{"id":1065,"date":"2016-07-13T07:36:31","date_gmt":"2016-07-13T05:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/der-lange-arm-der-dschihadisten-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:39:27","modified_gmt":"2023-02-23T10:39:27","slug":"der-lange-arm-der-dschihadisten-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/der-lange-arm-der-dschihadisten-html\/","title":{"rendered":"Der lange Arm der Dschihadisten"},"content":{"rendered":"<p><span>Auch in der Bekaa-Ebene f\u00fcrchten syrische Christen die Verfolgung durch den IS.&nbsp;Nennen wir sie Samir und Sabine. Sagen wir, sie sind Anfang 50, Christen, geflohen aus Rakka, der Hochburg der Terrormiliz \u201eIslamischer Staat\u201c. Sie nennen sie \u201eDaesh\u201c auf Arabisch. F\u00fcr die Gr\u00e4uel, die ihnen die selbsternannten Gottesk\u00e4mpfer angetan haben, gibt es keinen Namen. &nbsp;&#8222;Kein Foto, keine Namen!&#8220; Samirs Gestik ist deutlich: Sonst rollt sein Kopf. Dann l\u00e4sst er die Arme sinken, in den H\u00e4nden ein Papier: die Quittung f\u00fcr die Christensteuer im &#8222;Islamischen Staat&#8220;. 3.700 Euro ist der Preis, den die Dschihadisten pro Jahr und Familie festgelegt haben &#8211; Schutzgeld, doch vor dem Terror ist niemand sicher.<\/span><\/p>\n<p><span>Samir und seiner Familie ging es gut in Ar-Rakka. Dann kam Daesh. Samir zahlte. Als die Bedrohung gr\u00f6sser wurde, konvertierte die Familie zum Islam. &#8222;Ich habe das Leben gehasst, den Schleier, dass ich ohne m\u00e4nnliche Begleitung nicht auf die Strasse durfte&#8220;, erz\u00e4hlt Sabine. &#8222;Das ist nicht f\u00fcr uns Christen!&#8220; Samir betete in der Moschee, zum Schein &#8211; als Schutz f\u00fcr seine Familie. Dann kam das Auto mit den K\u00e4mpfern. Jemand hatte die Familie denunziert. Sie seien nicht wirklich zum Islam \u00fcbergetreten, beteten zuhause nach wie vor zu ihrem Gott. Samir und seiner Familie gelingt die Flucht. Sie finden Schutz bei einem muslimischen Freund. In der Nacht machen sie sich auf nach Aleppo, querfeldein, zu gross ist die Angst, entdeckt zu werden. Der Terror zieht mit. &#8222;Nach zwei Monaten in Aleppo bekam ich einen Anruf. Sie sagten mir, sie werden kommen und mich t\u00f6ten&#8220;, sagt Samir.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span>Die Familie flieht weiter, nach Beirut. Bis auch dort das Telefon klingelt: &#8222;Wir wissen wo du bist!&#8220; Die unausgesprochene Drohung treibt die Familie in die Bekaa-Ebene. Samir und Sabine sind froh, ihren Glauben nicht l\u00e4nger verleugnen zu m\u00fcssen. &#8222;Die ganze Zeit hatten wir ein Bild des Heiligen Charbel bei uns, das ist es, was uns gerettet hat&#8220;, sagt Sabine. Ihr Glaube, sagen beide, sei &#8222;st\u00e4rker als je zuvor&#8220;. Dieses Glaubens wegen wollen sie raus aus dem Nahen Osten. &#8222;Wir sind hier nirgends sicher&#8220;, sagt Samir. Auch an ihrem jetzigen Aufenthaltsort klingelte bereits das Telefon: &#8222;Wo immer du bist, wir finden dich!&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span>Wir k\u00f6nnten sie Jakob und Claire nennen. Auch ihre Geschichte ist eine lange Geschichte von Flucht in Todesangst. Es begann mit Protesten. Ihre muslimischen Nachbarn wollten christliche Unterst\u00fctzung im Kampf gegen die Regierung. &#8222;Aber wir Christen lieben Pr\u00e4sident Assad&#8220;, sagt Claire. &#8222;Unter ihm ging es uns gut und wir waren sicher.&#8220; Die Fakten ihrer Flucht aus Qussair sind schnell erz\u00e4hlt: Eines Freitags predigten die Islamisten den Christen den Tod. Alle M\u00e4nner \u00fcber 5 Jahren flohen in den Libanon. 75 von ihnen schafften es nicht. Sie wurden vom IS hingerichtet. Zur\u00fcck blieben die Frauen und Kinder. Die K\u00e4mpfer drangen in ihre H\u00e4user ein, zerst\u00f6rten pl\u00fcnderten, drohten mit Vergewaltigung. Dann flohen auch die Frauen mit ihren Kindern. Keine Worte erfassen den Schmerz und das Trauma.<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eEs gibt Familien hier, die mussten \u00fcber die Leichen ihrer Nachbarn steigen, um fliehen zu k\u00f6nnen\u201c, sagt Sana, die einzige, die ihren Namen nennt. Sana ist Libanesin und engagiert sich mit Unterst\u00fctzung von &#8222;Kirche in Not&#8220; seit Beginn der Syrienkrise f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge in ihrer Stadt. \u201eBis heute malen ihre Kinder diese Horrorszenen.\u201c Die Aufarbeitung der Traumata brauche Zeit, aber die Christin ist froh, dass ihre Fl\u00fcchtlinge begonnen haben, \u00fcber das Erlebte zu sprechen.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span>Sie nennt sich Maria. Ihre eigene Geschichte will die Christin aus Sadat nicht erz\u00e4hlen und spricht von ihren Nachbarn. \u201eIn jener Nacht im Oktober 2013\u201c, sagt sie, \u201ekamen die M\u00e4nner vom IS. Dreimal haben sie \u201aAllahu Akbar\u2018 gerufen. Dann haben sie alle get\u00f6tet: Die Grossmutter, den Grossvater, die Eltern, die Tochter und den Sohn. Drei Generationen. Die Leichen haben sie in einen Brunnen geschmissen.\u201c Maria wird still. &#8222;Es sind zu viele Geschichten, die dem syrischen Volk passiert sind.&#8220; (<span>von Andrea Krogmann)<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in der Bekaa-Ebene f\u00fcrchten syrische Christen die Verfolgung durch den IS.&nbsp;Nennen wir sie Samir und Sabine. Sagen wir, sie sind Anfang 50, Christen, geflohen aus Rakka, der Hochburg der Terrormiliz \u201eIslamischer Staat\u201c. Sie nennen sie \u201eDaesh\u201c auf Arabisch. 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