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Syrien: Ewige Ruhe für die vor vier Jahren in Maaloula von Rebellen Entführten

Der Patriarch der Melkitischen Griechisch-katholischen Kirche Gregorios III. Laham feierte am Dienstag, den 25. April in Damaskus einen Trauergottesdienst für die ewige Ruhe der fünf syrischen Christen, die 2013 in der Stadt Maaloula von extremistischen Rebellen entführt wurden. Anschließend wurden die sterblichen Überreste in die mehrheitlich christliche Stadt überführt, aus der sie kamen.

Laut dem Päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegenden Informationen aus dem Melkitischen Griechisch-katholischen Patriarchat wurden vor drei Monaten die Überreste von fünf nicht identifizierten Leichen in einer Höhle in der libanesischen Region Irsal (Aarsal) an der Grenze zu Syrien gefunden. Nach den erforderlichen Ermittlungen und Untersuchungen konnten sie schließlich als die am 7. September 2013 von Jabhat al-Nusra, einer in den syrischen Konflikt verwickelten Rebellengruppe, Entführten identifiziert werden. Laut derselben Quelle fehlt von einem sechsten Entführten jedoch weiterhin jede Spur. Die libanesischen Behörden übergaben die Überreste den syrischen Behörden in der Grenzstadt Jdeidet Yabous. Daraufhin wurden sie nach Bab Touma, einem mehrheitlich christlichen Stadtviertel der syrischen Hauptstadt Damaskus, gebracht. Dort wurde der Trauergottesdienst gefeiert. Sie waren allesamt Christen, vier von ihnen aus der griechisch-katholischen Rituskirche, der fünfte aus der griechisch-orthodoxen Kirche.

Seine Seligkeit Gregorios III. Laham sprach in seiner Predigt die Macht einer Liebe an, die größer als der Tod ist: „Es gibt keine größere Liebe als sich für die geliebten Menschen hinzugeben! Jesus Christus gab sein Leben für uns; unsere Märtyrer haben ihr Leben aus Liebe zu Gott und zu unserem Herrn Jesus Christus hingegeben, der am Kreuz starb und für uns ins Leben zurückkehrte.“

Der Patriarch von Antiochien unterstrich ebenfalls die Glaubensstärke von Ghassan Shanis, Dawoud Milaneh, Chadi Taalab, Atef Kalloumeh und Jihad Taalab. Dies sind die Namen der „fünf neuen Märtyrer“, die sich zu den Märtyrern vom 7. September 2013 hinzugesellen: Michael Taalab, Antoun Taalab und Sarkis Zakhm, die ermordet wurden, nachdem sie ihren Glauben an Jesus Christus bezeugt hatten. Sie haben es abgelehnt, ihren Glauben abzuschwören, um ihr Leben zu schützen“. Im Hinblick auf den sechsten Entführten fügte Gregorios III. Laham hinzu: „Wir denken auch an unseren geliebten Moussa Shanis, der noch vermisst wird.“ Außerdem versäumte es der Patriarch nicht, für alle im Nahen Osten wegen ihres Glaubens ermordeten Christen zu beten: „Wir denken an alle unseren Märtyrer, an die christlichen Märtyrer aus ganz Syrien, besonders aus Homs, Aleppo, Damaskus und Hauran. Wir erinnern uns ebenfalls an die Märtyrer aus Kairo, Alexandrien, Bagdad, Mosul und der Ninive-Ebene.“

In einem Telefongespräch mit dem päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT beschrieb Pater Toufic Eid, Priester und Pfarrer aus Maaloula, die Ruhe und den Frieden, mit denen der Trauerzug von Damaskus nach Maaloula begleitet wurde: „Nach der syrischen Tradition singen und schreien die Menschen, um ihre Trauer auszudrücken. Diesmal haben sie aber darauf verzichtet. Die auf den Schultern von Verwandten und Freunden getragenen Särge wurden mit tiefem, respektvollem und schmerzhaftem Schweigen umgeben.“

