{"id":1781,"date":"2019-04-25T14:14:25","date_gmt":"2019-04-25T14:14:25","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/christenverfolgung-ist-besorgniserregend-html\/"},"modified":"2022-12-06T15:32:55","modified_gmt":"2022-12-06T15:32:55","slug":"christenverfolgung-ist-besorgniserregend-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/christenverfolgung-ist-besorgniserregend-html\/","title":{"rendered":"Christenverfolgung ist besorgniserregend"},"content":{"rendered":"<p><em>Die j\u00fcngsten Attacken am Ostersonntag auf christliche Gottesdienste in Sri Lanka haben es erneut an den Tag gebracht: Christenverfolgung ist in vielen Regionen der Welt grausame Realit\u00e4t. Das weltweite p\u00e4pstliche Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c steht seit \u00fcber 70 Jahren an der Seite verfolgter und notleidender Christen. Gleichzeitig macht das Hilfswerk auf Verst\u00f6\u00dfe gegen die Religionsfreiheit weltweit aufmerksam. \u00dcber die Lage in Sri Lanka und anderen Krisenregionen sowie die Gefahr des politischen wie religi\u00f6sen Extremismus gibt Tobias Lehner, Pressereferent des deutschen Zweigs von \u201eKirche in Not\u201c, im Interview Auskunft. Ulrich Fricker vom S\u00fcdkurier hat mit ihm gesprochen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ulrich Fricker, S\u00dcDKURIER<\/strong><strong>: Herr Lehner, am Ostersonntag hat Sri Lanka eine Reihe von blutigen Anschl\u00e4gen erlebt, die sich \u00fcberwiegend gegen Christen richteten. Hat Sie das \u00fcberrascht? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Tobias Lehner<\/strong>: Wir haben noch am Ostersonntag mit einem Bischof aus Sri Lanka gesprochen, mit Valence Mendis aus Chilaw, das 80 Kilometer n\u00f6rdlich der Hauptstadt Colombo liegt. Er hat uns gesagt, dass der Terror f\u00fcr die christliche Gemeinschaft v\u00f6llig \u00fcberraschend kam. Seit dem Ende des B\u00fcrgerkriegs vor 10 Jahren ist die Lage auf der Insel relativ ruhig geblieben \u2013 abgesehen von kleineren \u00dcbergriffen. Es hat die Katholiken dort unvorbereitet und brutal getroffen. Mittlerweile gibt es Nachrichten, dass die Geheimdienste etwas wussten \u00fcber entsprechende Vorbereitungen. Darauf hat auch der Kardinal von Colombo hingewiesen und gefragt: Warum habt ihr uns nichts gesagt?<\/p>\n<p><strong>Bisher lebten die anderen Religionen friedlich mit den Christen zusammen. Wenn Hindus und Buddhisten im Streit lagen, versuchten die Christen zu vermitteln. Was lesen Sie aus dieser Terrorserie heraus?<\/strong><\/p>\n<p>Man muss eines sehen: Der B\u00fcrgerkrieg ist seit einem Jahrzehnt beendet. Doch ist die Lage seitdem weiterhin angespannt. Der Frieden ist br\u00fcchig. Der Grund liegt in der Spannung zwischen den Volksgruppen der Tamilen und der Singhalesen. Sie bek\u00e4mpfen sich nach wie vor. Die Christen stehen dazwischen, weil ihre Mitglieder aus beiden Volksgruppen kommen.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen Sie als kleines Hilfswerk tun?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen vor allem drei Dinge tun: Wir beten, wir informieren und wir handeln. Kirche in Not ist eine P\u00e4pstliche Stiftung, die auch geistlich bei den notleidenden Gemeinden weltweit steht. Wir rufen auch unsere F\u00f6rderer immer wieder zum Gebet f\u00fcr verfolgte Christen auf. Dazu kommt die Information: Wir sehen es als unsere Aufgabe, dass wir pausenlos an jene Gl\u00e4ubige erinnern, die verfolgt werden und nicht so frei leben k\u00f6nnen wie in Mitteleuropa. Wenn wir das nicht tun, geraten diese Christen in Vergessenheit \u2013 und das w\u00e4re das Schlimmste. Alle zwei Jahre bringen wir deshalb unseren Report \u201eReligionsfreiheit weltweit\u201c heraus.