{"id":1713,"date":"2019-01-22T11:09:34","date_gmt":"2019-01-22T10:09:34","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/blasphemiegesetz-zerstoert-leben-html\/"},"modified":"2023-02-22T08:58:30","modified_gmt":"2023-02-22T07:58:30","slug":"blasphemiegesetz-zerstoert-leben-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/blasphemiegesetz-zerstoert-leben-html\/","title":{"rendered":"\u201eBlasphemiegesetz zerst\u00f6rt Leben\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Dominikanerpater James Channan setzt sich seit Jahren f\u00fcr den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein \u2013 in einem Land, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen gegen die verschwindend kleine Minderheit der Christen kommt und ein Blasphemiegesetz jede vermeintliche Kritik am Islam unter drakonische Strafen stellt, nicht nur im Fall Asia Bibi. Channan leitet das \u201ePeace Center\u201c in der pakistanischen Stadt Lahore.<\/p>\n<p>Mit Tobias Lehner sprach er \u00fcber die Auswirkungen der Blasphemiegesetze bei einem Besuch in der Zentrale von der P\u00e4pstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN), hoffnungsvolle Entwicklungen in der islamischen Welt und die Zukunftsaussichten f\u00fcr Asia Bibi.<\/p>\n<p><strong>Tobias Lehner: Die lebensgef\u00e4hrliche Situation vieler Christen in Pakistan hat f\u00fcr die Welt\u00f6ffentlichkeit durch das Schicksal von Asia Bibi ein Gesicht bekommen. Nach Jahren in der Todeszelle wurde sie Ende Oktober 2018 vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen und aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Was wissen Sie \u00fcber die aktuelle Situation?<\/strong><\/p>\n<p>Pater James Channan: Die Lage der Christen in Pakistan ist alarmierend. Sie leben in Angst und Unsicherheit. Diese Situation h\u00e4lt schon seit den Siebzigerjahren an, seitdem die islamische Gesetzgebung der Scharia in Pakistan als Quelle der Gesetzgebung dient. Vor allem das umstrittene Blasphemigesetz wird von radikalen Muslimen missbraucht, um pers\u00f6nliche Rechnungen zu begleichen. Wenn irgendwo ein Christ wegen angeblicher Blasphemie angeklagt wird, stehen gleichzeitig alle Christen in der Region am Pranger. Oft kommt es dann auch zu Ausschreitungen gegen Christen.<\/p>\n<p>Genau das passierte auch im Fall Asia Bibi. Wegen angeblicher Blasphemie war sie neun Jahre in der Todeszelle. Auch nach ihrem Freispruch ist sie nach wie vor nicht sicher. Radikale Islamisten versuchen, sie ausfindig zu machen und zu t\u00f6ten. Daher steht sie unter staatlichem Schutz. Wir hoffen, dass das oberste Gericht bald den Freispruch nochmals best\u00e4tigt und keine weitere Revision zul\u00e4sst. Dann kann sie hoffentlich ausreisen und in Freiheit leben.<\/p>\n<p><strong>Asia Bibi ist kein Einzelfall. Was wissen Sie \u00fcber das Schicksal der Christen, die ebenfalls wegen Blasphemie angeklagt sind?<\/strong><\/p>\n<p>Einem Bericht der katholischen Bischofskonferenz von Pakistan zufolge gibt es weitere 187 F\u00e4lle, in denen Christen wegen Blasphemie angeklagt sind. Darunter ist zum Beispiel das Ehepaar Shafqat Masih und Shagufta Bibi. Sie sind in der Todeszelle, ich habe sie dort besucht. Sie werden beschuldigt, blasphemische SMS verschickt zu haben. Das Paar bestreitet das. Ihre Zukunftsaussichten sind sehr d\u00fcster. Selbst wenn sie doch noch freigesprochen werden sollten, werden sie und ihre Kinder nicht l\u00e4nger in Pakistan leben k\u00f6nnen. Fanatische Muslime werden versuchen, sie zu t\u00f6ten. Das Blasphemiegesetz zerst\u00f6rt das Leben der Angeklagten, auch wenn sie der Hinrichtung entgehen.<\/p>\n<p><strong>Nach dem Freispruch von Asia Bibi haben wir Bilder einer aufgeheizten Menge gesehen, die weiterhin ihre Hinrichtung fordert. Haben die Christen in Pakistan vor diesem Hintergrund jemals eine Chance auf Religionsfreiheit?<\/strong><\/p>\n<p>Es entstand der Eindruck, dass eine Gruppe militanter Muslime jederzeit das ganze Land lahmlegen k\u00f6nnen. Aber der militante Islamismus hat in Pakistan keine Mehrheit. Es gibt entweder zehn bis 15 Prozent radikale Islamisten, die die Menschen zu Gewalt anstacheln. Die Mehrheit der Muslime folgt diesen Aufheizern nicht. Sie setzen sich f\u00fcr die Religionsfreiheit auch der Christen ein. Es war eine gro\u00dfe Erleichterung f\u00fcr Christen und Muslime, dass die pakistanischen Sicherheitskr\u00e4fte in j\u00fcngster Zeit \u00fcber 1000 Islamisten festgenommen hat. Es war ein richtiger Schritt der Regierung, hart gegen den Extremismus vorzugehen. Und ich hoffe, dass das so bleibt.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT arbeitet seit vielen Jahren mit Ihnen zusammen. Aus europ\u00e4ischer Sicht scheinen die M\u00f6glichkeiten begrenzt, um die Situation zu ver\u00e4ndern. Macht die Hilfe dennoch einen Unterschied f\u00fcr die Christen in Pakistan?<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung von KIRCHE IN NOT tr\u00e4gt immens dazu bei, dass die Kirche in Pakistan den Glauben verk\u00fcnden und den Dialog fortsetzen kann. Durch diese Hilfe ist es uns gelungen, viele Br\u00fccken zwischen Christen und Muslimen zu bauen. Wir wollen zeigen, dass die verschiedenen Religionen keine Angst voreinander zu haben brauchen. Im Friedenzentrum in Lahore sind viele muslimische Geistliche, darunter der Gro\u00dfimam der zweitgr\u00f6\u00dften Moschee Pakistans, fester Bestandteil unseres Programms und enge Freunde. Ich bin \u00fcberzeugt, dass eine gute und friedliche Zukunft im Dialog zwischen Christen und Muslimen begr\u00fcndet liegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dominikanerpater James Channan setzt sich seit Jahren f\u00fcr den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein \u2013 in einem Land, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen gegen die verschwindend kleine Minderheit der Christen kommt und ein Blasphemiegesetz jede vermeintliche Kritik am Islam unter drakonische Strafen stellt, nicht nur im Fall Asia Bibi. 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