Jetzt spenden!

Berichte & Presse

Zwischen Kreuz und Hoffnung: Christliche Flüchtlinge feiern Ostern im Irak

07.04.2015

„Mit Christus leiden“ - Palmzweige, Hosannarufe: Wie überall auf der Welt haben am Palmsonntag auch im Irak Katholiken die Karwoche begonnen. In Malabrwan, einem kleinen christlichen Ort im Norden des Landes, haben sich Dutzende Kinder in der chaldäischen Pfarrkirche mit Palm- und Olivenzweigen in der Hand versammelt, um des Einzugs Jesu in Jerusalem zu gedenken. Sie hören das Evangelium, sie singen Lieder. Fröhlichkeit ist auf ihren Gesichtern zu lesen und Unbeschwertheit. Doch darf man sich nicht täuschen lassen: Viele der Kinder haben Schlimmes durchgemacht. Sie gehören zu den christlichen Flüchtlingen, die im vergangenen Sommer ihre Dörfer und Städte rund um Mossul verlassen mussten, um nicht dem Terror der dschihadistischen Miliz „Islamischer Staat“ (ISIS) in die Hände zu fallen.

„ISIS ist eine Armee des Teufels“, meint Gemeindepfarrer Dankbar Issa. „Und die Kämpfer von ISIS sind Söhne des Teufels. Anders kann man sich nicht erklären, was sie den Menschen antun.“ Der Priester ist ein Mönch des chaldäischen Antonianerordens. „Ich bin in Mossul geboren und aufgewachsen. Und bis Juni vergangenen Jahres war ich dort in unserem Georgskloster als Mönch tätig. Aber wie tausende andere floh ich aus der Stadt, als die Dschihadisten von ISIS einrückten. Jetzt gibt es keine Christen mehr in Mossul. Und unser Kloster ist zerstört.“ Das mache ihn sehr traurig, sagt er. Doch Pfarrer Dankbar will nicht bitter klingen. „Wir Christen sind auf das Leiden des Herrn getauft. Verfolgung ist also etwas, mit dem wir rechnen müssen. Außerdem feiern wir in ein paar Tagen Ostern. Wir wissen, dass Ostern, das heißt das Leben, den Sieg davontragen wird. Das gibt uns Hoffnung trotz aller Schwierigkeiten.“

Und Schwierigkeiten gibt es viele. Dutzende christliche Familien haben in der Pfarrei Zuflucht gefunden. Wo auch immer Platz war, wurden die Menschen einquartiert. Einige leben jetzt in der Katechismus-Schule: In jedem Klassenzimmer wohnt eine christliche Familie, oft fünf Menschen und mehr. Der Religionsunterricht findet derweil in einem Zelt statt. Hunger, sagt Pfarrer Dankbar, litten die Menschen nicht. Auch Kleidung und Obdach hätten sie. „Aber sie haben keine Perspektive. Und die Kinder gehen nicht zur Schule. Ihre Heimat ist von der Armee des Teufels besetzt. Es ist nicht absehbar, was sein wird. Das belastet sie natürlich schwer.“

Fadil, ein junger Familienvater, stammt aus Mossul. Die Stadt ist heute Hauptstadt des ISIS-Kalifats. „Wir Christen müssen leiden wie Christus gelitten hat. Das lehrt uns unser Glaube. Aber das tröstet uns auch“, sagt er. „Der Glaube ist das Einzige, was uns geblieben ist. Alles andere mussten wir schließlich in Mossul lassen.“ Doch gehen will Fadil nicht. „Wir werden den Irak nicht verlassen. Wo sollen wir denn hin? Das ist unsere Heimat. Wir gehören hierher.“

