{"id":1557,"date":"2018-05-23T11:10:06","date_gmt":"2018-05-23T09:10:06","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/neue-attacken-auf-religioese-vielfalt-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:59:52","modified_gmt":"2023-02-23T10:59:52","slug":"neue-attacken-auf-religioese-vielfalt-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/neue-attacken-auf-religioese-vielfalt-html\/","title":{"rendered":"Neue Attacken auf religi\u00f6se Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p>Am 24. Mai, dem Gedenktag \u201eMaria, Hilfe der Christen\u201c, begehen Katholiken seit 2007 den Gebetstag f\u00fcr die Kirche in China. Die Lage der Christen in der kommunistischen Volkrepublik ist angespannt: W\u00e4hrend es nach Jahrzehnten der Eiszeit wieder Gespr\u00e4che zwischen der Volksrepublik und dem Heiligen Stuhl gibt, schr\u00e4nken neue Regelungen kirchliche Arbeit und Verk\u00fcndigung weiter ein. Katharina Wenzel-Teuber, Mitarbeiterin am \u201eChina-Zentrum\u201c mit Sitz in Sankt Augustin, sieht Schritte der Vers\u00f6hnung, aber auch die Gefahr neuer Spannungen innerhalb der Gemeinden. KIRCHE IN NOT hat mir ihr gesprochen.<\/p>\n<p><strong>KIN:Am 24. Mai beten Katholiken weltweit f\u00fcr die Kirche in China. Ein Weltgebetstag f\u00fcr ein ganz bestimmtes Land. Das ist ziemlich einzigartig. Was ist so besonders an China?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Katharina Wenzel-Teuber<\/strong>: Es ist ein gro\u00dfes Land mit einer alten Kultur, das die Zukunft der Welt ma\u00dfgeblich mitgestalten wird. Die katholische Kirche ist dort eine kleine Minderheit, wenn auch mit einer langen Geschichte. Sie befindet sich in einer schwierigen Lage. Die Kommunistische Partei Chinas versucht seit 60 Jahren, eine vom Papst und der Weltkirche unabh\u00e4ngige nationale Kirche zu errichten. Das ist ihr zwar nicht wirklich gelungen, hat aber zu einer schmerzlichen Spaltung der katholischen Kirche Chinas in zwei Gemeinschaften gef\u00fchrt. Papst Benedikt XVI. hat 2007 einen Brief an die chinesische Kirche geschrieben, um ihr Orientierung in dieser komplexen Lage zu geben und zur Vers\u00f6hnung aufzurufen. Die Katholiken auf der ganzen Welt bat er, im Gebet ihre br\u00fcderliche Solidarit\u00e4t zu bekunden. Papst Franziskus f\u00fchrt diesen j\u00e4hrlichen Aufruf zum Gebet f\u00fcr China fort.<\/p>\n<p><strong>Ist die katholische Kirche in China diesen Zielen der Einheit und Vers\u00f6hnung seit Einf\u00fchrung des Gebetstages n\u00e4hergekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben sich chinesische Di\u00f6zesen und Gemeinden an vielen Orten um Vers\u00f6hnung bem\u00fcht. Dabei hat es Fortschritte gegeben \u2013 manchmal gerade dann, wenn die staatlich anerkannte, sogenannte \u201eoffizielle\u201c Kirche sich gegen beh\u00f6rdliche \u00dcbergriffe auf das kirchliche Leben zur Wehr zu setzen versuchte, etwa bei den massenhaften Kreuzabrissen von Kirchend\u00e4chern in der Provinz Zhejiang im S\u00fcden Chinas vor einigen Jahren. Es gibt aber auch immer wieder R\u00fcckschl\u00e4ge. Vers\u00f6hnung braucht Zeit. Insgesamt aber scheint mir bei den chinesischen Katholiken das Bewusstsein gewachsen zu sein, dass sie alle zur einen Kirche geh\u00f6ren, trotz der gro\u00dfen Unterschiede.<\/p>\n<p><strong>Die kommunistische Regierung in der Volksrepublik China nimmt sehr gro\u00dfen Einfluss auf das religi\u00f6se Leben. Am 1. Februar 2018 sind die staatlichen \u201eVorschriften f\u00fcr religi\u00f6se Angelegenheiten\u201c in einer neuen und erweiterten Fassung in Kraft getreten. Kritiker bef\u00fcrchten, dass diese neuen Richtlinien zu sch\u00e4rferen Kontrollen und h\u00e4rteren Ma\u00dfnahmen des Staates f\u00fchren und vor allem den nicht-registrierten Gruppen und Gemeinden ziemliche Probleme bereiten k\u00f6nnten. Wie ist Ihre Einsch\u00e4tzung?<\/strong><\/p>\n<p>Auch vorher schon war religi\u00f6se Bet\u00e4tigung nur im vom Staat kontrollierten Rahmen erlaubt und legal \u2013 also an registrierten religi\u00f6sen St\u00e4tten und mit beh\u00f6rdlich zugelassenem Klerus. Bisher wurde aber vielfach religi\u00f6ses Leben toleriert, das in rechtlichen Graubereichen stattfand. Die revidierten \u201eVorschriften\u201c sollen diese Grauzonen offenbar schlie\u00dfen. Sie enthalten mehr Verbote als bisher und konkrete Strafanordnungen. Geldstrafen von bis zu 4.000 Euro drohen jetzt beispielsweise Menschen, die Voraussetzungen f\u00fcr nicht genehmigte Gottesdienste schaffen, indem sie zum Beispiel R\u00e4ume daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stellen. St\u00e4rkere Kontrolle gilt k\u00fcnftig den Auslandskontakten der Religionen, au\u00dferdem den religi\u00f6sen Diensten im