{"id":1749,"date":"2019-03-12T14:21:07","date_gmt":"2019-03-12T13:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/eine-schreckenszeit-fuer-priester-html\/"},"modified":"2023-02-21T09:45:02","modified_gmt":"2023-02-21T08:45:02","slug":"eine-schreckenszeit-fuer-priester-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/eine-schreckenszeit-fuer-priester-html\/","title":{"rendered":"Eine Schreckenszeit f\u00fcr Priester"},"content":{"rendered":"<p>Pater Damas Mfoi ist ein katholischer Priester in der teilautonomen Inselgruppe von Sansibar, vor der K\u00fcste von Tansania. Sansibar ist \u00fcberwiegend muslimisch mit einem kleinen Anteil christlicher Bev\u00f6lkerung. Seit 2010 ist Pater Mfoi Gemeindepfarrer auf der Hauptinsel Unguja. Im Jahr 2012 wurde die sonst friedlich miteinander lebende Inselgemeinschaft Zeuge einer Serie gewaltt\u00e4tiger Angriffe auf religi\u00f6se F\u00fchrer. Ein muslimischer Geistlicher wurde im Herbst des Jahres mit S\u00e4ure verbrannt; ein katholischer Priester erlitt am ersten Weihnachtsfeiertag Schussverletzungen, und ein anderer wurde im darauffolgenden Februar erschossen. Zu dieser Zeit wurden Flugbl\u00e4tter verteilt, mit dem Ziel, zur Gewalt anzustacheln, von denen einige das Erkennungszeichen der radikalislamischen Gruppe Uamsho trugen. Die Verantwortung f\u00fcr diese Attacken ist bisher jedoch weder \u00fcbernommen noch offiziell zugewiesen worden. Pater Mfoi berichtete KIRCHE IN NOT \u00fcber diese Zeit des Terrors:<\/p>\n<p>\u201cEs war an Weihnachten im Jahr 2012. Wir hatten geplant, zum Abendessen zu gehen, als wir h\u00f6rten, Pater Ambrose sei erschossen worden. Kirchenf\u00fchrer standen unter Schock, das gemeinsame Essen fiel nat\u00fcrlich aus. Wir hatten Angst, eilten zum Krankenhaus, jedoch vorsichtig, da \u00fcber Flugbl\u00e4tter angek\u00fcndigt worden war, dass Kirchenf\u00fchrer get\u00f6tet und Kirchen zerst\u00f6rt werden w\u00fcrden.&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cAls wir ankamen, blutete Pater Ambrose immer noch und konnte nicht sprechen. Am n\u00e4chsten Tag wurde er zur Weiterbehandlung nach Dar es Salaam geflogen. Danach war es unser Glaube, der uns hierbleiben lie\u00df. Leute vom Festland forderten uns zur R\u00fcckkehr auf, aber als dem Evangelium verpflichtete Christen wussten wir von Anfang an, dass unsere Mission Leiden bedeuten w\u00fcrde und unser Leben bedroht werden k\u00f6nnte. Wegzulaufen kam nicht in Frage.<\/p>\n<p>Es wurden neue Flugbl\u00e4tter verteilt, auf denen stand, Muslime m\u00fcssten den Verkauf von Alkohol und die Existenz von Kirchen verbieten. Ver\u00f6ffentlicht wurden diese Bl\u00e4tter anonym, aber heute wissen wir, wer dahinter steckt. Wir wussten nicht, was passieren w\u00fcrde und einige meinten, dies w\u00e4ren nur leere Drohungen. Aber weniger als drei Monate sp\u00e4ter ereilte uns die n\u00e4chste Trag\u00f6die: Pater Evaristus Mushi wurde erschossen.&nbsp;<\/p>\n<p>Es geschah an einem Sonntagmorgen um 7:15 Uhr; ich zelebrierte gerade die heilige Messe in einer kleinen Kirche, als ein nichtkatholischer Nachbar hereinlief und schrie: \u2018Pater Damas, ich muss Ihnen etwas sagen!