{"id":1487,"date":"2018-03-07T12:31:42","date_gmt":"2018-03-07T11:31:42","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/immer-schwieriger-christ-zu-sein-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:23:44","modified_gmt":"2023-02-23T10:23:44","slug":"immer-schwieriger-christ-zu-sein-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/immer-schwieriger-christ-zu-sein-html\/","title":{"rendered":"&#8222;Immer schwieriger, Christ zu sein&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEs wird immer schwieriger, in Indien Christ zu sein\u201c.&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">Der indische Subkontinent z\u00e4hlt fast 1,5 Milliarden Einwohner. Rund 30 Millionen von ihnen sind Christen. Sie sind nicht nur eine Minderheit, sondern auch sozial ge\u00e4chtet: Die meisten Christen geh\u00f6ren zu den Dalits, der untersten Kaste der hinduistischen Gesellschaftsordnung. Besonders schlimm ist die Lage f\u00fcr die Christen im Nordosten Indiens. Dort kommt es vermehrt zu Angriffen hinduistischer Nationalisten. F\u00fcr das weltweite p\u00e4pstliche Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c ist Indien das Schwerpunktland im asiatischen Raum. Veronique Vogel, Fachreferentin des Hilfswerks f\u00fcr Indien, gibt im Interview mit Karla Sponar Auskunft \u00fcber die prek\u00e4re Lage der Christen und welchen Ansatz \u201eKirche in Not\u201c bei der Hilfe verfolgt.<\/span><\/p>\n<p><strong>Karla Sponar<em>:<\/em><\/strong><em> Wie ist aktuell die Lage der Christen in Indien?<\/em><\/p>\n<p><strong>Veronique Vogel:<\/strong> Sie ist besorgniserregend. 2017 haben sich die antichristlichen Attacken im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. 740 Vorf\u00e4lle wurden gez\u00e4hlt, die meisten davon in Nordindien. Nicht nur die Zahl der \u00dcbergriffe auf Christen ist gestiegen, auch die Art der Attacken hat sich ver\u00e4ndert: Sie sind noch hasserf\u00fcllter geworden. Einige Beispiele: Fr\u00fcher gab es immer wieder verbale Angriffe und Drohungen gegen katholische Schulen. In j\u00fcngster Zeit kommt es wiederholt zu Angriffen, etwa im nordindischen Bundesstaat Madhya Pradesh: Extremistische Gruppen dringen in die Schulen ein, st\u00f6ren den Unterricht, versetzen die Sch\u00fcler in Todesangst und versuchen den Schulleitern und Lehrern ihre nationalistische Haltung aufzuzwingen. Ein Priester wurde auf offener Stra\u00dfe angegriffen und festgenommen \u2013 dabei war er nur auf dem Weg zu einer Adventsfeier von Gemeindemitgliedern. \u00c4hnlich wie in Pakistan gibt es auch in Indien die Tendenz, einzelne Christen wegen Gottesl\u00e4sterung anzuklagen.<\/p>\n<p><strong><em>Was ist der Hintergrund dieser steigenden Attacken?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Christen werden als Gefahr f\u00fcr die nationale Einheit Indiens gesehen. Diese Tendenz hat seit der Parlamentswahl 2014 zugenommen. Die hindu-nationalistische Partei BJP wurde dabei st\u00e4rkste Kraft. Heute regiert sie nicht nur auf Bundesebene, sondern in 19 von 29 Bundesstaaten. Das Christentum gilt den Nationalisten als \u201eunindisch\u201c und aufgrund seiner internationalen Vernetzung als gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p><strong><em>Gibt es kritische Stimmen gegen diese Entwicklung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Vor allem katholische Medien, aber auch andere Quellen berichten, dass die Zahl der Angriffe auf Christen gestiegen ist und das Vorgehen immer h\u00e4rter wird. Die Indische Bischofskonferenz hat sich in ihrer j\u00fcngsten Sitzung im Februar mit der neuen Gewaltwelle besch\u00e4ftigt. In einer Erkl\u00e4rung fordern die Bisch\u00f6fe die Politik auf, die Gl\u00e4ubigen als vollwertige Inder zu behandeln. Das Argument, die Christen seien gegen die nationale Einheit, sei falsch.<\/p>\n<p><strong><em>Wie verh\u00e4lt sich die Gesellschaft angesichts der \u00dcbergriffe?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>84 Prozent der Inder sind Hindus. Abgesehen von den Extremisten, die die verschiedenen Religionen gegeneinander aufwiegeln wollen, ist die Mehrheit der Hindus sehr gastfreundlich, pazifistisch und tolerant gegen\u00fcber religi\u00f6ser Vielfalt. Der Hinduismus ist eine sehr individualistische Religion. Deshalb interessieren sich viele Hindus daf\u00fcr, wie die Christen organisiert sind \u2013 auch im Blick auf die kleinen Gemeinschaften, die sich regelm\u00e4\u00dfig zum Gebet treffen. Viele Hindus empfinden diese Form als eine Bereicherung, auch im Blick auf ihre eigene Spiritualit\u00e4t. Die Mehrheit der Hindus ist also durchaus bereit, den Christen einen Platz in der Gesellschaft einzur\u00e4umen. Auch wenn es derzeit immer schwieriger wird, in Indien Christ zu sein \u2026<\/p>\n<p><em>Von den insgesamt \u00fcber 5000 gef\u00f6rderten Projekten bei \u201eKirche in Not\u201c im Jahr 2017 nimmt Indien mit 584 Projekten den gr\u00f6\u00dften L\u00e4nderanteil ein. Abgesehen davon, dass Indien nach China die gr\u00f6\u00dfte Nation der Welt ist \u2013 was ist der Grund daf\u00fcr?<\/em><\/p>\n<p>Papst Franziskus hat zu Recht gesagt: Die Kirche der Zukunft wird die Kirche Asiens sein. Indiens Christen spielen dabei eine wichtige Rolle \u2013 auch durch ihre gro\u00dfe Treue zum Evangelium trotz Verfolgung und ihr soziales Engagement. \u201eKirche in Not\u201c steht in engem Kontakt mit Indiens Bisch\u00f6fen, um ihnen bei ihrer pastoralen Arbeit zu helfen. Wir f\u00f6rdern die Ausbildung und den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensleuten oder die Schulung von Katecheten, die oft die ersten Ansprechpartner in den D\u00f6rfern sind. Auch der Bau von Kirchen ist uns sehr wichtig. Sie sind Bezugspunkte f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen, die zum Teil weite Wege zum Gottesdienst auf sich nehmen. Und wir unterst\u00fctzen die \u201eKleinen christlichen Gemeinschaften\u201c, die f\u00fcr Indiens Kirche sehr wichtig sind. In diesen Gemeinschaften teilen die Christen nicht nur ihren Glauben, sie st\u00e4rken und unterst\u00fctzen sich auch in ihrem schweren Alltag. Die Begegnung mit dem Christentum krempelt das Leben der Menschen in einer sehr starren Kastengesellschaft von Grund auf um \u2013 und das macht Frohe Botschaft f\u00fcr viele Inder anziehend!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs wird immer schwieriger, in Indien Christ zu sein\u201c.&nbsp;Der indische Subkontinent z\u00e4hlt fast 1,5 Milliarden Einwohner. Rund 30 Millionen von ihnen sind Christen. Sie sind nicht nur eine Minderheit, sondern auch sozial ge\u00e4chtet: Die meisten Christen geh\u00f6ren zu den Dalits, der untersten Kaste der hinduistischen Gesellschaftsordnung. 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