{"id":1773,"date":"2019-04-17T10:21:12","date_gmt":"2019-04-17T08:21:12","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/angriffe-werden-heftiger-html\/"},"modified":"2023-02-22T08:56:22","modified_gmt":"2023-02-22T07:56:22","slug":"angriffe-werden-heftiger-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/angriffe-werden-heftiger-html\/","title":{"rendered":"Angriffe werden heftiger"},"content":{"rendered":"<p>Indien hat gerade mit dem Wahlprozess begonnen, der vom 11. April bis 19. Mai in sieben Schritten stattfindet. Indessen wachsen die Bef\u00fcrchtungen, dass radikale hinduistische Kr\u00e4fte weiter an Boden gewinnen. Die nationalistische Hindupartei Bharatiya Janata, die seit 2014 die Regierung stellt, k\u00f6nnte erneut zulegen. W\u00e4hrend ihrer ersten Amtszeit hat die interreligi\u00f6se Gewalt zugenommen, so der Bericht \u00fcber Religionsfreiheit der P\u00e4pstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Die Zahlen sprechen f\u00fcr sich: Im Jahr 2016 wurden 86 Menschen get\u00f6tet; bei 703 Vorf\u00e4llen sektiererischer Gewalt wurden 2321 Personen verletzt. Im Jahr 2017 wuchs die Zahl der Todesopfer auf 111, und 2384 Menschen wurden bei 822 registrierten Vorf\u00e4llen verletzt.<\/p>\n<p>Der letzte Vorfall ereignete sich am 26. M\u00e4rz in der katholischen Schule Little Flower (Higher Secondary School) von Chinnasalem im s\u00fcdindischen Bundestaat Tamil Nadu, als eine Menschenmasse hinduistischer Fundamentalisten die Schule zerst\u00f6rte und sogar versuchte, die Ordensschwestern zu erw\u00fcrgen, die die Schule leiten. Die Journalistin der Stiftung KIRCHE IN NOT Maria Lozano sprach mit Bischof Theodore Mascarenhas, Generalsekret\u00e4r der Indischen Bischofskonferenz, \u00fcber die Wahlen und die Bedeutung dieses Ereignisses.<em><\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Wir haben von der Zunahme fundamentalistischer Angriffe auf Minderheiten; Insbesondere im Norden Indiens geh\u00f6rt. Jetzt hat die Gewalt aber auch im S\u00fcden zugeschlagen. Gibt es einen Grund f\u00fcr den Angriff?<\/strong><\/p>\n<p>Im Bundesstaat Tamil Nadu hat der Fundamentalismus in den letzten Jahren zugenommen. Vor allem die sogenannten evangelikalen oder protestantischen \u201eHauskirchen\u201c haben sich dar\u00fcber beschwert. Ein Aktivist hat publiziert in Internet etwa Geschichten \u00fcber Gruppen von Christen, die beim Gebet in Hauskirchen geschlagen worden seien, oder \u00fcber die Zerst\u00f6rung einer kleinen Kirche. Aber als katholische Kirche haben wir bisher nicht unter dieser Art von offenen Angriffen gelitten, zumindest nicht in einem solchen Ausma\u00df; es gab allerdings schon kleinere Vorf\u00e4lle: Zum Beispiel wurde vor zwei Jahre eine Gemeinde an der Feier der Karfreitagsliturgie gehindert. Deshalb war ich nicht \u00fcberrascht, dass wir jetzt auch angegriffen wurden. Aber dass es in so gro\u00dfem Umfang stattgefunden hat, ist wirklich erschreckend.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Es muss auch ein gro\u00dfer Schock f\u00fcr die Schwestern der Kongregation der Franziskanerinnen vom Unbefleckten Herzen Mariens gewesen sein, die die Schule seit 74 Jahren leiten: Wie ist die aktuelle Situation in Chinnasalem? Wie geht es den Schwestern?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gegend ist ziemlich abgelegen. Die Schwestern haben gro\u00dfartige Arbeit f\u00fcr sehr arme Kinder geleistet. Das Internat nimmt M\u00e4dchen auf, die aus bed\u00fcrftigen Gebieten und aus sehr bescheidenen Familien kommen. Ich habe gestern mit den Schwestern und auch mit dem Erzbischof gesprochen: Bislang wurden im Zusammenhang mit den \u00dcberf\u00e4llen einige Personen verhaftet, und wir warten auf weitere Verhaftungen. F\u00fcr mich geht es nicht darum, was nach dem Vorfall passiert. Wir m\u00fcssen uns meiner Meinung nach vielmehr fragen, warum sich diese Vorf\u00e4lle in einer zivilisierten Gesellschaft ereignen.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Sie sind also mehr \u00fcber die soziale Dimension besorgt als \u00fcber den Vorfall selbst?<\/strong><\/p>\n<p>Genau. Die Frage ist: Wie kann sich so viel Hass in der Gesellschaft ausbreiten und was k\u00f6nnen wir tun, um die Ausbreitung dieses Hasses zu verhindern? Einige Gruppen sch\u00fcren den Hass, und diese Gruppen werden weder in den sozialen Medien noch im wirklichen Leben gestoppt. Sie scheinen Schutz und politische Privilegien zu genie\u00dfen. Sie erhalten sogar politische Befugnisse, was ein gro\u00dfes Problem darstellt. Diese kleinen Gruppen verlangen zwar nichts von uns. Weder verklagen sie uns noch beschuldigen uns. Das Problem jedoch ist, dass die politischen F\u00fchrer sie zu solchen Taten ermutigen.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Glauben Sie, dass die Zunahme der Vorf\u00e4lle im letzten Jahr mit den Wahlen zusammenh\u00e4ngt?