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Jahresbericht - Asien

Jahresbericht 2009 – Asien I
von Irene Eschmann


„Die Zukunft der Menschheit entscheidet sich in Asien! Die Zukunft der Katholischen Kirche entscheidet sich in Asien!,“ gab Père Raymond Rossignol, ehemaliger Oberer der Pariser Missionsgesellschaft, einer Gruppe von über fünfzig jungen Freiwilligen mit auf den Weg zu ihrem Einsatz in verschiedenen Ländern des Kontinents. Eine solche Folgerung aus einem langen Missionarsleben ist ein guter Grund, einen Blick auf wenigstens einen kleinen Ausschnitt dessen zu werfen, was sich in den Ortskirchen des Referats Asien I im vergangenen Jahr zugetragen hat.

Die Kommission des Heiligen Stuhls für die Katholische Kirche in China traf sich zum zweiten Mal von 30. März bis 1. April 2009 in Rom, um bedeutsame Fragen des kirchlichen Lebens in China zu erörtern. Genau zur gleichen Zeit wurde der nicht vom Staat anerkannte Bischof von Zhengding, Mgr. Jia Zhiguo, nun zum mindestens dreizehnten Mal in seinem Leben festgenommen. Der Vatikan verurteilte die erneute Verhaftung von Mgr. Jia und wies darauf hin, daß derartige Vorkommnisse den Dialog zwischen dem Hl. Stuhl und der chinesischen Regierung behindern.

Am 24. Mai 2009 veröffentlichte der Hl. Stuhl das Kompendium zu Papst Benedikts Brief von Pfingsten 2007 an die Kirche in China. Das Erscheinungsdatum des Kompendiums fiel mit dem Gebetstag für die Katholische Kirche in China zusammen, den Benedikt XVI. in seinem Schreiben von 2007 eingesetzt hatte. Das Kompendium soll den Katholiken in der Volksrepublik ein tieferes Verständnis des Papstbriefes ermöglichen.

Im Sommer und Herbst des letzten Jahres berichteten die Medien, daß die Behörden vor allem in der Provinz Hebei, besonders in den Diözesen Zhengding und Xuanhua, verstärkt Priester behelligten. Einige Geistliche wurden festgehalten, eine größere Zahl in der Diözese Zhengding sah sich genötigt, sich in Privathäusern zu verstecken. Offensichtlich sollten die Priester auf diese Weise dazu bewegt werden, der Patriotischen Vereinigung beizutreten.

Im November richtete Kardinal Staatsekretär Tarcisio Bertone im Rahmen des Priesterjahres einen Brief an alle katholischen Geistlichen in der Volksrepublik. Nochmals erinnerte Kardinal Bertone an die Richtlinien des Papstschreibens von Pfingsten 2007. Besonders hebt er dabei die Versöhnung innerhalb der Katholischen Kirche in China hervor sowie den respektvollen Dialog mit den Behörden, der jedoch nicht unter Verzicht auf die Grundsätze des Glaubens geführt werden könne. Damit setzte der Hl. Stuhl seine Bemühungen fort, der Kirche in China in ihrer überaus komplexen Situation Hilfestellungen zu geben.

Anfang Dezember vertagten die zuständigen Stellen die turnusgemäße Nationalversammlung der chinesischen Katholiken ohne neuen Termin. Auch die Nationalversammlung ist ein staatliches Kontrollinstrument und der Kirche von außen aufgezwungen. U.a. hätten bei dieser Zusammenkunft die Posten der Vorsitzenden der Patriotischen Vereinigung und der vom Hl. Stuhl nicht anerkannten Bischofskonferenz wiederbesetzt werden sollen. Neue Spannungen zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung wurden so vorerst vermieden.

2009 verstarben in der Volksrepublik sieben Bischöfe, drei aus dem sog. Untergrund und vier aus der offiziellen Gemeinschaft. Erneut wurde im letzten Jahr in China kein neuer Bischof geweiht. Manche Beobachter werten es aber als positives Zeichen, daß die Regierung 2009 immerhin auf illegitime Bischofsernennungen verzichtet hat.

