{"id":1551,"date":"2018-05-08T12:47:26","date_gmt":"2018-05-08T10:47:26","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/modi-will-den-hindu-staat-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:23:03","modified_gmt":"2023-02-23T10:23:03","slug":"modi-will-den-hindu-staat-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/modi-will-den-hindu-staat-html\/","title":{"rendered":"Modi will den Hindu-Staat"},"content":{"rendered":"<p>Die Christen in Indien leiden unter Diskriminierung durch fundamentalistische Hindus.&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">Der Bischof der indischen Di\u00f6zese Dindigul, Mons. Thomas Paulsamy, zeigt sich im Rahmen eines Besuchs beim Hilfswerk KIRCHE IN NOT \u00e4u\u00dferst entt\u00e4uscht \u00fcber die anwachsenden gewaltsamen \u00dcbergriffe.<\/span><\/p>\n<p>Im s\u00fcdindischen Bundesstaat Tamil Nadu beklagen Christen zunehmende Gewalt und Diskriminierung von Seiten fundamentalistischer Hindus. Erst vergangene Woche gingen etwa 20 000 Christen verschiedener Konfessionen in mindestens 16 St\u00e4dten auf die Stra\u00dfe, um gegen antichristliche Ressentiments zu demonstrieren. Seit Beginn des Jahres wird von mehr als 15 F\u00e4llen gewaltsamer \u00dcbergriffe in Tamil Nadu berichtet. Doch die Unterdr\u00fcckung der christlichen Minderheit im mehrheitlich hinduistischen Indien nimmt auch in anderen Landesteilen zu. Knapp 80 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung sind hinduistischen Glaubens, nur gut zwei Prozent christlich.<\/p>\n<p>Die Vergehen reichen von Sch\u00e4ndungen in Kirchen, wie etwa zerst\u00f6rten Marienstatuen, \u00fcber die Vergewaltigung von Ordensschwestern bis hin zum Mord an einem Pastor. Insbesondere letztgenannter Fall sorgte f\u00fcr erhebliche Proteste der christliche Bev\u00f6lkerung. Tausende gingen auf die Stra\u00dfe. Das Mordopfer, ein Pastor einer unabh\u00e4ngigen christlichen Kirche im Bezirk Kanchipuram des Bundesstaates Tamil Nadu, war im Januar erh\u00e4ngt gefunden worden, nachdem er sich bei der Polizei \u00fcber Schikanierungen durch Hindus beschwert hatte.<\/p>\n<p>Auch Thomas Paulsamy wei\u00df davon zu berichten, dass sich Christen in Tamil Nadu von radikal-fundamentalistischen Hindus zunehmend bedroht f\u00fchlen. Der Bischof der indischen Di\u00f6zese Dindigul zeigte sich im Rahmen eines Besuchs beim kirchlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT \u00e4u\u00dferst entt\u00e4uscht \u00fcber die anwachsenden gewaltsamen \u00dcbergriffe. \u201eWir Christen pflegen eigentlich gute Beziehungen zu Hindus, Muslimen und anderen religi\u00f6sen Gruppen\u201c, meinte der Bischof. \u201eWir reisen zusammen, essen zusammen, leben zusammen. Manche kommen sogar in unsere Kirchen.\u201c An Weihnachten h\u00e4tten zum Beispiel Tausende Nichtchristen katholische Gottesdienste besucht, unter ihnen auch viele Hindus. Umso trauriger sei es, dass eine hindu-nationalistische Minderheit das friedliche Zusammenleben derart st\u00f6re. In seiner Nachbardi\u00f6zese seien erst k\u00fcrzlich haupts\u00e4chlich protestantische Gottesh\u00e4user angegriffen und Bibeln verbrannt worden.<\/p>\n<p>Bischof Paulsamy ist Vorsitzender des Komitees f\u00fcr Benachteiligte Kasten und Volksst\u00e4mme in der Indischen Bischofskonferenz. Dort wird gerade diskutiert, wie man die Minderheit der Christen in Indien besser sch\u00fctzen kann. So wurde bereits eine interreligi\u00f6se Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, in der Vertreter mehrerer religi\u00f6ser Minderheiten, unter ihnen auch Muslime, gemeinsam L\u00f6sungsans\u00e4tze diskutieren. Zudem ergreifen nun auch immer mehr Bisch\u00f6fe \u00f6ffentlich das Wort und protestierten gegen den religi\u00f6sen Hass. \u201eAber stets friedlich, nie mit Gewalt\u201c, betont Paulsamy. Schlie\u00dflich wolle man sich als Christen nicht auf das Niveau der Gegenseite herab begeben.