plünderung des Klosters und des Noviziats der Töchter der Auferstehung in Mirhi. Kabare, Murhesa, Mirhi, drei Orte, an denen ich mich nur zwei Wochen zuvor aufgehalten hatte. Dem Netzwerk „Frieden für den Kongo“ zufolge, das sich auf vielerlei Vorfälle berufen kann, handelt es sich nicht um vereinzelte Fälle von Banditentum. Es stellt sich daher die Frage, ob dies nicht vielmehr eine Etappe eines festgelegten Plans ist, der darin besteht, die tragenden Kräfte der Gesellschaft zu treffen und zu destabilisieren, angefangen bei der Kirche, mit dem Ziel, gewisse verbrecherische und schändliche Vorhaben umzusetzen. Doch selbst wenn es sich nur um wildes Banditentum handeln sollte, wo läge der Vorteil, da ja die Justiz die Verantwortlichen nicht finden kann oder will. Die Situation ist komplex, zumindest, was die verlogene Bewältigung dieser Krise anbetrifft. Es ist jedoch offensichtlich, dass es hier um die illegale Ausbeutung der Bodenschätze der Demokratischen Republik Kongo geht (Kassiterit, Coltan, Gold, Wolfram, Erdöl und Methangas), an der die politische Elite des Landes, die angrenzenden Staaten und multinationale Konzerne der westlichen Welt beteiligt sind. Das „organisierte Chaos“ macht die Plünderung leichter. Während der Beisetzung Vater Daniels versicherte Msgr. Maroy, Erzbischof von Bukavu, nachdrücklich: „Die Kirche kniet nur vor der Eucharistie nieder, nicht vor einem Gewehr. Wenn es also Menschen gibt, die denken, sie könnten die Kirche in die Knie zwingen, indem sie Priester und Schwestern umbringen, so irren sie sich.“
Im Sudan stehen zwei wichtige Wahltermine an, die im Januar 2005 im Zuge der Unterzeichnung des CPA (Comprehensive Peace Agreement) zwischen dem nun auf dem Papier versöhnten Norden und Süden angesetzt wurden. 2010 sollen die Parlamentswahlen stattfinden, die bereits viermal verschoben wurden. Für 2011 ist angesichts der katastrophalen Politik, die Khartum gegenüber Nicht-Muslimen und der Bevölkerung im Süden im Allgemeinen verfolgt, ein Referendum über eine mögliche Teilung des Landes vorgesehen. Die Aussicht auf eine Spaltung kommt für die Machthaber in Khartum, für die der Erdöl-Reichtum dann in weite Ferne rücken würde, nicht in Frage. In der Zwischenzeit lebt die Bevölkerung im Süden unter unbeschreiblichen Bedingungen. Die Menschen sind Hungersnot, Dürre, Ausschreitungen, Überschwemmungen oder aber der Grausamkeit der LRA (Lord Resistance Army), die von Nord-Uganda über den Norden der Demokratischen Republik Kongo und den Süden Sudans bis hin zur Zentralafrikanischen Republik ihr Unwesen treibt, hilflos ausgesetzt. Das Land steht kurz vor einem neuen Bürgerkrieg. Die Experten sind sich einig, dass die verstärkte Aufmerksamkeit für Darfur von der im Süden des Landes herrschenden Verzweiflung abgelenkt hat, die zwangsläufig geradewegs zu einem erneuten bewaffneten Konflikt führt. Zur Erinnerung sei erwähnt, dass am 4. März 2009 ein internationaler Haftbefehl gegen den Präsidenten El Beshir erlassen wurde. Anfang September luden die Kirchen von Tombura-Yambio, die sich nach den letzten Gewalttaten und Kreuzigungen seitens der LRA keine Hoffnung auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft machten, die Bevölkerung unter der Führung von Msgr. Eduardo zu einer dreitägigen barfüßigen Pilgerfahrt und Fastenreise ein, deren Abschluss Gottesdienste und Anbetung bildeten.
