{"id":1827,"date":"2019-06-11T13:06:53","date_gmt":"2019-06-11T11:06:53","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/wir-lassen-uns-nicht-spalten-html\/"},"modified":"2023-02-21T09:16:54","modified_gmt":"2023-02-21T08:16:54","slug":"wir-lassen-uns-nicht-spalten-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wir-lassen-uns-nicht-spalten-html\/","title":{"rendered":"\u201eWir lassen uns nicht spalten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bischof \u00fcber zunehmende Gewalt gegen Christen in Westafrika.&nbsp;Vom 13. bis 20. Mai 2019 fand in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, die dritte Vollversammlung der Bisch\u00f6fe Westafrikas statt. \u00dcberschattet wurde diese Begegnung von schweren terroristischen Anschl\u00e4gen im Land.<\/p>\n<p>Der aus dem Deutschland stammende Bischof Martin Happe, der die Di\u00f6zese Nouakchott in Mauretanien leitet, nahm an dem Bischofstreffen in Burkina Faso teil. \u00dcber die dramatischen Ereignisse sprach Volker Niggew\u00f6hner, Journalist des Hilfswerkes KIRCHE IN NOT, mit dem Afrikamissionar.<\/p>\n<p><strong>KIRCHE IN NOT<\/strong><strong>: Bischof Happe, mehrere Mordanschl\u00e4ge innerhalb k\u00fcrzester Zeit: Wie haben die Teilnehmer des Bischofstreffens darauf reagiert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BISCHOF MARTIN HAPPE<\/strong>: Trotz dieser dramatischen Ereignisse sind \u00fcber hundert Bisch\u00f6fe aus mehreren westafrikanischen L\u00e4ndern zu dem Treffen in Burkina Faso gekommen. Es war f\u00fcr die Kirche und das ganze Land ein Zeichen der Ermutigung. Nicht nur Burkina Faso ist von Gewalt betroffen, sondern die ganze Region. Die Gewalt geht von islamistischen Fundamentalisten aus, die Konflikte innerhalb der Volksgruppen und zwischen Katholiken und Muslimen loszutreten versuchen. Niemand wei\u00df genau, wer dahintersteckt. Man muss auch festhalten: Die meisten Opfer dieser Gewaltwelle sind Muslime.<\/p>\n<p><strong>Was macht die Christen zu einer Zielscheibe f\u00fcr Terroristen?<\/strong><\/p>\n<p>Bevor ich nach Mauretanien kam, habe ich 22 Jahre lange in Mali gearbeitet, die meiste Zeit im Norden des Landes. Damals fingen die Attacken an. Die Fundamentalisten haben gezielt die kleine christliche Minderheit angegriffen. Wobei man auch herausstellen muss: Bis zu 160 0000 muslimische Fl\u00fcchtlinge aus Mali haben in Mauretanien Zuflucht gefunden. F\u00fcr die Fundamentalisten sind auch diese Muslime \u201eKetzer\u201c, die nicht diesem wahhabitischen und fundamentalistischem Islam folgen. Die Nicht-Muslime sind f\u00fcr diese Terroristen nat\u00fcrlich noch schlimmer einzustufen. Deshalb sind die Christen ihre erste Zielscheibe.<\/p>\n<p><strong>Ist der religi\u00f6se Fanatismus der einzige Beweggrund f\u00fcr die Verfolgung oder gibt es noch andere Ursachen?<\/strong><\/p>\n<p>Der religi\u00f6se Fanatismus ist oft ein Vorwand. Es geht um Bodensch\u00e4tze, es geht um politische Macht. Es ist eine sehr komplexe Geschichte.<\/p>\n<p><strong>Wie reagieren die Christen auf den Terror?<\/strong><\/p>\n<p>Sowohl die westafrikanischen Bisch\u00f6fe als auch die Regierung in Burkina Faso haben in den vergangenen Tagen eindeutig gesagt: Wir lassen uns nicht spalten. Wir lassen uns nicht auseinanderbringen zwischen den verschiedenen Religionen und Volksst\u00e4mmen. Denn sonst fallen wir genau auf das herein, was die Terroristen wollen.<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie M\u00f6glichkeiten, wie etwa die gem\u00e4\u00dfigten Stimmen im Islam mehr Geh\u00f6r finden k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein entscheidender Punkt. Wir Bisch\u00f6fe haben in der Schlussbotschaft unseres Treffens formuliert: Die Religionsf\u00fchrer m\u00fcssen gezielt zusammenarbeiten. Wir m\u00fcssen gemeinsam deutlich Stellung beziehen: Wer im Namen Gottes t\u00f6tet, kann sich nicht als von Gott Gesandter bezeichnen. Wir m\u00fcssen diesen Schulterschluss noch verst\u00e4rken; es gibt ihn schon. Das ist das einzige Mittel, wie wir gegen die Gewalt vorgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Die Ausgangssituation in Westafrika ist sehr unterschiedlich. Es gibt L\u00e4nder mit einer christlichen Bev\u00f6lkerungsmehrheit wie Ghana. Und es gibt L\u00e4nder, wo die Christen eine kleine Minderheit darstellen, zum Beispiel in Mauretanien. Wie ist Lage dort?<\/strong><\/p>\n<p>In Mauretanien legen Regierung und Bev\u00f6lkerung starken Wert darauf, dass sie eine islamische und keine islamistische Republik sind. Der Islamismus wird sehr stark \u00fcberwacht. Es hat Anschlagspl\u00e4ne gegeben, aber die wurden alle im Voraus entdeckt und vereitelt. Ich als katholischer Bischof fahre im ganzen Land herum und habe keine Angst. Ich wei\u00df aber nicht, wie lange das so bleibt.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir Christen in Europa tun?<\/strong><\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t zeigen, das ist wichtig. In Mauretanien zum Beispiel sind wir eine verschwindend kleine Kirche \u2013 ungef\u00e4hr 4000 Katholiken. Es ist schon sehr wichtig, dass wir Besuch bekommen, dass die Menschen Interesse zeigen, sich informieren und f\u00fcr uns beten.<\/p>\n<p><strong><em>Seit fast genau 25 Jahren unterst\u00fctzt das Hilfswerk KIRCHE IN NOT die Kirche von Mauretanien mit unterschiedlichen Projekten. Neben der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Priester und Ordensleute finanziert KIRCHE IN NOT die Sanierung der Kathedrale des Heiligen Josef in Nouakchott, die in diesem Jahr ihr 50-j\u00e4hriges Bestehen feiert.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bischof \u00fcber zunehmende Gewalt gegen Christen in Westafrika.&nbsp;Vom 13. bis 20. Mai 2019 fand in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, die dritte Vollversammlung der Bisch\u00f6fe Westafrikas statt. \u00dcberschattet wurde diese Begegnung von schweren terroristischen Anschl\u00e4gen im Land. 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