<\/p>\n<p><strong>Und rein praktisch?<\/strong><\/p>\n<p>Wir unterst\u00fctzen vorrangig die pastorale Arbeit der Kirche, das hei\u00dft: dass sie seelsorgerisch bei den Menschen sein kann. Wir f\u00f6rdern unter anderem den Bau- und den Wiederaufbau von Kirchen, unterst\u00fctzen Kl\u00f6ster und Seminare und f\u00f6rdern auch die karitative Arbeit der Gemeinden.<\/p>\n<p><strong>Ihre Organisation hat einen einzigartigen \u00dcberblick \u00fcber Menschen, die aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden verfolgt werden. In welchen L\u00e4ndern trifft es Gl\u00e4ubige am h\u00e4rtesten?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst nenne ich Nigeria, das schwer unter islamischem Terror leidet. Ich erw\u00e4hne nur Boko Haram, das als gef\u00e4hrlichste Terrorsekte der Welt gilt. Millionen Menschen wurden durch Boko Haram heimatlos. Kinder haben ihr Eltern verloren. K\u00fcrzlich kamen \u00dcbergriffe von Nomaden auf D\u00f6rfer vor. In allen F\u00e4llen sind Christen am st\u00e4rksten betroffen.<\/p>\n<p><strong>Nigeria ist auch eines der reichsten L\u00e4nder Afrikas. Geht es tats\u00e4chlich um Religion \u2013 oder um Bodensch\u00e4tze und Reichtum?<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesen Konflikten haben wir es mit einer Gemengelage zu tun. Es geht um Politik und um Besitzverh\u00e4ltnisse ebenso wie um Religion. Alles spielt zusammen. Die Extremisten arbeiten mit religi\u00f6sen Kampfbegriffen, aber sie sind auch wirtschaftlich interessiert. Man muss sich eines klarmachen: Extremismus bedeutet, dass Muslime unter den Islamisten genauso leiden. Es trifft die gesamte Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p><strong>Wie beurteilen Sie die Lage im Nahen Osten?<\/strong><\/p>\n<p>Dort k\u00f6nnen wir nach wie vor von einem Pulverfass sprechen. Die Zahl der Christen hat sich massiv reduziert. Im Irak lebten fr\u00fcher 1,4 Millionen Christen, heute es sind es gerade noch 300 000. Auch in anderen L\u00e4ndern des Nahen Ostens ist es angespannt. Christen haben in diesen Regionen oft keinen F\u00fcrsprecher. Das versuchen wir zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht es mit Israel aus? Dort h\u00f6rt man von einem schleichenden Exodus der Christen.<\/strong><\/p>\n<p>In Israel sitzen die Christen oft zwischen den St\u00fchlen. Immer wieder kommt es zu antichristlichen Straftaten, vor allem Vandalismus. Pal\u00e4stinensische Christen sehen sich oft massiven Behinderungen ausgesetzt, wenn sie die heiligen St\u00e4tten in der Altstadt von Jerusalem besuchen m\u00f6chten. Im Gazastreifen, wo heute nur noch 1.000 Christen leben, sind einige sehr radikale islamische Gruppen aktiv, die mit Drohungen, manchmal auch konkreten Taten gegen die christliche Minderheit vorgehen.