„Nach Gott ist der Priester alles!“
Der Heilige Vater eröffnete das Priesterjahr anlässlich des 150. Jahrestages des Todes des Heiligen Johannes Marie Vianney. Im Rahmen des Paulusjahres forderte er uns auf, unseren Blick auf das Höchste zu richten und erinnerte uns daran, dass es keine Kirche ohne Priester gibt. Davon war auch Pater Werenfried zutiefst überzeugt, der sich von Anfang an der Aufgabe widmete, ihnen in vollem Maße die Großzügigkeit unserer Wohltäter zukommen zu lassen. Wir haben die Bischöfe dazu eingeladen, diese besondere Zeit feierlich zu begehen. In mehreren Diözesen erhielten die jährlichen Exerzitien eine besondere Note: Die kongolesische Kirche zum Beispiel organisierte Exerzitien für die Priester innerhalb und außerhalb des Landes. Die Diözese Malakal im Sudan empfing den neuen Verwalter mit der Abhaltung von Exerzitien für die 14 Priester, die für eine Diözese von 238.000 km2 verantwortlich sind, (was der Hälfte Frankreichs entspricht), einem Gebiet, das sich im Herzen des Konflikts befindet, denn dort wird über den Verlauf die Nord-Süd-Grenze entschieden. Wir werden einer Delegation von 30 sudanesischen Priestern die Teilnahme an den Abschlussfeierlichkeiten des Priesterjahres in Rom ermöglichen. Die Anträge auf Messintentionen, für die meisten Priester das einzige Mittel zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts, steigen von Jahr zu Jahr an, ebenso wie die Großzügigkeit der Wohltäter: Etwa 180.000 Messintentionen konnten versendet werden. Die Ausbildung der zukünftigen Priester und die Strukturerneuerung machen weiterhin die größten Posten aus. Hinzu kommt die Finanzierung eines Fahrzeugs hier und da. Was den Bau oder die Erweiterung von Priesterseminaren anbetrifft, so wurden diesbezügliche Projekte in Burundi, Ruanda, Madagaskar, dem Sudan und Togo in Angriff genommen.
Während des Jahres
Die weltweite Wirtschaftskrise hat unsere Hilfe drastisch geschmälert. Insbesondere davon betroffen waren die Bereiche Baumaßnahmen und Fahrzeuge, was sich zu Gunsten von Bildungsprogrammen für alle Stände auswirkte. Madagaskar, ein Land, dessen Belange Priorität haben, bekam die Folgen davon zu spüren und schickt uns massenweise Anfragen für Bauprojekte. In dem Land, das seit März starken politischen Schwankungen unterworfen ist, herrscht bittere Armut. Die Kirche Afrikas hatte den Rückgang der Hilfe von Außen durch die Missionsgemeinschaften bereits zu spüren bekommen. Nun erfährt sie am eigenen Leibe, dass auch unsere Wohltäter von der durch gewagte Geschäftsführung verursachten Wirtschaftskrise betroffen sind. Es gibt jedoch rühmliche Ausnahmen im Bereich der Restaurierung von historischen Gebetsstätten in Algerien und Tunesien. Das nicht immer freundlich gesinnte islamische Umfeld allein rechtfertigt schon unsere Bemühungen. Das Leben und die Familie bleiben unsere oberste Priorität, allein die zahlreichen Andeutungen des Heiligen Vaters würden uns dazu anregen, wenn dies noch nötig wäre. Es wurde viel für die Ausbildung von Ausbildern getan.
Ausblick für 2010
Wir müssen noch warten, bis der Himmel über Guinea Conakry aufklart, bevor wir eine Reise in dieses nach 26 Jahren Kommunismus gewiss mit Vorrang zu behandelnde Land unternehmen. Ein Besuch im Norden Togos wird es uns ermöglichen, den durch den Islam ausgeübten Druck sowie die Erwartungen der Bischöfe zu beurteilen. Die Kirche im Sudan genießt weiterhin oberste Priorität angesichts der vielfältigen Bedürfnisse und Ausnahmen, auf die wir häufig als Einzige eingehen.
Die Zentralafrikanische Republik nimmt auf unserer Prioritätenliste den zweiten Platz ein. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Renaissance der Familie und die Berufungen gelegt. Inmitten des Priesterjahrs möchten wir Ihnen die Dankesbezeugungen eines Priesters aus Kongo-Kinshasa zukommen lassen, die uns Ende August übermittelt wurden: „Ich schreibe Ihnen, um Ihnen Danke zu sagen. Danke, dieses einfache und doch so aussagekräftige Wort, da mir meine Eltern während meiner Kindheit immer gesagt hatten, dass ich denjenigen, die uns Gutes tun, immer Danke sagen soll. Mein Dank geht auf das Jahr 2000 zurück und dauert bis heute an. Warum seit 2000? Weil ich 6 Jahre im propädeutischen Seminar von Boma als spiritueller Begleiter verbracht habe… Ich gebe zu, als Ausbilder Messintentionen von Kirche in Not bekommen zu haben… Seit Juli 2009 bin ich in Rom, um spirituelle Theologie zu studieren… Ich bitte Sie, für mich zu beten, damit ich ein guter Student werde, und damit ich nach meiner Rückkehr nach Hause in unseren Seminaren für noch mehr Effizienz bei der Ausbildung zukünftiger Priester sorgen kann. Ich möchte Sie ebenfalls darüber informieren, dass die Studenten des ersten Jahrgangs, die ich im Propädeutikum in Boma unterrichtet habe, kommenden Sonntag, den 30. August, zu Priestern geweiht werden. Darin liegt meine größte Freude, zukünftige Mitbrüder ausgebildet zu haben. Ich bete für Sie und für die Mitbrüder. Mit meinem priesterlichen Segen. Danke. Aus ganzem Herzen. Vater Joseph”.
