{"id":1755,"date":"2019-03-18T14:59:06","date_gmt":"2019-03-18T13:59:06","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/mein-tragisches-schicksal-html\/"},"modified":"2023-02-22T08:56:49","modified_gmt":"2023-02-22T07:56:49","slug":"mein-tragisches-schicksal-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/mein-tragisches-schicksal-html\/","title":{"rendered":"&#8222;Mein tragisches Schicksal&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Anblick seiner brutalen Ermordung wird mich immer verfolgen\u201c&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">Catherine Ibrahim lebt in einem von der katholischen Di\u00f6zese Maiduguri im Staat Borno betriebenen Fl\u00fcchtlingslager. Die katholische Witwe beschreibt im Gespr\u00e4ch mit KIRCHE IN NOT die Ermordung ihres Mannes durch Boko Haram, die Entf\u00fchrung ihrer Kinder und ihre eigene Gefangenschaft.<\/span><\/p>\n<p>Als Boko Haram zum ersten Mal in unser Dorf kam, hatten wir Gl\u00fcck. Denn als wir gerade zu Abend essen wollten, h\u00f6rten wir Sch\u00fcsse und rannten in die Berge\u201c.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der zwei Tage, die wir dort verbrachten, hielt uns gerade die Angst, sterben zu m\u00fcssen am Leben. Als wir zur\u00fcckkehrten, waren die H\u00e4user und Kirchen ein Fra\u00df der Flammen geworden. Dies f\u00fchrte zu einer Konfrontation zwischen Christen und Muslimen, die erst durch die Intervention des Milit\u00e4rs gestoppt werden konnte\u201c.<\/p>\n<p>Eine knappe Woche sp\u00e4ter griff uns Boko Haram wieder an. Diesmal kamen sie mit m\u00f6rderischen Absichten in unser Haus. Eine Million Gedanken wirbelten in meinem Kopf, doch \u00fcber allem blieb der Instinkt, meine Kinder Daniel und Salome zu besch\u00fctzen\u201c.<\/p>\n<p>Doch sie kamen mir zuvor. Als ich dort hinkam, wo sich meine Kinder versteckten, sah ich, wie die siegreichen Rebellen sie an den Schultern packten, w\u00e4hrend die Kinder sich vergeblich versuchten zu wehren. Sie waren damals erst f\u00fcnf und sieben Jahre alt. Meine Knie versagten und meine Augen f\u00fcllten sich mit Tr\u00e4nen. Ich hatte Angst vor dem, was passieren k\u00f6nnte, besonders mit meiner Tochter\u201c.<\/p>\n<p>Einer der Rebellen zerrte mich brutal und zwang mich, den Tod meines Mannes mitanzusehen. Sie t\u00f6teten meinen Mann erbarmungslos. Dabei stellten sie sicher, dass ich alles mit ansah. Ich kann die Angst in seinen Augen nicht vergessen. Ich m\u00f6chte nichts mehr dazu sagen. Ich hasse es, mich daran zu erinnern\u201c.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit nahmen sie meine Kinder mit. Mein m\u00fctterlicher Instinkt rebellierte. Mein Mann war mir genommen worden; ich wollte nicht zulassen, dass sie mir auch noch die Fr\u00fcchte unserer Liebe nahmen. Ohne sie w\u00e4re ich tot. Aber die Reise war damals zu riskant, und ich landete in Yola, der Hauptstadt des Staates. Dort blieb ich sechs Monate lang mit schrecklichen Alptr\u00e4umen vom Kampf meiner Kinder\u201c.<\/p>\n<p>Etwa im Mai 2014 h\u00f6rte ich, dass das Milit\u00e4r Gworza zur\u00fcckerobert hatte. Ich wollte mich auf den Weg machen, um meine Kinder zu suchen, konnte jedoch&nbsp; kein Fahrzeug finden, das mich nach Ngoshe gebracht h\u00e4tte, wo sich meine Kinder angeblich befanden. Also ging ich zu Fu\u00df, was einen ganzen Tag dauerte. Auf dem Weg sah ich Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen Soldaten und Boko Haram, aber nichts Schlimmeres als das, was ich bereits gesehen hatte. Ich ging ihnen einfach aus dem Weg und nahm die \u201asicheren\u2019 Stra\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;Als ich in Ngoshe ankam,&nbsp; wurde ich gefangen genommen. Ich nahm die Gefangennahme gerne an, weil ich mich dadurch meinen Kindern irgendwie n\u00e4her f\u00fchlte. Als erstes sah ich meine Schwiegermutter. W\u00e4hrend sie aufgeregt schrie, erschienen meine Kinder hinter ihr. Ich kann die Freude kaum beschreiben, die ich empfand. Nur Gott kennt die Tiefe meiner Dankbarkeit\u201c.