{"id":1023,"date":"2016-05-25T08:41:04","date_gmt":"2016-05-25T06:41:04","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/eine-zwiespaeltige-situation-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:00:33","modified_gmt":"2023-02-23T11:00:33","slug":"eine-zwiespaeltige-situation-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/eine-zwiespaeltige-situation-html\/","title":{"rendered":"\u201eEine zwiesp\u00e4ltige Situation\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. Mai beten Katholiken in aller Welt f\u00fcr ihre Glaubensgeschwister in China. Papst Benedikt XVI. hatte den Gebetstag im Jahr 2007 eingef\u00fchrt. Das weltweite katholische Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c steht seit vielen Jahren den Christen Chinas solidarisch bei. W\u00e4hrend es nach Jahrzehnten der Eiszeit wieder Gespr\u00e4che zwischen der Volksrepublik und dem Heiligen Stuhl gibt, hat sich die Lage f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen erneut versch\u00e4rft. Berthold Pelster, Menschenrechtsexperte von \u201eKirche in Not\u201c, berichtet \u00fcber die aktuelle Entwicklung.<\/p>\n<p> <strong><em>Wie hat sich das Christentum in den letzten Jahren in China entwickelt?<\/em><\/strong><br \/> Es ist eine zwiesp\u00e4ltige Situation \u2013 in mehrfacher Hinsicht: Einerseits gibt es ein vielf\u00e4ltiges religi\u00f6ses Leben in China, wenn auch in engen Grenzen. Andererseits steigen die Verst\u00f6\u00dfe gegen die Religionsfreiheit deutlich an. Ein bekanntes Beispiel ist der Abriss von vorgeblich \u201eillegal\u201c errichteten Kirchen und die Entfernung von Kreuzen in der Provinz Zheijang im S\u00fcdosten Chinas. Einerseits ist es ein gewaltiger Schritt nach vorn, dass der Vatikan und die chinesische F\u00fchrung seit Sommer 2014 wieder offizielle Gespr\u00e4che aufgenommen haben. Andererseits ist die Kirche in China nach wie vor geteilt in die staatlich reglementierte \u201eChinesische Katholische Patriotische Vereinigung\u201c und eine nicht registrierte \u201eUntergrundkirche\u201c, die schweren Repressalien ausgesetzt ist. <\/p>\n<p> <strong><em>Was steckt hinter dieser Zweiteilung?<\/em><\/strong><br \/> Streitpunkt sind nach wie vor die Bischofsweihen. Immer wieder wurden Kandidaten ohne p\u00e4pstliche Erlaubnis geweiht, die staatlich genehm waren. Aber es steigt auch gottlob die Zahl der Bisch\u00f6fe, die sich mit Rom ausges\u00f6hnt haben. Allerdings sind zahlreiche Di\u00f6zesen in China ohne bisch\u00f6fliche Leitung. Viele amtierende Bisch\u00f6fe sind alt, Nachfolgeregelungen aus den genannten Gr\u00fcnden schwierig. Das ist ein schwerwiegendes pastorales Problem<\/p>\n<p><strong> <em>Stimmt es, dass es bald mehr Christen in China als in Europa geben wird? K\u00f6nnte China eines Tages die gr\u00f6\u00dfte christliche Nation sein?<\/em><\/strong><br \/> Auch hier bietet sich ein differenziertes Bild: Das Interesse an Religion ist ungebrochen, sehr zum Missfallen der staatlichen F\u00fchrung. Die Sch\u00e4tzungen schwanken sehr stark. Die Zahl der Christen wird auf 50 bis 70 Millionen gesch\u00e4tzt, davon sind etwa neun bis zehn Millionen Katholiken. Neueste Studien der Di\u00f6zese Hongkong zeigen allerdings, dass die Zahl der Taufen leicht r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Das hat mit der demografischen Entwicklung zu tun, die Geburtenrate sinkt. Das ist eine Gemeinsamkeit mit Europa. Der gravierende Unterschied ist, und das stellen wir auch in anderen asiatischen L\u00e4ndern fest: Die Kirchen sind voll, das geistliche Leben in den Gemeinden bl\u00fcht \u2013 trotz oder gerade wegen der Benachteiligungen. <\/p>\n<p><strong> <em>Wie steht es um die Religionsfreiheit?<\/em><\/strong><br \/> Verglichen mit anderen autorit\u00e4ren Staaten kann ein chinesischer Katholik seinen Glauben relativ frei leben. Das gilt allerdings nur im kirchlichen und privaten Rahmen. Wer \u00f6ffentlich t\u00e4tig wird oder gar Kritik an der Kommunistischen Partei \u00fcbt, hat mit Verh\u00f6ren, Ermahnungen, Festnahmen, Hausarrest bis hin zu Gef\u00e4ngnisstrafen und Lagerhaft zu rechnen. Immer wieder kommt es zu antichristlichen Aktionen. Einige Beispiele hat \u201eKirche in Not\u201c in der aktuellen Dokumentation \u201eChristen in gro\u00dfer Bedr\u00e4ngnis\u201c zusammengetragen, die wir kostenlos abgeben. <\/p>\n<p> <strong><em>Wie sieht der Einfluss der Kommunistischen Partei auf die Religion aus?