{"id":1185,"date":"2017-01-04T09:14:07","date_gmt":"2017-01-04T08:14:07","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/zwei-jahre-lang-unter-der-besatzung-des-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:03:34","modified_gmt":"2023-02-23T11:03:34","slug":"zwei-jahre-lang-unter-der-besatzung-des-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/zwei-jahre-lang-unter-der-besatzung-des-html\/","title":{"rendered":"Zwei Jahre lang unter der Besatzung des IS"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 13.008px;\">Vor zwei Monaten floh Ismail mit seiner Mutter Jandark Behnam Mansour (55) aus der irakischen Stadt Mossul, nachdem die beiden dort zwei Jahre lang den Terror des IS \u00fcberlebt hatten.&nbsp;<\/span><span style=\"font-size: 13.008px;\">Ismail und Jandark leben jetzt in Erbil in der nordirakischen Autonomiezone Kurdistan. Sie erz\u00e4hlen uns ihre Geschichte und werfen einen Blick zur\u00fcck auf die Zeit unter dem sogenannten Islamischen Staat.<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eMeine Mutter und ich wohnten in Bartella, einem der christlichen D\u00f6rfer der Ninive-Ebene\u201c, sagt Ismail. \u201eAls wir eines Morgens im August aufwachten, hatte der IS die Stadt eingenommen. Wir versuchten zu fliehen, aber die Dschihadisten raubten uns aus, nahmen uns gefangen und brachten uns nach Mossul. \u201eIch hatte gro\u00dfe Angst\u201c, sagt&nbsp; seine Mutter. Sie ist Witwe. \u201eSie schrieben unsere Namen auf und wir hatten keine Ahnung, wo wir waren und was mit uns geschehen w\u00fcrde. Wir waren komplett von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten. Kurz danach erlaubte man uns, nach Bartella zur\u00fcckzukehren. Aber an einem Kontrollpunkt verlangte man von uns, zum Islam zu konvertieren. Als wir weigerten, schlugen sie uns. Mein Sohn kam ins Gef\u00e4ngnis. Er war erst 14 Jahre alt.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eMan brachte mich ins Gef\u00e4ngnis von Bartella\u201c, best\u00e4tigt Ismail. \u201eAn einem Tag wurde direkt vor meinen Augen ein Schiite&nbsp; erschossen. Die Terroristen sagten zu mir: \u201aWenn du nicht zum Islam \u00fcbertrittst, erschie\u00dfen wir Dich auch.\u2018 Also bin ich zum Islam konvertiert. Von da an verheimlichten wir, dass wir Christen sind.\u201c Ismail wurde freigelassen und f\u00fcr seine Mutter und ihn begann eine wahre Odyssee: von Bartella zogen sie in verschiedene Viertel von Mossul, danach in das kleine Dorf Bazwaya, nur einen Steinwurf von Mossul entfernt. \u201eWir bekamen vom IS ein Dokument, in dem stand, dass wir Muslime sind\u201c, berichtet Ismail weiter.<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eDadurch konnte ich mich in Mossul drau\u00dfen auf den Stra\u00dfen bewegen. Aber dort war man seines Lebens nicht sicher. Einmal wurde ich zusammengeschlagen, weil meine Hose zu lang war.<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eEinmal, als ich fr\u00fch am Morgen mit den Dschihadisten zur Moschee ging, war unser Weg versperrt. Pl\u00f6tzlich wurden wir von M\u00e4nnern in orangefarbenen Overalls \u00fcberholt. Eine Gruppe von IS-Kindern trieb sie mit vorgehaltener Waffe vor sich her. Die Kinder erschossen die M\u00e4nner voller Freude.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eEin anderes Mal geriet ich in eine Menschenmenge auf der Stra\u00dfe. Da war eine Frau. Sie war an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gefesselt. Die IS-Terroristen bildeten einen Kreis um sie. Wenn es ihr gelingen w\u00fcrde,&nbsp; aus dem Kreis auszubrechen, w\u00fcrde man sie leben lassen. Aber das war unm\u00f6glich, sie war ja gefesselt. W\u00e4hrend ihre Angeh\u00f6rigen weinten und um Gnade flehten, bewarfen die Dschihadisten die Frau so lange mit Steinen, bis sie&nbsp; starb.