{"id":1737,"date":"2019-02-18T08:38:24","date_gmt":"2019-02-18T07:38:24","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/extremisten-wollen-spannungen-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:28:41","modified_gmt":"2023-02-23T11:28:41","slug":"extremisten-wollen-spannungen-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/extremisten-wollen-spannungen-html\/","title":{"rendered":"Extremisten wollen Spannungen"},"content":{"rendered":"<p>Am 27. Januar 2019 explodierten zwei Bomben in der Kathedrale von Jolo auf dem Sulu-Archipel zwischen Mindanao und Borneo, die 23 Menschen t\u00f6teten und 112 weitere verletzten. Auf diese Trag\u00f6die folgte am 30. Januar ein Granatenangriff auf eine Moschee in Zamboanga im Westen der Insel Mindanao. Pater Sebastiano d&#8217;Ambra, Missionar des P\u00e4pstlichen Instituts f\u00fcr Auslandsmissionen (PIM), der sich seit 40 Jahren im S\u00fcden der Philippinen f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog engagiert, erz\u00e4hlt in einem Interview mit der P\u00e4pstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, wie die Situation in dem Land mit der meisten Katholiken auf dem asiatischen Kontinent erlebt wird.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT:<\/strong> Pater D\u2019Ambra, k\u00f6nnen Sie uns erz\u00e4hlen, wie der Anschlag vom 27. Januar vor Ort wahrgenommen wurde?<\/p>\n<p><strong>Pater D\u2019Ambra:<\/strong> Selbstverst\u00e4ndlich hat uns die Gewalt des Anschlags schockiert und auch die Tatsache, dass das Ziel ein heiliger Ort war. Leider reiht sich dieser Gewaltakt in einen Kontext wachsender Spannungen in der Region ein. In den letzten Jahren hat der Radikalismus zugenommen und die christliche Minderheit auf der Insel Jolo (1% der Gesamtbev\u00f6lkerung von 120.000 Einwohnern der Insel Jolo) ist nicht das einzige Opfer; es gibt auch Muslime, die zu mir kommen und sagen: \u201ePater, wir werden ebenfalls bedroht, weil wir nicht die gleiche Art Muslime sind wie sie.\u201c<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: <\/strong>Drei Tage nach dem Anschlag auf die Kathedrale hat eine Granate in einer Moschee in Zamboanga auf den S\u00fcdphilippinen, wo Sie arbeiten, zwei Menschenleben gefordert. Haben Sie Angst, dass es zu einem interreligi\u00f6sen Konflikt kommt?<\/p>\n<p><strong>Pater D\u2019Ambra: <\/strong>Meiner Meinung nach besteht keine Verbindung zwischen den beiden Anschl\u00e4gen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christen ihre Toten r\u00e4chen wollen, indem sie eine muslimische Kultst\u00e4tte angreifen. Andererseits glaube ich schon, dass es sich wieder um das Werk jener extremistischen Gruppen handelt, deren Gewalt zunimmt und die Verwirrung stiften wollen. Sie sind es, die Christen und Muslime voneinander trennen wollen. Sie nutzen die Situation, um im ganzen Land Chaos zu verursachen und das Gleichgewicht in Frage zu stellen. Ein Gleichgewicht, das zu einem gro\u00dfen Teil auf den Beziehungen zwischen Gl\u00e4ubigen verschiedener Religionen beruht.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: <\/strong>Laut den Beh\u00f6rden wird zurzeit jedoch der Kampf gegen den islamischen Terrorismus sukzessive gewonnen, teilen Sie diese Einsch\u00e4tzung?<\/p>\n<p><strong>Pater D\u2019Ambra: <\/strong>Nein, \u00fcberhaupt nicht. Leider kommt es zu interreligi\u00f6sen Spannungen. Dass F\u00fchrer extremistischer Gruppen hingerichtet wurden, bedeutet noch lange nicht, dass die philippinische Regierung den Krieg gewinnt. Dies zu glauben, w\u00e4re ein Fehler. Ich wei\u00df sehr wohl, dass die Armee alles in ihrer Macht Stehende tut, um diese Gruppen zu kontrollieren. Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht. Gruppen wie der Islamische Staat, Maute oder Abu Sayyaf haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Probleme im Land verursachen, und sie k\u00f6nnen in den kommenden Jahren an Macht gewinnen. Ich sage nicht, dass wir in Angst leben m\u00fcssen, aber wir m\u00fcssen realistisch sein, und ich glaube nicht, dass sie besiegt sind. Ich glaube, dass sie weiterhin die Freundschaft auf die Probe stellen werden, die uns mit unseren muslimischen Nachbarn verbindet.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: <\/strong>Haben Sie den Eindruck, dass Sie um Ihr Leben bangen m\u00fcssen?<\/p>\n<p><strong>Pater D\u2019Ambra: <\/strong>Na ja, wissen Sie: Ich lebe seit vierzig Jahren hier. Ich h\u00e4tte deshalb schon lange Zielscheibe werden k\u00f6nnen \u2013 sogar mehrfach, w\u00fcrde ich sagen. Insbesondere einmal, als ich in eine Falle gelockt wurde. Die f\u00fcr mich bestimmte Kugel t\u00f6tete einen meiner Freunde. In dieser Zeit vermittelte ich mit den muslimischen Rebellen. Dass ein Priester fast drei Jahre lang mit diesen Gruppen sprach, war eine ungew\u00f6hnliche Erfahrung. Wir hatten es geschafft, ein Verh\u00e4ltnis gegenseitigen Respekts herzustellen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, dass ein einziger Priester mehr als tausend Soldaten f\u00fcr den Frieden leisten k\u00f6nnte, diejenigen \u00fcberrascht haben muss, die das Ende des Konflikts nicht wollten. Diese Haltung erleben wir auch heute. Einige Muslime sagen uns, dass unsere Programme f\u00fcr den Dialog zwischen Christen und Muslimen nicht nach dem Geschmack von Extremisten sind.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: <\/strong>M\u00f6chten Sie zum Schluss eine Botschaft aussprechen?<\/p>\n<p><strong>Pater D\u2019Ambra: &nbsp;<\/strong>Habt keine Angst!&nbsp;Glaubt mir, die Liebe ist st\u00e4rker als der Hass!Ich danke KIRCHE IN NOT f\u00fcr ihre N\u00e4he zu den Christen, die sich auf der ganzen Welt in Not befinden. Ich bitte alle Christen, den Dialog in ihrem eigenen Umfeld zu f\u00f6rdern, um aus der Logik des Konflikts auszubrechen. (Bild: vaticannews)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. Januar 2019 explodierten zwei Bomben in der Kathedrale von Jolo auf dem Sulu-Archipel zwischen Mindanao und Borneo, die 23 Menschen t\u00f6teten und 112 weitere verletzten. Auf diese Trag\u00f6die folgte am 30. Januar ein Granatenangriff auf eine Moschee in Zamboanga im Westen der Insel Mindanao. 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