{"id":1071,"date":"2016-07-21T09:45:52","date_gmt":"2016-07-21T07:45:52","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/die-lage-ist-aussichtslos-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:39:21","modified_gmt":"2023-02-23T10:39:21","slug":"die-lage-ist-aussichtslos-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/die-lage-ist-aussichtslos-html\/","title":{"rendered":"Die Lage ist aussichtslos"},"content":{"rendered":"<p><span>Ein syrisches Sprichwort sagt: \u201eWer Aleppo regiert, regiert Syrien\u201c. Tats\u00e4chlich liegt die zweitgr\u00f6sste Stadt Syrien, die vor dem seit mehr als f\u00fcnf Jahren andauernden Krieg rund 3,5 Millionen Einwohner z\u00e4hlte, strategisch wichtig. Wer die nordsyrische Stadt kontrolliere, \u201ekontrolliert das Zentrum das Landes bishin zu den Grenzen, von Osten nach Westen\u201c, best\u00e4tigt der lateinische Pfarrer von Aleppo, Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh. Der Franziskanerkonvent im Stadtteil Er-Ram sowie von den Franziskanern betreute Einrichtungen sind seit Kriegsbeginn wiederholt bombadiert worden. Zuletzt starb bei dem Raketenbeschuss auf die als Altenheim genutzte Franziskanerschule eine Bewohnerin, zwei weitere wurden schwer verletzt.<\/span><\/p>\n<p><span>Seit Tagen nun wird Aleppo von Rebellengruppen und der syrischen Armee erneut heftig umk\u00e4mpft. Auch der Franziskanerkonvent und die mehrheitlich christlich bewohnten Viertel Westaleppos wurden wieder zum Ziel. Die Intensit\u00e4t der K\u00e4mpfe und das Ausmass der Zerst\u00f6rung sind nach Worten pater Ibrahim unbeschreiblich, die Lage verschlimmere sich seit dem 8. Juli t\u00e4glich. \u201eInnerhalb von vier Stunden sind 250 Raketen auf die Bewohner Westaleppos gefallen\u201c, so pater Ibrahim, der die gegenw\u00e4rtige Lage als \u201e\u00fcber das Mass des Aushaltbaren\u201c hinausgehend beschreibt. Aleppo erlebe in diesen Tagen \u201edie schlimmsten Momente in seiner Geschichte\u201c. Er habe in den letzten Tagen zahlreiche Gebete und Verzweiflungsrufe erhalten, die Menschen beteten Tag und Nacht.<\/span><\/p>\n<p><span>Der syrischen Armee ist es mit der vor einer Woche gestarteten Offensive gelungen, den als Versorgungsweg dienenden Castello-Korridor im Norden Aleppos unter ihre Kontrolle zu bringen. Die den Osten der Stadt kontrollierenden Rebellengruppen bereiten sich auf eine monatelange Belagerung vor. Damit haben sich die von Aleppos Christen ge\u00e4usserten schlimmsten Bef\u00fcrchtungen erf\u00fcllt. \u201eEs bedeutet, dass wir keine M\u00f6glichkeit mehr haben zu leben. Einige denken, dass es fast besser w\u00e4re, zu sterben sagt Pfarrer Ibrahim. \u201eZweidrittel der Christen, wenn nicht mehr\u201c haben die Stadt nach Worten des Franziskaners bereits verlassen. Vor dem Krieg galt Aleppo mit rund 150.000 Gl\u00e4ubigen als eine der gr\u00f6ssten christlichen Gemeinden Syriens.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span>Die Christen leben im von der syrischen Armee kontrollierten Westen der Stadt, wo sie \u201ezumindest ein Lebensrecht und das Recht auf unseren Glauben\u201c haben, so Pater Ibrahim. F\u00fcr das Rebellengebiet sei dies nur schwerlich vorstellbar. Auch wenn man die auf Rebellenseite k\u00e4mpfenden Gruppen nicht genau identifizieren k\u00f6nne, so k\u00f6nne man doch deren Terror bezeugen. \u201eWer Raketen auf Wohnh\u00e4user, Kirchen, Schulen und Krankenh\u00e4user schiesst, ist kein \u201amoderater Rebell\u2018!\u201c An den Westen richtet der syrische Geistliche einen entsprechend deutlichen Appell: \u201eSchliesst die Grenzen, durch die der Nachschub an Waffen, Nahrung und K\u00e4mpfern kommt. Zu 95 Prozent kommt der Nachschub aus der T\u00fcrkei, und er kommt mit Hilfe. Wir reden nicht von einzelnen Personen, sondern von ganzen organisierten Truppen mit einer Logistik.\u201c Obwohl der Franziskaner die Hoffnung auf eine diplomatische L\u00f6sung nicht aufgeben will, sei dies eine \u201eHoffnung wider jede Hoffnung\u201c und die letzten Tage ein \u201eAusdruck der Unm\u00f6glichkeit einer diplomatischen L\u00f6sung\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span>Unter den verbliebenen Christen herrscht nach Worten des Pfarrers eine grosse Verunsicherung, verbunden mit der t\u00e4glichen Entscheidung, zu bleiben oder zu fliehen. Und \u201eauch die Liste der M\u00e4rtyrer ist lang\u201c, sgat Pater Ibrahim, der angesichts der dramatischen Situation zum Handeln aufruft: \u201eWir d\u00fcrfen angesichts dieses \u00dcbels nicht passiv bleiben. Unsere klare Antwort muss Geduld heissen, und eine Positivit\u00e4t des Handelns. Deswegen helfen wir, wo wir k\u00f6nnen, besuchen die Kranken und beten mit den Gl\u00e4ubigen.\u201c Zur Hilfe, die die f\u00fcnf Franziskaner in Aleppo leisten, z\u00e4hlen neben der Seelsorge unter anderem mit Lebensmittelpaketen, die \u00dcbernahme der Kosten f\u00fcr Strom und medizinische Versorgung sowie f\u00fcr Mieten und Schulgelder.<\/span><\/p>\n<p><span>KIRCHE IN NOT unterst\u00fctzt die Christen in Aleppo seit vielen Jahren. Durch die kirchlichen Partner vor Ort werden Programme finanziert, um die Versorgung der notleidenden Bev\u00f6lkerung zu gew\u00e4hrleisten. Hinzu kommen Hilfen f\u00fcr Wohnungslose. Dar\u00fcber hinaus steht das Hilfswerk Christen aus Syrien und dem Irak bei, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind oder in Nachbarl\u00e4ndern wie dem Libanon Aufnahme gefunden haben.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein syrisches Sprichwort sagt: \u201eWer Aleppo regiert, regiert Syrien\u201c. 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