{"id":1607,"date":"2018-08-20T10:30:20","date_gmt":"2018-08-20T08:30:20","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/10-jahre-nach-der-gewalt-odisha-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:22:44","modified_gmt":"2023-02-23T10:22:44","slug":"10-jahre-nach-der-gewalt-odisha-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/10-jahre-nach-der-gewalt-odisha-html\/","title":{"rendered":"10 Jahre nach der Gewalt in Odisha"},"content":{"rendered":"<p>Zehn Jahre danach erinnert sich ein indischer Katholik an die Gewalt.&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">Am zehnten Jahrestag&nbsp; wird des furchtbaren Ausbruchs antichristlicher Gewalt gedacht, die im Bezirk Kandhamal im indischen Bundesstaat Odisha im August 2008 zum Tod von mehr als hundert Christen gef\u00fchrt hatte. 300 Kirchen und 6.000 Wohnh\u00e4user waren dabei besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt und 50.000 Personen gezwungen worden, die Gegend zu verlassen.<\/span><\/p>\n<p>Tarun Kumar Nayak (19) wurde im Bundesstaat Odisha geboren und ist Magisterkandidat in Naturwissenschaften. Im Alter von neun Jahren war er Zeuge und Opfer der gewaltsamen \u00dcbergriffe&nbsp; eines hinduistischen Mobs. Tarun erz\u00e4hlt seine Erinnerungen der p\u00e4pstlichen Stiftung <em>KIRCHE IN NOT<\/em>. Dabei beginnt er mit dem Bericht \u00fcber die Zerst\u00f6rung seines Elternhauses und der Schneiderei seines Vaters in der Ortschaft Bamunigoan. Dieser Vorfall stellte den Auftakt der m\u00f6rderischen Ausschreitungen im August 2008 dar:<\/p>\n<p>\u201cDie H\u00e4lfte meines Dorfes besteht aus Christen und der Rest sind Hindus. Die Einwohner waren friedliebend; Mitglieder beider Religionen lebten friedlich und harmonisch zusammen. Man half sich gegenseitig in der Zeit religi\u00f6ser Feiertage. Das Leben verlief ruhig bis zum 24. Dezember 2007, als ein unerwarteter, alptraumartiger Vorfall das Dorf ersch\u00fctterte.<\/p>\n<p>\u201cWir Christen hatten \u00fcber der Durchfahrtsstra\u00dfe unseres Dorfes weihnachtlichen Lichterbogen- Schmuck angebracht. Eine Gruppe von 150 bis 200 Hindus machte sich zum Marktplatz auf und forderte, dass dieser entfernt werde.&nbsp; Sp\u00e4ter versuchte diese aufgebrachte Menge, die Schlie\u00dfung des Wochenmarktes und aller Gesch\u00e4fte der Gegend zu erzwingen.<\/p>\n<p>\u201cAls die christlichen Eigent\u00fcmer der Gesch\u00e4fte sich weigerten zu schlie\u00dfen, kam es nach hitzigen Diskussionen zum Ausbruch der Gewalt. Um die zwanzig Gesch\u00e4fte von Christen wurden gepl\u00fcndert und zerst\u00f6rt. Dabei starb ein Christ.<\/p>\n<p>\u201cWir sahen uns gezwungen, aus unserem Dorf zu fliehen und uns im Wald zu verstecken. Wir mussten in der Dunkelheit meilenweit laufen, um nicht umgebracht zu werden. Dabei gingen wir mindestens zwei Tage lang ohne Nahrung und Wasser. Einige von uns fielen sogar in tiefe Gruben und stie\u00dfen auf Schlangen. Personen jeden Alters, einschlie\u00dflich erst k\u00fcrzlich geborener Kinder mussten die K\u00e4lte dieses Winters aushalten.<\/p>\n<p>\u201cDennoch, wie hei\u00dft es in der Bibel:&nbsp; \u00abWenn Gott f\u00fcr uns ist, wer kann dann gegen uns sein?\u00bb. Niemand von uns kam schwer zu Schaden. Wir gelangten zu einem Tamangi genannten Dorf, in dem Mitglieder eines Stammes uns Essen und Unterkunft anboten.<\/p>\n<p>\u201cDie Fanatiker suchten meinen Vater, da er, bis zu seinem Tod im letzten Jahr,&nbsp; der Repr\u00e4sentant unserer christlichen Gemeinschaft war. Mein Vater blieb im Dorf in der Hoffnung, mit den Angreifern sprechen zu k\u00f6nnen, womit er sein Leben aufs Spiel setzte. Schlie\u00dflich musste er aber doch gehen, da die Zust\u00e4nde schlimmer wurden. Er lief mehr als 40 Kilometer durch den Wald, um einen Fernbus zu nehmen und sich mit seiner Familie wiedervereinen zu k\u00f6nnen, die in Berhampur lebte, etwa 130 Kilometer entfernt. Ich musste \u00fcber eine Woche versteckt bleiben, und w\u00e4hrend dieser Zeit wussten wir nicht, wo mein Vater sich aufhielt.