Und Hoffnung, die nicht enttäuscht: „Afrika ist nicht verzweifelt. Unser Schicksal liegt noch in unserer Hand. Alles, was Afrika verlangt, ist, über genug Raum zu verfügen, um zu atmen und sich frei zu entfalten. Afrika hat sich auf den Weg gemacht, und die Kirche begleitet es auf diesem Weg und beleuchtet ihn mit dem Licht des Evangeliums. Die See mag noch so stürmisch sein, wenn wir unsere Augen fest auf unseren Herrn Jesus Christus gerichtet lassen, werden wir wohlbehalten in den Hafen der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens einlaufen.“ Msgr. Gaspard Béby Gnéba, Bischof von Man, Elfenbeinküste, Teilnehmer der Synode.
Jahresbericht 2009 – Afrika II P. Andrzej Halemba
Afrika erwacht
Was immer man über Afrika denkt oder schreibt, wird seiner sich dynamisch verändernden Wirklichkeit nicht gerecht. Afrika hat, verallgemeinert gesagt, eine schlechte Presse. Es scheint, dass die Lage dieses Erdteils, einschließlich der dortigen Kirche, ausschließlich von seinen dunkelsten Aspekten her betrachtet wird, die vom “aufgeklärten” Westen als unannehmbar erachtet werden.
Neben dem materiellen Kolonialismus, der viele Todesopfer fordert, ist Afrika durch den viel gefährlicheren Kolonialismus des Geistes und der Wertsysteme gefährdet, die immer der ganze Stolz des Schwarzen Kontinentes waren. In den päpstlichen Dokumenten der II. Afrikasynode wurde klar zum Ausdruck gebracht, daß die sogenannte “Erste Welt” dabei ist, ihren geistigen Giftmüll nach Afrika zu exportieren. Viele Organisationen, die vorgeben, sich humanitären Aktivitäten zu widmen, sind Nutznießer von Zuschüssen, die dafür verwendet werden, um eine neuheidnische Moral und ein ethisches System zu fördern, das Abtreibung, Sterilisation, Empfängnisverhütung, Homosexualität etc. anstrebt.
Ein Kontinent der Hoffnung
‘Steh auf, Afrika, lass dich nicht entmutigen’ – war das Motto der Synode. Das heutige Afrika ist zuerst und vor allem ein Kontinent der Hoffnung und der Chancen.
Afrika kann nicht nur, sondern sollte mit dem Rest der Welt viele seiner Güter teilen – nicht nur Diamanten, Gold, Coltan, Kunst und Musik. Wie Papst Benedikt XVI. während der Eröffnungsmesse zur II. Afrikasynode unterstrich, ist Afrika die geistliche Lunge der Menschheit.
Vor einhundert Jahren gab es in Afrika lediglich 400.000 Katholiken. Diese Zahl wuchs bis 1955 auf 16 Millionen an und stieg um 1980 auf 55 Millionen. Heutzutage sind es über 165 Millionen, d.h. 17,5 % der afrikanischen Bevölkerung. Ohne Zweifel ist das der rasanteste Zuwachs an katholischer Bevölkerung, den man in 2000 Jahren beobachten konnte. Gemäß den Angaben in der World Christian Encyclopaedia nimmt die Zahl der Christen in Afrika pro Jahr um 8,4 Millionen zu. Das sind 23.000 an einem Tag! Der Anstieg der Zahl der Christen hat sich auf einem Niveau von 2,36 % pro Jahr stabilisiert. Man kann nach diesen Zahlen davon ausgehen, dass sich die Zahl der Christen auf dem Schwarzen Kontinent in den nächsten dreißig Jahren verdoppeln wird. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass es sich bei 37 % der registrierten Taufen um die Taufe von Erwachsenen handeln. Das beweist deutlich die große Dynamik der Evangelisation auf dem afrikanischen Kontinent.
