{"id":1287,"date":"2017-05-16T08:48:40","date_gmt":"2017-05-16T06:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/keine-faulen-kompromisse-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:00:16","modified_gmt":"2023-02-23T11:00:16","slug":"keine-faulen-kompromisse-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/keine-faulen-kompromisse-html\/","title":{"rendered":"\u201eKeine faulen Kompromisse\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Emeritierter Bischof von Hongkong \u00fcber die Lage der Christen in China. Joseph Kardinal Zen Ze-kiun gilt als Gewissen der katholischen Kirche in China. Vor allem die laufenden Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit der kommunistischen Staatsf\u00fchrung sieht er skeptisch. Denn die Regierung verfolgt aus seiner Sicht nur ein Ziel: die Kirche ihrem F\u00fchrungsanspruch zu unterwerfen. Der 85-J\u00e4hrige war am 13. Mai auf einem Begegnungstag von \u201eKirche in Not\u201c Deutschland im Wallfahrtsort Kevelaer zu Gast. Mit Berthold Pelster sprach er dar\u00fcber, dass die Kollaboration mit der Staatsf\u00fchrung auch unter Christen zunimmt, welche Rolle die katholische Kirche beim Neuaufbau der chinesischen Gesellschaft spielen kann \u2013 und warum die Kommunisten Angst vor der Fatima-Madonna haben.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Die Volksrepublik China hat in den letzten vier Jahrzehnten einen enormen gesellschaftlichen Wandel durchgemacht: Reformen, vor allem im \u00f6konomischen Bereich, haben den Aufstieg zu einer wirtschaftlichen und technologischen Gro\u00dfmacht erm\u00f6glicht. Welche Bedeutung hat dabei die kommunistische Ideologie heute noch?<\/strong><\/p>\n<p>Joseph Kardinal Zen Ze-kiun: Die F\u00fchrung in China hat die kommunistische Ideologie nie besonders ernst genommen. Beim chinesischen Kommunismus handelt es sich vielmehr um eine Form des ungez\u00fcgelten Imperialismus. Die ausufernde Korruption auch innerhalb der Partei belegt das. Alles dreht sich um Macht. Absoluter Gehorsam gegen\u00fcber der Staatsf\u00fchrung ist das einzige, was z\u00e4hlt. Und mit den \u00d6ffnungen im wirtschaftlichen Bereich und dem zunehmenden Wohlstand wird das alles immer schlimmer. Der Reichtum heizt die Korruption immer weiter an.<\/p>\n<p><strong>Politische Beobachter sprechen davon, dass sich die Menschenrechtslage unter dem jetzigen Pr\u00e4sidenten Xi Jinping eher verschlechtert habe. Was sind Ihre Beobachtungen?<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs hatte ich Hoffnungen, weil der Pr\u00e4sident gegen die Korruption in Staat und Gesellschaft vorgegangen ist. Aber sehr schnell stellte sich heraus, dass es auch bei ihm nur um Macht geht. Personen, die sich f\u00fcr die Einhaltung von Menschenrechten einsetzen, werden unter seiner Regierung unterdr\u00fcckt, verfolgt, gedem\u00fctigt und in Propagandaprozessen verurteilt.<\/p>\n<p><strong>Noch immer ist die katholische Kirche in China gespalten: Es gibt die von der kommunistischen F\u00fchrung anerkannte sogenannte \u201ePatriotische Vereinigung\u201c, die aber jede Einflussnahme Roms ablehnt. Auf der anderen Seite gibt es die papsttreue Untergrundkirche, die starken Repressalien ausgesetzt ist. Wie ist die Lage aktuell?<\/strong><\/p>\n<p>Die Situation ist weiterhin sehr schwierig und schlimm. Und ich muss leider sagen: nicht nur wegen der Kommunisten, sondern auch wegen der gegenw\u00e4rtigen Politik des Heiligen Stuhls. Einige Vertreter im Vatikan sind \u00fcberzeugt, dass jetzt der Moment der Vers\u00f6hnung der beiden Fl\u00fcgel der katholischen Kirche, also der offiziellen Staatskirche und der Untergrundkirche, gekommen ist. Papst Benedikt XVI. hat im Jahr 2007 in seinem Brief an die Katholiken in China von Vers\u00f6hnung gesprochen und damit vor allem die geistliche Vers\u00f6hnung gemeint. Aber das ist ein langer Weg!<\/p>\n<p><strong>Warum so skeptisch?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen die Katholiken der papsttreuen Untergrundkirche doch nicht auffordern, sich der Staatskirche anzuschlie\u00dfen, die eine strikte Unabh\u00e4ngigkeit von jeglichem ausl\u00e4ndischen Einfluss fordert. Eine solche Unabh\u00e4ngigkeit widerspricht dem katholischen Glauben! Aber auch der Staat setzt die Christen der Untergrundkirche unter Druck, mit sehr subtilen Methoden. Bisch\u00f6fe der Untergrundkirche wurden zum Beispiel in der Karwoche zu politischen Schulungen zwangsverpflichtet und konnten deshalb nicht die Liturgie mit den Gl\u00e4ubigen feiern.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen chinesischer F\u00fchrung und dem Heiligen Stuhl berichten?