{"id":1317,"date":"2017-06-26T08:39:23","date_gmt":"2017-06-26T06:39:23","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/interview-aegypten-ist-unser-land-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:53:45","modified_gmt":"2023-02-23T10:53:45","slug":"interview-aegypten-ist-unser-land-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/interview-aegypten-ist-unser-land-html\/","title":{"rendered":"Interview: &#8222;\u00c4gypten ist unser Land.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p id=\"content-1352\">INTERVIEW mit Bischof William Kyrillos von Assiut \u00fcber die Situation der Christen in \u00c4gypten anl\u00e4sslich seines Besuchs im Nationalb\u00fcro des P\u00e4pstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT in Brasilien. &#8222;<span>Die Herausforderung besteht darin, dass das blo\u00dfe Christsein bereits ein Hindernis darstellt. Dies ist so, weil eine extremistische Gruppe meint, dass die Erl\u00f6sung nur durch eine Religion, durch den Islam, m\u00f6glich sei. Diese Minderheit beeintr\u00e4chtigt das Leben der Christen. Denn sie verfolgt das Ziel, sie zu vernichten. &#8222;<\/span><\/p>\n<div class=\"inner\">\n<div class=\"text\">\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Was bedeutet es, heute in \u00c4gypten Christ zu sein?<\/strong><\/p>\n<p>BISCHOF KYRILLOS: Die Bedeutung, in \u00c4gypten Christ zu sein, besteht in der Freude, Salz zu sein, das Salz, das Leben spendet, das dem Leben Geschmack verleiht. Es ist der Sauerteig, der eine handvoll Mehl durchs\u00e4uert \u2013 in dem Sinne, dass er die Gesellschaft ver\u00e4ndert und den Unterschied ausmacht. Das Evangelium betr\u00fcgt uns nicht, wenn Christus sagt: \u201eWenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen. Aber habt keine Angst, ich werde bei euch sein, und niemand wird euch eure Freude nehmen\u201c. Dies ist die Freude, die wir sogar in den Augenblicken der Verfolgung und der Traurigkeit erleben.<\/p>\n<p><strong>Welchen Gefahren ist ein Christ in \u00c4gypten ausgesetzt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Herausforderung besteht darin, dass das blo\u00dfe Christsein bereits ein Hindernis darstellt. Dies ist so, weil eine extremistische Gruppe meint, dass die Erl\u00f6sung nur durch eine Religion, durch den Islam, m\u00f6glich sei. Diese Minderheit beeintr\u00e4chtigt das Leben der Christen. Denn sie verfolgt das Ziel, sie zu vernichten. Unsere Zuversicht liegt aber in den Worten Jesu: \u201eBei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gez\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Wie f\u00fchlen sich die \u00e4gyptischen Christen, wenn sie im selben Land verfolgt werden, das Jesus und seinen Eltern Zuflucht bot, als sie vor Herodes flohen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4gypten war schon immer ein aufnahmebereites Land. Als jedoch die Extremisten \u2013 die Muslimbr\u00fcder \u2013 die Macht und die Pr\u00e4sidentschaft \u00fcbernahmen, sagten sie \u00f6ffentlich: \u201eWir wollen die Christen vertreiben. Sie alle haben Reisep\u00e4sse, wir schicken sie in die Vereinigten Staaten und nach Kanada. Wir wollen \u00c4gypten in ein Kalifat, in eine muslimische Republik verwandeln.\u201c Wir Christen antworteten: \u201eDas ist unser Land. Wir werden es nie verlassen. Ihr werdet in \u00c4gypten nicht ohne uns leben, und wir werden in \u00c4gypten nicht ohne Euch leben. Nach der Synode der Orientalischen Kirchen sagte Papst Benedikt XVI., dass ein Naher Osten ohne die christlichen Minderheiten nicht der Nahe Osten w\u00e4re. Vor dem Eindringen der Araber hatten die Christen bereits ihre Zivilisation. Danach haben sie sich einem Zusammenleben mit den Muslimen angepasst. Alle k\u00f6nnen bis zum Ende weiterhin zusammenleben.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr Erwartungen haben die Christen in \u00c4gypten nach der Reise von Papst Franziskus, die vor Kurzem stattgefunden hat?<\/strong><\/p>\n<p>Die Reise des Heiligen Vaters nach \u00c4gypten best\u00e4rkt ohne Zweifel die Anwesenheit der Christen. Sie beweist, dass die kleine Herde aus Katholiken\u2013 weniger als 92 000 Gl\u00e4ubigen \u2013 nicht isoliert da steht. Die Katholiken aus der ganzen Welt halten zu uns. Unter \u00f6kumenischen Gesichtspunkten stellt diese Reise f\u00fcr die Christen im Allgemeinen den Samen zu besseren Fr\u00fcchten dar, insbesondere in den Beziehungen der katholischen mit der orthodoxen Kirche, nachdem sich der Papst mit Seiner Heiligkeit Tawadros II. traf, und sie Dokumente zu einer Ann\u00e4hrung unterschrieben haben. Sie stellen fest: \u201eUns vereint viel mehr, als was uns trennt.