Für die Kirche in Vietnam verlief das letzte Jahr ausgesprochen ereignisreich. Für häufige und unerfreuliche Nachrichten sorgten – wie schon 2008 - diverse Konflikte um Kircheneigentum. Unter den verschiedenen Fällen haben besonders die Auseinandersetzungen um ein provisorisches Gebetshaus in der Pfarrei Tam Toa, Diözese Vinh und um ein ehemaliges katholisches Schulgebäude in der Pfarrei Loan Ly, Erzdiözese Hue, Aufmerksamkeit und Empörung erregt, weil die Sicherheitskräfte Gewalt gegen die Gläubigen und gegen zwei Priester anwendeten. An vielen Orten solidarisierten sich zahllose Katholiken in Gebetsversammlungen und Demonstrationen mit den betroffenen Pfarreien. Entschieden und klug protestierten die vietnamesischen Bischöfe gegen das Vorgehen der Behörden. Ausdrücklich ermahnten sie die Gläubigen dazu, der offenkundigen Ungerechtigkeit im Geiste Christi zu begegnen. An die Adresse des Staates gerichtet betonten sie, derartige Konflikte seien nur in Dialog und gegenseitigem Respekt zu lösen.

Im März des vergangenen Jahres setzten sich Priester, Ordensleute und Laien aus allen Diözesen während eines Seminars kritisch mit ihrer Evangelisationsarbeit auseinander. Um bisherige Defizite auszugleichen, schlugen die Teilnehmer u.a. vor, vermehrt Bibeln zu verteilen, neue Missionsstationen zu errichten und moderne Medien für die Verbreitung des Evangeliums zu nutzen.

Ende Juni reisten die vietnamesischen Bischöfe zu ihrem sechsten Ad-Limina Besuch nach Rom. Bei dieser Gelegenheit betonte Benedikt XVI., daß „eine gesunde Zusammenarbeit zwischen Kirche und Politik möglich“ sei, die Kirche „keineswegs an die Stelle der politisch Verantwortlichen treten“ wolle, sondern nur wünsche, „in einem Geist des Dialogs und der respektvollen Zusammenarbeit, auf angemessene Weise am Leben der Nation teil[zu]nehmen, im Dienst für das ganze Volk*.“

Am 24. November 2009, dem Gedenktag der vietnamesischen Märtyrer, eröffnete die Kirche das Jubiläumsjahr anläßlich des 350-jährigen Bestehens der beiden ersten Apostolischen Vikariate in Vietnam, Tonkin und Cochinchina, sowie des fünfzigsten Jahrestages der Gründung einer eigenen katholischen Hierarchie in dem Land. Am Festgottesdienst in So Kiên, Erzdiözese Hanoi, nahmen etwa 100.000 Katholiken aus dem ganzen Land teil. Unter dem Motto „Mysterium, Kommunion, Mission“ will die Kirche bis zum Ende des Jubiläumsjahres am Dreikönigstag 2011 in etlichen Veranstaltungen sich auf ihre Geschichte, ihre Identität und ihren Auftrag besinnen, um ihre Gegenwart und Zukunft weiter zu gestalten.

Über das Jahr ernannte der Vatikan fünf neue Bischöfe: Mgr. Vincent Nguyên Van Ban für Ban Mê Thuôt im Februar sowie im Juli Mgr. Joseph Nguyên Nang für Phat Diêm, Mgr. Thomas Vu Dinh Hiêu als Weihbischof für Xuân Lôc, den bisherigen Weihbischof von Bui Chu, Msgr. Pierre Nguyên Van Dê als Ordinarius für Thai Binh und Msgr. Joseph Vu Duy Thông, bis dahin Weihbischof von Saigon, als Ordinarius von Phan Thiêt. Damit ist keine der vietnamesischen Diözesen mehr vakant.

Am 2. Mai 2009, genau ein Jahr nachdem Wirbelsturm Nargis Südmyanmar, d.h. Teile des Erzbistums Yangon und der Diözese Pathein, heimsuchte, hielt die Katholische Kirche in der Kathedrale von Pathein eine interreligiöse Gedenkfeier ab. Dabei betonte Erzbischof Charles Maung Bo von Yangon, die gegenseitige Hilfsbereitschaft unter der Bevölkerung habe alte Antagonismen unter den Religionsgemeinschaften weggewischt. Das Mitleiden habe „die Nation geeint.**“ Obwohl sie nur eine Minderheit von ca. 1,3 Prozent der Bevölkerung darstellt, war und ist die Katholische Kirche in Katastrophenhilfe und Wiederaufbau sehr stark engagiert. Die Maßnahmen umfaßten etwa Lebensmittelversorgung, Bau von neuen Häusern, Existenzsicherung und Traumaheilung. Die Hinterbliebenen ließen sich nach den Aussagen von Helfern relativ leicht für den Wiederaufbau mobilisieren. So machten viele Menschen die tröstliche Erfahrung, daß sie aus eigenen Kräften etwas bewirken können. Der Zusammenhalt in den Dörfern und unter benachbarten Orten ist als Folge der Katastrophe gewachsen. Die Wiederherstellung der betroffenen Region wird noch einige Jahre und beträchtliche Mittel erfordern. Doch hoffen die Mitarbeiter von Karuna, der burmesischen Caritas, daß sie mit ihrem aktuellen Einsatz dazu beitragen, die Grundlagen für eine bessere künftige Entwicklung zu schaffen.

