{"id":1611,"date":"2018-08-30T12:42:40","date_gmt":"2018-08-30T10:42:40","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/es-muss-wieder-aufgebaut-werden-html\/"},"modified":"2023-02-23T11:37:29","modified_gmt":"2023-02-23T10:37:29","slug":"es-muss-wieder-aufgebaut-werden-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/es-muss-wieder-aufgebaut-werden-html\/","title":{"rendered":"\u201eEs muss wieder aufgebaut werden.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDas Land muss wieder aufgebaut werden. Es gen\u00fcgt nicht, zur\u00fcckkehren zu wollen\u201c.&nbsp;Unter der Leitung von Bischof Samir Nassar, dem maronitischen Erzbischof von Damaskus, und mit Unterst\u00fctzung der P\u00e4pstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) konnte eine Delegation des Familienausschusses der Syrischen Bischofskonferenz (1) am Weltfamilientreffen in Dublin teilnehmen. Maria Lozano und Pierre Macqueron haben diese Gelegenheit genutzt, um sie \u00fcber die Situation im Land zu befragen. Die Teilnehmer erkl\u00e4ren, der Krieg in ihrem Land sei &#8222;die grausamste Trag\u00f6die in der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg&#8220;, und beschreiben die Schwierigkeiten, mit denen syrische Familien konfrontiert werden, die nach acht Jahren Krieg verstreut, traumatisiert und ruiniert sind.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<strong style=\"font-size: 13.008px;\">Wie ist die tats\u00e4chliche Lage in Syrien zurzeit?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<strong style=\"font-size: 13.008px;\">Erzbischof Samir Nassar<\/strong><span style=\"font-size: 13.008px;\">: In Syrien findet kein lokaler Konflikt, sondern ein internationaler Krieg statt: An diesem Krieg sind 85 L\u00e4nder (!) beteiligt. Es handelt sich um die grausamste Auseinandersetzung der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit April stellen wir fest, dass der Friede zur\u00fcckkehrt. In Damaskus fallen keine Bomben mehr. Worin besteht nun das Problem? Darin, dass die jungen Menschen seit 2015 aus dem Land gefl\u00fcchtet sind. Wir warten darauf, dass sie zur\u00fcckkommen. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um denen zu helfen, die geblieben sind, und auch den Familien, denn die meisten Familien wurden getrennt. Unsere Aufgabe besteht darin, den Menschen zu helfen, im Land zu bleiben. Wir wollen aber auch den Gefl\u00fcchteten helfen, damit sie zu ihren Familien zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Es gibt noch viel zu tun, um das Land nach acht Jahren Krieg wiederaufzubauen.<\/span><\/p>\n<p><strong>Schw. Jihane Elaoudatallah<\/strong>: Wir haben sehr schwere Zeiten durchgemacht. Vor einigen Monaten t\u00f6tete eine Bombe eine Lehrerin in meiner Schule in Damaskus. Eine weitere schlug ebenfalls im Geb\u00e4ude ein. Sie verletzte aber gl\u00fccklicherweise keinen Menschen. Sp\u00e4ter fiel eine weitere Bombe, die ein Kind t\u00f6tete und ein anderes so schwer verletzte, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Die Kinder standen unter Schock. Sie wollten nicht mehr in die Schule kommen. In die Schule zu gehen, bedeutete f\u00fcr sie, in den Tod zu gehen. Wir mussten Traumaarbeit leisten, um diese psychische Blockade zu \u00fcberwinden. Daf\u00fcr veranstalteten wir an einem ruhigen und abgelegenen Ort Exerzitien f\u00fcr Familien, die wirklich beklemmende Situationen durchgemacht haben. Ein Jesuitenpater predigte \u00fcber das christliche Leben, \u00fcber die Art und Weise, mit den Kindern mit der Angst umzugehen. Wir haben au\u00dferdem die Enzyklika <em>Laudato Si\u2019<\/em> durchgenommen. Diese Familien haben darum gebeten, dass regelm\u00e4\u00dfige Begegnungen stattfinden. So organisieren wir nun jeden Monat eine Begegnung, um nachzudenken, zu beten, zusammen zu essen und uns zusammen zu erholen.<\/p>\n<p><strong>Jean-Pierre Bingly<\/strong>: Alle Familien, seien es Muslime, Drusen oder Christen, sind vom Krieg betroffen. Sie m\u00fcssen dieselben Probleme meistern. Ihre Kinder sind im Krieg gestorben, oder sie sind gefl\u00fcchtet &#8230; Wir m\u00fcssen unsere Familien wiederherstellen. Wir tun, was in unserer Hand liegt, um es zu schaffen.<\/p>\n<p><strong>P.&nbsp;Raimondo Girgis<\/strong>:In Damaskus hat sich die Lage normalisiert. Es herrscht Frieden. Die Kirche hat ihre Seelsorgearbeit wieder aufgenommen. In unserem Kloster halten wir Katechese f\u00fcr 230 Kinder. Wir haben au\u00dferdem ein Altenheim. Die Kirche betreut die Menschen weiterhin materiell und geistlich. In der ganzen Zeit des Krieges haben wir nicht nur den Armen und den Kranken geholfen, sondern dar\u00fcber hinaus haben wir auch in der Familienseelsorge geistliche Unterst\u00fctzung geleistet.