Internet und der Trennung von Erziehung und Religion. Seit 1. Februar wurde mehrfach gemeldet, dass Versammlungsst\u00e4tten im Untergrund mit Verweis auf die Vorschriften geschlossen wurden. Ende M\u00e4rz wurde der Verkauf von Bibeln auch in Onlinebestelldiensten gestoppt. Besorgniserregend sind Meldungen aus einigen Regionen, dass Minderj\u00e4hrige keine Gottesdienste mehr besuchen und die Gemeinden keine Religionskurse f\u00fcr Kinder mehr abhalten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><strong>Trotz der vielen Probleme und Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die Religionsgemeinschaften f\u00fchlen sich offensichtlich viele Menschen in China zur Religion hingezogen. Wie lebendig sind die verschiedenen Religionsgemeinschaften im heutigen China?<\/strong><\/p>\n<p>Sehr lebendig! Dabei gibt es eine gro\u00dfe religi\u00f6se Vielfalt, von den traditionellen Volksreligionen bis zu Islam und Christentum. Die Zahl der Christen hat sich in den vergangenen 70 Jahren sprunghaft erh\u00f6ht, auch wenn es nur Sch\u00e4tzungen gibt, was ihre Zahl anbelangt. Es gibt heute etwa zehn Millionen Katholiken in China. Die Zahl der Christen insgesamt ist enorm in die H\u00f6he geschnellt: Die Zahl der Gl\u00e4ubigen in den protestantischen Gemeinden liegt zwischen 38 und 80 Millionen.<\/p>\n<p><strong>Welche Erkl\u00e4rung haben Sie daf\u00fcr, dass in einem Land mit einer atheistischen Staatsdoktrin so viele Menschen eine Religion praktizieren?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt ein Wertevakuum. Viele Menschen suchen nach Orientierung und auch nach Gemeinschaft.<\/p>\n<p><strong>Die kommunistische Partei warnt immer wieder vor einer \u201eInfiltration aus dem Ausland\u201c, vor allem auch vor einer \u201eInfiltration mittels der Religion\u201c. Welche Bef\u00fcrchtungen hat die Partei?<\/strong><\/p>\n<p>Sie hat Sorge, dass Gedanken ins Land kommen, die die eigene Herrschaft gef\u00e4hrden \u2013 etwa die Idee von \u201euniversalen Werten\u201c. Au\u00dferdem bef\u00fcrchtet sie, dass religi\u00f6se Loyalit\u00e4ten in Konflikt mit der Loyalit\u00e4t zu Partei und Staat kommen k\u00f6nnten, die f\u00fcr sie unbedingt an erster Stelle stehen muss.<\/p>\n<p><strong>Seit einiger Zeit propagiert die Staatsf\u00fchrung ein neues Leitbild f\u00fcr die Religionsgemeinschaften. Der Begriff daf\u00fcr lautet: \u201eSinisierung\u201c. Was ist damit gemeint? Droht dabei die Gefahr, dass Glaubensinhalte verf\u00e4lscht werden?<\/strong><\/p>\n<p>Gemeint ist, dass sich die Religionen einerseits der traditionellen Kultur Chinas, andererseits der sozialistischen Gesellschaft Chinas anpassen sollen. Dabei geht es nicht nur um \u00c4u\u00dferlichkeiten: Es werden auch \u201eForderungen an die religi\u00f6sen Regeln und Lehren\u201c gestellt. Es wird sich zeigen, wie die chinesischen Theologen mit der Aufforderung zur Sinisierung des Christentums umgehen. Die Gefahr, dass dabei Glaubensinhalte verf\u00e4lscht werden, ist durchaus vorhanden. Inkulturation ist ja ein Anliegen der Kirchen selbst, aber sie braucht Freir\u00e4ume, wenn sie echt sein soll.<\/p>\n<p><strong>Seit 2014 gibt es Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung. \u00dcber Inhalt und Ergebnisse dieser Gespr\u00e4che ist bislang wenig nach au\u00dfen gedrungen. Worum geht es in diesen Gespr\u00e4chen? Und was ist nach Ihren Erkenntnissen bislang erreicht worden?<\/strong><\/p>\n<p>Seit 60 Jahren ist die Streitfrage, wer das Recht auf die Ernennung der chinesischen Bisch\u00f6fe hat, zwischen Rom und Peking ungel\u00f6st. Ziel der gegenw\u00e4rtigen Verhandlungen ist ein Kompromiss in Form eines Abkommens. Die genauen Inhalte und Bedingungen sind nicht bekannt.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Risiken f\u00fcr diese Vorgehensweise? Und von welchen Gesichtspunkten l\u00e4sst der Vatikan sich leiten?<\/strong><\/p>\n<p>Sicher gibt es Risiken. Es k\u00f6nnte zu weiteren Spannungen innerhalb der Kirche kommen. Da der Staat derzeit seine Politik gegen\u00fcber den Religionen versch\u00e4rft, d\u00fcrfte au\u00dferdem nach einem Abkommen das \u00dcberleben der Kirche im Untergrund sehr schwierig werden. Dem Heiligen Stuhl wiederum geht es um die Einheit der Kirche. Es geht au\u00dferdem \u2013 wie Kardinalstaatssekret\u00e4r Parolin gesagt hat \u2013 darum, realistische pastorale L\u00f6sungen zu finden, die es den chinesischen Katholiken erlauben, ganz katholisch und gleichzeitig ganz chinesisch zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Mai, dem Gedenktag \u201eMaria, Hilfe der Christen\u201c, begehen Katholiken seit 2007 den Gebetstag f\u00fcr die Kirche in China. 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