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Berichte & Presse

Am Rande der Gesellschaft

Die katholische Kirche in Ägypten unterhält ein Haus für Mädchen in Schwierigkeiten - "Kirche in Not" unterstützt die Kirche dabei, den jungen Frauen einen Weg zurück ins Leben zu bahnen.

Das Haus ist einzigartig in Oberägypten. Es liegt in einem etwas abgelegenen Dorf. Sein Name soll zum Schutz des Hauses an dieser Stelle nicht genannt werden. Selbst die Bewohner des christlichen Ortes wissen nicht, was genau in dem Haus geschieht. Denn die Sache ist sehr sensibel. Seit einigen Jahren finden hier christliche Mädchen Zuflucht, die große Probleme haben, junge Frauen, die von ihren Familien und der Gesellschaft ausgestoßen zu werden drohen. Katholische Schwestern führen die Einrichtung. "Die Mädchen und jungen Frauen, die zu uns kommen, haben große Probleme", sagt die Schwester, die das Haus leitet. Wir wollen sie Mariam nennen. "Die Priester aus ihren Heimatorten schicken sie deshalb hierher. Manche haben Drogen genommen oder hatten ein Verhältnis mit einem Mann. Manche waren auch schon im Gefängnis. Ihre Familien lehnen sie vor allem aus Furcht um ihren Ruf ab. Unsere Aufgabe ist es, ihnen wieder eine Perspektive zu geben und ihr junges Leben wieder auf die rechte Bahn zu lenken." Christliche Liebe, sagt Schwester Mariam, ist der Schlüssel zu den Herzen der Mädchen. "Es ist wichtig, dass die Mädchen sich hier wohl fühlen und uns vertrauen. Deshalb arbeiten wir einerseits sehr diskret. Andererseits versuchen wir, ihnen das Gefühl zu geben, hier zu Hause zu sein." Zwölf Mädchen ab 15 Jahren leben derzeit permanent im Haus, dreizehn Mädchen kommen nur tagsüber. Die Atmosphäre ist locker und fröhlich. "Ich bin so dankbar, dass ich da sein kann. Die Schwestern sind unsere Freundinnen", so ein sehr junges Mädchen, das kürzlich erst ins Haus gekommen ist. "Ich werde hier aufs Leben vorbereitet. Außerdem bringen uns die Schwestern Gott näher." 

Die Dauer der Begleitung ist unterschiedlich, kann einige Monate, aber auch Jahre dauern. "Wir setzen auf mehreren Ebenen an", erklärt Schwester Mariam. Zum Einen lernen die Mädchen bei uns einen Beruf wie Friseurin oder Schneiderin. Damit können sie ihre Zeit bei uns sinnvoll nutzen. Es ermöglicht ihnen später auch eine gewisse Selbständigkeit. Zum anderen versuchen wir ihr Verhältnis zu Gott zu vertiefen. Das ist unserer Meinung ganz entscheidend dafür, dass die Mädchen ihr Leben wieder in den Griff bekommen. Die meisten hatten zuvor nur eine sehr oberflächliche Religiosität. Gebet und Gottesdienst gehören deshalb fest zum Tagesablauf." Auch das menschliche Umfeld der Mädchen wird einbezogen. "Hinter dem Verhalten der Mädchen liegt ja meist auch ein tieferes Problem in der Familie verborgen. Wir beziehen deshalb nicht nur Psychologen, sondern vor allem die Eltern ein. Wir sagen ihnen: Vielleicht hat eure Tochter sich nicht genug geliebt gefühlt und hat deshalb die Beziehung zu einem Mann gesucht oder sich den Drogen hingegeben." In vielen Fällen, so Schwester Mariam, klappt die Versöhnung mit der Familie, besonders dann, wenn die Familien einen Wandel im Verhalten ihrer Töchter sehen. Aber nicht immer. "In einem Fall wollte die Familie das Mädchen nicht wieder bei sich aufnehmen. Sie musste deshalb nach Kairo." 

Die wichtigste Voraussetzung für eine Versöhnung mit der Familie ist, dass etwa die Fälle von vorehelichem Geschlechtsverkehr noch nicht öffentlich bekannt geworden sind. Andernfalls bleibt weder den Mädchen noch den Familien eine Wahl. "Wenn das Umfeld davon erfährt, dass ein Mädchen vor der Ehe Verkehr hatte, ist sie entehrt. Ihre Familie wird sie dann nicht mehr halten können. In vielen Fällen ist es auch schon zu Ehrenmorden gekommen, auch in christlichen Familien. Das ist leider nichts ungewöhnliches auf dem Land."
Richtig schwierig wird es, wenn die Religionsgrenzen überschritten werden. "Das ist eigentlich das Hauptproblem. Es kommt häufig vor", so Schwester Mariam. "Wenn ein christliches Mädchen mit einem Muslim schläft und gar von ihm schwanger wird, führt das zu großen Konflikten mit religiöser Dimension." Zwischen den Religionen, erklärt die Schwester, heiratet man nicht in Ägypten. "Das ist sozial nicht akzeptiert. Und falls ja, muss die Frau konvertieren." Hinzu kommen die Fälle von Erpressung. "Es gibt jedes Jahr Fälle, in denen ein junger Muslim mit einem christlichen Mädchen schläft und das mit dem Handy aufnimmt. Er erpresst das Mädchen dann damit. Entweder sie konvertiert zum Islam oder das Video wird veröffentlicht, wird dann gedroht." Ein Priester, er soll hier Kyrillos heißen, begleitet das Haus geistlich. Er kennt eine ganze Reihe solcher Fälle. "Allein in unserer Provinz gab es in den letzten zehn Jahren siebzig solcher Fälle, die Konversion eines christlichen Mädchens zu erpressen. Und das sind nur die, von denen wir wissen. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen." 

Priester Kyrillos dankt dem katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" für die Unterstützung des Hauses. "Wir retten hier das Leben junger Menschen. Ich danke den Wohltätern für ihre Großzügigkeit, auch im Namen unserer Mädchen. Entscheidend ist das Gebet. Bitte beten Sie für unsere jungen Frauen!"

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