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eDer IS steckte mich in ein Straflager. Ich musste meine Haare und meinen Bart wachsen lassen. Meine Mutter bekam ein langes Gewand, um sich zu verh\u00fcllen. Aber sie durfte nicht auf die Stra\u00dfe gehen. Die IS-K\u00e4mpfer wollten, dass ich heirate, damit ich einer von ihnen werde. Ich lehnte ab und sagte, dass ich zu jung bin. Das lie\u00df sie unbeeindruckt, denn sogar dreizehnj\u00e4hrige Jungen waren verheiratet. Die Terroristen wollten, dass ich mich ihnen anschlie\u00dfe. Sie waren davon \u00fcberzeugt, dass \u201aunser Staat alles \u00fcberlebt\u2018\u201c.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eMein Sohn wurde vom IS gezwungen, den Islam zu praktizieren und ich wurde gefoltert, weil ich nichts \u00fcber den Islam und den Koran wusste\u201c, sagt seine Mutter Jandark.<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eJa, ich sch\u00e4me mich daf\u00fcr, dass ich mich zum Islam bekennen musste\u201c, sagt Ismail. \u201eDie IS-K\u00e4mpfer haben mich beten lassen\u201c, sagt Ismail. \u201eSie haben mir einen Gebetsteppich gegeben, auf dem ich zu Allah beten sollte. M\u00e4nner wurden gezwungen, freitags in der Moschee zu beten. Jeder, der zur Zeit des Freitagsgebets drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe gefunden wurde, wurde zusammengeschlagen. In der Moschee sagte man uns, die Assyrer w\u00e4ren schlecht und dass die Christen nicht dem richtigen Glauben folgten. Meine Mutter h\u00e4tte zuhause beten sollen, aber sie betete nicht zu Allah.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eDann fanden die IS-K\u00e4mpfer meine Kette mit dem Kreuz, einem Zeichen, dass ich Christ bin. Die Dschihadisten schlugen mich und ich musste einen Monat lang den Koran studieren. Ich wurde jedes Mal geschlagen, wenn ich ihre Fragen nicht so beantworten konnte, wie sie es von mir verlangten und meine Mutter wurde mit langen Nadeln gestochen, weil sie den Koran nicht studiert hatte.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>Eines Tages h\u00f6rten wir, dass Karakosch, eine andere vom IS besetzte Stadt der Ninive-Ebene, befreit worden war und dass die Befreiungstruppen die Dschihadisten aus Bartella vertrieben hatten. Kurz danach begannen die Luftangriffe auf Mossul und viele Menschen flohen. Auch der IS floh und in der Eile lie\u00dfen sie sogar ein paar Waffen zur\u00fcck. Allerdings nahmen sie auch Menschen mit nach Mossul, darunter meine Mutter und mich. Drei Tage lang waren wir in der Gewalt eines Dschihadisten.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eAls die Terroristen zu sehr ins Gefecht verwickelt waren, lie\u00dfen sie uns zur\u00fcck. Wieder h\u00f6rten wir, dass die Armee vorr\u00fccken w\u00fcrde. Wir fuhren mit dem Taxi an die Front, in Richtung Freiheit. Aber die Dschihadisten hielten uns auf. Sp\u00e4ter versuchten wir noch einmal zu fliehen und landeten wieder an der Front: IS-Heckensch\u00fctzen schossen auf uns. Wir suchten Deckung in einem Haus. Nach stundenlangen K\u00e4mpfen konnten meine Mutter und ich das Haus verlassen. Wir schwenkten eine wei\u00dfe Fahne. Die Soldaten der irakischen Befreiungsarmee begr\u00fc\u00dften uns. Wir waren frei!\u201c<\/span><\/p>\n<p><em><span>KIRCHE IN NOT hat die christlichen Fl\u00fcchtlinge aus Erbil und Bagdad seit Beginn der Krise im August 2014 mit mehr als 23 Millionen Euro unterst\u00fctzt. Zu den wichtigsten Projekten z\u00e4hlen das Nahrungsmittelhilfsprogramm f\u00fcr die aus Mossul und der Ninive-Ebene vertriebenen Familien, mit dem bis zu 13.000 Familien unterst\u00fctzt werden, sowie das Wohnungsprogramm f\u00fcr ungef\u00e4hr 1.800 vertriebene christliche Familien in Kurdistan.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span>Von Jaco Klamer f\u00fcr KIRCHE IN NOT, Foto: KIRCHE IN NOT\/Jaco Klamer<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor zwei Monaten floh Ismail mit seiner Mutter Jandark Behnam Mansour (55) aus der irakischen Stadt Mossul, nachdem die beiden dort zwei Jahre lang den Terror des IS \u00fcberlebt hatten.&nbsp;Ismail und Jandark leben jetzt in Erbil in der nordirakischen Autonomiezone Kurdistan. 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