{"id":1543,"date":"2018-05-03T09:00:05","date_gmt":"2018-05-03T07:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/offener-kampf-gegen-die-kath-kirche-html\/"},"modified":"2023-02-27T16:03:59","modified_gmt":"2023-02-27T15:03:59","slug":"offener-kampf-gegen-die-kath-kirche-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/offener-kampf-gegen-die-kath-kirche-html\/","title":{"rendered":"&#8222;Offener Kampf gegen die kath. Kirche&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Seit 23 Jahren schweigen die Waffen in Bosnien und Herzegowina. Doch das Land gleicht einem Pulverfass, erkl\u00e4rt Bischof Franjo Komarica. Der 72-J\u00e4hrige leitet die Di\u00f6zese Banja Luka im Norden des Landes \u2013 und ist ein Freund klarer Worte, besonders wenn es um die katholische Minderheit der Kroaten geht. Diese sieht er n\u00e4mlich nach wie vor an der R\u00fcckkehr gehindert und wirtschaftlich, sozial und religi\u00f6s benachteiligt. Schwere Vorw\u00fcrfe erhebt er gegen die Regierungen Europas: Sie verschl\u00f6ssen die Augen vor der religi\u00f6sen Diskriminierung.&nbsp;Warum immer mehr Katholiken das Land verlassen und wie die Kirche dennoch Vers\u00f6hnung lebt, erkl\u00e4rt Bischof Komarica im Gespr\u00e4ch mit Tobias Lehner beim Besuch des Hauptsitzes der Hilfsorganisation KIRCHE IN NOT in Deutschland.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bischof Komarica, der Bosnienkrieg ist seit dem Abkommen von Dayton im Jahr 1995 offiziell beigelegt. Aber wie sieht es in der Realit\u00e4t aus?<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Franjo Komarica: Die Waffen schweigen zwar, aber der Krieg wird mit anderen Mittel fortgef\u00fchrt. Es herrscht ein \u201ekontrolliertes Chaos\u201c in Bosnien und Herzegowina. Mein Eindruck ist, als sei weder die Regierung noch die internationale Gemeinschaft am Aufbau eines Rechtsstaats interessiert, in dem Gleichberechtigung unter den Volksgruppen und Menschenrechte auch f\u00fcr Minderheiten garantiert werden. Bosnien und Herzegowina steht bis heute faktisch unter dem Semiprotektorat der Vereinten Nationen. Ein Teil der Staatsgewalt wird von einem \u201eHohen Kommissar\u201c ausge\u00fcbt (seit 2009 der \u00d6sterreicher Valentin Inzko; Anm. d. Red.). Aber er sagt, ihm seien hinsichtlich der politischen Entwicklung die H\u00e4nde gebunden. Das Land ist nach wie vor in drei Volksgruppen gespalten: Kroaten, Serben, Bosniaken. Die Kroaten sind mehrheitlich katholisch und die kleinste Bev\u00f6lkerungsgruppe. Sie orientieren sich nach Europa. Die Serben, mehrheitlich orthodox, stehen stark unter dem Einfluss Russlands. Und die muslimischen Bosniaken orientieren sich immer mehr in Richtung T\u00fcrkei und der islamischen Welt. So entstehen gef\u00e4hrliche Zentrifugalkr\u00e4fte. Und das schadet nicht nur dem Land, das schadet auch Europa!&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Das serbische und das bosnische Volk werden durch den ausl\u00e4ndischen Einfluss absichtlich in Feindschaft gehalten. Das Land ist nach wie vor ein Pulverfass! Und die Kroaten sind dazwischen. Sie wurden w\u00e4hrend des Kriegs zu hunderttausenden vertrieben und k\u00f6nnen auch mehr als zwanzig Jahre danach nicht zur\u00fcck, obwohl ihnen im Dayton-Vertrag ein R\u00fcckkehrrecht zugestanden wurde. Das Gegenteil ist passiert: Viele gehen auch jetzt noch ins Ausland. Wir haben von Seiten der Bischofskonferenz immer wieder gefordert, den Dayton-Vertrag zu erg\u00e4nzen, um der kroatischen Minderheit mehr Sicherheit zu geben. Sie sind nach wie vor nicht gleichberechtigt.<\/p>\n<p><strong>Was sind die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Ungleichberechtigung der katholischen Minderheit?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kroaten werden nicht als konstitutive Volksgruppe f\u00fcr Bosnien und Herzegowina behandelt. Auch viele ausl\u00e4ndische Regierungen erkl\u00e4ren, dass f\u00fcr sie Bosnien und Herzegowina nur aus zwei V\u00f6lkern besteht: die Serben und die Bosniaken. Das hat schwerwiegende Folgen, wie ein Beispiel aus der Republik Srbska zeigt (die Republik Srbska wurde im Vertrag von Dayton als \u201ezweite Entit\u00e4t\u201c des Bundestaates Bosnien und Herzegowina geschaffen und umfasst weite Teil im Norden und Osten des Landes; Anm. d. Red.). Dort sind in den 69 Pfarren, die vor dem Krieg dort bestanden, nur etwa f\u00fcnf Prozent der Katholiken zur\u00fcckgekehrt. Und in den anderen Landesteilen wandern jetzt sogar noch Katholiken ab. Die Kroaten haben weder politische, noch rechtliche, noch finanzielle Unterst\u00fctzung. Es ist ihnen nahezu unm\u00f6glich, ihre H\u00e4user wiederaufzubauen oder eine Arbeit zu finden. Sie werden systematisch diskriminiert. Das ist ein schwerer Schaden f\u00fcr das ganze Land. Das sehen im \u00dcbrigen auch die anderen Religionen so: Ich habe k\u00fcrzlich mit dem bosnischen Gro\u00dfmufti gesprochen. Auch er sagt: \u201eWir brauchen die Kroaten unbedingt hier!