{"id":1849,"date":"2019-07-04T09:30:29","date_gmt":"2019-07-04T07:30:29","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/der-kirche-den-arm-amputiert-html\/"},"modified":"2023-02-24T10:01:35","modified_gmt":"2023-02-24T09:01:35","slug":"der-kirche-den-arm-amputiert-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/der-kirche-den-arm-amputiert-html\/","title":{"rendered":"&#8222;Der Kirche den Arm amputiert&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDas brutale Vorgehen der Regierung Eritreas zielt darauf ab, der Kirche alle Dienste im Bereich Bildung und Gesundheit zu entziehen. Unsere Arbeit soll sich nur noch auf die Gottesh\u00e4user beschr\u00e4nken.\u201c Dies erkl\u00e4rte der eritreisch-katholische Priester Mussie Zerai gegen\u00fcber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Zerai lebt in Rom und koordiniert von dort aus die eritreische Seelsorgearbeit und die Gemeinden in Europa. Die wachsen: Tausende Menschen verlassen jedes Jahr ihr Heimatland.<\/p>\n<p>Nach dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen christliche Einrichtungen in dem nordostafrikanischen Land k\u00f6nnten es noch mehr werden: Mitte Juni hatte eritreisches Milit\u00e4r 21 kirchliche Krankenh\u00e4user und medizinische Einrichtungen gewaltsam besetzt und geschlossen. Die Patienten wurden regelrecht aus den Betten geworfen. Das Milit\u00e4r habe Fenster und T\u00fcren zerschlagen und die Angestellten unter Druck gesetzt, erz\u00e4hlte Zerai. Die Leiterin eines Krankenhauses im Norden Eritreas, eine Franziskanerschwester, sei sogar in Haft genommen worden, als sie Widerstand leistete.<\/p>\n<p><strong>Mehr als die Kirche leiden die notleidenden Menschen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs gibt keine Rechtfertigung f\u00fcr das Vorgehen des Regimes. Es bestraft diejenigen, die sich um die \u00e4rmsten Menschen k\u00fcmmern\u201c, sagte Zerai. Denn noch mehr als die kirchlichen Mitarbeiter litten die \u00fcber 200 000 Menschen, die in den kirchlichen Gesundheitseinrichtungen Jahr f\u00fcr Jahr behandelt w\u00fcrden. \u201eDie meisten Patienten waren keine Katholiken, sondern orthodoxe Christen, Muslime und Angeh\u00f6rige anderer Religionen. Oft befinden sich die Einrichtungen in abgelegenen Gebieten\u201c, erkl\u00e4rte der Priester.<\/p>\n<p>Das Vorgehen der Regierung ist nicht neu: Schon im vergangenen Jahr seien acht Gesundheitszentren geschlossen worden. Neu hingegen sei die Brutalit\u00e4t. Die Gr\u00fcnde dahinter sind unklar. Ausl\u00e4ndische Beobachter vermuten, der Regierung unter Pr\u00e4sident Isaias Aferweki sei das Engagement der Kirche im Friedensprozess mit \u00c4thiopien zu selbstbewusst geworden. Auch wolle die Regierung den Sozialsektor allein in der Hand haben und beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995. F\u00fcr Zerai ist die Lage klar: \u201eDie Regierung ist davon besessen, alles und jeden kontrollieren zu wollen. Sie betrachtet die katholische Kirche als Bedrohung, weil wir international vernetzt sind und Fragen stellen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Im atheistisch gepr\u00e4gten Staat leiden alle Religionen<\/strong><\/p>\n<p>In Eritrea leben maximal 120 000 bis 160 000 Katholiken. Die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ist christlich. Neben der katholischen sind nur noch die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche als Religionsgemeinschaften staatlich geduldet \u2013 neben dem sunnitischen Islam. Anders als in vielen L\u00e4ndern Nordafrikas ist der Islam in Eritrea nicht Staatsreligion. Das Land sei \u201eatheistisch gepr\u00e4gt. Wenn es nach der Regierung ginge, g\u00e4be es gar keine Religion. Letztlich ist es dieselbe Schule wie in China\u201c, erkl\u00e4rt Zerai.