<\/p>\n<p>\u201cWir kehrten zu unseren H\u00e4usern zur\u00fcck, als es der \u00f6rtlichen Verwaltung gelang, den Frieden wiederherzustellen, aber mein Vater kam erst f\u00fcnf oder sechs Tage sp\u00e4ter zur\u00fcck. Wir weinten Tag und Nacht, waren wir doch davon \u00fcberzeugt, dass er ermordet worden sei. Wir weinten nicht etwa nur deshalb, weil er \u2212 in einem Haushalt von acht Personen \u2212 das einzige Familienmitglied mit Eink\u00fcnften, sondern weil er unser geliebter Vater war, der alles daf\u00fcr tat, um uns Leid zu ersparen.<\/p>\n<p>\u201cAls Schneider konnte er sich um meine Mutter, meine Geschwister und mich k\u00fcmmern. Er opferte alles, um uns eine an Werten orientierte Bildung zu erm\u00f6glichen. Dar\u00fcber hinaus spielte er im Dorf und unserer christlichen Gemeinschaft eine sehr wichtige Rolle: In seiner Abwesenheit fand keine Versammlung statt.<\/p>\n<p>\u201cNormalerweise begannen wir mit den Weihnachtsfeierlichkeiten immer um den&nbsp; 20. Dezember und schlossen sie in der ersten Januarwoche mit einem <em>Picknick <\/em>ab. Im Jahr 2007 haben wir aufgrund der Spannungen im Dorf jedoch nicht gefeiert. Aus Angst vor neuen Konflikten stellte die \u00f6rtliche Bezirksverwaltung zwei Polizeitrupps der Hauptreserve auf. Das Sicherheitspersonal hielt im Dorf zumindest zweimal am Tag Patrouillen ab, um den Leuten ein Gef\u00fchl der Sicherheit zu vermitteln. Nach und nach normalisierte sich das Leben im Dorf, und die Gesch\u00e4fte \u00f6ffneten wieder.<\/p>\n<p>\u201cDoch dann, am 24. August 2008, gab es einen neuen und schrecklichen Ausbruch der Gewalt aufgrund des Todes des religi\u00f6sen Hindu-F\u00fchrers Swami Laxmanananda Saraswati, der zusammen mit vier seiner Sch\u00fcler in seinem Ashram ermordet wurde.&nbsp; Obgleich eine maoistische Guerilla sich zu den Morden bekannte, waren die Hindu-Fundamentalisten der Auffassung, dass die Christen hierf\u00fcr verantwortlich seien, und begannen, die christliche Gemeinschaft vor Ort anzugreifen. \u201cObwohl viele starben und&nbsp; Eigentum total zerst\u00f6rt wurde, hielten wir an unserem Glauben fest. Nur in der Gewissheit, dass Gott mit uns ist, waren wir in der Lage, Terror und brutaler Gewalt standzuhalten.<\/p>\n<p>\u201cDer damalige Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar, Raphael Cheenath, bem\u00fchte sich, Gerechtigkeit und eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Christen zu erlangen, und appellierte \u2212 an den Obersten Gerichtshof Indiens. Die Regierung gew\u00e4hrte daraufhin den Betroffenen auf Gerichtsbeschluss einige \u00f6konomische Hilfen. Mittlerweile ist die Lage im Bezirk unter Kontrolle. W\u00e4hrend der Feier christlicher Feste wird Sicherheitspersonal stationiert, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, aber die Erinnerung und die Angst vor der Gewalt sind noch lebendig\u201d.<\/p>\n<p><em>Seit 2008 unterst\u00fctzt die p\u00e4pstliche Stiftung <\/em>KIRCHE IN NOT<em> auch den Wiederaufbau einiger der 300 w\u00e4hrend der Unruhen zerst\u00f6rten Kirchen. <\/em><\/p>\n<p><em>Im vergangenen Jahr hat <\/em>KIRCHE IN NOT<em> fast 7 Millionen Dollar f\u00fcr Projekte zugunsten von Christen in Indien ausgegeben, insbesondere f\u00fcr Dalits, der untersten Kaste in der Hindu-Hierarchie, und f\u00fcr &#8222;Tribals&#8220;, die ebenfalls sehr stark von Fundamentalisten diskriminiert werden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zehn Jahre danach erinnert sich ein indischer Katholik an die Gewalt.&nbsp;Am zehnten Jahrestag&nbsp; wird des furchtbaren Ausbruchs antichristlicher Gewalt gedacht, die im Bezirk Kandhamal im indischen Bundesstaat Odisha im August 2008 zum Tod von mehr als hundert Christen gef\u00fchrt hatte. 300 Kirchen und 6.000 Wohnh\u00e4user waren dabei besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt und 50.000 Personen gezwungen worden, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1606,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[176],"tags":[27,61,60,3,64,73],"class_list":["post-1607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-indien","tag-asien","tag-ausschreitungen","tag-hinduismus","tag-indien","tag-mord","tag-schandung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1607"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3123,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1607\/revisions\/3123"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}