<\/p>\n<p><strong>Wenn wir nochmals Sri Lanka anschauen: Gibt es auch gewaltbereite Buddhisten oder Hindus? <\/strong><\/p>\n<p>Man muss sehen, dass in jeder Religion gewaltbereite Gruppen auftauchen k\u00f6nnen. Sie sind durch Fanatismus verblendet. Wenn man nur an Myanmar denkt; dort verbinden sich buddhistische Str\u00f6mungen mit einem Ultra-Nationalismus, der sich gegen eine Minderheit wie die muslimischen Rohingya wendet. Gegen sie wurden schwere Verbrechen begangen. In Indien beobachten wir nationalistische Hindus, die auf Christen losgehen. Erst vor Ostern verzeichneten wir einen \u00dcbergriff auf eine christliche Schule, auch hier treten nationalistische Hindus als Drahtzieher in Erscheinung. Das Problem sind immer die extremen R\u00e4nder, die zur Gewalt greifen.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie einmal die vergangenen Jahrzehnte betrachten: Werden heute mehr Christen verfolgt wie noch vor zehn oder f\u00fcnf Jahren?<\/strong><\/p>\n<p>Die Christenverfolgung bleibt seit einigen Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Und das ist absolut besorgniserregend.<\/p>\n<p><strong>Ihre Organisation ist in 149 L\u00e4ndern der Welt aktiv. Werden in all diesen 149 L\u00e4ndern Menschen verfolgt wegen ihres Glaubens?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht \u00fcberall findet eine Verfolgung statt, aber die Not ist \u00fcberall gro\u00df, zum Beispiel durch Kriege, politische Unsicherheiten oder Naturkatastrophen. In unserem Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit\u201c haben wir uns 196 L\u00e4nder angeschaut. In 38 ist die Religionsfreiheit schwer eingeschr\u00e4nkt. Von den 38 L\u00e4ndern sind es 17 L\u00e4nder, wo die Menschen wegen ihres christlichen Glaubens diskriminiert werden. In 21 L\u00e4ndern werden sie massiv unterdr\u00fcckt und verfolgt \u2013 das bedeutet also Gefahr f\u00fcr Leib und Leben.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie ausschlie\u00dflich f\u00fcr Katholiken zust\u00e4ndig? Oder weisen Sie auch auf andere Gruppen hin, die Nachteile durch ihren Glauben erleiden?<\/strong><\/p>\n<p>Schwerpunkt bleibt die Hilfe f\u00fcr verfolgte Christen. Wir helfen \u00fcber die Di\u00f6zesen und Gemeinden vor Ort. Die Hilfe der Kirche fragt nicht nach dem Taufschein. Sie kommt allen Menschen zugute. Es ist uns wichtig, den Blick zu weiten. Wir sprechen vom universalen Recht auf Religionsfreiheit. Diese gilt f\u00fcr alle. Wir nehmen auch andere Gruppen in den Blick. In unserem Zweijahresbericht, zu finden unter <a href=\"http:\/\/www.religionsfreiheit-weltweit.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.religionsfreiheit-weltweit.at<\/a>, sind auch andere religi\u00f6se Minderheiten beleuchtet und aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><em>Um den Einsatz f\u00fcr verfolgte und notleidende Christen weltweit weiter fortsetzen zu k\u00f6nnen, bittet \u201eKirche in Not\u201c um Spenden \u2013 entweder online unter: <\/em><a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/Wie_Sie_helfen\/Spenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>www.kircheinnot.at<\/em><\/a><em> oder auf folgendes Konto: <\/em><\/p>\n<p><em>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT<br \/><span style=\"font-size: 13.008px;\">IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600<br \/><\/span><span style=\"font-size: 13.008px;\">BIC: GIBAATWWXXX<br \/><\/span><\/em><em style=\"font-size: 13.008px;\">Verwendungszweck: Verfolgte und bedrohte Christen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngsten Attacken am Ostersonntag auf christliche Gottesdienste in Sri Lanka haben es erneut an den Tag gebracht: Christenverfolgung ist in vielen Regionen der Welt grausame Realit\u00e4t. 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