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Berichte & Presse

Nigeria: “Mehr als die Hälfte der Einwohner meiner Diözese sind geflohen”

20.01.2015

Ein Bischof, dessen Diözese im Nord-Osten Nigerias am meisten durch Boko Hara gelitten hat, möchte, dass der Westen Truppen schickt, um die Extremisten zu bekämpfen. Bischof Oliver Dashe Doeme von Maiduguri beschrieb, wie das strategisch überlegene Boko Haram, nun in nordafrikanischen Ländern rekrutiere, und sagte, eine westliche militärische Intervention sei die einzige praktikable Option im Kampf gegen die Extremisten, die sich jetzt mit dem Islamischen Staat verbündet hätten.

In einem Gespräch mit “Kirche in Not”, dem katholischen Hilfswerk für verfolgte und leidende Christen, sagte der Bischof, die nigerianische Armee sei geschwächt durch „Inkompetenz, Korruption und eine Infiltrierung durch Boko Haram in den eigenen Reihen“.
Er wies eindringlich darauf hin, dass ein entschlossenes Eingreifen des Westens dringend erforderlich sei, da die Angriffe, die in diesem Monat auf das strategisch bedeutsame Baga verübt wurden, gezeigt hätten, dass Boko Haram im Begriff sei, eine Bedrohung über die Grenzen Nigerias hinaus zu werden und Anhänger in Niger, im Tschad, in Kamerun und Libyen zu rekrutieren.

Bischof Dashe Doeme, dessen Diözese im Kerngebiet der islamischen Terrorgruppe liegt, sagte: „ Der Westen sollte Bodentruppen entsenden, um Boko Haram in Schach zu halten und zurückzuschlagen. Eine konzertierte Militäraktion des Westens ist notwendig, um Boko Haram zu vernichten“. Er sagte, die Situation sei sehr kritisch geworden, mit verheerenderen Angriffen durch Boko Haram im Süden Maiduguris. Es sei erforderlich, die französische Kampagne von 2013, die dazu gedient habe, Islamisten aus Teilen Malis zu vertreiben, auch in Westafrika zu wiederholen.

Der Bischof sagte, der Angriff in Baga habe die Unfähigkeit der nigerianischen Armee offenbart, und er forderte die Entlassung inkompetenter höherer Offiziere, um ein Exempel zu statuieren. „Unter den Soldaten waren Sympathisanten von Boko Haram. Einige von ihnen waren Mitglieder von Boko Haram, und andere sind einfach weggelaufen“. Er forderte zudem, heimliche ausländische Unterstützer von Boko Haram zu inhaftieren. „Die nigerianische Regierung weiß, wer Boko Haram finanziert.“ Er beschrieb, wie Boko Haram im Laufe von fünf Jahren seine Diözese stark geschwächt habe. 50 Kirchen und Kapellen seien zerstört, mehr als 200 Kirchen verlassen worden. Er berichtete, 1000 seiner Gläubigen seien getötet worden, viele von ihnen durch Islamisten. Bischof Dashe Doeme sagte: “Die Extremisten richten ein Gewehr oder ein Messer auf sie und sagen, wenn sie nicht konvertierten, würden sie getötet werden. Einige wurden getötet, weil sie nicht konvertieren wollten“.

Seit 2009 seien fast 70 000 der 125 000 Katholiken der Diözese Maiduguri geflohen. Der Bischof hat um Hilfe für die Gläubigen, die in Flüchtlingslagern Zuflucht suchen, gebeten. Er dankte “Kirche in Not” außerdem dafür, dass das Hilfswerk 45.000 Euro als Nothilfe für Vertriebene aus seiner Diözese zur Verfügung gestellt hat. Das Hilfswerk hat zudem 37.000 Euro als Messstipendien zugunsten der Priester der Diözese Maiduguri gewährt, von denen mehr als die Hälfte Zuflucht in der Nachbardiözese Yola im Osten Nigerias gesucht haben.

Bischof Dashe Doeme: „Die Bedrohung, der wir ausgesetzt sind, zeigt eine sehr düstere Zukunft für die Kirche. Viele unserer Mitglieder sind verstreut, andere wurden getötet. In manchen Gegenden gibt es keine Christen mehr.“ Die Kirche gehöre jedoch Christus, sagte er. „Die Kirche wird stark bleiben, und viele unserer Leute sind zurückgekehrt, nachdem das Gebiet in dem sie lebten, durch nigerianische Soldaten zurückgewonnen wurde.“ Er rief zum Gebet auf, um die Bedrohung durch Boko Haram zu überwinden, und bat darum, dass die Menschen das Ave Maria beten. “Das Wichtigste ist, für unser Volk zu beten. Ich weiß, dass die Menschen für uns beten, und bin dafür sehr dankbar. Ich möchte, dass die Leute das Ave Maria beten. Unsere Mutter Maria setzt sich für uns ein. Wir pflegen eine große Andacht zur heiligen Jungfrau.”

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