{"id":17,"date":"2012-10-30T08:05:33","date_gmt":"2012-10-30T08:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/drohende-enteignung-html\/"},"modified":"2023-02-17T12:47:22","modified_gmt":"2023-02-17T11:47:22","slug":"drohende-enteignung-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/drohende-enteignung-html\/","title":{"rendered":"Drohende Enteignung"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts der drohenden Konfiszierung christlicher Grundst\u00fccke durch Israel im Cremisantal nahe Bethlehem h\u00e4lt der Jerusalemer Weihbischof William Shomali jede Hilfe seitens ausl\u00e4ndischer Regierungen und Kirchen, die derzeit bei Gericht anh\u00e4ngige Angelegenheit zu l\u00f6sen, f\u00fcr einen Schritt in Richtung Frieden und \u00f6ffentliche Ruhe. Das sagte der im Lateinischen Patriarchat f\u00fcr die pal\u00e4stinensischen Gebiete zust\u00e4ndige r\u00f6misch-katholische Bischof am Montag im Gespr\u00e4ch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c.<\/p>\n<p>Vergangene Woche hatte erstmals die katholische Ordinarienkonferenz im Heiligen Land (AOCTS) zu der Sache Stellung genommen und Israel zur Beendigung des aus ihrer Sicht illegalen Mauerbaus im Cremisantal aufgefordert. Sie hatte zudem die Bef\u00fcrchtung ge\u00e4u\u00dfert, dass die geplante Mauer die christliche Abwanderung aus dem Heiligen Land weiter beschleunigen werde. Entschieden wiesen die Oberhirten die Behauptung zur\u00fcck, der Heilige Stuhl und die Ortskirche h\u00e4tten mit Israel implizit oder explizit eine Vereinbarung bez\u00fcglich der Mauer getroffen. Dies war von der Nichtregierungsorganisation \u201eThe Israel Project\u201c in einer Mitteilung vom 16. Oktober behauptet worden. Demnach soll der Heilige Stuhl der bisher teilweise auf Kirchengrund ausgef\u00fchrten Sperranlage zugestimmt haben.<\/p>\n<p>Die \u00fcber 750 Kilometer lange Mauer, die nach israelische Auffassung der Terrorabwehr dient und seit 2003 errichtet wird, verl\u00e4uft zu etwa 80 Prozent jenseits der Gr\u00fcnen Linie, die als Waffenstillstandslinie von 1948 nach internationaler Rechtsauffassung die Au\u00dfengrenze des Staates Israel zum 1967 besetzten Westjordanland bildet. In einem Gutachten von 2004 hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag den Mauerbau deshalb f\u00fcr v\u00f6lkerrechtswidrig erkl\u00e4rt. Weihbischof Shomali gegen\u00fcber \u201eKirche in Not\u201c: \u201eWenn Israel die Mauer auf dem Grenzverlauf bauen w\u00fcrde, der vor der Besatzung des Westjordanlandes galt, w\u00e4re das kein Problem. Es w\u00e4re Israels Recht, gegen das niemand Einw\u00e4nde erheben k\u00f6nnte. Das Problem ist aber, dass der Mauerabschnitt bei Cremisan jenseits dieser Grenze auf pal\u00e4stinensischem Land verl\u00e4uft.\u201c<\/p>\n<p>Von diesem Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht abgesehen glaubt der Bischof zudem an die M\u00f6glichkeit, einen Mauerverlauf zu finden, der weniger Landenteignungen mit sich bringt. Betroffen von der Konfiszierung w\u00e4ren 58 Familien aus dem zu \u00fcber achtzig Prozent christlichen Dorf Beit Jala bei Bethlehem, deren Olivenhaine und Obstg\u00e4rten weichen m\u00fcssten. Nicht wenige Familien leben aber von der Bewirtschaftung dieser Fl\u00e4chen. Seit 2006 klagen sie gegen die israelischen Pl\u00e4ne vor dem zust\u00e4ndigen israelischen Gerichtshof in Tel Aviv. 2010 sind der Klage auch die Salesianer-Schwestern beigetreten, die in dem betroffenen Gebiet seit 1960 eine Schule unterhalten. Sie wird von derzeit etwa 450 muslimischen wie christlichen Sch\u00fclern besucht. Auch der Konvent w\u00fcrde von Teilen seines Landbesitzes abgeschnitten, sollte die Mauer wie beabsichtigt errichtet werden. Zudem soll die Mauer direkt um das Kloster und die Schule gef\u00fchrt werden, weshalb die Schwestern sich der M\u00f6glichkeit beraubt sehen, die Schule zu erweitern, wof\u00fcr ihnen bereits eine Genehmigung vorliegt. Betroffen von der Mauer w\u00e4ren auch die Salesianer, die unweit des Schwesternkonvents ein Kloster unterhalten. Sie haben Anfang des Jahres einen Antrag auf Beitritt zur Klage gestellt, \u00fcber den noch nicht entschieden worden ist.<\/p>\n<p>Eine Entscheidung des israelischen Gerichts wird nach dem Februar 2013 erwartet, wenn die letzten Stellungnahmen der gegnerischen Parteien abgegeben werden. Weihbischof Shomali: \u201eWir wollen eine Entscheidung im Einklang mit der Gerechtigkeit und keine, die der Kirche gefallen will.\u201c Er h\u00e4lt es weiterhin f\u00fcr m\u00f6glich, dass das Gericht ein faires Urteil f\u00e4llt, da israelische Gerichte unabh\u00e4ngig von der Politik seien. F\u00fcr den nicht auszuschlie\u00dfenden Fall aber, dass die Grundst\u00fccke der christlichen Familien konfisziert werden, was faktisch, wenn auch nicht rechtlich einer Enteignung gleichkommt, sorgt sich der Bischof angesichts der materiellen Folgen f\u00fcr die Betroffenen: \u201eWir m\u00fcssen dann mit der Caritas und anderen humanit\u00e4ren Einrichtungen dar\u00fcber nachdenken, was wir tun k\u00f6nnen. Aber ich f\u00fcrchte, unsere Mittel werden nicht ausreichen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angesichts der drohenden Konfiszierung christlicher Grundst\u00fccke durch Israel im Cremisantal nahe Bethlehem h\u00e4lt der Jerusalemer Weihbischof William Shomali jede Hilfe seitens ausl\u00e4ndischer Regierungen und Kirchen, die derzeit bei Gericht anh\u00e4ngige Angelegenheit zu l\u00f6sen, f\u00fcr einen Schritt in Richtung Frieden und \u00f6ffentliche Ruhe. 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