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Unterstützung des orthodoxen Priesterseminars in Smolensk

Februar 2011
Europa Theologische Ausbildung
Nach der Oktoberrevolution: Heilige Ikonen brennen, Kelche werden entweiht, Kreuze von den Kirchtürmen gerissen, Glocken zerschellen auf dem Boden. Der kommunistische Pöbel steht höhnend dabei, während entsetzte Gläubige auf dem nackten Erdboden knien, sich bekreuzigen und Gott um Erbarmen anflehen. Unzählige Kirchen werden gesprengt oder in Kinos, Klubs oder Lagerräume umgewandelt. Noch heute stockt einem der Atem, wenn man die historischen Filmaufnahmen aus dieser Zeit anschaut.
Es blieb nicht bei der Zerstörung und Entweihung von Kirchen, sondern es brach eine blutige Christenverfolgung über das ehemals „Heilige Russland“ herein. Der im Dezember 2008 verstorbene Patriarch Alexij II., der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor der schweren Aufgabe stand, die Russisch-Orthodoxe Kirche wieder auferstehen zu lassen, schrieb noch kurz vor seinem Tode, die Zahl der Märtyrer sei nur mit der im alten Rom vergleichbar. Zigtausende Bischöfe, Priester, Mönche, Ordensschwestern und Laien zahlten ihre Treue zu Christus damals mit dem Leben.

Aber Gott ist der Herr der Geschichte, und heute, mehr als neunzig Jahre nach der Oktoberrevolution, läuten in Russland wieder die Glocken, die Klöster füllen sich, die Gläubigen strömen in die neu eröffneten Kirchen. Heute bringen Priester wieder das Heilige Opfer Christi dar, Gesänge steigen mit dem Weihrauch empor, Gläubige stehen stundenlang Schlange, um die Reliquien der Heiligen und die Ikonen zu verehren, die dem gläubigen russischen Volk seit Jahrhunderten Trost und Hilfe brachten.

In Russland steht die Kirche jedoch – wie überall in der modernen Welt - auch vor vielen gesellschaftlichen Herausforderungen. Besonders wichtig ist daher die Ausbildung der angehenden Priester, die darauf vorbereitet werden müssen, den Gläubigen in der heutigen komplexen Welt das Evangelium zu verkünden. Außerdem gibt es viele Menschen, die zwar tief im Inneren die Sehnsucht nach Gott spüren, die aber kaum etwas über den Glauben der Kirche wissen. Um diese Suchenden im Glauben zu unterweisen, bedarf es guter Priester. Patriarch Kirill liegt dabei besonders die Jugend des Landes am Herzen. So sollen auch die Priester neue Wege gehen, um gerade die jungen Menschen, deren Eltern bereits atheistisch aufgewachsen sind, zu erreichen. Die Priester sollen daher zwar fest im traditionellen Glauben der Kirche verwurzelt sein, aber sie müssen auch die Sprache, die Nöte, Fragen und die Interessen der Jugend kennen und verstehen.

Die Seminare sind voll. So ist es beispielsweise in Smolensk, wo 105 junge Seminaristen sich auf ihre Priesterweihe vorbereiten. Die Stadt, die im Jahr 863 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, liegt im Westen des Landes, unweit der Grenze zum heutigen Weißrussland.

„Kirche in Not“ unterstützt das 1988 wiedereröffnete Seminar bereits seit Beginn der 1990er Jahre. Vor der Oktoberrevolution wurden dort bereits 200 Jahre lang orthodoxe Priester ausgebildet. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde der Kirche ein völlig marodes, zerstörtes Gebäude zurückerstattet – man musste mit dem Aufbau des Seminars nahezu bei null beginnen. Der ehemalige Rektor, Erzpriester Viktor Savik, sagte uns, als er anlässlich der Deutschlandreise von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 als Mitglied der offiziellen orthodoxen Delegation nach Deutschland kam und unsere Internationale Zentrale besuchte, das Seminar hätte ohne die Unterstützung durch die Wohltäter von „Kirche in Not“ wieder schließen müssen. Die Hilfe sei „in den schlimmsten Jahren eine wirkliche Rettungsaktion“ gewesen. Der Nachfolger von Vater Savik, Erzpriester Georgij Urbanovich, steht jetzt vor der Herausforderung, dass die theologische Ausbildung in Russland standardisiert werden soll. Um die Ausbildung der Priester zu verbessern, muss ein Seminarist heute fünf Jahre lang an einem Seminar studieren, bevor er zur Priesterweihe zugelassen werden kann. 26 Lehrkräfte kümmern sich in Smolensk um die Ausbildung der jungen Männer.

Die Früchte dieser Hilfe sind offensichtlich, denn in Smolensk besteht seit Jahren eine gute Zusammenarbeit zwischen der Orthodoxen und der Katholischen Kirche. Es gibt gemeinsame Initiativen und Aktionen und gegenseitige Einladungen. Viele der ehemaligen Seminaristen, die heute schon als Priester tätig sind und deren Ausbildung Wohltäter von „Kirche in Not“ unterstützt haben, empfinden es als selbstverständlich, mit den Katholiken zusammen zu arbeiten.

Die Russisch-Orthodoxe Kirche teilt vieles mit der Katholischen Kirche: Die Sakramente, den einen Glauben, die Verehrung der Muttergottes und vieler Heiliger, die uns gemeinsam sind, aber auch die christlichen Werte, das christliche Menschenbild, die Ehrfurcht vor dem Leben. Orthodoxe und katholische Christen können gemeinsam mit einer Stimme sprechen, wenn es beispielsweise um den Kampf gegen die Abtreibung, den Einsatz für die christliche Ehe und Familie und viele andere wichtige Themen geht. Junge, gut ausgebildete orthodoxe Priester, die uns Katholiken kennen und als Brüder und Schwestern erleben, helfen dabei, dass orthodoxe und katholische Christen einander immer näher kommen. In Russland, wo katholische Christen nur eine kleine Minderheit ausmachen, können orthodoxe Geistliche, denen wir geholfen haben, zudem wertvolle Helfer auch für die katholischen Gemeinden werden.
Spendennummer: 427-11-79

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