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Berichte & Presse

Ukraine: „Die Menschen suchen nach Gott“

Dennoch beklagt Lubomyr Kardinal Husar, das 82jährige ehemalige Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche, dass noch immer viele Menschen von der Sowjetzeit beeinflusst sind. „Die älteren Leute haben ihr Leben in der Sowjetzeit begonnen, und es ist nicht leicht, sie zu einem anderen Denken einzuladen. In der Politik und in der Wirtschaft ist die Sowjetmentalität noch immer vorhanden“, sagt er zu einer Delegation von „Kirche in Not“, die kürzlich die Ostukraine besucht hat. Es müsse daher die Sowjetzeit gründlich studiert werden, um auf dieser Grundlage „den jungen Leuten klarzumachen, was sie nicht tun sollen. Man muss sich aber auch die Frage stellen, ob man die richtigen Modelle vor sich habe, denn auch Westeuropa ist kein ideales Modell. Man muss sehr aufmerksam sein. Es gibt viel Gutes, aber auch einen moralischen Liberalismus“.

Den rechten Weg aus der Vergangenheit in die Zukunft zu finden, ist eine Herausforderung. Viele Menschen in der Ukraine empfinden eine innere Leere. Sie sind auf der Suche nach Gott. Bischöfe, Priester und Ordensleute berichten übereinstimmend davon, dass die Sehnsucht nach Gott immer größer wird und dass die Menschen nach echter Katechese und seelsorglicher Betreuung verlangen.

Oft wird der erste Kontakt zur Kirche über die praktische Nächstenliebe geknüpft. Die Armut im Land, die ohnehin groß war, wird durch die Krise im Osten noch verschärft, immer mehr Menschen sind auf die Suppenküchen, Kleiderkammern oder andere praktische Hilfe angewiesen. Dazu kommen die Familien, die aus den Gebieten fliehen, die von den Kriegshandlungen betroffen sind. Der römisch-katholische Bischof Stanislav Szyrokoradiuk von Kharkiv-Zaporyzhya hat mit der Hilfe von „Kirche in Not“ ein soziales Zentrum mit verschiedenen Hilfsangeboten wie Kleiderkammer, Ambulanz, Beratungsstellen, seelsorglichen Angeboten ins Leben gerufen.

Auch seinem Weihbischof Jan Sobilo liegen besonders die Menschen am Herzen, die am Rande der Gesellschaft stehen: die Drogensüchtigen und die Alkoholkranken. Er spürte, dass es nicht genug ist, diesen Menschen mit einem Stück Brot, einem Teller Suppe und ein wenig Kleidung zu helfen, sondern sie brauchen seelische und geistliche Unterstützung, um von der Sucht loszukommen. „In unsere Suppenküche kamen so viele von diesen jungen Leuten, aber zu viele von ihnen gehen zugrunde“, sagt der Bischof. Wenn sie von der Droge loskommen und zu Gott finden, können wunderbare Dinge geschehen. So durfte Bischof Sobilo einen ehemaligen Drogenabhängigen zum Priester weihen. Heute ist er für die Jugendpastoral der Diözese zuständig.

Eigentlich wollte der heutige Weihbischof, der aus Polen stammt, als junger Priester nur ein Jahr in der Ukraine aushelfen. Daraus wurde inzwischen nahezu ein Vierteljahrhundert. Als er in Zaporyzhya ankam, hatte er nichts als die Adresse einer älteren Katholikin, die an den damaligen Bischof geschrieben hatte, damit er einen römisch-katholischen Priester schicken würde. Als Jan Sobilo an ihre Tür klopfte, war sie enttäuscht, denn er hatte kein Geld, um sofort mit dem Bau einer Kirche zu beginnen. Sie gab ihm jedoch die Adresse einer katholischen Familie, die ihn freundlich aufnahm und ihn ein Jahr lang beherbergte, obwohl sie selbst nur eine kleine Wohnung hatte. Noch am selben Abend riefen die Leute andere Gläubige zusammen, und die erste Heilige Messe wurde gefeiert. Jan Sobilo, der damals noch nicht ahnen konnte, dass er einmal Bischof dort werden würde, errichtete eine Kapelle und fing auch mit dem Aufbau der Gemeinde nahezu bei null an. Die kleine Kapelle schenkte er später, als es ihm gelang, eine Konkathedrale zu errichten, der griechisch-katholischen Pfarrei, die in der Stadt noch kein Gotteshaus hatte. Heute sind zwei der Söhne der Familie, die den heutigen Weihbischof beherbergt hatte, Priester.

Als das „Herz“ und den „wichtigsten Punkt der Diözese“ bezeichnet Jan Sobilo das Kloster der Karmelitinnen. Die überwiegend jungen Schwestern stehen sogar nachts auf, um zu beten, wenn jemand anruft, der um Hilfe im Gebet bittet. „Ihr Gebet ist eine große Stütze für die Priester, die Kranken und für viele Menschen. Von ihrem Gebet hängt auch der Erfolg der pastoralen Arbeit unserer Diözese ab.“

„Kirche in Not“ hat im vergangenen Jahr Projekte im Wert von über 5,1 Millionen Euro in der Ukraine unterstützt.

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