<\/em><\/strong><br \/> Ende April hat die Kommunistische Partei neue Richtlinien f\u00fcr die Religionspolitik beschlossen. Parteichef Xi Jinping rief alle Religionsgemeinschaften dazu auf, sich den Anweisungen der Partei zu unterwerfen und ihre Lehren \u201ean die chinesische Realit\u00e4t anzupassen\u201c. Anders gesagt: Alles, was nicht in das atheistische Weltbild passt, wird bek\u00e4mpft. Es wurde auch ein neues Gesetz verabschiedet, dass es Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerken noch schwerer machen soll, in China t\u00e4tig zu werden. Hintergrund ist die Angst der Partei, dass Gl\u00e4ubige, die international gut vernetzt sind, politisch t\u00e4tig werden. Es geht um den Machterhalt.<\/p>\n<p> <strong><em>Wie engagiert sich \u201eKirche in Not\u201c f\u00fcr Chinas Christen?<\/em><\/strong><br \/> Als pastorales Hilfswerk unterst\u00fctzen wir vor allem den Bau und Unterhalt von Kirchen, leisten Existenzhilfe f\u00fcr Priester, f\u00f6rdern die Katechese und die Ausbildung von Laienmitarbeitern. Au\u00dferdem helfen wir beim Aufbau kirchlicher Schulungen f\u00fcr Ehepaare und Familien. Denn auch in China steigen die Scheidungsraten. Unsere Projektpartner berichten uns, dass sich viele Chinesen durch die rasante Entwicklung ihres Landes entwurzelt und haltlos f\u00fchlen. Die Pfarreien und Di\u00f6zesen bem\u00fchen sich nach Kr\u00e4ften, die Fragen suchender Menschen zu beantworten und Einsamen Gemeinschaft zu bieten. Dabei helfen wir, wo wir k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> <em><strong>Der Gebetstag f\u00fcr die Kirche in China wird in diesem Jahr zum achten Mal begangen. K\u00f6nnen Gebete etwas \u00e4ndern?<\/strong> <\/em><br \/> Dazu gen\u00fcgt ein Blick in die j\u00fcngste Geschichte: Papst Benedikt XVI. schrieb 2007 einen offenen Brief an die Katholiken in China. Darin legte er den 24. Mai als weltweiten Gebetstag f\u00fcr die Kirche in China fest. Das ist der Gedenktag der Gottesmutter von Sheshan, dem gr\u00f6\u00dften chinesischen Wallfahrtszentrum bei Shanghai. Heute, neun Jahre sp\u00e4ter, haben sich nicht nur viele Bisch\u00f6fe der \u201ePatriotischen Vereinigung\u201c mit Rom ausges\u00f6hnt, sondern es gibt erstmals wieder offizielle Gespr\u00e4che zwischen Peking und dem Vatikan. Dazu hat auch das Interview von Papst Franziskus mit der \u201eAsian Times\u201c im Januar dieses Jahres beigetragen, in dem er seine Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber dem chinesischen Volk zum Ausdruck brachte. Man sollte die Macht des Gebetes nicht untersch\u00e4tzen! \u201eKirche in Not\u201c hat zum Weltgebetstag f\u00fcr die Kirche in China ein Faltblatt mit Gebeten, F\u00fcrbitten und Informationen herausgebracht. Das kann kostenlos bei uns bestellt werden. <\/p>\n<p><strong> <em>Was k\u00f6nnen Katholiken hierzulande sonst noch f\u00fcr ihre Glaubensgeschwister in China tun?<\/em><\/strong><br \/> Ich m\u00f6chte das mit einem Dreischritt beantworten: Informieren \u2013 im Internet oder in Berichten zur Religionsfreiheit. Solidarisieren \u2013 die Kirche in China im Gebet mittragen und zum Thema machen, zum Beispiel in den Pfarrgemeinden. Wir stehen auch gerne f\u00fcr Vortr\u00e4ge zur Verf\u00fcgung. Spenden \u2013 je nach den eigenen M\u00f6glichkeiten. Die Hilfe kommt an und bewirkt viel Gutes!<\/p>\n<p> Die Dokumentation \u201eChristen in gro\u00dfer Bedr\u00e4ngnis\u201c kann in unserem Webshop&nbsp;bestellt werden: <a href=\"http:\/\/www.kircheinnot.at\/Shop\/Details\/?item=3&amp;back=%2FShop%2F\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8230;zum Webshop<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Mai beten Katholiken in aller Welt f\u00fcr ihre Glaubensgeschwister in China. Papst Benedikt XVI. hatte den Gebetstag im Jahr 2007 eingef\u00fchrt. Das weltweite katholische Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c steht seit vielen Jahren den Christen Chinas solidarisch bei. 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