Im Juni 2009 ernannte der Hl. Stuhl Mgr. Stephen Tjephe zum Weihbischof von Loikaw. Er steht nun Bischof Sotero Phamo zur Seite, der seit einem Schlaganfall gesundheitlich beeinträchtigt ist. Zu Mgr. Tjephes Weihe am 21. November fanden sich in dem unwegsamen Gebiet 30.000 Gläubige ein. Im Januar 2009 errichtete der Vatikan aus dem südöstlichen Teil des Erzbistums Yangons die Diözese Hpa-An. Der bisherige Weihbischof von Yangon, Msgr. Justin Saw Min Thide, wurde am 3. Dezember 2009 in Hpa-An als Bischof installiert. Das Gebiet an der Grenze zu Thailand gehört zu den ärmsten in ganz Birma und stellt eine besondere Herausforderung für die Seelsorge dar.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im April bzw. Juli 2009 beschäftigten auch die Kirche in Indonesien. So schulte im Januar die Kommission der Bischofskonferenz für die Laien katholische Bewerber um einen Abgeordnetensitz in der Katholischen Soziallehre. Zusammen mit Vertretern anderer Religionsgemeinschaften oder separat appellierte die Bischofskonferenz an die Präsidentschaftskandidaten, religiöse oder ethnische Zugehörigkeitsgefühle nicht für den Wahlkampf zu mißbrauchen und die kulturelle, ethnische und religiöse Vielfalt des Landes zu wahren.

Wie auch die Bischöfe äußerten katholische Jugendvertreter ihre Sorge darüber, daß eine wachsende Zahl lokaler Verwaltungen, Verordnungen auf der Grundlage der Shari’a erläßt. Die jungen Katholiken forderten Regierung und Gesellschaft dazu auf, die pluralistische Verfassung des Landes zu respektieren.

Am 30. September traf ein schweres Erdbeben die Provinz Westsumatra In der Region um Padang kamen mehr als 1.100 Menschen ums Leben. Ca. 100.000 Häuser wurden zerstört und etwa eine gleiche Zahl beschädigt. Die Bistümer des Landes, die indonesische Caritas und diverse Partnerorganisationen beteiligten sich an der Hilfe für die Opfer. Die Diözese Padang selbst verzeichnete an ihren Einrichtungen einen Schaden in Millionenhöhe. Bischof Martinus Situmorang hat auch unser Werk kürzlich um Unterstützung für den Wiederaufbau der zerstörten und beschädigten kirchliche Bauten gebeten.

Ende November besuchte Kardinal Jean-Luis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Indonesien, um sich über die religiöse Situation des Landes zu informieren und vor allem mit muslimischen Vertreten zusammenzutreffen. Die Reise war ein Teil der Bemühungen des Vatikans um den Dialog mit dem moderaten Islam.

Die Schwerpunkte der Hilfe von Kirche in Not für die Länder von Asien I haben sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Bauten aller Art blieben das Hauptanliegen unserer Projektpartner. Doch gerade in dieser kostenträchtigen Kategorie schlugen sich letztes Jahr die gestiegenen Preise besonders schmerzlich in einer höheren Zahl von Ablehnungen nieder, obwohl das Budget der Abteilung im Vergleich zu 2008 nur minimal geringer ausfiel. Erfreulich ist dagegen, daß in Ländern mit autoritären Regimes wie China und Vietnam die Zahl der Projekte für die Aus- und Fortbildung vor allem von Priestern und Schwestern auffallend hoch liegt.

