{"id":1603,"date":"2018-08-01T11:39:50","date_gmt":"2018-08-01T09:39:50","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/neuanfang-nach-4-jahren-flucht-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:01:50","modified_gmt":"2023-02-23T11:01:50","slug":"neuanfang-nach-4-jahren-flucht-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/neuanfang-nach-4-jahren-flucht-html\/","title":{"rendered":"Neuanfang nach 4 Jahren Flucht"},"content":{"rendered":"<p>Musa ist ein Mann, der viel lacht und eine innere Ruhe ausstrahlt. Doch was dem 63-J\u00e4hrigen und seiner Familie von den Truppen des sogenannten \u201eIslamischen Staates\u201c angetan wurde, macht ihn heute noch zornig: \u201eIch werde nie vergessen, was uns die Terroristen angetan haben.\u201c&nbsp;<\/p>\n<p>Es war der 6. August 2014: Mitten in der Nacht mussten Musa, seine Frau und ihre sechs Kinder vor den heranr\u00fcckenden Truppen des IS aus Karakosch fliehen, der bis dahin gr\u00f6\u00dften christlichen Stadt des Irak. So erging es zehntausenden Bewohnern der Ninive-Ebene, seit den Tagen der fr\u00fchen Kirche christliches Siedlungsgebiet. Sie lie\u00dfen alles zur\u00fcck und suchten Zuflucht in Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan.<\/p>\n<p><strong>Drei Jahre heimatlos<\/strong><\/p>\n<p>Wie viele andere Vertriebene kampierten Musa und seine Familie die ersten Tage auf der Stra\u00dfe. Um sie auf die Schnelle unterzubringen, war der Ansturm der Gefl\u00fcchteten zu gro\u00df \u2013 allein in Erbil waren es \u00fcber 120 000. Staatliche Unterst\u00fctzung blieb weitgehend aus. So war es die Kirche, die sich der Vertriebenen annahm. Bisch\u00f6fe und Priester wurden \u00fcber Nacht zu Krisenmanagern; Freiwillige packten rund um die Uhr mit an. So gelang es schnell, Musas Familie vor\u00fcbergehend in einer Schule unterzubringen. Dort mussten sie sich mit 25 anderen Gefl\u00fcchteten einen Raum teilen. \u201eEs war hei\u00df und eng. Nach ein paar Wochen konnten wir aber in eine kleine Wohnung umziehen\u201c, erz\u00e4hlt Musa. Auch in der neuen Unterkunft lebte die achtk\u00f6pfige Familie zusammen mit anderen Vertrieben. Es sollte f\u00fcr mehr als drei Jahre ihr Zuhause werden. Die Miete bezahlte, wie f\u00fcr tausende andere Fl\u00fcchtlingsfamilien auch, das weltweite p\u00e4pstliche Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c. Musa ist bis heute daf\u00fcr dankbar: \u201eWir hatten ja nur noch das, was wir am Leib trugen. Wir h\u00e4tten uns nie eine Wohnung leisten k\u00f6nnen.\u201c Denn der gelernte Automechaniker fand keine Arbeit. Den Lebensunterhalt verdiente Musas Frau. Sie ist Lehrerin f\u00fcr Aram\u00e4isch, der Sprache Jesu.<\/p>\n<p><strong>\u201eAlles war gestohlen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Nach \u00fcber zwei Jahren kam endlich die erl\u00f6sende Nachricht: Die Ninive-Ebene ist vom IS befreit. Doch eine R\u00fcckkehr erschien Musa und seiner Familie erst noch zu gef\u00e4hrlich, f\u00fcr den Neuanfang fehlten die Mittel. Erst im November 2017 wagte Musa mit seiner Familie die R\u00fcckkehr nach Karakosch. Der Wut \u00fcber die Gr\u00e4ueltaten des IS wich der Trauer: \u201eIch war schockiert \u00fcber so viel Zerst\u00f6rung. Unser Haus stand zwar noch, aber es war leer \u2013 alles war gestohlen\u201c, erz\u00e4hlt Musa mit Tr\u00e4nen in den Augen. Er wei\u00df bis heute nicht, wer f\u00fcr die Pl\u00fcnderung verantwortlich ist \u2013 der IS oder die Nachbarn der mehrheitlich muslimischen D\u00f6rfer ringsum. \u201eWas bringt es, dar\u00fcber nachzugr\u00fcbeln? Es ist passiert. Es z\u00e4hlt nur die Zukunft.