\u201c Die Reise zeigte ebenfalls den Willen des jetzigen Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche, sich der katholischen Kirche anzun\u00e4hern \u2013 in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe als sein verstorbener Vorg\u00e4nger. Dadurch werden die Verbindungen zwischen den orientalisch-katholischen, der r\u00f6misch-katholischen und den orthodoxen Kirchen fester. Gegen\u00fcber den Muslimen hat diese Reise eine Mauer eingerissen, die durch eine missverstandene \u00c4u\u00dferung Papst Benedikt XVI. entstanden war. Der Besuch hat dazu gef\u00fchrt, dass die Muslime dem Dialog mit den Christen offener gegen\u00fcber stehen, besonders durch die Umarmung \u201eunter Br\u00fcdern\u201c des Heiligen Vaters mit dem Gro\u00df-Imam der Al Azhar-Moschee und Rektor der Universit\u00e4t. Das Foto mit dieser Geste, das nun um die ganze Welt geht, erinnert an die Umarmung des heiligen Franz von Assisi mit dem Sultan von \u00c4gypten vor 800 Jahren. Der Papst hat au\u00dferdem seinen Respekt vor den Muslimen bekr\u00e4ftigt. Er sagte, die im Namen Gottes oder Allahs oder im Namen der Religion ver\u00fcbten Gewalt und Terror seien eine Verirrung und eine Verunehrung. Es seien keine religi\u00f6sen Handlungen. Der Papst lobte die Arbeit des jetzigen \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten, der in kurzer Zeit das Image des Landes ver\u00e4ndert habe \u2013 er verwandele es in ein modernes Land, er sorge f\u00fcr das Land und seine B\u00fcrger.<\/p>\n<p><strong>Was hat das P\u00e4pstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT in \u00c4gypten geleistet?<\/strong><\/p>\n<p>KIRCHE IN NOT hat in \u00c4gypten viel Unterst\u00fctzung geleistet. Bei einer Begegnung in Deutschland zeigte mir einmal der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Pr\u00e4sident von KIRCHE IN NOT eine Auflistung der Hilfen, die in den letzten zehn Jahren seitens der Stiftung meiner Di\u00f6zese zugute kamen. Sie entsprachen einer hohen Geldsumme. Dank dieser Hilfen wurden Kirchen gebaut, konnten k\u00fcnftige Priester ihre Ausbildung beenden, wurden Kl\u00f6ster f\u00fcr Ordensschwestern gebaut und Fahrzeuge gekauft, usw. Alle dies dient der Seelsorge. Ich war auch sehr \u00fcberrascht, wie viele Di\u00f6zesen und Lokalkirchen auf der ganzen Welt zu unserem Unterhalt beigetragen haben. Denn wir verf\u00fcgen \u00fcber keine weiteren Finanzierungsquellen. Die Priester leben von den j\u00e4hrlichen Messstipendien \u2013 es handelt sich aber um kleine Summen. Viel wichtiger als die finanzielle Unterst\u00fctzung ist es, dass KIRCHE IN NOT den Christen eine Stimme leiht, die in ihren eigenen L\u00e4ndern keine Stimme haben, damit sie sich auf der ganzen Welt Geh\u00f6r verschaffen. Dies wird sehr gesch\u00e4tzt. Es ist sehr wichtig f\u00fcr all diejenigen, die sich ausgeschlossen und diskriminiert f\u00fchlen. Ich danke KIRCHE IN NOT daf\u00fcr, dass es als gut organisiertes Hilfswerk die Stimme der Christen auf der ganzen Welt verbreitet. Dar\u00fcber hinaus ruft KIRCHE IN NOT in der ganzen Welt dazu auf, dass f\u00fcr ein Volk, f\u00fcr ein Land gebetet wird. Dies ist eine wichtige Geste, denn das gemeinschaftliche Gebet versetzt Berge. Ich selbst habe einige KIRCHE IN NOT-B\u00fcros in der Welt besucht. Es war sehr bemerkenswert, dass \u00fcberall derselbe Geist herrschte. Sowohl die Hauptamtlichen als auch die Freiwilligen teilen eine tiefe Spiritualit\u00e4t. Dies ist fantastisch!<\/p>\n<p><strong>Hinter der Hilfe, die nach \u00c4gypten kommt, stehen Tausende Wohlt\u00e4ter, die h\u00e4ufig nur eine kleine Summe spenden k\u00f6nnen, die aber zu dieser Arbeit beitragen. Was w\u00fcrden Sie ihnen sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind die Heiligen unserer Zeit. Sie ahmen die Witwe nach, die f\u00fcr die am meisten Bed\u00fcrftigen nur zwei kleine M\u00fcnzen gibt. Von ihnen k\u00f6nnen wir lernen, was Pfingsten ist.<\/p>\n<p><strong>Wie schaffen Sie es, ein ruhiges Gesicht trotz so vieler Sorgen zu machen?<\/strong><\/p>\n<p>Papst Johannes XXIII., der in seinem Pontifikat mit vielen Problemen zu tun hatte, brachte seine Sorgen immer vor den Tabernakel. Dort hat er sie abgeladen und Gott gesagt: \u201eDiese Probleme sind nicht die meinen. Sie sind Deins. Sorge Du daf\u00fcr!\u201c Papst Franziskus hat auf seinem Schreibtisch ein Bild mit dem schlafenden Hl. Josef. Immer wenn er einem Problem begegnet, schreibt er einen Zettel: \u201eDu schl\u00e4fst, aber tr\u00e4ume von meinem Problem und gib mir eine L\u00f6sung.\u201c<\/p>\n<p>von Rodrigo Arantes (KIRCHE IN NOT Brasilien)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>INTERVIEW mit Bischof William Kyrillos von Assiut \u00fcber die Situation der Christen in \u00c4gypten anl\u00e4sslich seines Besuchs im Nationalb\u00fcro des P\u00e4pstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT in Brasilien. &#8222;Die Herausforderung besteht darin, dass das blo\u00dfe Christsein bereits ein Hindernis darstellt. 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