Der Anstieg an Pfarreien, Priestern und Katecheten
Ein bedeutsamer Gradmesser für die Entwicklung der Katholischen Kirche ist die Zahl ihrer Kandidaten zum Priesteramt (Philosophie- und Theologiestudenten) und der Priester, besonders der einheimischen. Die Zahl der Seminaristen in Afrika ist ständig im Wachsen begriffen: so gab es ungefähr 22.000 im Jahre 2002, 24.729 im Jahre 2007. Zur gleichen Zeit erlebte Europa einen dramatischen Rückgang der Berufungen: die Zahl fiel von 25.023 im Jahre 2002 auf 22.143 im Jahre 2007.
In den letzten 5 Jahren gab es einen beträchtlichen Anstieg des einheimischen Klerus, sowohl der Welt- als auch der Ordensgeistlichen. Noch 1957 zählte ganz Afrika lediglich 25 Diözesanbischöfe und 2500 Weltgeistliche. Heute, nach fünfzig Jahren, ist die Zahl der Bischöfe auf 630 angestiegen; die Zahl der Diözesanpriester hat sich sogar versiebenfacht. Im Jahre 2002 wirkten 29.274 Diözesan- und Ordenspriester in Afrika, wobei in dieser Zahl die Missionare noch nicht einbezogen sind. Bis 2007 hat sich die Zahl der Priester noch um 4384 erhöht. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Priester in Amerika kaum verändert. In Asien stieg diese Zahl um 7112, während sie in Europa um 173 zurückging. Dies bedeutet, daß die Anzahl der Priester in Afrika pro Jahr um 800 wächst. Es gibt ebenso einen bedeutsamen Anstieg bei den Ordensmitgliedern, die ihre zeitlichen oder ewigen Gelübde ablegen. Im Jahre 2002 legten 53.980 Personen ihre feierlichen Gelübde ab; fünf Jahre später waren es bereits 61.886, ein Zuwachs von 7906. In Europa hingegen ging die Zahl der Ordensleute um 1012 zurück.
Wegen des raschen Anstiegs der Katholikenzahlen in Afrika (von 14,58% auf 17,48% in zwölf Jahren zwischen 1994 und 2007) ist auch die Zahl der Pfarreien angestiegen. Im Jahre 2002 gab es 11.583 Pfarreien, fünf Jahre später bereits 13.298. Zur gleichen Zeit ist auch die Zahl der Missionsstationen erheblich gewachsen: von 65.131 im Jahre 2002 auf 71.053 im Jahre 2007. Obwohl die Wachstumsrate beim Bau dieser neuen Seelsorge-Zentren die höchste in der ganzen Welt ist, gibt es noch einen Schwachpunkt bezüglich eines Faktors, der aus pastoralen Gründen einer der wichtigsten ist: das Verhältnis der Katholikenzahl zu einem Priester oder Katecheten. Während sich in Deutschland 18.365 Priester der 26.297.000 Katholiken seelsorglich annehmen, gibt es in Afrika 34.658 Priester, die 164.925.000 Gläubige betreuen. Das bedeutet ein Verhältnis von 4.759 Gläubigen auf einen Priester, wobei die Katholiken oftmals über ein großes Gebiet verteilt sind. Dieses Verhältnis ist das höchste in der Welt.
Der außerordentliche Fortschritt der Evangelisation in Afrika wäre ohne die Erst-Evangelisatoren, nämlich die Katecheten, nicht möglich. Es gibt in Afrika elfeinhalbmal mehr Katecheten als Priester. Diese 399.932 mehrheitlich ehrenamtlich tätigen Katecheten tragen den Großteil der Last bei der pastoralen Arbeit und in der Verwaltung. Die Früchte ihrer Arbeit sind deutlich erkennbar: dank ihres unermüdlichen Einsatzes steigt die Zahl derer, die die Sakramente empfangen: nicht nur das Sakrament der Taufe, sondern ebenso die Erstkommunion, die Firmung und das Ehesakrament. So sind sich beispielsweise hinsichtlich der kirchlichen Strukturen die beiden Länder Kenia und Tansania sehr ähnlich: der einzige Unterschied ist die Zahl der Katecheten, von denen es in Tansania 4.655 mehr gibt als in Kenia. Die Zahl der Taufen liegt in Kenia bei 12,1 pro 1000 Katholiken, während diese Zahl in Tansania bei 19,4 pro 1000 Gläubigen liegt. In Zahlen ausdrückt macht das einen Unterschied von 127.694 Taufen. Eine ähnliches Profil kann bei der Zahl derer beobachtet werden, die die Erstkommunion oder die Firmung empfangen. Das führt zu der Schlußfolgerung, dass das Augenmerk jeder Lokalkirche auf gründlicher Ausbildung und finanzieller Unterstützung der Katecheten liegen muss. Die pastoralen Bildungsprojekte, welche die Katecheten unterstützen, müssen als absolut grundlegende Ergänzung der dem Klerus gewährten Ausbildung und ständigen Weiterbildung angesehen werden.