\u201c<\/p>\n<p>Und diese Zukunft liegt f\u00fcr Musa in der Ninive-Ebene. An Auswanderung hat er nie gedacht. \u201eSo schwierig es auch ist: Wer hier \u00fcber Jahrhunderte seine Wurzeln hat, wird immer wieder zur\u00fcckkommen\u201c, ist er \u00fcberzeugt. Viel ist seit der R\u00fcckkehr geschehen: Musa hat mit Helfern Fenster und T\u00fcren am Haus erneuert, die R\u00e4ume neu gestrichen. \u201eKirche in Not\u201c hat das m\u00f6glich gemacht. Das Hilfswerk hat zusammen mit lokalen Kirchenvertretern einen \u201eMarshall-Plan\u201c f\u00fcr den Wiederaufbau erstellt, finanziert Renovierungen, \u00fcberwacht die Fortschritte. Und die sind sichtbar: Mitte Juli waren \u00fcber ein Drittel der Geb\u00e4ude renoviert und fast die H\u00e4lfte der Vertriebenen (44,63 Prozent) aus dem Nordirak heimgekehrt.<\/p>\n<p>Zu Hause f\u00fchlen sich jetzt auch wieder Musa und die Seinen, vor allem seit es ihnen gelang, wieder ein paar M\u00f6bel aufzutreiben. \u201eIch bin den Wohlt\u00e4tern von Herzen dankbar. Ohne ihre Hilfe h\u00e4tten wir nicht in unsere Heimat zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen\u201c, sagt Musa.<\/p>\n<p><strong>\u201eIch habe sehr deutlich gesp\u00fcrt, dass Gott mit uns ist\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Seine Tochter Miray stimmt ihm zu. Sie ist 25 und arbeitet als Krankenschwester. Wegen des Krieges musste sie 2014 ihre Ausbildung in Mossul abbrechen. Die Stadt war zum Zentrum der K\u00e4mpfe gegen den IS geworden und ist heute schwer zerst\u00f6rt. Erst mit einiger Versp\u00e4tung konnte Miray ihre Ausbildung in Erbil fortsetzen. Trotz aller Schwierigkeiten kann sie der Zeit dort einen Sinn abringen: \u201eIch konnte kranken Fl\u00fcchtlingen helfen und habe so viele hilfsbereite Menschen kennengelernt. Das war eine gute Erfahrung f\u00fcr mich.\u201c \u00dcberhaupt: Die Menschen seien sich in den Jahren der Vertreibung n\u00e4hergekommen. \u201eVorher ging es hier bei vielen Menschen nur um Materielles: mehr H\u00e4user, mehr Geld. In der Zeit der Not haben sich die Menschen f\u00fcreinander ge\u00f6ffnet\u201c, meint Miray. \u201eSie haben erkannt, dass es im Leben um mehr geht.\u201c<\/p>\n<p>An die Christen im Ausland appelliert sie, den Menschen in der Ninive-Ebene nicht nur materiell, sondern auch geistlich beizustehen: \u201eWir brauchen ihre Gebete.\u201c Ihr eigener Glaube sei in den zur\u00fcckliegenden Jahren zwar auf die Probe gestellt, aber letztlich gest\u00e4rkt worden: \u201eIch habe sehr deutlich gesp\u00fcrt, dass Gott mit uns ist\u201c, zeigt sich Miray \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Die junge Frau w\u00fcrde gern studieren und \u00c4rztin werden. Dazu w\u00e4ren allerdings im Ausland die Bedingungen besser. \u201eIch spare schon darauf\u201c, erz\u00e4hlt Miray. Doch langfristig sehe sie ihre Zukunft im Irak, auch wenn ihr die aktuelle Sicherheitslage Sorgen macht: \u201eIch will auf jeden Fall zur\u00fcck, um den Menschen in meiner Heimat zu dienen.\u201c<\/p>\n<p><em>Seit der Vertreibung der Christen durch den IS hat KIRCHE IN NOT die notleidenden Christen im Irak mit rund 39,7 Millionen Euro unterst\u00fctzt. Um den Wiederaufbau weiter voranzutreiben und der Bev\u00f6lkerung materiell wie pastoral beistehen zu k\u00f6nnen, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden \u2013 entweder online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Spendenkonto:<\/em><\/p>\n<p><em>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT&nbsp;<br \/>IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600&nbsp;<br \/>BIC: GIBAATWWXXX&nbsp;<br \/>Verwendungszweck: Irak Wiederaufbau<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musa ist ein Mann, der viel lacht und eine innere Ruhe ausstrahlt. 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