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Berichte & Presse

Katholiken in der West- und in der Ostukraine trotzen schwierigsten Bedingungen

09.12.2014

Für Bischof Stanislav Shyrokoradiuk von Kharkiv-Zaporizha ist die Situation in der Ost-Ukraine dramatisch. „Wo der Krieg herrscht, ist die Lage katastrophal. Es gibt Hunger. In Lugansk und Donezk sind deshalb schon mehr als 80 Menschen gestorben“, betont der Bischof von Kharkiv-Zaporizha, der auch Direktor von Caritas Ukraine ist, im Gespräch mit Mitarbeiter des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“. Die römische-katholische Diözese Kharkiv-Zaporizha umfasst fast den gesamten Osten der Ukraine, darunter die Gebiete, die von der Regierung in Kiew nicht mehr kontrolliert werden.

Nach den Worten von Bischof Shyrokoradiuk leben in seiner Diözese mehr als 18 Millionen Menschen, darunter rund 60.000 römische-katholische Christen: „Wir sind eine missionarische Kirche. Vor 20 Jahren hatten wir keine einzige Pfarrei, heute sind es mehr als 50. Die Gläubigen haben ukrainische, polnische, russische und auch vietnamesische Wurzeln.“ Die Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit in der Diözese sind pastorale wie sozial-humanitäre Aufgaben. „Uns erreichen Transporte aus Westeuropa mit Hilfsgütern, Medikamenten. Wir brauchen diese Hilfe, christliche Solidarität, aber auch die politische“, so Bischof Shyrokoradiuk. Sorge bereitet ihm der zunehmende Strom an Flüchtlingen aus den Kampfgebieten; gegenwärtig sind es nach seinen Worten in Kharkiv mehr als 20.000: „Wir versuchen zu helfen, wo wir können. Vor wenigen Wochen konnten wir immerhin 300 Paar Schuhe an Kinder verteilen.“ Doch der Einfluss von Bischof Shyrokoradiuk ist begrenzt. Hilfe für die Menschen in den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk erreicht nach seiner Kenntnis die Betroffenen nicht.

Auch Bischof Vitaliy Skomarovsky von Lutsk im Westen der Ukraine spürt die Folgen der Kämpfe im Osten: „Scheinbar ist der Krieg fern. Aber tatsächlich ziehen viele junge Männer aus dem Westen des Landes in den Krieg. Kürzlich wurde auf dem Friedhof in Lutsk eine Allee von Tannen gefällt, um 13 junge Soldaten zu begraben.“ Auch in anderen Städten sind Gefallene beerdigt worden. Die Kirche kümmert sich nach den Worten von Bischof Skomarovsky um die Hinterbliebenen, aber auch um die Familien, deren Väter als Soldaten in den Osten gegangen sind. „Der Krieg ist allgegenwärtig. Wir spüren, dass die finanziellen Mittel dafür verwendet werden; im Sozialbereich wurde vieles gestoppt. Aber es gibt jetzt auch viel mehr Eigeninitiative, die Solidarität unter den Menschen wächst“, so Bischof Skomarovsky. Gesammelt würde unter anderem warme Kleidung, weil viele Soldaten im Osten nur unzureichend ausgerüstet sind und sich allein gelassen fühlen.

Die römisch-katholische Diözese Lutsk ist mit 35 Pfarreien und 25.000 Gläubigen die kleinste der Ukraine. Bis zum 2. Weltkrieg gehörte das Gebiet zum polnischen Wolhynien. In der Region verübten ukrainische Nationalisten unter Duldung der deutschen Besatzer ab Mitte Juli 1943 mehrere Massaker an der überwiegend polnischen Bevölkerung. Mehr als 50.000 Menschen wurden getötet. Als Folge der Massaker sind viele katholische Pfarreien bis heute verweist. Bischof Skomarovsky: „Bei einer Gedenkmesse auf dem Friedhof in Skirche am 11. Juli 2014 war die Anteilnahme sehr, sehr groß. Ich spüre aber keine Spannungen unter der neuen, jungen Generation.“ In der Ukraine, in der viele verschieden Bevölkerungsgruppen leben, ist das ein Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung. Bischof Shyrokoradiuk von Kharkiv-Zaporizha: „Wir hoffen auf Frieden, weil viele Menschen dafür beten.“

Aktuell hat „Kirche in Not“ den Diözesen Kharkiv-Zaporizhzhya und Lutsk mit verschiedenen Projekten geholfen, unter anderem bei der Renovierung von Gebäuden oder der Finanzierung von Fahrzeugen. Außerdem trägt die Hilfe dazu bei, durch Mess-Stipendien den Unterhalt von Priestern zu sichern.

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