Die Hilfe von Kirche in Not für Afrika
Die Afrika-II-Abteilung für das englisch- und portugiesischsprachige Afrika – mit Ausnahme des Sudan – verzeichnete 789 neue Anfragen für Hilfsprojekte im Jahre 2009. Die größte Anzahl von Anträgen kam aus Tansania (143), Uganda (133), Kenia (79), Mosambik (64), Nigeria (62) und Angola (54). Ein Drittel der Hilfsgesuche bezog sich auf die Finanzierung von kirchlichen Zentren; jedes fünfte Projekt bezog sich auf Seelsorge und Bildungsarbeit. Es kam außerdem eine Fülle von Hilfsgesuchen für den Ankauf von Transportfahrzeugen, auf die sich jede sechste Anfrage bezog. 8 % der Projekte betragen die theologische Ausbildung.
Im Jahre 2009 wurden insgesamt 811 Projekte begutachtet, von denen 448 bezuschusst wurden und 337 hauptsächlich wegen fehlender Finanzmittel abgelehnt werden mussten (42% der Gesamtzahl). 4.408.487,61 Millionen Euro wurden in die Projekte investiert. Dabei sind 1.329.584 Mio. Euro für die direkte Unterstützung der Priester durch Mess-Stipendien bestimmt worden (30 % des Budgets). Es war uns möglich, fast die gleiche Summe für die Finanzierung der Errichtung von kirchlichen Gebäuden und Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. (1.342.000 Mio. Euro – 30,44% ). Zur finanziellen Unterstützung der Ausbildung und der Seelsorge wurden 732.867 Euro aufgewendet; auf die theologische Ausbildung entfielen 290.062 Euro. Über 520.000 Euro wurden für den Ankauf von Transportfahrzeugen bereitgestellt: Fahrräder, Motorräder, Boote und Autos.
Im Jahre 2009 hat Papst Benedikt XVI. das “Jahr der Priester” eröffnet. Wie bereits erwähnt worden ist, stellt Kirche in Not beträchtliche Geldmittel zur direkten Unterstützung der Priester durch Mess-Stipendien und ebenso zu ihrer Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Letzteres erfordert eine größere Aufmerksamkeit, als sie bisher diesem Thema zuteil wurde.
Dies betrifft im besonderen die Ausbildung in Ländern wie Mosambik und Angola, die in jüngster Zeit die Schrecken des Bürgerkrieges erlebt haben und für viele Jahre der marxistisch-leninistischen Indoktrination ausgeliefert waren. Während eines Besuchs dieser Länder im letzten Jahr durch Vertreter des Hilfswerkes Kirche in Not wurde festgestellt, dass die niedrige Zahl der Priester, besonders im Diözesanklerus, sowie deren Absorbierung durch nicht-seelsorgliche Aktivitäten, das Haupthindernis für die Evangelisierung des Landes darstellt.
In Mosambik gibt es lediglich 212 aktive Diözesanpriester, so dass ein Priester die Seelsorgelast für 7976 Katholiken trägt. Leider sind 95 % der Priester als Lehrer für verschiedene Fächer (selten Religion, eher als Lehrer für Portugiesisch, Geschichte und Mathematik) in Schulen tätig und haben deshalb für ihren priesterlichen Dienst wenig Zeit und Kraft. Die Priester sind so finanziell unabhängig, was die Bindung an ihre Gemeinde und an die Diözese schwächt. Die Gläubigen hingegen vernachlässigen es, die Pfarrei und die Diözese finanziell zu unterstützen, wenn sie feststellen, dass ihr Priester einen beträchtlichen Lohn empfängt und deshalb zu Recht annehmen, er sei nicht länger auf ihre Hilfe angewiesen. Die Vollzeit-Anstellung von Priestern als Lehrer in Schulen gefährdet darüber hinaus die Zusammenarbeit der Priester, da es zum Beispiel Schwierigkeiten gibt, einen Termin für ein Treffen der Priester mit dem Bischof, für die Weiterbildung oder für Exerzitien zu finden.
