Berichte & Presse

Krieg im Osten der Ukraine: Sterben, Not, Leid und Hoffen auf Gott

16.03.2015

Eindrücke von Besuchern und aus Berichten an das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“. Bischof Bronislaw Bernacki ist fassungslos. „Niemand hat erwartet, dass Europa in dieser Zeit wieder Krieg erleben würde“, sagt der römisch-katholische Bischof von Odessa-Simferopol bei einem Besuch des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“. Der Krieg hat seine erst 2002 errichtete Diözese buchstäblich zerrissen: Aufgrund des Ukrainekonflikts, der seit einem Jahr mit Waffengewalt ausgetragen wird, ist das Gebiet inzwischen geteilt. Von Odessa am Schwarzen Meer aus kümmert sich Bischof Bernacki um die Katholiken seines Bistums, die weiter zur Ukraine gehören. Sein Weihbischof Jacek Pyl ist in Simferopol auf der Krim geblieben und kümmert sich um die Gläubigen dort.

Auch in Zaporizhya, unweit der Kampfzone im Osten der Ukraine, sind die Folgen des Krieges spürbar, wie der römisch-katholische Weihbischof von Kharkiv-Zaporizhia, Jan Sobilo, in einem Telefongespräch mit Magda Kaczmarek, Länderreferentin von „Kirche in Not“ für die Ukraine, bestätigt. Demnach steigt die Zahl der Flüchtlinge aus der umkämpften Region um Lugansk und Donezk stetig. Allein im weiter westlich gelegenen Zaporizhya sind es inzwischen 75.000 Menschen. Auf Initiative der Diözese können Flüchtlinge täglich in eine vom Albertinerorden eingerichtete Suppenküche kommen. Frauen mit Kindern erhalten einmal in der Woche zusätzliche Hilfen; Männer gehen leer aus, weil es gegenwärtig nicht mehr zu verteilen gibt. „Kirche in Not“ unterstützt diese wie weitere Hilfsaktionen in der Region. Dafür wurden in den vergangenen Monaten mehr als 130.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Leid und Not kennt auch der griechisch-katholische Bischof Jaroslav Pryriz von der Eparchie Sambir-Drohobych in der Westukraine. Je sechs bis acht Wochen lang sind 20 Seelsorger in der Kampfzone im Osten tätig. Sie kümmern sich um Soldaten, zumeist junge Männer, Freiwillige, aber auch solche, die zur Armee eingezogen wurden. Bei einem Besuch schildert er seine Erlebnisse im Gespräch mit Magda Kaczmarek: „Die Priester wechseln sich alle 45 Tage ab, denn länger hält es dort keiner aus. Manche, die zurückkommen, wollen einfach nicht mehr hin, weil die psychischen Belastungen enorm sind. Aber sie gehen zurück, weil sie die Gläubigen betreuen wollen.“ Der Wunsch nach Gespräch und seelischer Betreuung ist nach den Worten des Bischofs groß. „Ob Katholiken, Orthodoxe oder andere Konfessionen, alle sind froh, wenn ein Priester einfach nur für sie da ist, obwohl manche noch nie etwas von Gott gehört haben“, so Bischof Pryriz.

Erschütternd sind auch seine Schilderungen aus der ukrainischen Hauptstadt: „Verwundete Soldaten aus dem Osten werden auch in einem provisorischen Lazarett in der griechisch-katholischen Kathedrale in Kiew gepflegt. Ich habe noch nie soviel Leid, Trauer und Tragik gesehen. Ich bin 53 Jahre alt und habe keinen Krieg erlebt, aber was ich jetzt gesehen habe, Menschen ohne Hände, ohne Beine, ohne Augen, Ohren, sind Bilder, die mich verfolgen.“ Der Bischof von Sambir-Drohobych ergänzt: „Viele Soldaten aus unserer Diözese sind umgekommen. Entweder sind sie einfach verschwunden oder niemand weiß etwas über ihren Verbleib. Es wird uns berichtet, dass einige verbrannt wurden. Oder sie kommen in Särgen zurück. Das können Sie sich gar nicht vorstellen. So viel Trauer um die Söhne, Väter, Ehemänner!“

Zum Abschluss seines Besuchs bei „Kirche in Not“ erinnert Bischof Bernacki von Odessa-Simferopol an den Gebetsaufruf von Papst Franziskus für den Frieden in der Ukraine. Der Bischof mahnt: „Wir brauchen Frieden und eine Ende des Blutvergießens. Christen in Ost und West begehen die Fastenzeit. Ich lade alle zum Gebet für den Frieden ein, denn das Böse können wir nur durch das Gute überwinden.“

KIRCHE IN NOT unternimmt internationale Wallfahrt nach Fatima

Die Stiftung KIRCHE IN NOT erneuert ihre Weihe an die Gottesmutter. In den letzten 25 Jahren wurden mehr als 400 Projekte unterstützt, die mit der Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima verbunden waren. Anlässlich der Einhundertjahrfeier der Marienerscheinungen von Fatima veranstaltet die Internationale Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) vom 11. – 16. September eine Pilgerfahrt zu dem auch als...

» weiterlesen

Philippinen - Marawi: Entweihte katholische Kathedrale zurückerobert.

Nach mehr als drei Monaten haben die Streitkräfte der Philippinen (AFP) die St. Marien-Kathedrale in Marawi geräumt und zurückerobert. Die Kathedrale war am 23. Mai 2017 von ISIS-nahen Terroristen entweiht und zerstört worden. Die philippinische Armee musste die Kirche von Sprengfallen befreien. Die AFP hat auch Aufnahmen von den Ruinen der Kathedrale veröffentlicht. Das besagte Video zeigt...

» weiterlesen