{"id":1191,"date":"2017-01-17T08:57:06","date_gmt":"2017-01-17T07:57:06","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/karakosch-das-ausmass-des-schadens-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:03:22","modified_gmt":"2023-02-23T11:03:22","slug":"karakosch-das-ausmass-des-schadens-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/karakosch-das-ausmass-des-schadens-html\/","title":{"rendered":"Karakosch: Das Ausma\u00df des Schadens"},"content":{"rendered":"<p>Irak: Das Ausma\u00df des Schadens nach der Besatzung in Karakosch &#8211;&nbsp;IS benutzte Kirche als Schie\u00dfstand.&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">\u201eIch begreife nicht, wie Menschen einander so sehr Schaden zuf\u00fcgen k\u00f6nnen\u201c, seufzt Wachmann Louis Petrus. Heute ist Louis zum ersten Mal in seine Heimatstadt zur\u00fcckgekehrt: die christliche Stadt Karakosch bei Mossul, aus der er am 6. August&nbsp; 2014 fliehen musste, als der IS die Stadt besetzte. \u201eSehen Sie sich mein Haus an: es ist besch\u00e4digt, die meisten meiner M\u00f6bel wurden gestohlen und mein Hausrat ist kaputt. Andere B\u00fcrger von Karakosch hatten mich darauf vorbereitet, was mich in der Stadt erwarten w\u00fcrde. Ich hatte Geschichten von der Zerst\u00f6rung durch die Dschihadisten geh\u00f6rt und Bilder gesehen.&nbsp; Jetzt, wo ich die Stadt mit meinen eigenen Augen sehe, wei\u00df ich gar nicht, was ich f\u00fchlen soll. Die IS-Terroristen haben viel von meinem Hab und Gut zerst\u00f6rt. Aber ich bin noch ganz gut davongekommen, wenn ich mir den Schaden an meinen Nachbarh\u00e4usern ansehe: viele H\u00e4user wurden durch Feuer besch\u00e4digt oder vollst\u00e4ndig niedergebrannt. Ich war gesegnet.\u201c<\/span><\/p>\n<p><strong><span>Verborgene Sch\u00e4tze<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>Heute ist der 72-j\u00e4hrige katholische Geistliche Pater Sharbil Eeso in die befreite Stadt Karakosch gekommen. Am 17. August hatte er die Stadt zum dritten und letzten Mal verlassen. Im Seminar und im dazugeh\u00f6rigen B\u00fcro herrscht Chaos: Auf der Suche nach verborgenen Sch\u00e4tzen haben die Besatzer die Decken heruntergerissen. Statuen wurden zerst\u00f6rt, die Unterlagen auf den Kopf gestellt. \u201eWir d\u00fcrfen diese Unordnung noch nicht aufr\u00e4umen\u201c, sagt er, w\u00e4hrend er den Staub von seiner gerade wiedergefunden priesterlichen Kopfbedeckung absch\u00fcttelt. \u201eZuerst muss der Schaden sorgef\u00e4ltig beurteilt und genauestens dokumentiert werden. Damit kann erst begonnen werden, wenn die Stadt sicher ist. Vorige Woche tauchte aus einem vom IS unter der Stadt errichteten Tunnelsystem ein Dschihadist auf. Die Armee feuerte sofort auf ihn und erschoss ihn: der Junge war vielleicht dreizehn Jahre alt.\u201d<\/span><\/p>\n<p><strong><span>Sicherheit<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>Die Kirchen in Karakosch wurden von den Dschihadisten \u00e4u\u00dferst rege genutzt. Sie schrieben sogar ihre Schlachtpl\u00e4ne auf die W\u00e4nde. Die syrisch-katholische Kirche St. Georg wurde in eine Bombenfabrik umgewandelt, die bis zum hastigen R\u00fcckzug des IS in vollem Betrieb war. Hunderte von Bomben und Granaten in allen Formen und Gr\u00f6\u00dfen liegen dort herum und warten darauf, abgefeuert zu werden. Dar\u00fcber hinaus hat die Kirche