<\/p>\n<p>Damals nahm ich zum ersten Mal in meinem Leben bewusst die Gegenwart Gottes wahr. Aber jetzt, da wir sprechen, merke ich, dass er schon immer da war.\u201c<\/p>\n<p>Ich war froh, dass mich meine Schwiegermutter nicht nach ihrem Sohn fragte. Denn ich wei\u00df nicht, wie ich ihr h\u00e4tte sagen k\u00f6nnen, was passiert war. Meine Kinder wurden in der Gefangenschaft islamisiert und umbenannt. Aus Daniel wurde Musa und aus Salome wurde Yagana.\u201c<\/p>\n<p>Obwohl ich drei Tage lang die Flucht geplant hatte, scheiterte mein Fluchtversuch. Sie brachten meine Kinder weg, und mich in ein Gefangenenlager. Ich verbrachte zwei Wochen mit hinter meinem Hals gefesselten H\u00e4nden und mit gefesselten F\u00fc\u00dfen\u201c.<\/p>\n<p>Sie folterten mich mit allen m\u00f6glichen Gegenst\u00e4nden, und h\u00f6rten nicht auf, bis ich blutete. Ich wurde oft verpr\u00fcgelt, aber ich behielt meinen Glauben. Meine Zellengenossin starb. Ich betete mit gro\u00dfer Angst in meiner Muttersprache. Die Wache sprach diese Sprache. Er kam aus meinem Stamm, und er setze sich f\u00fcr mich ein. Nach drei Monaten wurde ich freigelassen und in das gro\u00dfe Lager zur\u00fcckgebracht.\u201c<\/p>\n<p>Meine Schwiegermutter pflegte mich, bis ich wieder gesund wurde. Vier Jahre sind seit meiner Befreiung vergangen, aber meine H\u00e4nde gehorchen mir noch immer nicht ganz. Seit ich hier ankam, hat mir die Kirche bei meiner Behandlung geholfen. Ich wurde vom Maiduguri Hospital zur St. Patricks-Kathedrale gebracht, und ein Verwalter der Kathedrale brachte mich ins private Krankenhaus, wo ich sechs Monate lang Krankengymnastik bekam\u201c.<\/p>\n<p>Drei Jahre sp\u00e4ter, am 2. M\u00e4rz 2017, konnte ich in Maiduguri meine Kinder wieder in die Arme schli\u00dfen. Die Soldanten hatten sie nach einem Kampf mit Boko Haram in Ngoshe befreit. Nun, da ich mit meiner Schwiegermutter und meinen Kindern wieder zusammen bin, kennt meine Freude keine Grenzen. Aber der Tod meines Mannes, den ich mitansehen musste, wird mich immer verfolgen\u201c.<\/p>\n<p><em>Im Jahr 2017 besuchte KIRCHE IN NOT die Di\u00f6zese Maiduguri und traf mit Catherine und vielen anderen Witwen und Waisenkindern zusammen, die Opfer der Grausamkeiten von Boko Haram wurden. Im Jahr 2017 unterst\u00fctzte die Stiftung die Seelsorgearbeit der nigerianischen Kirche mit mehr als 1,6 Millionen Dollar. Zu den damit finanzierten Projekten geh\u00f6ren die Unterst\u00fctzung der Betreuung von Witwen und Waisen sowie der Wiederaufbau der Kathedrale und des Kleinen Priesterseminars der Di\u00f6zese Maiduguri, die durch Angriffe von Boko Haram zerst\u00f6rt wurden.&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Anblick seiner brutalen Ermordung wird mich immer verfolgen\u201c&nbsp;Catherine Ibrahim lebt in einem von der katholischen Di\u00f6zese Maiduguri im Staat Borno betriebenen Fl\u00fcchtlingslager. Die katholische Witwe beschreibt im Gespr\u00e4ch mit KIRCHE IN NOT die Ermordung ihres Mannes durch Boko Haram, die Entf\u00fchrung ihrer Kinder und ihre eigene Gefangenschaft. 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