Zwischen den typischen Bitten erscheinen auch neue Initiativen, mit denen die Ortskirchen auf drängende Probleme in ihren Gesellschaften reagieren: etwa Projekte zum Lebensschutz in Vietnam, das zu den internationalen Spitzenreitern bei den Abtreibungszahlen gehört; Bemühungen burmesischer Pfarreien, Strom aus Solar- oder Wasserkraft zu gewinnen oder der Ausbau der Driyarkara School of Philosophy in Jakarta, die u.a. dazu betragen will, extremistischen und fundamentalistischen Tendenzen in der indonesischen Gesellschaft entgegenzuwirken. Erneut hat KIN im letzten Jahr einen größeren Betrag für die Wiederherstellung kirchlicher Gebäude in Birma nach Wirbelsturm Nargis zur Verfügung gestellt. Naturkatastrophen beschäftigen auch unser Werk über Jahre hinweg. So hat das Referat 2009 insgesamt 59.000 EUR für den Wiederaufbau zweier Kirchen auf den Salomonen gegeben, die eine Flutwelle im April 2007 stark beschädigte. Während der Vorbereitung der Entscheidungen schrieb uns der zuständige Bischof, Mgr. Luciano Capelli von Gizo: „Geben Sie uns das Gefühl, daß Sie hier mit uns sind. Isolation kann manchmal sehr entmutigend sein... Bitte bleiben Sie bei uns und helfen Sie uns, die Hoffnung der Menschen ... wiederherzustellen.“

* Ansprache von Benedikt XVI. an die Bischöfe von Vietnam anlässlich ihres „Ad Limina“-Besuches, Samstag 27. Juni 2009, www.vatican.va
** Eglises d’Asie, 06.05.09.



Jahresbericht – Abteilung Asien II
Véronique Vogel


Die neue Abteilung Asien II umfasst folgende Länder: Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Nepal und Bhutan.

In diesem Jahr erhielt Indien den größten Teil der Hilfe der Abteilung Asien II. Dieses riesige Land mit einer Oberfläche von 3.287.590 km2 und einer Einwohnerzahl von über einer Milliarde hat noch immer mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Kirche versucht, unter Achtung eines jeden Menschen und in tiefer Treue zum Evangelium, Hilfe zu leisten und Lösungen zu finden. Die politischen, sozialen und kulturellen Probleme einer Gesellschaft, die zu 81% aus Hindus und zu 13% aus Muslimen besteht und in der die Christen lediglich 2% der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind vielfältig und komplex. Die Christen leiden; sie sind Opfer von Spannungen, die sich in konkreter Gewalt und in Formen bösartiger Diskriminierung äußern. Es ist eine schwere Belastung für das Glaubensleben unserer Brüder und Schwestern.

Als Beispiel seien die Dalits (Kastenlose) in einem Dorf im Süden Indiens genannt. Sie sind Christen geworden und werden von einem Hindu, der eine Trinkwasserquelle besitzt und ihnen den Zugang dazu verbietet, doppelt bestraft. Zum einen, weil die Dalits in den Augen der Hindus für immer minderwertige Wesen bleiben, die lediglich zur Ausbeutung bestimmt sind. Zum anderen, aus Protest gegen ihren Status als Christen, der ihnen nicht allein eine neue Würde, sondern auch Mut verleiht, die bestehende Ordnung zu verändern. Die Christenheit wird demnach als potentielle Gefahr wahrgenommen, im Hinblick auf mögliche Veränderungen der indischen Sozialstruktur; ferner sieht man bestehende Privilegien gefährdet, die eine bestimmte Minderheit, bzw. Kaste der Bevölkerung genießt. Die Anzahl der Dalits und der Mitglieder von Stämmen, die über das ganze Land verstreut leben, übersteigt bei weitem die der Mitglieder der herrschenden Kasten. Sie stehen folglich im Zentrum einer für die Geschichte Indiens entscheidenden Thematik.

Gelegentlich fällt der Widerstand auch deutlich heftiger aus. In Rameswaram, im Bundesstaat Tamil Nadu, wurde eine kleine Kirche und ein dem heiligen Antonius von Padua geweihtes Heiligtum mehrere Male von einer Gruppe fundamentalistischer Hindus überfallen, zerstört und verwüstet, um anschließend immer wieder mühsam und mutig von der christlichen Bevölkerung des Ortes – alle einfache Fischer – wiederaufgebaut zu werden. Diese Kirche und das Heiligtum können, dank der Gelder von Kirche in Not, neu errichtet und durch ein stabileres Dach sowie eine Außenmauer geschützt werden. „Unsere Leute hier sind die ärmsten der Gesellschaft, aber sie sind bekannt für ihren lebendigen Glauben und ihre Hingabe an die Kirche “, so Pater Raj.