t\u00f6dliche Rezepturen \u201aerhalten\u2018, die \u2013 im richtigen Mengenverh\u00e4ltnis angewandt \u2013 die in der Kirche gebunkerten Chemikalien in katastrophale Sprengstoffe verwandeln k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eTrotz der ganzen Sch\u00e4den habe ich Hoffnung f\u00fcr die Zukunft\u201c, sagt Vater Sharbil lachend. \u201eWenn unsere Sicherheit gew\u00e4hrleistet ist, k\u00f6nnen Christen auch weiterhin im Irak leben. Christen in Europa k\u00f6nnten ihr Bestes tun, um f\u00fcr unsere Sicherheit zu sorgen. Ich m\u00f6chte nach Karakosch zur\u00fcckkehren, wenn es wieder Strom und Wasser gibt. Allerdings bin ich der Meinung, dass Sicherheit die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr eine R\u00fcckkehr ist.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>Auch Louis Petrus ist fest entschlossen, nach Karakosch zur\u00fcckzukehren. \u201eIch will den Irak nicht verlassen, es sei denn alle Bewohner bleiben fern und gehen weg. Aber wenn zwei oder drei Familien nach Karakosch zur\u00fcckgehen, dann gehe ich auch. Das ist mein Land. Sobald es in der Stadt sicher ist und wir die Erlaubnis erhalten, wieder dort zu leben, m\u00f6chte ich mein Leben in Karakosch wieder aufbauen. Das ist mein Zuhause und ich werde dort&nbsp; bis zu meinem Tod bleiben.\u201c<\/span><\/p>\n<p><strong><span>Grenzkorrekturen<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>Yacoob G. Yaco, assyrisches Mitglied im Parlament, f\u00e4hrt fast t\u00e4glich in das befreite Gebiet, um sich \u00fcber den Fortschritt an der Front und die Sicherheitslage zu informieren. Dar\u00fcber hinaus ermutigt er die Mitglieder der assyrischen Freiwilligen-Armee NPU. Heute spricht er mit General Faris Abderlahad Yacub (54), der die Aufgaben der Freiwilligen-Armee der Ninive-Ebene koordiniert. Beide haben das Vertrauen in die kurdischen Peschmerga verloren, weil diese sie aufgegeben haben, als der IS ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer \u00fcberrannte. Aus diesem Grund sind sie davon \u00fcberzeugt, dass eine Sicherheitstruppe und eine Oase der Christen in der Ninive-Ebene wichtig sind.<\/span><\/p>\n<p><span>Als eines von f\u00fcnf christlichen Mitgliedern im kurdischen Parlament, repr\u00e4sentiert Yacoob die irakische Christengemeinde. \u201eEs herrscht gro\u00dfe Unruhe unter den irakischen Christen\u201c, sagt er uns. \u201eDie Kurden unterst\u00fctzen den Irak in seinem Kampf gegen den IS und bei der R\u00fcckeroberung von Mossul und der umgebenden St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Die Bewohner sind dankbar daf\u00fcr, aber viele der Christen haben den Verdacht, dass die irakische Regierung den Kurden im Gegenzug daf\u00fcr Land gibt. Die Kurden graben tiefe Kan\u00e4le und bauen hohe Z\u00e4une, die laut ihrer Aussage den IS aufhalten sollen. Derweil streiten Kurden und die irakische Regierung ab, dass f\u00fcr die Unterst\u00fctzung Land versprochen wird und sie versichern den Christen, dass es keine Gesch\u00e4fte in Bezug auf das Land gegeben hat. Aber die Kan\u00e4le und Z\u00e4une werden nicht auf kurdischem Land gebaut, sondern in der Ninive-Ebene. Viele Christen f\u00fcrchten, dass es diese Grenze keineswegs nur vor\u00fcbergehend geben wird, sondern dass es sich um eine dauerhafte Grenzkorrektur handelt.