Auch in Angola haben die langen Jahre des Bürgerkrieges bezüglich der Zahl und der Qualität der Priester negative Spuren hinterlassen. Während des Konflikts sahen sowohl die Regierung als auch die Opposition davon ab, Seminaristen zum Dienst in ihren Armeen zu rufen. Obwohl Angola dasjenige Land in Afrika mit der höchsten Katholikenzahl ist, wo 55,58 % der Bevölkerung sich als Katholiken bekennen, gibt es dort nur 443 Diözesanpriester. Nach dem Ende des Krieges und den Friedensverhandlungen ist die Zahl der Kandidaten zum Priesteramt drastisch gesunken. Der Grund ist darin zu sehen, dass das Priesterseminar den Kandidaten in Kriegszeiten zum einen davor bewahrt hatte, zu den Waffen gerufen zu werden und ihm andererseits eine gute intellektuelle Ausbildung gewährt hat. Heutzutage ist es für junge Männer nicht länger nötig, in einem Priesterseminar Unterschluss zu finden, um der Musterung zu entgehen. Sie haben jetzt viele andere Möglichkeiten, eine gute Ausbildung zu empfangen und einen höheren sozialen Status zu erringen. Darüber hinaus sind viele Priester, ähnlich wie in Mosambik, als Lehrer in Schulen tätig.
Das Hilfswerk Kirche in Not ist bemüht, die Bischöfe in jenen Ländern auf dem Gebiet der Ausbildung ihrer zukünftigen Priester zu unterstützen und kofinanziert aus diesem Grund diesbezügliche Projekte in Pemba, Chimoio, Maputo (Mosambik) sowie in Huambo, Menongue und Lwena (Angola).
Pläne für die Zukunft
Zweifellos wird die Ausbildung der Priesterkandidaten sowie die Weiterbildung von Priestern und Ordensleuten im Jahre 2010 einen Vorrang haben. Die guten Entwicklungen hinsichtlich der Mittelbeschaffung vom Jahre 2009 sollten fortgesetzt werden. Die direkte Unterstützung der Priester in Form von Mess-Stipendien, die Finanzierung von Exerzitien und die Schulung von Ausbildern bringen nachweislich Früchte hervor. Der Klerus wird dadurch wirtschaftlich auf eine stabile Grundlage gestellt und ist dann in der Lage, der Seelsorge mehr Zeit zu widmen. Es kann ohne Transportmittel keine echte Evangelisierung geben. Das ist heute wahrer als je zuvor. Die Verkündiger müssen reisen, wenn sie evangelisieren und dem Einfluss des Islam und den verschiedenen Sekten entgegenwirken. In Ostafrika sollten wir den Katecheten mehr Unterstützung zuteil werden lassen, denn sie sind wegen ihres Anteils an der Evangelisierung jenes Teiles des Afrikanischen Kontinentes ihr Gewicht in Gold wert. In Westafrika müssen wir die Unterstützung der Ausbildung der Priester - besonders in Nigeria und in Ghana - fortsetzen. Dabei hoffen wir, dass mehr Fidei Donum - Priester und Ordensleute aus diesen Ländern in Zukunft in andere Ländern ausgesandt werden. Auch Projekte, die den Dialog mit dem Islam betreffen und den Gebrauch der Massenmedien vorgesehen, sind willkommen. Die Infiltration durch die Sekten in diesen Ländern ist mehr und mehr besorgniserregend: sie sind eine Bedrohung für die bereits bestehenden christlichen Gemeinden. Wir sollten dem in neue Territorien eindringenden Islam, der sich im Bau von Minaretten auch in den Gegenden manifestiert, wo es nur wenig Muslime gibt, entgegenwirken, indem wir den Bau von neuen Kirchen unterstützen.
Vor allen Dingen sollte die von uns geleistete Hilfe den Richtlinien des Abschlussdokumentes der II. Afrikasynode entsprechen. Diese Richtlinien enthalten ein pastorales Programm für ganz Afrika in den kommenden Jahren und erlauben uns, die Situation Afrikas und seine Bedürfnisse besser zu verstehen.
Jahresbericht 2009 - Abteilung Asien-Afrika von Marie-Ange Siebrecht
Der Nahe Osten ist nach wie vor oberste Priorität der Abteilung. Der Heilige Vater hat für den 10. - 24. Oktober 2010 eine Nahost-Synode einberufen, die erste für diese Region. Dies zeigt, welche Bedeutung der Heilige Stuhl den Kirchen des Ostens beimisst. Für uns heißt dies, daß wir uns auch weiterhin für die Kirchen des Nahen Ostens engagieren, so wie der Heilige Vater es in Kardinal Bertones Brief anlässlich der Versammlung in Castel Gandolfo im September 2007 von uns erbeten hat.