\u2018 Er sagte mir, Pater Mushi sei bei einer Schie\u00dferei ums Leben gekommen. Ein Mann habe ihn an diesem Morgen erschossen, als er gerade vor seiner Kirche parkte. Ich fuhr zu anderen Kirchen, um die heilige Messe zu feiern; nun, da Pater Mushi tot war, musste ich die Mission Christi alleine weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Nachricht von Pater Mushis Tod verbreitete sich in der \u00d6ffentlichkeit, aber dies war noch nicht das Ende. Nachdem wir ihn begraben und ihm die letzte Ehre erwiesen hatten, kam eine Gruppe von Frauen zu unserer Pforte und weinte. Ich sagte ihnen: \u2018Weint nicht, Pater Mushi ist im Himmel.\u2019 Doch eine von ihnen gab zur Antwort: \u2018Pater, sie weint nicht wegen Pater Mushi, sondern Ihretwegen.\u2019 Die Angreifer hatten es auf mich abgesehen, da ich zu viele Kirchen hatte bauen lassen.&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen entkam ich auf das Festland, und einen Monat sp\u00e4ter kam ich zur\u00fcck. Ich dachte: \u2018Unsere Mission aufzugeben, kommt nicht in Frage. Jesus will uns nicht scheitern sehen. Es gibt hier immer noch Christen\u2014warum also sollten ihre geistlichen F\u00fchrer fliehen?\u2019<\/p>\n<p>Nach meiner R\u00fcckkehr fand ich heraus, dass die Polizei innerhalb unseres Gel\u00e4ndes einen Kommandoposten eingerichtet hatte, und in den n\u00e4chsten zwei Jahren versahen sie aufgrund der bestehenden Spannungen in der Gegend Streifendienst. Die Regierung k\u00fcmmerte sich gut um uns, aber wir wussten, dass uns vor allem Gott besch\u00fctzte. Als man mir einen Leibw\u00e4chter anbot, lehnte ich ab, da ich davon \u00fcberzeugt war, dass die Arbeit Jesu kein Maschinengewehr braucht; Er hatte uns ja versprochen, dass bis zum Ende der Zeiten bei uns sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sechs oder sieben Monate gingen ins Land, und f\u00fcr eine Weile dachten wir, das Schlimmste sei vor\u00fcber, obgleich die Sicherheitsma\u00dfnahmen nach wie vor streng waren. Doch im September wurde ein Priester mit S\u00e4ure bespritzt als er sein Stammcaf\u00e9 verlie\u00df. Er \u00fcberlebte den Angriff, wurde dabei aber schwer verletzt.&nbsp;<\/p>\n<p>Von dem was geschehen ist, k\u00f6nnen wir uns nicht erholen, und da die Angreifer noch aktiv sein k\u00f6nnten, sind wir auch nicht v\u00f6llig sicher. Aber trotz all dieser Probleme setzen wir unsere interreligi\u00f6se Arbeit fort. Wir sprechen mit den Menschen in aller \u00d6ffentlichkeit und erz\u00e4hlen ihnen, dass Gott uns erschaffen und uns die Freiheit gegeben hat, zu glauben, was uns gelehrt wurde. Muslime werden \u00fcber Mohammed unterrichtet; Christen \u00fcber Jesus Christus. Wir sollten alle unser Bestes geben, um dies zu respektieren und vermeiden, Politik mit Religion zu vermischen.\u201d<\/p>\n<p><em>Im Jahr 2017 unterst\u00fctzte KIRCHE IN NOT die Kirche in Tansania mit Projekten in H\u00f6he von insgesamt mehr als 1,7 Millionen Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pater Damas Mfoi ist ein katholischer Priester in der teilautonomen Inselgruppe von Sansibar, vor der K\u00fcste von Tansania. Sansibar ist \u00fcberwiegend muslimisch mit einem kleinen Anteil christlicher Bev\u00f6lkerung. Seit 2010 ist Pater Mfoi Gemeindepfarrer auf der Hauptinsel Unguja. 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