{"id":1491,"date":"2018-03-08T11:29:11","date_gmt":"2018-03-08T10:29:11","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/die-christen-haben-todesangst-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:38:01","modified_gmt":"2023-02-23T10:38:01","slug":"die-christen-haben-todesangst-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/die-christen-haben-todesangst-html\/","title":{"rendered":"\u201eDie Christen haben Todesangst\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span>Die aktuelle Milit\u00e4roffensive in Syrien trifft neben den Bewohnern der Region Ost-Ghouta auch das benachbarte Damaskus. Der Granatenbeschuss auf die Hauptstadt h\u00e4lt an. Betroffen ist auch das christliche Viertel am Ostrand der Altstadt. Warum die Kriegsparteien den Tod der Zivilbev\u00f6lkerung billigend in Kauf nehmen, weshalb die islamistische Terrorgefahr wieder steigt und wie die Hilfe f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung jetzt aussehen muss. Ein Interview mit dem Nahost-Referenten des weltweiten p\u00e4pstlichen Hilfswerks \u201eKirche in Not\u201c, Dr. Andrzej Halemba.<\/span><\/p>\n<p><span><strong>KIRCHE IN NOT: Was h\u00f6ren Sie \u00fcber die Lage in Ost-Ghouta?<\/strong><\/p>\n<p><span>Dr. Andrzej Halemba: Wir von \u201eKirche in Not\u201c unterhalten sehr gute und enge Kontakte zu zahlreichen Bisch\u00f6fen in Damaskus. Einer von ihnen ist das Oberhaupt der melkitisch-griechisch-katholischen Kirche, Patriarch Joseph Absi. Caritas Syrien ist vor Ort und h\u00e4lt uns auf dem Laufenden.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Menschen in Ost-Ghouta sind eingeschlossen. Das sind einige tausende Personen! Sie haben kaum Zugang zu Lebensmitteln. Sie erhalten keine medizinische Versorgung. Viele Bewohner sind verletzt und brauchen eine Operation. Es gibt keine Fluchtkorridore. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass die Rebellen die Zivilbev\u00f6lkerung als \u201emenschliches Schutzschild\u201c betrachtet. Und die Regierung hat die Bef\u00fcrchtung, dass nicht nur zivile Fl\u00fcchtlinge nach Damaskus kommen, sondern auch Selbstmordattent\u00e4ter, die den Terror weiter in die Stadt tragen. \u00dcberall herrschen Angst und Schrecken.<\/span><\/p>\n<p><strong>Und das alles sozusagen vor der Haust\u00fcr der syrischen Hauptstadt mit \u00fcber einer Million Einwohnern \u2026<\/strong><\/p>\n<p><span>Ost-Ghouta ist nur gut vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Von dort aus haben die Rebellentruppen einen Blick auf die Stadt. Unter ihnen befinden sich auch Truppen, die al-Qaida nahestehen. Im S\u00fcden von Damaskus halten sich noch immer einige Einheiten des \u201eIslamischen Staates\u201c auf. Man darf also nicht nur \u00fcber das Vorgehen der Regierungstruppen sprechen, man muss auch davon sprechen, dass Islamisten die Hauptstadt ins Visier genommen haben: mit Terroranschl\u00e4gen im Innern, mit Granatenbeschuss von au\u00dfen. Schwer betroffen ist auch das christliche Viertel Bab Tuma, das am \u00f6stlichen Rand der Altstadt liegt. Die Kriegsparteien wissen: Wann immer Kinder umgebracht, junge Menschen get\u00f6tet und Familien zerst\u00f6rt und H\u00e4user vernichtet werden, ist das Auge der \u00d6ffentlichkeit auf sie gerichtet. Das kalkulieren sie mit ein. Darum attackieren sie unter anderem auch das christliche Viertel.<\/span><\/span><\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie die Situation dort n\u00e4her beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Die Lage ist sehr ernst. Der Beschuss mit M\u00f6rsergranaten geht unvermindert weiter. Die Christen haben Todesangst. Ich habe k\u00fcrzlich mit einer Ordensfrau gesprochen. Sie erz\u00e4hlte mir, dass sie und ihre Mitschwestern nicht einmal mehr das Stadtzentrum verlassen k\u00f6nnen, um in die Viertel zu gehen, wo sich viele Christen und Fl\u00fcchtlinge aus Ost-Ghouta aufhalten. Es ist zu gef\u00e4hrlich. Konvois, die humanit\u00e4re Hilfe nach Damaskus bringen sollten, sind gestoppt worden. Es ist eine schreckliche Situation!<\/p>\n<p><strong>Sie sprachen davon, dass unter den Rebellengruppen auch islamistische Einheiten sind. In den europ\u00e4ischen Medien steht vor allem das brutale Vorgehen der Regierungstruppen im Fokus. Also nur die halbe Wahrheit?