\u201c<\/span><\/p>\n<p><strong><span>Geheimg\u00e4nge<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>\u201eWir wollen wirklich mit unseren Kindern nach Karakosch zur\u00fcckkehren\u201c, sagt der B\u00fcrgermeister von Karakosch, Nisan Karromi (59), der am 23. Oktober in die Stadt zur\u00fcckkam, als die Schlacht um die Stadt noch nicht entschieden war. Heute besucht Nisan sein B\u00fcro und erkennt, dass die Dschihadisten keinen Respekt vor seinem Amt hatten: sein Namensschild liegt zerst\u00f6rt auf dem Boden und fast das gesamte Inventar seines Arbeitszimmers wurde verw\u00fcstet. Er rechnet damit, dass \u201ees lange dauern wird, bis alle Sch\u00e4den wieder repariert sein werden.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eEinige der Stadtbewohner haben durch die Invasion des IS alles verloren, anderen wurden die H\u00e4user angez\u00fcndet und anderen ist es noch schlechter ergangen, auch wenn alle diese Stadt f\u00fcr mehr als zwei Jahre verlassen mussten. Wir m\u00fcssen diese Stadt nicht nur wieder aufbauen, wir m\u00fcssen die Menschen auch f\u00fcr die erlittenen Sch\u00e4den entsch\u00e4digen. Nun, da die irakische Regierung sich in einer Krise befindet, wird die internationale Gemeinschaft Hilfestellung geben m\u00fcssen, damit der Irak wieder bewohnbar wird.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>\u201eBevor wir mit dem Aufsammeln der Teile anfangen, m\u00fcssen die Sch\u00e4den sorgf\u00e4ltig aufgezeichnet werden\u201c, erkl\u00e4rt der B\u00fcrgermeister. \u201eGanz abgesehen davon, k\u00f6nnen wir nicht mit dem Wiederaufbau beginnen, denn der Sicherheitsdienst hat den Verdacht, dass sich immer noch IS-K\u00e4mpfer in den G\u00e4ngen unter der Stadt befinden. Nicht jedes Haus ist auf diese Geheimg\u00e4nge durchsucht worden. Vor kurzem wurden zwei asiatisch aussehende Dschihadisten in Karakosch gesehen, die jedoch verschwanden, bevor wir sie festnehmen konnten.\u201d<\/span><\/p>\n<p><span>In der Zwischenzeit besucht Manal Matti die von Ru\u00df geschw\u00e4rzte Kathedrale der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis. Sie ist wundert sich \u00fcber die Schaufensterpuppen, die \u00fcberall auf dem Kirchengel\u00e4nde zu finden sind. Allesamt von Kugeln durchl\u00f6chert. \u201eDie Dschihadisten haben die Kirche als Schie\u00dfstand und die Puppen als Zielscheibe benutzt\u201c, sagt sie entsetzt. \u201eDie Schaufensterpuppen sind v\u00f6llig durchsiebt!\u201c Manal Matti hatte fr\u00fcher nur wenige Schritte von der Kathedrale entfernt einen Sch\u00f6nheitssalon. \u201eIch wei\u00df nicht, ob die Bewohner von Karakosch jemals wieder in meinen Salon kommen werden.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span>Seit 2014 hat KIRCHE IN NOT die Christen im Irak mit mehr als 20 Millionen Euro f\u00fcr Nothilfeprojekte, Schulausbildung, Nahrungsmittel und Lebensunterhalt f\u00fcr die Vertriebenen unterst\u00fctzt.<\/span><\/p>\n<p><em><span>Von Jaco Klamer f\u00fcr KIRCHE IN NOT (Fotos: Jaco Klamer)<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irak: Das Ausma\u00df des Schadens nach der Besatzung in Karakosch &#8211;&nbsp;IS benutzte Kirche als Schie\u00dfstand.&nbsp;\u201eIch begreife nicht, wie Menschen einander so sehr Schaden zuf\u00fcgen k\u00f6nnen\u201c, seufzt Wachmann Louis Petrus. 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