Vereinzelte Gewalttaten gegen Kirchen und kirchliche Gebäude wurden dieses Jahr in Karnataka verübt, einem bisher ruhigen Gebiet. In Thane, 50 km von Mumbai entfernt, im Bundesstaat Maharashtra, setzt eine Gruppe fundamentalistischer Hindus auf Aktionen zur Rückgewinnung von Christen zum Hinduismus. Überall kann man beobachten, wie sich die Frage nach der Religionszugehörigkeit zuspitzt und wie die Christen, die sich in der Minderheit befinden, die Folgen davon zu spüren bekommen. Oft wird die Kirche beschuldigt, Zwangsbekehrungen durchzuführen.

Trotz allem war das Ergebnis der vom 16. April bis zum 13. Mai 2009 abgehaltenen Wahlen eine große Lektion in Sachen Demokratie. Die Inder haben die nationalistischen Klänge nicht erhört und haben auch dem religiösen Fundamentalismus gegenüber standgehalten. Ihnen war daran gelegen, den multireligiösen Charakter ihres riesigen Landes beizubehalten. Nach den christenfeindlichen Ausschreitungen von 2007 und 2008 in Orissa verlief das Weihnachtsfest 2009 daselbst ruhig und friedlich, wie uns SE Mgr Raphael Cheenath, Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar, in seinem Brief zum Jahresende mitteilte. Es wurde mit dem Wiederaufbau von Häusern begonnen, und die Priester und Schwestern konnten in ihre Pfarrgemeinden zurückkehren, um der schwer geprüften christlichen Bevölkerung zu helfen. Doch nicht alles steht zum Besten. Viele Christen, die die Auffanglager verlassen müssen, wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Ihr Zuhause existiert nicht mehr und sie haben Angst, in ihr Dorf zurückzukehren, da sie Vergeltungsmaßnahmen seitens fundamentalistischer Gruppen fürchten.

Bisher haben wir noch keine Anfragen nach finanzieller Hilfe für den Wiederaufbau von Kirchen erhalten, unterstützen jedoch ab sofort das großangelegte Projekt der Erzdiözese Cuttack-Bhubaneswar, das auf die psychologische und moralische Rehabilitierung von Menschen abzielt, die so gut wie alles verloren haben. Die Bemühungen um gegenseitiges Verständnis und um Dialog – damit sich eine vergleichbare Tragödie nicht wiederholt – ist ebenfalls Teil dieses Projekts. Auch der Indische Missionskongress, der vom 14. bis 18. Oktober 2009 in Mumbai abgehalten wurde und unter dem Motto „Lass dein Licht strahlen“ stand, griff grundlegende Themen auf, wie die des interreligiösen Dialogs, des friedlichen Zusammenlebens und der konkreten Antworten der Kirche. Neben allen Verfolgungen, unter denen die Christen in diesem Land zu leiden haben, neben den Diskriminierungen und der Missbilligung, mit der sie teilweise konfrontiert sind, kommt jedoch deutlich die Freude in der Nachfolge Christi zum Ausdruck. Die Kirche von Arunachal Pradesh, im Nordosten Indiens, wächst nachhaltig, und die Bevölkerung dürstet nach dem Evangelium. Ein Laie aus der Diözese Miao und Teilnehmer des Kongresses berichtete von seinem neugewonnenen Stolz, nun selbst auch „Licht der Welt“ zu sein und sein Licht in seinem eigenen Umfeld zum Leuchten bringen zu wollen. Ein Jesuitenpater aus der Region Kohima (Nagaland) erzählte uns, dass es 1970 in seinem Pfarrbezirk 500 Katholiken gegeben habe. Heute seien es 5.300!

Die kleinen christlichen Gemeinden sowie die Priester und Schwestern, auf die wir während unserer Reise im Juli vergangenen Jahres in Kaschmir (Nordwest-Indien) trafen, haben gezeigt, dass der Glaube an Jesus Christus glücklich macht, Mut verleiht und dazu bewegt, Lösungen im täglichen Leben zu finden und sich in den Dienst der Mitmenschen zu stellen, - und dies trotz der fordernden Aufgabe in einem kaum christlichen, ja häufig schwierigen und manchmal nahezu feindseligen Umfeld. Das starke Zeugnis der Schwestern der Mission von Barmulla, der allerersten Mission in Kaschmir überhaupt, die von Anfang ihres Bestehens an viel ertragen musste, stellt die Beharrlichkeit und den Mut des kirchlichen Personals unter Beweis. In Laddakh, einer Region im hohen Norden Kaschmirs, lebt – harmonisch in einem fast ausschließlich buddhistischen Umfeld – eine kleine christliche Gemeinde, die sich aus Armeeangehörigen und einer sehr alten einheimischen protestantischen Gemeinde zusammensetzt. Dieses Missionsgebiet, in dem Schwestern und Priester in bedingungsloser Hingabe ihre Liebe zu Jesus Christus weitergeben - an Kinder durch Unterricht, an Kranke durch Pflege in Krankenhäusern und auch, gemeinsam mit den Barmherzigen Schwestern, an von anderen Religionen verlassene Menschen - ist ein lebendiges Zeugnis für das strahlende Licht Gottes.