Es geht darum, „die Christen in Ihrer Identität durch Gottes Wort zu bestätigen und bestärken und die Gemeinschaft zwischen den einzelnen Kirchen wiederzubeleben, damit sie „ein authentisches, freudiges und gewinnendes Zeugnis des christlichen Lebens ablegen können.“*
„Die Gemeinschaft auf allen Ebenen zu vertiefen: innerhalb jeder katholischen Kirche des Orients, zwischen allen katholischen Kirchen und mit den anderen christlichen Kirchen.“*
„Den Christen eine klare Vorstellung über die Bedeutung ihrer Präsenz in ihrer muslimischen Umgebung zu geben, über ihre Rolle und Aufgabe in jedem Land zu vermitteln, und sie darauf vorzubereiten, authentische Zeugen Christi zu sein.“*
Im April/Mai besuchten wir Israel und Palästina, nur einige Wochen vor der Ankunft des Heiligen Vaters. Die Lage war sehr angespannt, da die israelischen Behörden sich nicht besonders kooperativ zeigten: verspätet abgesandte Einladungen zu den Gottesdiensten, Wahl des Ortes für das Gespräch im Flüchtlingslager von Aida etc. In Galiläa besichtigten wir in den maronitischen und melkitischen Diözesen laufende oder bereits abgeschlossene Projekte. In Haifa fand am 26. April eine große Prozession zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria statt. Tausende von Pilgern gingen zu Fuß von der lateinischen Kirche bis zum Berg Karmel und dem Karmeliterkloster. Der Wagen mit der Statue der Heiligen Jungfrau wurde von zahlreichen Freiwilligen gezogen. Alle Vertreter der Katholischen Kirchen waren anwesend: Der Lateinische Patriarch Fouad Twal und seine Patriarchatsvikare, Msgr. Marcuzzo und Msgr. David Neuhaus SJ, die für die hebräischsprachige Gemeinde zuständig sind, Msgr. Elias Chacour, der melkitische Erzbischof von Galiläa, und Msgr. Paul Sayah, Erzbischof der Maroniten. Ein schönes Zeichen der Einheit, das sich jedoch nicht auf diese Gelegenheit beschränken sollte.
Die Situation der Christen in Israel unterscheidet sich stark von der in den palästinensischen Gebieten. In Israel sind die Christen offiziell gleichgestellte Bürger, obwohl es große Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt. Man kann sagen, dass die Christen Bürger zweiter Klasse sind: trotz ausgezeichneter Universitätsabschlüsse haben sie nur geringe Chancen, eine Arbeit zu finden, Stellen in der Verwaltung werden ihnen verweigert usw. Die jungen Menschen sehen keinen anderen Ausweg, als das Land auf der Suche nach einer besseren Zukunft zu verlassen. Als Araber und Palästinenser werden die Christen von den Israelis abgelehnt. In Jerusalem unterstützen wir das Patriarchat beim Bau von Wohnungen für junge katholische Paare, die zwar eine Arbeit haben, aber Schwierigkeiten, das Geld für eine Miete aufzubringen. Wenn sie die Möglichkeit bekommen, ein Leben in Würde zu führen, werden sie bleiben.
Die Situation in Bethlehem und in den besetzten Gebieten ist wiederum völlig anders. Bethlehem ist ein Gefängnis. Die Bewohner können die Stadt nur mit Sondergenehmigungen oder nach endlosen Durchsuchungen an den verschiedenen Checkpoints verlassen. Die Palästinenser können nicht mehr nach Jerusalem zur Arbeit gehen, und die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Selbst wenn man in den Gebieten von einem Ort zum anderen gelangen will, muss man zahlreiche israelitische Checkpoints passieren!
Araber und Palästinenser werden immer weniger akzeptiert, weil sie Christen sind. Sie sind jedoch ebenso Kinder des Heiligen Landes wie die Juden und Muslime. Unsere Aufgabe ist es, dies immer wieder zu betonen und möglichst viele Katholiken der westlichen Länder dazu anzuregen, eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen und dabei nicht zu vergessen, die Ortskirchen zu treffen und Projekte zugunsten des Dialogs zu unterstützen.