<\/p>\n<p><strong>Gibt es R\u00fcckkehrm\u00f6glichkeiten f\u00fcr syrische Fl\u00fcchtlinge?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erzbischof Samir Nassar<\/strong>: Viele Jahre lang war Syrien ein Aufnahmeland: f\u00fcr die Armenier in den zwanziger Jahren, f\u00fcr Assyrer, Kurden, Libanesen, Iraker &#8230; Die syrischen Fl\u00fcchtlinge waren hingegen in vielen Teilen der Welt nicht willkommen. Denn es sind viele, zu viele. Niemand will sie aufnehmen. Die R\u00fcckkehr nach Syrien ist nun ebenfalls kompliziert, vor allem aus finanziellen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>P.&nbsp;Raimondo Girgis<\/strong>:<strong>&nbsp;<\/strong>Viele Familien denken an die R\u00fcckkehr. Dies gilt vor allem f\u00fcr die christlichen Familien. F\u00fcr die Kirche ist die Trennung der Familien eine offene Wunde. Dazu kommen die psychischen Probleme, die der Krieg hinterlassen hat und die wir als Kirche heilen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Schw.<\/strong>&nbsp;<strong>Jihane<\/strong>&nbsp;<strong>Elaoudatallah<\/strong>: Ihre H\u00e4user sind au\u00dferdem zerst\u00f6rt \u2013 wohin sollen sie zur\u00fcckkehren? Wie kann man in ein zerst\u00f6rtes Haus zur\u00fcckkehren? Es gen\u00fcgt nicht, zur\u00fcckkehren zu wollen.<\/p>\n<p><strong>Marie Nasrallah<\/strong>: Jetzt kommt die W\u00e4hrungsabwertung hinzu, die die R\u00fcckkehr nach Syrien noch komplizierter macht. Das t\u00e4gliche Leben ist sehr teuer geworden.<\/p>\n<p><strong>Ist die Wirtschaftsblockade gegen Syrien eine Bedrohung f\u00fcr die R\u00fcckkehr der Syrer?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erzbischof Samir Nassar<\/strong>: Wir haben mit schweren Wirtschaftsproblemen zu k\u00e4mpfen, weil unsere W\u00e4hrung abgewertet wurde. Vor dem Krieg war der Gegenwert eines amerikanischen Dollars f\u00fcnfzig Syrische Pfund. Heute sind es 515 (!). Und die Geh\u00e4lter sind gleich geblieben. Die im Ausland lebenden Syrer k\u00f6nnten uns helfen. Dies ist aber wegen der westlichen Blockade nicht m\u00f6glich. Diese Ma\u00dfnahme richtet sich zwar gegen die Regierung, darunter leiden aber die Armen. W\u00e4hrend&nbsp; die Regierungsmitglieder \u00fcber andere Einkommensm\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen, m\u00fcssen die Armen die Auswirkungen der Blockade ausbaden.<\/p>\n<p><strong>Schw. Jihane Elaoudatallah<\/strong>: Die wirtschaftliche Lage verschlimmert das Leiden der Bev\u00f6lkerung, einer zerstreuten und gedem\u00fctigten Bev\u00f6lkerung. Sie wird gedem\u00fctigt, weil sie auf Hilfe angewiesen ist, vor allem jetzt, da der Empfang der Unterst\u00fctzung durch die Wirtschaftsblockade behindert wird. Vor allem f\u00fcr die Familien ist es eine schwere Belastung, die Kinder aufzuziehen.<\/p>\n<p><strong>P. Raimondo Girgis: <\/strong>Die Wirtschaftssanktionen zeigen kein positives Ergebnis. In Syrien herrscht Mangel an Arzneimitteln. Es gibt sie nirgends. Diese Ma\u00dfnahmen f\u00fchren nicht dazu, ein Volk zu retten \u2013 ganz im Gegenteil, es wird dazu verurteilt, in einem Gef\u00e4ngnis zu leben.<\/p>\n<p><strong>Ein letztes Wort?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erzbischof Samir Nassar<\/strong>: Wenn der Papst von unserem Land spricht, spricht er von \u201eunserem geliebten Syrien\u201c. Er kennt Syrien, weil in Argentinien eine gro\u00dfe Gemeinde syrischer Migranten lebt. Der Bisch\u00f6fliche Familienausschuss dankt KIRCHE IN NOT, weil Ihr uns in den letzten Jahren sehr geholfen habt, notleidende Familien zu unterst\u00fctzen, Kranke mit Arzneimitteln zu versorgen, Seelsorge weiterhin zu leisten. Aber jetzt brauchen wir weiterhin Hilfe, um unsere zerbombten H\u00e4user wiederaufzubauen, um das Land wiederaufzubauen.<\/p>\n<p><em>Seit Beginn des Konflikts hat KIRCHE IN NOT mehr als 25 Millionen Euro f\u00fcr Nothilfeprojekte zugunsten christlicher Familien in Syrien bewilligt, darunter fast 6 Millionen im Jahr 2017. Derzeit bereitet die Stiftung eine neue Kampagne vor, um den Wiederaufbau des Landes und die R\u00fcckkehr zu unterst\u00fctzen der Fl\u00fcchtlinge in den kommenden Monaten.<\/em><\/p>\n<p><em>(1) Neben Erzbischof Nassar geh\u00f6rten der Delegation die folgenden Personen an: Franziskanerpater Raimondo Girgis, der Rektor des&nbsp; Heiligtums der Bekehrung des heiligen Paulus in Tabbale-Damaskus, Schwester Jihane Elaoudatallah von den Schwestern der Barmherzigkeit sowiedie Eheleute Jean-Pierre Bengl\u00e9 und Marie Nasrallah, die seit 24 Jahren verheiratet sind und ebenfalls dem Ausschuss angeh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas Land muss wieder aufgebaut werden. 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