{"id":1355,"date":"2017-08-22T09:34:45","date_gmt":"2017-08-22T07:34:45","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/40-tote-bei-anschlag-auf-missionsstation-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:58:49","modified_gmt":"2023-02-23T10:58:49","slug":"40-tote-bei-anschlag-auf-missionsstation-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/40-tote-bei-anschlag-auf-missionsstation-html\/","title":{"rendered":"40 Tote bei Anschlag auf Missionsstation"},"content":{"rendered":"<p>Vergangene Woche prangerte Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre von Bangassou einen Anschlag durch eine islamistische Gruppe auf eine Missionsstation in Gambo an. Sie liegt in seiner Di\u00f6zese im S\u00fcdosten der Zentralafrikanischen Republik. Sch\u00e4tzungen zufolge kamen etwa 40 Menschen ums Leben. Den meisten wurde von den Dschihadisten die Kehle durchgeschnitten. Bischof Aguirre sprach mit der P\u00e4pstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) \u00fcber die jetzige Lage in der Region und \u00fcber die Katastrophen, die im Herzen des afrikanischen Kontinents erneut ausbrechen.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Vergangene Woche wurde die Missionsstation in Gambo angegriffen. Es gab zahlreiche Tote und Vertriebene. Wie ist die aktuelle Lage in Bangassou?<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre: Was zurzeit geschieht, kann nur verstanden werden, wenn man sich die Anschl\u00e4ge der Seleka vor vier Jahren vor Augen f\u00fchrt. Sie wurden von \u00d6ll\u00e4ndern finanziert und vom Pr\u00e4sidenten des Tschad unterst\u00fctzt. Sie besetzten die H\u00e4lfte des Landes. Diese Dschihadisten haben das Land v\u00f6llig durcheinandergebracht. Vier Jahre sp\u00e4ter haben weder die Regierung noch die Verwaltung oder die MINUSCA (UNO-Soldaten) irgendetwas unternommen, um die Seleka des Landes zu verweisen. Die UNO-Soldaten haben sogar mit ihnen gemeinsame Sache gemacht. Nun haben viele junge Menschen zu den Waffen gegriffen, um gegen die Seleka zu k\u00e4mpfen. Ihnen ist es gelungen, sie aus einer bestimmten Gegend zu verjagen. Sie fingen an, die muslimische Gemeinde in Bangassou anzugreifen. Der Konflikt findet zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen, den vielen Anh\u00e4ngern von traditionellen Religionen und nicht-christlichen Sekten, statt. Wir mussten Muslime besch\u00fctzen, die sich in eine Moschee eingeschlossen hatten, darunter viele Frauen und Kinder.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Was konnten Sie tun, um ihnen zu helfen?<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre: Drei Tage lang haben wir sie sogar als menschliche Schutzschilder verteidigt. Wir brachten sie ins Priesterseminar der Di\u00f6zese, wo sie seit fast zwei Monaten immer noch wohnen. Mit Hilfe einiger NGOs und anderer Organisationen unterst\u00fctzen wir etwa 2.100 Menschen. Allerdings verlie\u00dfen einige Organisationen nach Zwischenf\u00e4llen vor einem Monat Bangassou. Und sie sind seitdem nicht zur\u00fcckgekommen. Die Anti-Balaka kamen in andere Missionsstationen, etwa Pema o Gambo. Sie reagierten auf ein Massaker der Seleka, bei dem vielen Nicht-Muslimen die Kehle durchgeschnitten wurde. Zuletzt haben wir erfahren, dass eine Woche sp\u00e4ter viele Leichen noch immer nicht begraben worden sind. Die Menschen sind sehr unzufrieden mit den marokkanischen Soldaten der MINUSCA, die eigentlich von der UNO gesandte Friedenstruppen sein sollen. Wir wollen sehen, ob Gott uns mitteilt, wie wir aus dieser Sackgasse herausfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Konnten Sie die von Seleka angegriffene Missionsstation in Gambo besuchen?