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Berichte & Presse

Republik Kongo: Ein Priester bei den Pygmäen - Bericht über ein außergewöhnliches Apostolat.

Pater Franck Bango ist Pfarrer der allerersten Pygmäen-Pfarrei des Landes, die in der Diözese Ouésso, im Norden der Republik Kongo (Kongo-Brazzaville), liegt. Er lebt inmitten der kleinsten Menschen der Welt, einem indigenen Nomadenvolk, das sich über den kongolesischen, kamerunischen und gabunischen Regenwald verteilt. Sie leben von der Jagd, vom Fischfang und von dem, was sie ernten, und sind von der zunehmenden Ausbeutung des Regenwaldes bedroht. Man schätzt ihre Zahl auf ungefähr 150.000 bis 200.000 Personen. KIRCHE IN NOT (ACN) traf Pater Franck Bango.

KIRCHE IN NOT : Katholische Pygmäen, eine Premiere? 

Katholische Pygmäen gibt es schon seit einigen Jahren, aber ihre Präsenz fällt noch kaum auf. Sie besuchen in mehreren Diözesen die Pfarreien in der Nähe ihrer Dörfer, Zu verdanken ist dies der gründlichen Arbeit, die Spiritanerpatres seit den 60er-, 70er-Jahren begonnen und Franziskanerschwestern, die Missionarinnen Mariens, fortgeführt haben. Ganz neu ist hingegen, dass in ihrem Dorf eine Pfarrei gegründet wurde, die von ihnen selbst aufrechterhalten wird und auf ihre Bitte hin eingerichtet wurde .

Inwiefern ist dies ganz neu?

Sie sind fast allein dafür zuständig, dass in der Gemeinde alles gut gelingt. Sie sind selbst Katecheten, verwalten die Finanzen, legen die Ordnung der liturgischen Feiern fest, bilden den Chor und die Messdiener aus… Sie bleiben dabei jedoch nicht nur unter sich. In ihrer Pfarrgemeinde sind alle willkommen, auch wenn sie keine Pygmäen sind. 

Wie wurden Sie aufgenommen, als Sie vor vier Jahren hier ankamen?

Als ich im Jahr 2014 ankam, wollte ich weder finanzielle Unterstützung, noch humanitäre Dienste leisten, wie dies die Schwestern tun, die heutzutage in der Gesundheitspflege und in den Schulen immer präsent sind. Kurzum, ich kam, um zu evangelisieren. Die Pygmäen waren etwas zurückhaltend.

Warum diese Zurückhaltung?


Zunächst : Sie kannten mich nicht. Es brauchte zwei Jahre, bis sie mich akzeptierten. Ich lebte mit ihnen, begleitete sie zum Fischfang… Dann dachten sie, dass das Christentum mit ihren Traditionen nicht vereinbar wäre, aber ich entdeckte, dass sie schon nach einigen Werten des Evangeliums lebten, ohne dies zu wissen. 

Ein Beispiel? Wie leben sie?

Sie heiraten für das ganze Leben. Bei ihnen existiert weder der Begriff Scheidung, noch die Polygamie. Sie sind keine Materialisten, haben kein Geld, um Fernseher zu kaufen. Ihr «Reichtum», das ist die Familie. Sie halten sich sehr an die Wahrheit. Als ich ihnen erklärte, wie nah sie der Lehre der Kirche schon sind, begann sich etwas zu ändern. Sie hörten mir zu und da sie mit einem außergewöhnlichen Gedächtnis begabt sind, merkten sie sich alles. Im Juni 2016 haben wir die ersten beiden Hochzeiten, einschließlich Taufen, gefeiert. Im Jahr 2017 sind dieselben Personen dann gefirmt worden. Einer von ihnen ist mittlerweile schon ein ausgebildeter Katechet. Im Juni 2018 werden wieder Hochzeiten gefeiert werden.

Wieviele Personen sind es insgesamt?

Sie sind Nomaden, weshalb es schwierig ist, eine genaue Zahl zu nennen. Man schätzt aber, dass es etwa dreitausend Personen sind, die sich überall in der Diözese verteilen und etwa hundert dort, wo der Pfarrbezirk beginnt, im Dorf Péké.