Doch nicht alle sehen das so. Da ist die fünfköpfige Familie von Abdel, einem Christen aus Karakosch. Die einstmals größte Stadt des Irak ist seit Anfang August in der Hand von ISIS. Abdel und seine Familie werden den Irak verlassen. Ostern feiern sie wohl schon in Jordanien. „Natürlich fällt es uns nicht leicht, die Heimat zu verlassen. Aber wir haben hier keine Zukunft“, betont Abdel. Seine Frau und die drei Kinder stimmen zu. „Wir wollen nach Australien und dort ein neues Leben beginnen. Wir haben Familie dort. So wird der Neuanfang nicht so schwer.“
Doch der Weg nach Australien ist nicht leicht. Die, die gehen wollen, müssen sich bei den Behörden der Vereinten Nationen als Flüchtlinge registrieren lassen. Oft vergehen Jahre, bis die Ausreise in den Westen tatsächlich möglich ist. Schon gibt es christliche Familien aus dem Irak, die sich den Aufenthalt in Jordanien, der Türkei oder dem Libanon nicht mehr leisten können und in die Heimat zurückkehren. Abdel weiß um die Schwierigkeiten: „Wir haben Geld für zwei Jahre. Das wird hoffentlich reichen.“

Tatsächlich ist die Arbeit der Kirche ein Wettlauf mit der Zeit. „Täglich verlassen christliche Familien den Irak“, sagt Erzbischof Baschar Warda, der chaldäische Oberhirte von Erbil. „Aber wir tun, was wir können, um unseren Leuten zu helfen.“ Tatsächlich ist viel geschehen, seit im August vergangenen Jahres zehntausende verstörter und verzweifelter Menschen in Erbil und anderen Städten Irakisch-Kurdistans Zuflucht suchten. Auf dem blanken Boden und unter freiem Himmel schliefen die Menschen anfangs. „Wir waren auf so etwas natürlich nicht vorbereitet“, sagt der Erzbischof. „Aber mittlerweile hat sich die humanitäre Lage stabilisiert. Wir konzentrieren uns in dieser Phase vor allem auf zwei Dinge: Schulen für die Kinder und ordentliche Unterkünfte für die Menschen. Mit Hilfe von ‚Kirche in Not‘ konnten wir acht provisorische Schulen für Flüchtlingskinder einrichten. Wir hoffen, dass sie zum neuen Schuljahr alle in Betrieb genommen werden können. Außerdem haben wir ebenfalls mit Unterstützung von ‚Kirche in Not‘ hunderte Wohnungen angemietet.“ Das gebe den Menschen ihre Würde zurück, betont der Erzbischof.

Er fügt hinzu: „Ich danke allen Wohltätern für ihre Großzügigkeit. Ohne sie könnten wir nicht tun, was wir tun, denn ‚Kirche in Not‘ ist unser wichtigster Helfer. Bitte unterstützen Sie uns weiter. Vor allem aber beten Sie für die Christen und alle Menschen, die im Irak leiden. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich frohe Ostern!“

Burkina Faso: „Blutiger Beginn der Adventszeit“ - „Kirche in Not“ zeigt sich bestürzt über anhaltende Gewalt gegen Christen

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ ist entsetzt über einen erneuten Anschlag auf eine christliche Kirche in Burkina Faso. Wieder wurden Christen an einem zeitlich neuralgischen Punkt, nämlich zu Beginn des Kirchenjahres, getroffen. Was schon bei den schrecklichen Osteranschlägen im April 2019 auf Sri Lanka passiert ist, setzt sich fort: Terroristen...

» weiterlesen

Red Wednesday - Tausende Kirchen, Monumente und Gebäude werden rot angestrahlt, um weltweit auf das Schicksal der bedrohten und verfolgen Christen aufmerksam zu machen

Um auf das Schicksal von Millionen verfolgter und bedrohter  Christen weltweit aufmerksam zu machen, wurden im Rahmen der weltweiten Aktion „Red Wednesday“ in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern berühmte, öffentliche Gebäude und Kirchen blutrot angestrahlt. Die Events in diesem Jahr finden auf vier Kontinenten statt.  Den Anfang machte...

» weiterlesen