<\/strong><\/p>\n<p>Leider dringt \u00fcber die Gespr\u00e4che wenig nach au\u00dfen. Selbst ich als chinesischer Kardinal habe kaum Informationen dar\u00fcber. Das, was ich wei\u00df, macht mich aber sehr besorgt. Ich habe die gro\u00dfe Bef\u00fcrchtung, dass die Gespr\u00e4che in die falsche Richtung laufen, besonders, was die Auswahl und Ernennung von Bisch\u00f6fen betrifft. Aber es gibt noch viele weitere Probleme. Ich erwarte, dass die Gespr\u00e4che noch sehr lange dauern werden. Die Staatsf\u00fchrung wird meines Erachtens kein anderes Ergebnis akzeptieren als die vollst\u00e4ndige Unterwerfung der Kirche unter den F\u00fchrungsanspruch der kommunistischen Partei.<\/p>\n<p><strong>Der Vatikan betont immer wieder, dass es nur eine katholische Kirche in China gibt, die allerdings unter gro\u00dfen inneren Spannungen leidet. Ist diese Beschreibung aus Ihrer pers\u00f6nlichen Sicht zutreffend?<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fcher habe ich das auch betont: Ja, es gibt nur eine katholische Kirche in China! Heute habe ich da meine Zweifel. Heute beobachte ich einen verbreiteten Opportunismus in der Staatskirche. Zu viele erliegen den materialistischen Verlockungen, die die staatlichen Beh\u00f6rden denjenigen anbieten, die sich der Staatsmacht beugen. Materielle Vorteile verleiten sie dazu, der Staatsmacht mehr Loyalit\u00e4t entgegenzubringen als der universellen katholischen Kirche. Bisch\u00f6fe in der Staatskirche werden illegal geweiht mit dem Versprechen: \u201eSeid ohne Sorge! Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird der Vatikan euch schon noch anerkennen!\u201c Das sind unhaltbare Zust\u00e4nde!<\/p>\n<p><strong>Das alles klingt sehr pessimistisch. Was sind Ihre Erwartungen f\u00fcr das Christentum in China?<\/strong><\/p>\n<p>Alles h\u00e4ngt davon ab, ob wir es schaffen, unseren Glauben authentisch zu leben \u2013 und nicht mit vielerlei Kompromissen. Es gibt diese Christen in China, die mutig f\u00fcr eine bessere Gesellschaft eintreten. Viele von ihnen aber sind im Gef\u00e4ngnis! Sollte der Kommunismus eines Tages fallen, dann sollten die Katholiken zu denjenigen geh\u00f6ren, die ein neues China aufbauen. Das geht aber nur, wenn die Katholiken nicht vorher schon durch faule Kompromisse mit der kommunistischen F\u00fchrung ihre Glaubw\u00fcrdigkeit verspielt haben.<\/p>\n<p><strong>Wir Katholiken erinnern uns in diesen Tagen an die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima vor genau 100 Jahren. Die Botschaften der Gottesmutter von Fatima warnen vor der gottlosen Ideologie des Kommunismus. Sind diese Botschaften unter den Katholiken in China bekannt?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich! Alle bei uns kennen die Fatima-Botschaften. Sogar die Kommunisten! Sie sind sehr besorgt deswegen und haben sogar Angst vor der Gottesmutter von Fatima! Das nimmt groteske Z\u00fcge an: Wenn Sie zum Beispiel Bilder der \u201eMaria Immaculata\u201c oder Darstellungen des Gnadenbildes \u201eMaria, Hilfe der Christen\u201c aus dem Ausland nach China einf\u00fchren, dann haben die Kommunisten nichts dagegen. Bilder der \u201eGottesmutter von Fatima\u201c dagegen sind verboten. Das ganze Fatima-Geschehen ist aus ihrer Sicht \u201eanti-kommunistisch\u201c. Und das haben sie ja auch ganz richtig erkannt!<\/p>\n<p><strong>Die F\u00fchrung macht da also Unterschiede. Dabei hat auch die Verehrung Marias unter dem Titel \u201eHilfe der Christen\u201c einen besonderen Bezug zu China: An ihrem Gedenktag, dem 24. Mai, begeht die katholische Kirche einen weltweiten Gebetstag f\u00fcr die Kirche in China. Papst Benedikt XVI. hat ihn im Jahr 2007 eingef\u00fchrt. Welche Bedeutung hat dieser Gebetstag?<\/strong><\/p>\n<p>Die Verehrung der Gottesmutter unter dem Titel \u201eHilfe der Christen\u201c ist \u00fcberall in China schon lange tief verwurzelt. Unter diesem Titel ist nicht nur die Hilfe f\u00fcr einzelne Gl\u00e4ubige gemeint, sondern auch die Hilfe f\u00fcr die Kirche als Ganzes. In China ist die Hauptgefahr heute der materialistische Atheismus. Leider ist dieser Gebetstag, der f\u00fcr die katholische Kirche weltweit Geltung hat, viel zu wenig bekannt. Er wird noch zu wenig ernst genommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emeritierter Bischof von Hongkong \u00fcber die Lage der Christen in China. Joseph Kardinal Zen Ze-kiun gilt als Gewissen der katholischen Kirche in China. Vor allem die laufenden Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit der kommunistischen Staatsf\u00fchrung sieht er skeptisch. Denn die Regierung verfolgt aus seiner Sicht nur ein Ziel: die Kirche ihrem F\u00fchrungsanspruch zu unterwerfen. 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