Maaloula ist eine der letzten Ortschaften, in denen Aramäisch als Hauptsprache gesprochen wird. Es liegt 57 Kilometer von Damaskus entfernt. Es wurde vom September 2013 bis zum 20. April 2014 belagert und umkämpft. Schließlich wurde es von syrischen Rebellengruppen eingenommen. „Al Nusra, ISIS, Syrische Befreiungsfront ... Man kann sie nennen wie man will, denn es sind dasselbe. Sie nennen sich unterschiedlich je nachdem, wer sie aktuell finanziert“, sagt mit Ironie Pater Toufic. „Nach der Befreiung Maaloulas am 20. April 2014 durch die Streitkräfte der syrischen Regierung hörte der Kontakt mit den Entführten auf. Wir wissen nicht, was nach diesem Tag mit ihnen geschah. Noch haben wir keine genauen Informationen darüber, wann sie ermordet wurden.“

Unter den vom Patriarchen Gregorios III. Laham in der Predigt des Trauergottesdienstes erwähnten Märtyrern taucht viermal der Familienname Taalab auf: Chadi, Jihad, Michael und Antoun. Pater Toufic bestätigt, dass sie zur selben Familie gehören: „Sanna verlor ihren Ehemann Michael und ihren Vetter Antoun im September 2013. Nun trauert sie um ihren Sohn Chadi und ihren Bruder Jihad. Es ist hart. Die Ereignisse haben dazu geführt, dass die Bewohner von Maaloula die ganzen erlittenen Gräueltaten wieder erlebt haben. Dies stimmt traurig, es weckt Schmerz aber auch Wut.“

Auf die Frage, wie auf dieses natürliche Gefühl auf christliche Weise reagiert werden kann, antwortet Pater Toufic: „Wie verzeihen helfen? Die Vergebung gehört zu unserem Glauben. Es ist aber sehr schwierig. Es braucht Zeit. Ich sage ihnen, es geht nicht um die anderen, um des anderen willen. Wir müssen den Weg der Vergebung gehen um unseretwillen, um unserer Beziehung zu Gott willen. Wir müssen vergeben. Andernfalls schließt man einen Pakt mit dem Bösen. Das Herz wird mit Hass erfüllt, und es wird blind. Das Böse will in unserem Herzen herrschen, und wir müssen dagegen ankämpfen.“ Nach der Meinung des Priesters ist es mit der Versöhnung anders: „Sie ist auch wichtig, aber für die Aussöhnung braucht man die zwei Seiten: Die eine Seite muss verzeihen, aber die andere muss bereuen und für ihre Taten einstehen. Sonst ist eine Versöhnung nicht möglich.“

Seit sechs Jahren wird Syrien von einem schrecklichen Krieg verwüstet. 6,3 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht, 13,5 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dies entspricht drei Vierteln der derzeitigen Bevölkerung. Rund 5 Millionen Menschen sind offiziell als Flüchtlinge in den Nachbarländern registriert. Viele Kinder kennen nichts anderes als den Krieg oder die Flucht. 

Das melkitische griechisch-katholische Patriarchat in Damaskus hat KIRCHE IN NOT gebeten, bei der Lebensmittelversorgung von 1.500 geflüchteten Familien zu helfen, die im ländlichen Umland von Damaskus Zuflucht gefunden haben. Jede Familie soll drei Monate lang mit Grundnahrungsmitteln wie Milch für die Kinder, Linsen, Zucker, Tee, Öl, Konserven und anderen Produkten versorgt werden. Fünfzehn Freiwillige verteilen die Lebensmitteln in drei Zentren. 

Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT hilft mit 170.000 Euro. Das entspricht knapp 38 Euro pro Familie im Monat. Helfen Sie den christlichen Familien mit Ihrer Spende! Sie können hier online spenden oder unter dem Spendenkonto: IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600, lautend auf KIRCHE IN NOT mit dem Verwendungszweck: Syrien

Mehr Infos zu der Situation der Christen im Nahen Osten finden Sie hier: www.christen-im-nahen-osten.at

(Fotos: Melkite Greek Catholic Patriarchate)

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