Die Abteilung Asien II hat die Bischöfe im wesentlichen in folgenden Bereichen unterstützt: bei ihrer apostolischen Mission sowie in der Ausbildung von Priestern und Schwestern, aber auch von Laien, deren Glaube gestützt und gestärkt werden muss, insbesondere in den Regionen der Erstevangelisierung wie zum Beispiel im Nordosten Indiens oder in Kaschmir. In diesen Regionen wurde der Bau von Kirchen und Kapellen besonders berücksichtigt. Ein Großteil des verfügbaren Budgets wurde zudem für Ausbildungsmaßnahmen und Unterstützung im Hinblick auf das Apostolat für die Familie, für Ehepaare und zukünftige Paare sowie für Jugendliche aufgewendet.

Sri Lanka

Im Mai 2009 bereitete die reguläre Armee Sri Lankas mit beispielloser Gewalt dem fast 40 Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen den tamilischen Rebellen der LTTE und dem Rest des Landes ein Ende. Mindestens 280.000 tamilische Zivilpersonen wurden verschleppt und in sogenannten „Rehabilitationslagern“ festgehalten, die sich auf 4 Distrikte verteilen. Der Norden der Insel wurde mit Feuer, Waffen und Blut überschwemmt. Zivilisten, die nicht in den Kämpfen umkamen (80.000 - 100.000), mussten ums Überleben in Lagern kämpfen, wo es an allem mangelte: an Nahrungsmitteln, an Hygiene und an Hoffnung. Trotz der kürzlich erfolgten Öffnung der Lager gibt es noch immer Flüchtlinge. Wo sollen sie auch hingehen? Ihre Dörfer, ihre Häuser und die Infrastruktur wurden zerstört, der Boden ist mit Minen gespickt. Die Christen haben stark unter diesem Krieg gelitten, da die christliche Minderheit hauptsächlich im Norden und Nordosten der Insel lebt und überwiegend tamilisch ist.

KIN hat die vom Krieg gebeutelte Bevölkerung in den Lagern mit zwei punktuellen Aktionen von Soforthilfe unterstützt. Nun muss alles neu aufgebaut werden: die zerstörten Kirchen, Häuser und Straßen, - aber auch die Seelen und Herzen der Menschen. Die Tamilen, faktisch die christliche Minderheit, konnten an den gerade abgehaltenen Wahlen nicht wirklich teilnehmen. Da sie die Lager erst vor kurzem verlassen hatten, konnten nur wenige von ihnen in den Wahllisten eingetragen werden und zur Wahl gehen. Der Kirche kommt jedoch eine wichtige Rolle zu, vertraute uns SE Mgr Malcom Ranjith an, der kürzlich zum Erzbischof von Colombo ernannt wurde. Nur sie hat Gläubige aus beiden Gemeinschaften, den Singhalesen und den Tamilen. Nur sie kann folglich die Schlüsselrolle einer Friedens- und Versöhnungsstifterin wahrnehmen und zur Beruhigung des Verhältnisses zwischen den Gemeinschaften beitragen, die sich im Namen der Religion entzweit haben und nun lernen müssen, nicht nur in Harmonie, sondern auch im Geist der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zusammenzuleben. Denn der buddhistische Fundamentalismus neigt ebenfalls zu gewalttätigen Ausschreitungen gegenüber Christen, in Form von Einschüchterung von Personen und Vandalismus an Kirchen und Gebetsstätten. Ein Zusammenleben in zivilem und religiösem Frieden, so lautet die Herausforderung, der sich die Kirche in Sri Lanka zum Wohl ihrer Gläubigen und aller im Land Lebenden stellen möchte. Und wir werden weiterhin die Kirche unterstützen bei dem materiellen und geistlichen Wiederaufbau, um den uns die Bischöfe bitten werden.



Jahresbericht 2009 - Abteilung Asien-Afrika
von Marie-Ange Siebrecht


Der Nahe Osten ist nach wie vor oberste Priorität der Abteilung. Der Heilige Vater hat für den 10. - 24. Oktober 2010 eine Nahost-Synode einberufen, die erste für diese Region. Dies zeigt, welche Bedeutung der Heilige Stuhl den Kirchen des Ostens beimisst. Für uns heißt dies, daß wir uns auch weiterhin für die Kirchen des Nahen Ostens engagieren, so wie der Heilige Vater es in Kardinal Bertones Brief anlässlich der Versammlung in Castel Gandolfo im September 2007 von uns erbeten hat.

