{"id":1075,"date":"2016-08-19T07:19:25","date_gmt":"2016-08-19T05:19:25","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/staerke-der-menschen-beeindruckt-mich-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:04:00","modified_gmt":"2023-02-23T11:04:00","slug":"staerke-der-menschen-beeindruckt-mich-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/staerke-der-menschen-beeindruckt-mich-html\/","title":{"rendered":"&#8222;St\u00e4rke der Menschen beeindruckt mich&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Andrzej Halemba, Projektleiter Nahost bei Kirche in Not, \u00fcber die Lage der Christen im Irak zwei Jahre nach ihrer Flucht vor dem IS.&nbsp;<br \/> <strong><em>Pater Halemba, kurz nach der Flucht der Christen aus der irakischen Ninive-Ebene haben Sie das Land besucht. Was haben Sie damals gesehen?<\/em><\/strong><em> <br \/> <\/em><br \/> Es war nat\u00fcrlich eine verheerende Situation. Die Menschen schliefen in den ersten Tagen auf dem blanken Boden. Die Temperaturen waren im irakischen August gnadenlos. Um die 50 Grad. Die Menschen waren zudem sehr aggressiv und traumatisiert. Hinzu kam, dass sie sich nicht nur von ihren muslimischen Nachbarn verraten f\u00fchlten, die mit dem IS kooperierten und ihre H\u00e4user pl\u00fcnderten. Sie hatten darauf vertraut, dass die kurdischen Peschmerga-Truppen ihre D\u00f6rfer verteidigen w\u00fcrden. Aber nachdem die Peschmerga \u00fcberraschend und entgegen aller Versicherungen abzogen, lagen sie schutzlos da und ergriffen unter teils dramatischen Umst\u00e4nden die Flucht. Das konnte man den Gesichtern ansehen. <\/p>\n<p> <strong><em>Kirche in Not hat dann sehr schnell begonnen zu helfen.<\/em><\/strong><em> <br \/> <\/em><br \/> Ja. Es ging damals um humanit\u00e4re Soforthilfe f\u00fcr immerhin allein \u00fcber <br \/> 120000 Christen. Die lokale Kirche war damit zun\u00e4chst v\u00f6llig \u00fcberfordert. <br \/> Aber mit der Hilfe internationaler Geber und Organisationen wie Kirche in Not hat sich die Lage doch relativ schnell stabilisiert. Ich habe aber nicht gedacht, dass die Menschen bis heute fern ihrer Heimat w\u00fcrden leben m\u00fcssen. Die politische und milit\u00e4rische Lage im Irak lie\u00df bislang einfach keine Befreiung der vom IS besetzten christlichen Gebiete zu. Das nagt nat\u00fcrlich an den Menschen. Viele haben schon damals den Glauben an eine Zukunft im Irak verloren und wollten nichts wie weg. Ich wurde sehr oft nach Dollars und Visas f\u00fcr die Ausreise gefragt. <\/p>\n<p> <strong><em>Es gibt jetzt Berichte, dass ein milit\u00e4rischer Befreiungsversuch Mossuls und der Umgebung nur noch eine Frage der Zeit sei.<\/em><\/strong><em> <br \/> <\/em><br \/> Das ist richtig. Und die Menschen hoffen darauf. Allerdings k\u00f6nnte das zu neuen Schwierigkeiten f\u00fchren. Denn Sie m\u00fcssen bedenken, dass Mossul eine Millionenstadt ist. Kommt es zu einem Angriff, werden Hunderttausende vor den K\u00e4mpfen fliehen. Und wohin werden sie gehen? Wahrscheinlich nach Kurdistan, das jetzt schon aus allen N\u00e4hten platzt. Naheliegend ist aber auch, dass viele Sunniten aus Mossul und Umgebung in die leerstehenden christlichen D\u00f6rfer gehen und dort Zuflucht suchen. Das k\u00f6nnte ungeahnte neue Schwierigkeiten schaffen. Denn werden sie von dort wieder weggehen? <br \/> Noch ist das nur eine M\u00f6glichkeit. Die Bisch\u00f6fe im Irak macht dieses Szenario aber echte Sorgen. Die Christen haben schon viele schlechte Erfahrungen mit Landbesetzung machen m\u00fcssen. <\/p>\n<p> <strong><em>Wie sieht die Lage der Fl\u00fcchtlinge heute aus?