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Berichte & Presse

Religionsfreiheit in vielen Ländern der Welt bedroht

04.11.2014

Die Religionsfreiheit ist in fast 60 Prozent aller Länder weltweit bedroht. Das belegt der heute veröffentlichte Bericht Religionsfreiheit weltweit 2014 (Religious Freedom in the World 2014) des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“. Er wurde von Journalisten, Wissenschaftlern und Berichterstattern zusammengestellt, zeigt in 116 von 196 Ländern einen besorgniserregenden Trend und mahnt Staats- und Religionsführer, sich verstärkt für Religionsfreiheit einzusetzen.

Der Bericht behandelt alle Religionsgruppen, schildert Ereignisse zwischen Herbst 2012 und Sommer 2014 und kommt zu dem Ergebnis, dass überall dort, wo es im Hinblick auf die Religionsfreiheit Veränderungen gegeben hat, eine Verschlechterung eingetreten ist. Von den 196 untersuchten Ländern trifft dies bei 55 (oder 28 Prozent) zu.

Nur in sechs der 196 Ländern – Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Kuba, Katar, Simbabwe und Taiwan – kann von Verbesserungen gesprochen werden; allerdings wird der Grad der Verfolgung in diesen Ländern als „hoch“ oder „mittel“ eingestuft.

Der heute von „Kirche in Not“ herausgegebene Bericht Religionsfreiheit weltweit 2014 kann im Internet unter www.religionsfreiheit-weltweit.at eingesehen werden.

In englischer Sprache wird zudem ein 32-seitiger Auszug (Executive Summary) des Berichts veröffentlicht, der die religiöse Intoleranz oder aktive Verfolgung in 20 Ländern als hoch beschreibt. In 14 dieser Länder steht die religiöse Verfolgung im Zusammenhang mit islamischem Extremismus, und zwar in Afghanistan, in der Zentralafrikanischen Republik, in Ägypten, im Iran, Irak, in Libyen, auf den Malediven, in Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan, Syrien und Jemen.

In den restlichen sechs Ländern steht die religiöse Verfolgung vor allem im Kontext autoritärer Regime, in Myanmar (Birma), China, Eritrea, Nordkorea, Aserbaidschan und Usbekistan.

John Pontifex, der in London ansässige Chefredakteur des Berichts, betont: „In der Berichtsperiode ist eine starke Verschlechterung der Religionsfreiheit zu verzeichnen; die Wahrnehmung der Medien, dass Verfolgung und Ausgrenzung von Religionsgemeinschaften zunimmt, wird damit bestätigt. Unser Bericht weist darauf hin, dass viele Amtsträger – staatliche und religiöse – sich nicht ausreichend für Religionsfreiheit eingesetzt haben, so dass dieses Recht missachtet wurde. Reihenweise Menschenrechtsverletzungen – von drohenden Massakern im Nahen Osten bis zu Diskriminierungen am Arbeitsplatz in westlichen Ländern – sind direkte Folgen der eingeschränkten Religionsfreiheit. Als katholische Organisation ist es unsere Pflicht, nicht nur für Christen einzutreten, die unter Einschränkungen der Religionsfreiheit leiden, sondern für Gläubige aller Religionen.“

Der Bericht umfasst den Zeitraum Oktober 2012 bis Juni 2014 und ist die jüngste Ausgabe einer vom Internationalen Sekretariat von „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus herausgegebenen Reihe.

Dr. Paul Bhatti, der Bruder des 2011 ermordeten pakistanischen Ministers für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, schreibt in seinem Vorwort: „Religionsfreiheit ist von seinem Wesen her ein Recht für alle, das allen gemeinsam ist. Daher empfehle ich den Bericht ,Religionsfreiheit weltweit 2014´ als Information und zur Bewertung der Lage einer Vielzahl von Religionsgruppen in Ländern der Welt.“ Weiter betont Paul Bhatti: „Dieser Bericht fordert die Menschen heraus, neu über dieses Grundrecht nachzudenken, als ein zentrales Recht für eine freie, faire und gedeihende Gesellschaft.“ Und er schließt mit den Worten: „Das ist wichtig in einer zerrissenen Welt, in der in manchen Teilen eine religiöse Neubelebung und in anderen ein Trend zur religiösen Gleichgültigkeit und zum Atheismus herrschen.“

Der Bericht nennt weitere Trends, unter anderem:
• Anstieg der religiösen Intoleranz und des „aggressiven Atheismus“ in Westeuropa.
• Große Flüchtlingsströme, ausgelöst durch religiöse Verfolgung, vor allem im Nahen Osten.
• Zunehmender „religiöser Analphabetismus“ bei westlichen Politikern, der im Bereich der Außenpolitik zu Missverständnissen führt.
• Ein beunruhigender Anstieg antisemitischer Vorfälle in Europa.

Positiv vermerkt der Bericht einige Beispiele religiöser Zusammenarbeit; diese waren allerdings häufig das Ergebnis von Bürgerinitiativen, weniger ein Fortschritt auf staatlicher Ebene.

Peter Sefton-Williams, Vorsitzender der Berichtsredaktion, fasst die wichtigsten Ergebnisse wie folgt zusammen: „Die eindeutige Lektion aus dieser Untersuchung ist die dringende Notwendigkeit, zu einer Abkehr von Gewalt und Unterdrückung gegenüber religiösen Minderheiten aufzurufen; dies muss zunächst und vor allem in den Religionsgemeinschaften selbst geschehen.“ Abschließend sagt er: „Angesichts des heutigen Klimas ist es immer dringender notwendig, dass religiöse Amtsträger ihre Kanzeln und die Medien dazu nutzen, sich lautstark gegen religiös motivierte Gewalt und für religiöse Toleranz auszusprechen.“

• Der Bericht ‘Religionsfreiheit weltweit 2014´ ist ab sofort auf unserer homepage: www.religionsfreiheit-weltweit.at abrufbar.

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