<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre: Ich konnte die Missionsstation in Gambo noch nicht besuchen, obwohl sie in der N\u00e4he von Bangassou liegt. Von dort wurden etwa 2.000 Menschen vertrieben, die hierher gekommen sind. Ich hoffe, am Sonntag dort die Heilige Messe feiern zu k\u00f6nnen. Wir haben Lebensmittel und Nothilfe dorthin geschickt. Wir baten einen Priester und einen Journalisten von einer franz\u00f6sischen Nachrichtenagentur, mit einem Motorrad nach Gambo zu fahren. Als sie zur\u00fcckkamen, erz\u00e4hlten sie, die Lage sei schrecklich. Man kann sie nur vom Schweigen Gottes her verstehen. Im Krankenhaus des Roten Kreuzes sind Menschen gestorben, denen die Kehle durchgeschnitten wurde. Sie verbluteten, und jetzt verwesen sie dort, denn sie konnten noch nicht begraben werden. Es sind wohl um die 40 Toten. Sie berichteten, das halbe Dorf sei niedergebrannt, die Kirche gepl\u00fcndert und in Brand gesteckt worden. \u00c4hnliches geschah mit dem Haus der Patres. Der Wiederaufbau wird sehr schwer sein. Aber wir wissen, dass dies geschehen wird, dass wir mit Gottes Hilfe Mittel und Wege finden werden, alles wiederaufzubauen.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Sie konnten jedoch die Grenze zum Kongo \u00fcberschreiten, um die dorthin Gefl\u00fcchteten zu besuchen. Wie geht es ihnen? Wie war die Eucharistiefeier mit ihnen?<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre: Alles ging reibungslos. Wir setzten mit einem Paddelboot \u00fcber den Fluss \u00fcber. Die Anti-Balaka lie\u00dfen uns passieren. Wir fanden fast 17.000 Menschen vor, von denen etwa 1.000 in der Kirche auf uns warteten. Wir konnten klar mit ihnen reden, um ihnen Hoffnung zu machen und ihnen zu sagen, dass es morgen besser gehen wird, dass wir nicht in einem Wasserglas ertrinken sollen. Allerdings sind sie schon verzweifelt. Wir sprachen von der Mutter Gottes, denn es war das Fest Maria Himmelfahrt. Wir versuchten sie zu tr\u00f6sten, die Tr\u00e4nen meines Volkes zu z\u00e4hlen. H\u00e4ufig kann man nichts sagen, nur schweigen und zuh\u00f6ren. Diese Menschen haben viel Leid erlitten. Sie warten dort, bis sich die Lage in Bangassou gebessert hat. Sie werden zur\u00fcckkommen, aber sie werden von neuem anfangen m\u00fcssen. Denn sie werden nichts auf den Feldern finden, und ihre H\u00e4user wurden zerst\u00f6rt. So ist das Leben hier, es ist sehr hart. Das Leid ist gro\u00df. Wir haben nur noch den Trost Gottes und, wenn er nicht spricht, das Schweigen Gottes.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Was ist zurzeit in Bangassou erforderlich, damit diese Situation aufh\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre: Ein zentralafrikanischer Gouverneur und eine zentralafrikanische Nationalarmee, um die Disziplin durchsetzen. <span>Die FACA genannte Nationalarmee wird von spanischen Soldaten ausgebildet.&nbsp;<\/span>Sie klagen aber dar\u00fcber, dass sie keine Waffen haben. Allerdings werden Waffen \u00fcber den Tschad, den S\u00fcdsudan und den Kongo ins Land eingeschmuggelt. Viele bereichern sich mit Waffengesch\u00e4ften, die von multinationalen Konzernen kontrolliert werden. Sie erzeugen sogenannte Konflikte niedriger St\u00e4rke, um sich zu bereichern. Was hier geschieht, ist ein Beispiel daf\u00fcr. Aber wir verlieren nicht die Hoffnung, dass wir vorankommen werden. Deshalb machen wir gute Miene zum b\u00f6sen Spiel. Der Vatikan hat gerade einen Weihbischof ernannt, den Comboni-Missionar Jes\u00fas Ruiz Molina. Er soll am 12. November in Bangui zum Bischof geweiht werden. Mit seiner Hilfe werde ich dieses Volk bei seinem schweren Gang durch die W\u00fcste begleiten k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangene Woche prangerte Bischof Juan Jos\u00e9 Aguirre von Bangassou einen Anschlag durch eine islamistische Gruppe auf eine Missionsstation in Gambo an. 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