<\/em><\/strong> <\/p>\n<p> Insgesamt w\u00fcrde ich sagen, dass die Menschen nicht mehr so verloren und aggressiv sind. Die Kirche tut geistlich und psychologisch viel f\u00fcr die Menschen. Die Priester, aber besonders die Schwestern, sind den Menschen nahe. Die Menschen haben sich mit der Situation arrangiert. Ich sage nicht, dass sie dauerhaft so leben wollen. Nat\u00fcrlich nicht. Aber sie haben gesehen, dass man sie nicht allein gelassen hat. Wir haben Schulen eingerichtet. Bald werden auch weiterf\u00fchrende Schulen er\u00f6ffnen k\u00f6nnen. <br \/> Damit sollte verhindert werden, dass wie in Syrien eine verlorene Generation heranw\u00e4chst. Au\u00dferdem wohnen die meisten Menschen jetzt nicht mehr in Zelten oder Wohncaravans, sondern in angemieteten Wohnungen und H\u00e4usern. Das hat ihnen ihre W\u00fcrde zur\u00fcckgegeben und das Gef\u00fchl, wieder ein Zuhause zu haben. Durch unsere Zusch\u00fcsse f\u00fcr Lebensmittel und eigene Arbeit ist die Grundversorgung sichergestellt. Aber nat\u00fcrlich kann es nicht ewig so weitergehen. Je l\u00e4nger dieses Exil dauert, desto mehr Menschen werden gehen. Und es haben ja schon viele Christen den Irak verlassen.<\/p>\n<p> <strong><em>Haben Sie Zahlen?<\/em><\/strong> <\/p>\n<p> Keine genauen. Aber von den etwa 120000 Christen, die anfangs gefl\u00fcchtet sind, sind viele gegangen. Wir haben zu Beginn etwa 13500 Familien geholfen. Heute sind es etwa 4 bis 5000 Familien weniger. Sie sind gegangen. Das tut weh. Aber ohne Hilfe w\u00e4ren es noch mehr gewesen. Ich bin immer wieder beeindruckt von der gro\u00dfen inneren St\u00e4rke der Menschen. Wenn man ihnen hilft, werden viele in ihre befreiten D\u00f6rfer zur\u00fcckkehren. <\/p>\n<p> Info: Kirche in Not hat seit Sommer 2014 \u00fcber 19 Millionen Euro f\u00fcr Hilfe im Irak zur Verf\u00fcgung gestellt. Mit den jetzt gemachten Zusagen f\u00fcr Hilfsprojekte sollen es zum Jahresende etwa 21 Millionen sein. Neben humanit\u00e4rer Hilfe wird damit auch die pastorale Sendung der Kirche vor Ort unterst\u00fctzt. Neben der Ausbildung und den Unterhalt von Priestern und Ordensfrauen werden auch katechetische Initiativen wie Sommerlager f\u00fcr Jugendliche gef\u00f6rdert. Mit der Hilfe von Kirche in Not konnten jetzt zudem \u00fcber 225 irakische Jugendliche den Weltjugendtag in Krakau besuchen.&nbsp;<\/p>\n<p><span>Interview von&nbsp;<\/span><span>Oliver Maksan f\u00fcr&nbsp;<\/span><span>die Tagespost.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrzej Halemba, Projektleiter Nahost bei Kirche in Not, \u00fcber die Lage der Christen im Irak zwei Jahre nach ihrer Flucht vor dem IS.&nbsp; Pater Halemba, kurz nach der Flucht der Christen aus der irakischen Ninive-Ebene haben Sie das Land besucht. Was haben Sie damals gesehen? Es war nat\u00fcrlich eine verheerende Situation. 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