Nehmen sie jeden Sonntag an der heiligen Messe teil?

Im Großen und Ganzen, ja. Aber am Anfang, als das Wochenende und das traditionelle Pygmäen-Fest der Beschneidung nahte − eine Praktik, durch die ein Mann das Stadium männlicher Reife erreicht −, tranken sie am Samstag und Sonntag so viel, dass sie zu betrunken waren und mir sagten: «Herr Pfarrer, Sie werden alleine beten! » Ich versuchte also ihnen zu erklären, dass dieser Alkoholkonsum den Respekt, den ihre Frauen und Kinder ihnen entgegenbringen, vermindern würde. Dies machte sie, nach und nach, betroffen. Mittlerweile nehmen sie immer noch an solchen Feiern teil, trinken aber nur noch maßvoll, um am nächsten Tag zur heiligen Messe kommen zu können!

Was ändert der katholische Glaube in ihrem Leben (abgesehen von ihrer Art zu feiern)?

Ich versuche, zum Beispiel, ihnen beizubringen, nicht etwas zu nehmen, was ihnen nicht gehört. Sie haben nicht diese Kultur « der Kornkammer», des Sparens, da sie natürlich nicht über die materiellen Mittel hierzu verfügen (Kühlschrank…) und dies setzt sie einer Unsicherheit aus. Wenn ein Mann einen Elefanten tötet, nimmt er seine Frau, seine Kinder, seinen Onkel mit, und sie gehen in den Wald, bis sie die letzten Bissen verzehrt haben. Wenn sie eine reife Banane sehen, bedienen sie sich, selbst wenn es nicht ihre Bananenstaude ist. 

Lehnen sie Ihre Unterweisungen, die sie in ihren bisherigen Gewohnheiten verunsichern, nicht ab?

Nein, aufgrund ihres Fetisch-Systems lehnen sie diese nicht ab. Ein Besitzer von Mangos, zum Beispiel, der nicht ausgeplündert werden will, befestigt Schneckenhäuser an seinen Früchten. Falls jemand eine solche Frucht pflückt, soll der Fetisch ihn bestrafen… Die Pygmäen wollen von diesen Praktiken befreit werden. Und hier setze ich an. Ich erkläre ihnen, dass es auch Gott verletzt, wenn man anderen schadet.

Überall in Kongo Brazzaville entstehen Kirchen, die sich christlich nennen und die in der Regel von der amerikanischen Sekte Great Awakening (Große Erweckung) inspiriert sind. Obgleich die Mehrheit der kongolesischen Bevölkerung christlich ist, bezeichnen sich nur 30 bis 35 Prozent der Christen als katholisch. Wie ist die Lage? Fühlt man sich von den "Kirchen der Erweckung" angezogen?

Als ich im Jahr 2014 in Péké ankam, existierten die «Kirche Gottes vom geweihten Öl» und die «Pfingstkirche» nebeneinander. Sie verkündeten: « Wenn du krank bist, so kommt die Krankheit nicht von Gott, sondern von einem Onkel oder einer Tante, die euch verhext haben. » Dies entzweite die Familien. Da den Pygmäen die Familien heilig ist, haben diese Kirchen sie nicht völlig überzeugt.

Wie haben Sie selbst sie überzeugt?

Man muss viel Geduld haben, trotz Zeiten der Entmutigung. Und man muss sie lieben, sie sehr lieben.

KIRCHE IN NOT hat in der Republik Kongo, die auch unter dem Namen Kongo-Brazzaville bekannt ist, im Verlauf der letzten zehn Jahre fast 250 Projekte finanziert. Etwa 2,5 Millionen Euro wurden für Projekte religiöser Bildung und, über Messstipendien, für den Lebensunterhalt von Priestern bestimmt. Dank der Hilfe der Wohltäter von KIRCHE IN NOT wurden auch Bauprojekte und der Kauf von Transportmitteln für die pastorale Arbeit realisiert.

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