<\/strong><\/p>\n<p>Im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst. Beide Seiten sind im Unrecht. Beide Seiten begehen Verbrechen. Beide Seiten sind schuldig. Beide Seiten haben unz\u00e4hlige Menschen zu Opfern gemacht. In Syrien sind in den jetzt sieben Kriegsjahren \u00fcber eine Million Menschen get\u00f6tet oder verwundet worden. Und diese Wunden betreffen nicht nur den K\u00f6rper, sondern auch die Seele. So viele Menschen sind traumatisiert. Es wird Jahrzehnte dauern, diese Wunden zu heilen. Und daf\u00fcr tragen alle Kriegsparteien die Verantwortung!<\/p>\n<p><strong>Kommen wir zur Versorgungslage. Der vereinbarte Waffenstillstand war so br\u00fcchig, dass Hilfslieferungen zun\u00e4chst nicht zur eingekesselten Bev\u00f6lkerung durchdringen konnten. Anfang der Woche ist das dann doch gelungen. Was wissen Sie dar\u00fcber?<\/strong><\/p>\n<p>Es war dringend n\u00f6tig, dass jetzt die Bev\u00f6lkerung in Ost-Ghouta Lebensmittel und medizinische Hilfe bekommt. Es sollten aber auch die hunderttausenden Vertriebenen nicht vergessen werden, die in Damaskus Zuflucht gefunden haben. Viele haben einen Angeh\u00f6rigen verloren, viele wurden bei den Angriffen schwer verletzt. Alle haben sie ihre Zukunft verloren. Deshalb ist es \u201eKirche in Not\u201c ein Anliegen, uns dieser Binnenfl\u00fcchtlinge anzunehmen. Wir wollen Ihnen seelsorglich wie finanziell beistehen, damit sie zum Beispiel im Krankenhaus versorgt werden k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen diesen leidgepr\u00fcften Menschen unsere Liebe zeigen!<\/p>\n<p><strong>Welche Art von Hilfe plant \u201eKirche in Not\u201c f\u00fcr Damaskus?<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind ja seit langem in der Region aktiv. Insgesamt haben wir seit Kriegsausbruch \u00fcber 21 Millionen Euro an Nothilfe zur Verf\u00fcgung gestellt. Wir helfen bereits jetzt christlichen Familien mit Lebensmittelspenden, Kleidung und Medikamenten. Au\u00dferdem versuchen wir, f\u00fcr die traumatisieren Menschen eine seelsorgerische und therapeutische Begleitung auf die Beine zu stellen. Das ist sehr wichtig. Wir f\u00f6rdern die Arbeit der Ordensgemeinschaften \u2013 denn die sind wichtige Nothelfer. Wir suchen nach Unterkunftsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsfamilien. Ein Schwerpunkt in Damaskus ist die Hilfe f\u00fcr Menschen, die einen Angeh\u00f6rigen verloren haben oder die verwundet sind und jetzt eine Operation brauchen. Auch in einer Stadt wie Damaskus gibt es Gebiete, die schwer zug\u00e4nglich oder vernachl\u00e4ssigt sind. Um die Menschen dort m\u00fcssen wir uns k\u00fcmmern. Wir ermutigen unsere Projektpartner, allen Menschen zu helfen, die zu ihnen kommen.<\/p>\n<p><strong>In vielem \u00e4hnelt die Situation jetzt in Ost-Ghouta und Damaskus den K\u00e4mpfen um Aleppo im Jahr 2016. Von dort wurde berichtet, dass vielfach die Kirchen die einzigen Anlaufstellen waren f\u00fcr die notleidende Bev\u00f6lkerung \u2013 f\u00fcr Christen, aber auch f\u00fcr viele Muslime. Wie ist das in Damaskus?<\/strong><\/p>\n<p>Als christliches Hilfswerk k\u00fcmmert sich \u201eKirche in Not\u201c um alle Menschen, die Opfer dieses Krieges sind und Not leiden. Dazu arbeiten wir in Damaskus auch eng mit anderen Organisationen zusammen. Wir k\u00f6nnen also auf bestehende Netzwerke aufbauen. Unsere Hilfe schlie\u00dft niemanden aus. Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr einzelne Muslime, die ja genauso unter dem Krieg leiden wie die Christen. Christliche N\u00e4chstenliebe kennt keine Grenzen und fragt nicht nach der Religion. Im Gesicht jedes leidenden Menschen ist das Antlitz Jesu Christi zu erkennen. Und dieses zerschundene Antlitz blickt uns in den Menschen in Ost-Ghouta und Damaskus an \u2013 und fragt nach unserer Antwort auf dieses uns\u00e4gliche Leid!<\/p>\n<p>Um der notleidenden Bev\u00f6lkerung in Damaskus helfen zu k\u00f6nnen, bittet \u201eKirche in Not\u201c um Spenden \u2013 online unter:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/Wie_Sie_helfen\/Spenden\/\">www.kircheinnot.at<\/a>&nbsp;oder auf folgendes Konto:<\/p>\n<p>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT&nbsp;<br \/>IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600&nbsp;<br \/>BIC: GIBAATWWXXX&nbsp;<br \/>Verwendungszweck: Christen in Syrien<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle Milit\u00e4roffensive in Syrien trifft neben den Bewohnern der Region Ost-Ghouta auch das benachbarte Damaskus. Der Granatenbeschuss auf die Hauptstadt h\u00e4lt an. Betroffen ist auch das christliche Viertel am Ostrand der Altstadt. 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