<br \/>Den Hauptgrund f\u00fcr die sich verschlechternden Beziehungen zwischen Hindus und Christen sieht Bischof Paulsamy in der Macht\u00fcbernahme Narendra Modis von der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP). Bevor die BJP an die Macht kam, seien die Verh\u00e4ltnisse viel friedlicher und harmonischer gewesen, meint Paulsamy. Seit Modi Premierminister ist, w\u00fcrden fundamentale hinduistische Gruppierungen immer m\u00e4chtiger. \u201eDie BJP unterst\u00fctzt die Fundamentalisten\u201c, so der Bischof. Die Polizei verfolge manchmal sogar die Opfer gewaltsamer \u00dcbergriffe.<\/p>\n<p>Der Verfassung zufolge ist Indien eine sozialistische, s\u00e4kulare und demokratische Republik. \u201eAlle Menschen haben gleicherma\u00dfen das Recht auf Gewissensfreiheit, auf das Bekenntnis zu einer Religion und auf ihre Aus\u00fcbung und Propagierung\u201c, hei\u00dft es in Artikel 25 der Verfassung. Doch Premierminister Modi, warnt Bischof Paulsamy, wolle Indien in ein hinduistisches Land verwandeln. \u201eEr will nicht, dass die Verfassung gilt, sondern die religi\u00f6sen Prinzipien und Werte des Hinduismus.\u201c Daf\u00fcr gibt es verschiedene Anzeichen: Wiederholt betonten Modis Minister ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Ma\u00dfnahmen, mit denen die Hindu-Religion \u201egesch\u00fctzt\u201c werden soll. Religi\u00f6se Minderheiten werden als Bedrohung angesehen, insbesondere Muslime und Christen.<\/p>\n<p>Auch ein landesweites Anti-Konversionsgesetz wollte die BJP-Regierung nach ihrem Wahlsieg 2014 wieder einf\u00fchren \u2013 ein Vorsto\u00df, der jedoch vom Rechts- und Justizministerium unterbunden wurde. Die Juristen begr\u00fcndeten dies mit dem Hinweis, dass jegliche Gesetzgebung von Seiten der Zentralregierung, die die freie Religionswahl einschr\u00e4nke, gegen die Verfassung versto\u00dfe. Dennoch sind heute in sieben von 29 indischen Bundesstaaten Anti-Konversionsgesetze in Kraft. Zwischenzeitlich waren Konversionen auch in Tamil Nadu verboten, einem Staat mit einem vergleichsweise hohen Christenanteil von zw\u00f6lf Prozent. Allerdings wurde das Gesetz dort wieder aufgehoben. Die Regierung sieht Konversionen dennoch weiterhin kritisch. Modi d\u00fcrfte das Vorhaben eines landesweiten Konversionsverbots kaum aufgegeben haben.<\/p>\n<p>Im Mai 2019 finden in Indien wieder Wahlen statt. Die Opposition versucht zwar gerade, eine Koalitionspartei zu formen, um geschlossen gegen die BJP anzutreten. Ob es so gelingt, Modi die Mehrheit streitig zu machen, bleibt jedoch fraglich. Den Christen in Indien drohen f\u00fcnf weitere gef\u00e4hrliche Jahre. Denn Bischof Paulsamy ist sich sicher: Wenn Modi und seine BJP wiedergew\u00e4hlt werden, wird die Diskriminierung der christlichen Minderheit weitergehen. \u201eSolange die BJP regiert, wird sie den Christen in Indien das Leben schwer machen.\u201c (Quelle: KIRCHE IN NOT, Foto:&nbsp;Jasveer10\/wikipedia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Christen in Indien leiden unter Diskriminierung durch fundamentalistische Hindus.&nbsp;Der Bischof der indischen Di\u00f6zese Dindigul, Mons. 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