Es geht darum, „die Christen in Ihrer Identität durch Gottes Wort zu bestätigen und bestärken und die Gemeinschaft zwischen den einzelnen Kirchen wiederzubeleben, damit sie „ein authentisches, freudiges und gewinnendes Zeugnis des christlichen Lebens ablegen können.“*

„Die Gemeinschaft auf allen Ebenen zu vertiefen: innerhalb jeder katholischen Kirche des Orients, zwischen allen katholischen Kirchen und mit den anderen christlichen Kirchen.“*

„Den Christen eine klare Vorstellung über die Bedeutung ihrer Präsenz in ihrer muslimischen Umgebung zu geben, über ihre Rolle und Aufgabe in jedem Land zu vermitteln, und sie darauf vorzubereiten, authentische Zeugen Christi zu sein.“*

Im April/Mai besuchten wir Israel und Palästina, nur einige Wochen vor der Ankunft des Heiligen Vaters. Die Lage war sehr angespannt, da die israelischen Behörden sich nicht besonders kooperativ zeigten: verspätet abgesandte Einladungen zu den Gottesdiensten, Wahl des Ortes für das Gespräch im Flüchtlingslager von Aida etc. In Galiläa besichtigten wir in den maronitischen und melkitischen Diözesen laufende oder bereits abgeschlossene Projekte. In Haifa fand am 26. April eine große Prozession zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria statt. Tausende von Pilgern gingen zu Fuß von der lateinischen Kirche bis zum Berg Karmel und dem Karmeliterkloster. Der Wagen mit der Statue der Heiligen Jungfrau wurde von zahlreichen Freiwilligen gezogen. Alle Vertreter der Katholischen Kirchen waren anwesend: Der Lateinische Patriarch Fouad Twal und seine Patriarchatsvikare, Msgr. Marcuzzo und Msgr. David Neuhaus SJ, die für die hebräischsprachige Gemeinde zuständig sind, Msgr. Elias Chacour, der melkitische Erzbischof von Galiläa, und Msgr. Paul Sayah, Erzbischof der Maroniten. Ein schönes Zeichen der Einheit, das sich jedoch nicht auf diese Gelegenheit beschränken sollte.

Die Situation der Christen in Israel unterscheidet sich stark von der in den palästinensischen Gebieten. In Israel sind die Christen offiziell gleichgestellte Bürger, obwohl es große Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt. Man kann sagen, dass die Christen Bürger zweiter Klasse sind: trotz ausgezeichneter Universitätsabschlüsse haben sie nur geringe Chancen, eine Arbeit zu finden, Stellen in der Verwaltung werden ihnen verweigert usw. Die jungen Menschen sehen keinen anderen Ausweg, als das Land auf der Suche nach einer besseren Zukunft zu verlassen. Als Araber und Palästinenser werden die Christen von den Israelis abgelehnt. In Jerusalem unterstützen wir das Patriarchat beim Bau von Wohnungen für junge katholische Paare, die zwar eine Arbeit haben, aber Schwierigkeiten, das Geld für eine Miete aufzubringen. Wenn sie die Möglichkeit bekommen, ein Leben in Würde zu führen, werden sie bleiben.

Die Situation in Bethlehem und in den besetzten Gebieten ist wiederum völlig anders. Bethlehem ist ein Gefängnis. Die Bewohner können die Stadt nur mit Sondergenehmigungen oder nach endlosen Durchsuchungen an den verschiedenen Checkpoints verlassen. Die Palästinenser können nicht mehr nach Jerusalem zur Arbeit gehen, und die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Selbst wenn man in den Gebieten von einem Ort zum anderen gelangen will, muss man zahlreiche israelitische Checkpoints passieren!

Araber und Palästinenser werden immer weniger akzeptiert, weil sie Christen sind. Sie sind jedoch ebenso Kinder des Heiligen Landes wie die Juden und Muslime. Unsere Aufgabe ist es, dies immer wieder zu betonen und möglichst viele Katholiken der westlichen Länder dazu anzuregen, eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen und dabei nicht zu vergessen, die Ortskirchen zu treffen und Projekte zugunsten des Dialogs zu unterstützen.

