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Ausbildungsbeihilfe für das Priesterseminar „Ján Vojtaššák“ in Spišská Kapitula

Februar 2011
Europa Theologische Ausbildung
Das Priesterseminar von Spis erlitt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein trauriges Schicksal, das es mit vielen anderen kirchlichen Einrichtungen in Osteuropa teilte: Von den Kommunisten geschlossen und enteignet, wurde es 40 Jahre lang als Polizeiakademie und Archiv zweckentfremdet und erst 1990 nach der politischen Wende in völlig marodem Zustand der Kirche zurückgegeben. Bischof Frantisek Tondra von Spis sagte einmal in einem Interview über die Enteignungen und die Rückgabe kirchlichen Eigentums: „Sie haben uns über Nacht nackt ausgezogen. Jetzt gaben sie uns zunächst ein Unterhemd, dann die Unterhose, und beim Rest sollen wir beweisen, dass er uns gehörte“. Die Geschichte des Seminars ging jedoch gut aus: Am 3. Oktober 1990 konnte es offiziell wieder eröffnet werden. Damals waren 235 Seminaristen eingeschrieben!
Die Früchte werden heute in erfreulicher Weise sichtbar: Während zur Zeit des Kommunismus der Klerus der Diözese Spis völlig überaltert war, liegt das Durchschnittsalter der Priester heute bei 30 Jahren! Und obwohl es früher in vielen Orten gar keinen Priester gab, sind mittlerweile bereits slowakische Missionare in anderen Teilen der Welt tätig, um dort das Evangelium zu verkünden und den Priestermangel auszugleichen.

Heute bereiten sich in dem Seminar 56 junge Männer auf die Priesterweihe vor. Dass die Zahl der Kandidaten gesunken ist, liegt daran, dass ganz zu Beginn noch Männer verschiedenen Alters, die in kommunistischer Zeit keine Möglichkeit hatten, Priester zu werden, und die bereits ein anderes Studium absolviert hatten, endlich die langersehnte Priesterausbildung beginnen konnten.

Die gegenüber der Anfangszeit gesunkene Zahl an Seminaristen hat aber auch noch eine andere – ebenfalls erfreuliche - Ursache, denn in den ersten Jahren studierten dort Priesteranwärter aus drei Diözesen, auch aus der Erzdiözese Kosice, die im Jahr 1995 endlich ihr eigenes Seminar wiedereröffnen konnte. Seither werden neben der Ausbildung der zukünftigen Priester die Gebäude des Priesterseminars in Spis auch für zahlreiche andere Veranstaltungen genutzt. Es finden dort unter anderem Ausbildungskurse für Laien sowie theologische Fernstudien und Tagungen statt.

Von den 5,4 Millionen Slowaken sind etwa sechzig Prozent Katholiken. Die Hälfte davon geht sonntags zur Kirche, vier bis fünf heilige Messen am Sonntagvormittag sind deshalb die Regel. Manche Menschen lassen sich noch im Erwachsenenalter taufen. Die Ausbildung der zukünftigen Priester ist für das Land sehr wichtig, um die Seelsorge überhaupt garantieren zu können. Aber die Kirche in der Slowakei steht auch vor gesellschaftlichen Herausforderungen. Bischof Frantisek Tondra, macht sich große Sorgen, weil in der slowakischen Gesellschaft die christlichen Werte immer stärker untergraben werden. Besonders die Massenmedien, von denen sich manche noch immer in den Händen von Kommunisten befinden, prägen und verbreiten ein relativistisches und liberalistisches Weltbild. Auch die Haltung „Gott ja, aber Kirche – nein“ verbreitet sich immer mehr, vor allem, da manche Medien, wie es auch im Westen der Fall ist, kleine oder auch nur vermeintliche Fehler der Kirche aufbauschen und über das Positive nicht berichten.

Den Beitritt der Slowakei zur EU begrüßt Bischof Tondra einerseits, andererseits sieht er aber auch mit Sorge, dass Kräfte in der Gesellschaft den EU-Beitritt als Vorwand missbrauchen, um bestimmte Bestrebungen (wie die Forderung nach Euthanasie oder nach der „Ehe“ von Homosexuellen) voranzutreiben, auch wenn die EU dies gar nicht zur Bedingung macht. Es werden gute Priester gebraucht, die die Werte des Evangeliums sichtbar machen, sie den Menschen vermitteln und die Gläubigen darin bestärken, für diese Werte einzutreten, damit es gesunde Familien in einer gesunden Gesellschaft gibt. Dies ist auch wiederum ein Nährboden für Berufungen.

Um ihren Weg zum Priestertum fortsetzen zu können, sind die Seminaristen nach wie vor auf unsere finanzielle Unterstützung angewiesen. Wir haben ihnen auch für das akademische Jahr 2010/2011 wieder 28.000 Euro zugesagt.
Spendennummer: 443-02-79

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