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Berichte & Presse

„Religion bedeutet, anderen Hilfe leisten. Wer im Namen der Religion tötet, widerspricht dem radikal.“

03.02.2015

Interview mit Ignatius Ayau Kaigama, Erzbischof von Jos, Vorsitzender der Nigerianischen Bischofskonferenz und der „Christian Association of Nigeria“.

Die Bundesrepublik Nigeria ist mit etwa 170 Millionen Einwohner der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Die Zahl der Christen und Muslime ist nach offiziellen Statistiken etwa gleich groß. Das westafrikanische Land verfügt über reiche Ölvorkommen, ist aber von extremen sozialen Unterschieden geprägt und wird immer wieder von Gewalt erschüttert. Mit gezielten Terrorakten sucht insbesondere die islamistische Sekte „Boko Haram“, das Gemeinwesen zu destabilisieren.


Im Februar gibt es in Nigeria Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Warum ist das nicht nur für Ihr Land, sondern für ganz Afrika von großer Bedeutung?

Erzbischof Kaigama: „Aufgrund der hohen Einwohnerzahl von knapp 170 Millionen und der Größe des Landes gilt Nigeria in Afrika als Riese. Die Leute schauen auf das Land. Alles, auch das Negative hat Auswirkungen auf andere; nehmen wir etwa den Terror von ‚Boko Haram‘. Es hat in Nigeria angefangen und sich schnell ausgebreitet. Inzwischen sind auch die Nachbarstaaten, Kamerun, Niger und Tschad bedroht. Wenn die Menschen vor der Gewalt fliehen, wenn gar Millionen fliehen würden, etwa nach Ghana oder Kamerun, so hätte das schlimme Auswirkungen auf diese Ländern. Solche Entwicklungen zu stoppen, ist sehr wichtig. Denn wenn es Nigeria gut geht, strahlt das auf ganz Westafrika aus. Wenn es im Land zu einem Krieg kommen sollte, destabilisiert das die gesamte Region.“

Religiös motivierte Gewalt nimmt zu. Manche sagen, Ursache seien die Religionen selbst?

Erzbischof Kaigama: „Alles kann potentiell Gewalt verursachen, auch die Sorge um das tägliche Brot. Die Religion betrifft das Herz, das Innerste, von daher ist sie oft sehr emotional, aber ‚religare‘ meint eigentlich ‚verbunden sein‘, das heißt: die Menschen leben in Beziehung, in Freundschaft, als Schwestern und Brüder vor Gott. Wie ich es selbst erlebt habe, bedeutet Religion folglich auch, anderen Hilfe leisten, was die katholische Kirche weltweit tut, etwa bei der Erziehung oder der medizinischen Versorgung. In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es keine Straßen, keine Schule, kein Krankenhaus bis irische Missionare kamen.“

Aber warum kommt es dann zu Gewaltausbrüchen im Namen der Religion?

Erzbischof Kaigama: „Andere im Namen der Religion zu töten, widerspricht radikal dem was ich gerade gesagt habe. Das ist Missbrauch der Religion. Manche nutzen die Religion für ihre Zwecke, weil sie auf sich aufmerksam machen wollen. Sie greifen zu Waffen und töten, weil sie gesehen und gehört werden wollen. Religion ist ihnen Mittel zum Zweck. Schauen wir genau hin, so finden wir andere Ursachen: zerstörte Familien, mangelnde Bildung, soziale Ungleichheit, verantwortungslose Regierungspolitik, schlechte Wirtschaftspolitik und anderes. Das alles treibt junge Menschen in die falsche Hände. Die Gewalt religiöser Fanatiker ist ein Zeichen, dass vieles nicht stimmt.“

Worauf kommt es mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen jetzt an?

Erzbischof Kaigama: „Es ist an der Zeit, Solidarität zu zeigen. Wir wollen freie und faire Wahlen, ohne Gewalt. Wir wünschen Demokratie, eine gute Regierungspolitik, und dass die militanten islamistischen Gruppen ihre Haltung ändern. Wir wollen friedlich zusammenleben, als Brüder und Schwestern. Ich bitte Sie deshalb um Ihr Gebet, damit die kommenden Wahlen friedlich, ohne Gewalt und ohne Blutvergießen verlaufen.“

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