Zwei Reisen nach Ägypten und Syrien haben es uns ermöglicht, den dortigen Kirchen, die ihren Glauben unter schwierigen Bedingungen leben, unsere Hilfe zuzusichern. Selbst in Syrien, wo die christlichen Kirchen „relativ“ frei sind, fühlen sich die Christen nicht mehr zu Hause und viele von ihnen versuchen, das Land zu verlassen. In mehreren Diözesen baut die Kirche Wohnungen, die junge Paare zu bescheidenen Preisen mieten können. Im Mittleren Osten lassen Eltern ihre Töchter erst dann heiraten, wenn deren Verlobter ein Zuhause für seine zukünftige Frau und ihre zukünftigen Kinder hat. In den syrischen Diözesen wächst die Zahl der Gläubigen durch die irakischen Christen (chaldäische und syrisch-katholische Christen).
Die Zahl der Neuankömmlinge ist zwar zurückgegangen, aber viele Familien warten noch auf ein Ausreisevisum in den Westen. Selbst wenn für einige die Möglichkeit dazu besteht, werden viele noch etliche Jahre lang in Syrien bleiben. Solange die politische Situation es zulässt, ist es unsere Pflicht, der Kirche dabei zu helfen, sich noch fester in der Gesellschaft zu verankern.
In Ägypten sind die Christen Zielscheibe fundamentalistisch-islamischer Bewegungen, und die katholische Kirche muss sich im Alltag mit den Behörden herumschlagen, um die Genehmigung zu erhalten, Kirchen zu renovieren oder kirchliche Strukturen zu bauen, ganz zu schweigen vom Bau neuer Kirchen, wofür die Unterschrift des Präsidenten erforderlich ist… Und „boukra“ bedeutet auf arabisch „morgen“, oder auch „nie“!
Im November letzten Jahres trafen sich die verschiedenen Mitgliedsorganisationen der ROACO (Union der Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen), welche in die Kongregation für die Orientalischen Kirchen in Rom eingebunden ist, im Norden Iraks in Ainkawa/Erbil, um zusammen mit den Bischöfen der verschiedenen katholischen Riten sowie den Ordensoberen aller Kongregationen im Irak an einem Seminar teilzunehmen. Jeder konnte offen seine Probleme, Bedürfnisse und Vorstellungen für die Zukunft darlegen. Die Mitglieder der irakischen Kirche waren seit über 20 Jahren nicht mehr zusammengekommen. Die Tatsache des Treffens an sich ist schon sehr positiv. In diesem zerrissenen Land muss selbst die Kirche neu lernen, was Einheit bedeutet. Nun muss auf diesem Weg weitergemacht werden. Ein Besuch der verschiedenen Diözesen des Nordens, mit Ausnahme von Mossul, wo noch immer Unsicherheit herrscht, ermöglichte es uns, ein Bild von der Situation vor Ort zu bekommen. In den „wieder aufgebauten“ Dörfern haben die Menschen keine Arbeit und für die Kinder ist der Schulbesuch aufgrund der Sprache häufig schwierig, da die Unterrichtssprache Kurdisch ist und die Kinder aus Bagdad, Mossul oder Basra nur Arabisch sprechen. Auch hier versuchen immer mehr Menschen, die Region verlassen. Die Ansiedelung von kleinen und mittleren Unternehmen ist hier dringend notwendig. Die kurdische Regierung zahlt eine Unterstützung zwischen 80 und 100 USD pro Familie und pro Monat, je nach Anzahl der Kinder. Doch dieser Betrag reicht nicht zum Leben. Die Familien, die ihre gesamten Ersparnisse ausgegeben haben, leben nun im Elend. Wie bereits im letzten Jahr haben wir den ärmsten Familien zu Weihnachten eine Nahrungsmittelhilfe zukommen lassen, doch dies ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir müssen unsere Hilfe für die Katechese sowie die Kinder- und Jugendarbeit fortführen und auch die staatlichen Schulen, die endlich den Ordensgemeinschaften zurückgegeben wurden, wieder instand setzen. Eine Hoffnung für das Land besteht darin, dass die Kinder eine qualitativ hochwertige Schulbildung erhalten, bei der die Vermittlung von moralischen Werten eine wichtige Rolle spielt.
Die Zukunft all dieser Christen scheint düster. Doch wir wissen, dass unsere Unterstützung und unsere Gebete ihnen dabei helfen, weiterzukämpfen, denn trotz ihres Status als „Dhimmis“ sind allein sie in der Lage, Brücken zwischen den verschiedenen muslimischen Bewegungen zu schlagen.
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