<\/strong><\/p>\n<p>Es mag einen Zusammenhang geben, aber ich denke, es ist ein langfristiges Problem. Wenn man einmal den Samen des Hasses gepflanzt hat, wenn man das Monster freil\u00e4sst, das Tier des Zorns, des Hasses, der Gewalt, dann kann man dieses Tier nicht mehr kontrollieren. Und das ist meine Sorge. Alle, die diesen Hass verbreiten, m\u00fcssen wissen, welchen Schaden sie der Gesellschaft zuf\u00fcgen, dass dies schwer kontrolliert werden kann; und wenn es nicht mehr kontrollierbar ist, dann haben wir ein gro\u00dfes Problem.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: But this problem is already now especially damaging to the minorities in India\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ja, es sind Minderheiten, aber heute dachte ich an das sch\u00f6ne Wort, das einem deutschen evangelischen Pfarrer zugeschrieben wird: \u201eAls die Nazis die Sozialisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialist. Als die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Dann holten sie die Juden, und ich habe geschwiegen; ich war ja kein Jude. Dann holten sie mich \u2013 und es war niemand mehr \u00fcbrig, der protestieren konnte.\u201c Das m\u00f6chte ich jetzt erw\u00e4hnen, weil es mit einer Minderheit beginnt und dann mit der zweiten &#8230; Die Muslime werden zurzeit angegriffen. Die Dalits werden angegriffen. Auch wir werden angegriffen, und wir wissen nicht, wer der N\u00e4chste sein wird.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Hei\u00dft das, dass der nationalistische Fundamentalismus, den die politischen F\u00fchrer unterst\u00fctzen, am Ende dem ganzen Land schaden wird?<\/strong><\/p>\n<p>Um fair zu sein, muss ich eins klarstellen: Eine gro\u00dfe Mehrheit der Hindus und eine gro\u00dfe Mehrheit der Inder sind tolerant, unabh\u00e4ngig von ihrer Religion. Wir akzeptieren einander und leben miteinander. Wir leben seit Jahrtausenden zusammen, dies ist eine multikulturelle, multireligi\u00f6se und vielf\u00e4ltige Gesellschaft. Jetzt haben wir pl\u00f6tzlich eine Situation, in der bestimmte Gruppen st\u00e4rker werden und diesen Hass verbreiten. Das ist inakzeptabel, denn am Ende ist es die ganze Nation und nicht nur Minderheiten, die darunter leidet.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Befindet sich Indien auf dem Weg zu einem Gottesstaat wie Pakistan?<\/strong><\/p>\n<p>1947 sind zwei L\u00e4nder entstanden: Pakistan und Indien. Es wurde beschlossen, dass Pakistan auf einer Religion, dem Islam, gegr\u00fcndet sein sollte. In Indien entschieden unsere Gr\u00fcnderv\u00e4ter im Gegensatz dazu, dass wir nicht auf einer Religion oder einer Kultur basieren w\u00fcrden. Wir sollten vielmehr multikulturell und multireligi\u00f6s sein, mit verschiedenen Sprachen und Regionen. Danach hat das Land in Frieden gelebt.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Wer sind die Menschen, die dieses Gr\u00fcndungsprinzip \u00e4ndern wollen, und warum?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind bestimmte fundamentalistische Gruppen, die in allen Gesellschaften entstehen. Fundamentalistische Gruppen schaden der Gesellschaft immer. Wenn sie aber von anderen offene oder verdeckte Unterst\u00fctzung erhalten, dann werden sie gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Wie reagiert die christliche Gemeinschaft auf die wiederholten \u00dcbergriffe? Herrscht Angst unter den Christen?<\/strong><\/p>\n<p>Als Christen vertrauen wir auf den Herrn, wir haben keine Angst. Als ich die Ordensschwestern von Chinnasalem fragte: \u201eHaben Sie Angst?\u201c, antworteten sie: \u201eNein, wir werden unsere Arbeit fortsetzen\u201c. Ich glaube, dass dies unser Geist ist: Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, wir werden vor niemandem Angst haben. Wir denken an Jesus, der uns sagte: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht vor denen, die den Leib t\u00f6ten, die Seele aber nicht t\u00f6ten k\u00f6nnen, sondern f\u00fcrchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der H\u00f6lle verderben kann!\u201c (Mt 10,28). Das ist unser Grundprinzip.<\/p>\n<p>Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, wir werden weiterhin den \u00c4rmsten der Armen dienen. Wir wissen, dass uns das Schwierigkeiten bereiten wird, dass es Verfolgung bringen wird, und dass es uns Leid bringen wird, aber wir werden weiterhin unser Werk f\u00fcr die Armen, f\u00fcr Gott und f\u00fcr Jesus tun.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT: Glauben Sie, dass manche Gruppierungen die Arbeit der Kirche gerade deshalb angreifen, weil sie mit den \u00c4rmsten und sozial am st\u00e4rksten Diskriminierten arbeitet?<\/strong><\/p>\n<p>In meiner Muttersprache, Konkani, haben wir ein Sprichwort: \u201eMan wirft Steine nur auf einen Baum, der Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.\u201c Auf einen nutzlosen Baum werden keine Steine geworfen. Deshalb meine ich: Einige m\u00f6gen offensichtlich nicht, dass wir den Armen dienen \u2013 Ich denke, das ist der wahre Grund, warum sie uns angreifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Indien hat gerade mit dem Wahlprozess begonnen, der vom 11. April bis 19. Mai in sieben Schritten stattfindet. 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