Zwei Reisen nach Ägypten und Syrien haben es uns ermöglicht, den dortigen Kirchen, die ihren Glauben unter schwierigen Bedingungen leben, unsere Hilfe zuzusichern. Selbst in Syrien, wo die christlichen Kirchen „relativ“ frei sind, fühlen sich die Christen nicht mehr zu Hause und viele von ihnen versuchen, das Land zu verlassen. In mehreren Diözesen baut die Kirche Wohnungen, die junge Paare zu bescheidenen Preisen mieten können. Im Mittleren Osten lassen Eltern ihre Töchter erst dann heiraten, wenn deren Verlobter ein Zuhause für seine zukünftige Frau und ihre zukünftigen Kinder hat. In den syrischen Diözesen wächst die Zahl der Gläubigen durch die irakischen Christen (chaldäische und syrisch-katholische Christen).

Die Zahl der Neuankömmlinge ist zwar zurückgegangen, aber viele Familien warten noch auf ein Ausreisevisum in den Westen. Selbst wenn für einige die Möglichkeit dazu besteht, werden viele noch etliche Jahre lang in Syrien bleiben. Solange die politische Situation es zulässt, ist es unsere Pflicht, der Kirche dabei zu helfen, sich noch fester in der Gesellschaft zu verankern.

In Ägypten sind die Christen Zielscheibe fundamentalistisch-islamischer Bewegungen, und die katholische Kirche muss sich im Alltag mit den Behörden herumschlagen, um die Genehmigung zu erhalten, Kirchen zu renovieren oder kirchliche Strukturen zu bauen, ganz zu schweigen vom Bau neuer Kirchen, wofür die Unterschrift des Präsidenten erforderlich ist… Und „boukra“ bedeutet auf arabisch „morgen“, oder auch „nie“!

Im November letzten Jahres trafen sich die verschiedenen Mitgliedsorganisationen der ROACO (Union der Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen), welche in die Kongregation für die Orientalischen Kirchen in Rom eingebunden ist, im Norden Iraks in Ainkawa/Erbil, um zusammen mit den Bischöfen der verschiedenen katholischen Riten sowie den Ordensoberen aller Kongregationen im Irak an einem Seminar teilzunehmen. Jeder konnte offen seine Probleme, Bedürfnisse und Vorstellungen für die Zukunft darlegen. Die Mitglieder der irakischen Kirche waren seit über 20 Jahren nicht mehr zusammengekommen. Die Tatsache des Treffens an sich ist schon sehr positiv. In diesem zerrissenen Land muss selbst die Kirche neu lernen, was Einheit bedeutet. Nun muss auf diesem Weg weitergemacht werden. Ein Besuch der verschiedenen Diözesen des Nordens, mit Ausnahme von Mossul, wo noch immer Unsicherheit herrscht, ermöglichte es uns, ein Bild von der Situation vor Ort zu bekommen. In den „wieder aufgebauten“ Dörfern haben die Menschen keine Arbeit und für die Kinder ist der Schulbesuch aufgrund der Sprache häufig schwierig, da die Unterrichtssprache Kurdisch ist und die Kinder aus Bagdad, Mossul oder Basra nur Arabisch sprechen. Auch hier versuchen immer mehr Menschen, die Region verlassen. Die Ansiedelung von kleinen und mittleren Unternehmen ist hier dringend notwendig. Die kurdische Regierung zahlt eine Unterstützung zwischen 80 und 100 USD pro Familie und pro Monat, je nach Anzahl der Kinder. Doch dieser Betrag reicht nicht zum Leben. Die Familien, die ihre gesamten Ersparnisse ausgegeben haben, leben nun im Elend. Wie bereits im letzten Jahr haben wir den ärmsten Familien zu Weihnachten eine Nahrungsmittelhilfe zukommen lassen, doch dies ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir müssen unsere Hilfe für die Katechese sowie die Kinder- und Jugendarbeit fortführen und auch die staatlichen Schulen, die endlich den Ordensgemeinschaften zurückgegeben wurden, wieder instand setzen. Eine Hoffnung für das Land besteht darin, dass die Kinder eine qualitativ hochwertige Schulbildung erhalten, bei der die Vermittlung von moralischen Werten eine wichtige Rolle spielt.

Die Zukunft all dieser Christen scheint düster. Doch wir wissen, dass unsere Unterstützung und unsere Gebete ihnen dabei helfen, weiterzukämpfen, denn trotz ihres Status als „Dhimmis“ sind allein sie in der Lage, Brücken zwischen den verschiedenen muslimischen Bewegungen zu schlagen.

* Lineamenta