\u201c&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der rangh\u00f6chste Muslim im Land hat also das Problem erkannt. Tun es auch seine Glaubensgeschwister? In j\u00fcngster Zeit war zu h\u00f6ren, dass sich auch in Bosnien und Herzegowina Muslime radikalisieren \u2026.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Ja, diese Entwicklung gibt es. Aber noch schlimmer als die religi\u00f6se ist die existenzielle Diskriminierung. Um es klar zu sagen: Auch unter Verfolgung k\u00f6nnen wir unseren Glauben bewahren \u2013 und das haben wir auch getan. Aber wenn die Katholiken kein Recht haben auf ihre Heimat und ihr Eigentum, dann wirkt das noch zerst\u00f6rerischer. Ein Beispiel: Der B\u00fcrgermeister eines Ortes in meiner Di\u00f6zese sagte mir: \u201eIhr d\u00fcrft hier keine Kirche bauen.\u201c Dabei hatte es dort vor dem Krieg eine katholische Pfarre gegeben! Er hat auch kein Recht dazu, denn in der Verfassung von Bosnien und Herzegowina ist Religionsfreiheit garantiert. Also habe ich Widerspruch eingelegt. Aber auch die \u00fcbergeordnete Stelle hat mich abgewiesen. Schlie\u00dflich bin ich zum Vertreter der OSZE (Organisation f\u00fcr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Koordination des Wiederaufbaus; Anm. d. Red.) gegangen. Er sagte mir: \u201eBischof, ich verbiete Ihnen eine Kirche zu bauen!\u201c Ich habe ihm die Bilder der alten Pfarrkirche gezeigt und auch das Bild des Pfarrers, der ihm Krieg ermordet wurde. Er hat sich weder entschuldigt, noch den Kirchenbau erlaubt. Das ist ein offener Kampf gegen die katholische Kirche. Mir wurde auch wiederholt gesagt: \u201eIhr Katholiken m\u00fcsst aus dem Land verschwinden!\u201c<\/p>\n<p><strong>Diese dramatische Situation der Katholiken in Bosnien und Herzegowina ist im Ausland nur wenig bekannt. Was fordern sie von der internationalen Gemeinschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Die Politiker m\u00fcssen endlich Farbe bekennen und diese schwere Diskriminierung mitten in Europa verurteilen. Das gilt besonders f\u00fcr die Christen. Ich erwarte von denjenigen, die es ernst mit dem Glauben meinen, dass sie sich auch f\u00fcr die entrechteten Menschen in meiner Heimat einsetzen \u2013 mit Worten und Taten. Bislang verhallten unsere Appelle ungeh\u00f6rt. Und es gab so viele davon! Quo vadis, Europa? Quo vadis, Christentum in Europa? Wie wollen wir anderen V\u00f6lkern unsere christlichen Werte n\u00e4herbringen, wenn wir solch eine Entwicklung im eigenen Haus zulassen und wegschauen?<\/p>\n<p><strong>So viel Hass und Zwietracht wurde in Bosnien und Herzegowina ges\u00e4t. Was kann die katholische Kirche dennoch tun, damit die Gesellschaft wieder zusammenfindet?<\/strong><\/p>\n<p>Wir Katholiken sind die \u00e4lteste Glaubensgemeinschaft des Landes. Wir f\u00fchlen uns verpflichtet, dass unsere Heimat zu einem gerechten und dauerhaften Frieden findet! Wir leisten Vers\u00f6hnungsarbeit vor allem durch unsere sozialen Angebote und die Bildungsarbeit, vor allem in unseren katholischen Schulen. Auch wenn wir von der Politik f\u00fcr diesen Einsatz bestraft werden! Deshalb bin ich Hilfswerken wie \u201eKirche in Not\u201c so dankbar, dass sie auf unser Schicksal aufmerksam machen und uns unterst\u00fctzen. Ich werde weiter f\u00fcr die Wahrheit eintreten, obwohl ich daf\u00fcr bereits t\u00e4tlich angegriffen wurde. Unsere Gegner werden gewinnen, wenn wir schweigen!<\/p>\n<p><em>Das weltweite p\u00e4pstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT steht seit \u00fcber drei Jahrzhenten den Katholiken Bosniens und Herzegowinas bei. Die Hilfe umfasst vor allem den Wiederaufbau kriegszerst\u00f6rter Kirchen, Kl\u00f6ster und die Renovierung eines Priesterseminars. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzt KIRCHE IN NOT auch die Anschaffung von Fahrzeugen f\u00fcr die Seelsorge, den Aufbau von Pastoralzentren, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten und leistet Existenzhilfe f\u00fcr kontemplative Kl\u00f6ster. Auch die kirchliche Jugend- und Medienarbeit geh\u00f6rt zu den F\u00f6rderprojekten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 23 Jahren schweigen die Waffen in Bosnien und Herzegowina. Doch das Land gleicht einem Pulverfass, erkl\u00e4rt Bischof Franjo Komarica. 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