<\/p>\n<p>Der Priester kann nur deshalb frei sprechen, weil er im Ausland lebt. Die R\u00fcckreise in sein Heimatland ist ihm verwehrt. Auf die Bisch\u00f6fe des Landes \u2013 es gibt vier katholische Di\u00f6zesen \u2013 \u00fcbt die Regierung immer wieder Druck aus. Das hat sie nicht davon abgehalten, gegen die Besetzung der Kliniken vehementen Protest einzulegen. Derweil s\u00e4\u00dfen tausende Christen, aber ebenso Muslime, in eritreischen Gef\u00e4ngnissen, erkl\u00e4rt Zerai: \u201eOft ohne Angabe von Gr\u00fcnden, die Angeh\u00f6rigen wissen nicht, wo sie abgeblieben sind oder ob sie noch leben.\u201c<\/p>\n<p>Besonders schlecht ergehe es den Gl\u00e4ubigen der staatlich nicht anerkannten Freikirchen. Auch der Patriarch der orthodoxen Kirche steht seit 14 Jahren unter Hausarrest. Vor kurzem seien f\u00fcnf orthodoxe M\u00f6nche festgenommen worden \u2013 drei von ihnen \u00fcber 70 Jahre alt. Eine Oppositionsarbeit im Inland gegen solche oder weitere Verletzungen der Menschenrechte sei unm\u00f6glich, erkl\u00e4rt Zerai: \u201eJede Art des Widerstands, die sich auch nur im Geringsten andeutet, wird sofort im Keim erstickt\u201c. So stammen die meisten Berichte \u00fcber Menschenrechtsverletzungen in Eritrea auch von Fl\u00fcchtlingen. Internationalen Organisationen ist die Einreise verwehrt oder wird massiv erschwert.<\/p>\n<p><strong>Keine Verfassung, keine Grundrechte<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Grund, warum immer mehr junge Eritreer ins Ausland gehen, ist die fehlende Rechtsstaatlichkeit\u201c, erkl\u00e4rt Zerai. Das Land hat bis heute keine g\u00fcltige Verfassung. \u201eDie Menschen k\u00f6nnen deshalb ohne Grund von zu Hause abgeholt werden. Auch der Milit\u00e4rdienst ist zu einer legalisierten Sklaverei geworden. Den jungen Leuten wird die M\u00f6glichkeit zur Zukunft entzogen\u201c, erkl\u00e4rt Zerai.<\/p>\n<p>Auch der Versuch der internationalen Gemeinschaft, im Blick auf die Menschenrechtslage Druck auf Eritreas Regierung auszu\u00fcben, sei bislang gescheitert. Das Land habe sich weitgehend isoliert. \u201eDerzeit versuchen die Staaten, Eritrea auf internationaler Ebene st\u00e4rker einzubeziehen, um so eine \u00d6ffnung zu bewirken\u201c, sagte der Priester. Im Oktober 2018 wurde das Land von der UN-Vollversammlung in den Menschenrechtsrat gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Wie die Menschenrechtslage insgesamt, so sei auch die Religionsfreiheit stark eingeschr\u00e4nkt und von Willk\u00fcr gepr\u00e4gt: \u201eEs gibt die Freiheit der Religionsaus\u00fcbung f\u00fcr einige, aber nicht f\u00fcr alle. Mal klappt die Zusammenarbeit besser, mal schlechter\u201c, so Zerai. Trotz der aktuellen Eskalation steht f\u00fcr den Priester fest: \u201eDie katholische Kirche wird ihr seelsorgerische, aber auch ihre soziale Arbeit fortsetzen. So sagt es schon die Bibel: Glaube ist nichts ohne echten Einsatz, ohne Werke. Der Kirche die M\u00f6glichkeit zur N\u00e4chstenliebe zu nehmen, ist, als ob man ihr einen Arm amputieren w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Weitere Informationen zur Lage in Eritrea liefert der Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit\u201c von KIRCHE IN NOT: <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/religious-freedom-report.org\/de\/report-de\/?report=1770\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/religious-freedom-report.org\/de\/report-de\/?report=1770<\/a><\/span><\/p>\n<p><em>Um den bedr\u00e4ngten Christen Eritreas weiterhin beistehen zu k\u00f6nnen, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden \u2013 online unter <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/Wie_Sie_helfen\/Spenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kircheinnot.at <\/a><\/span>oder auf folgendes Konto:<\/em><\/p>\n<p><em>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT&nbsp;<br \/> IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600&nbsp;<br \/> BIC: GIBAATWWXXX&nbsp;<br \/> Verwendungszweck:&nbsp;Eritrea<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas brutale Vorgehen der Regierung Eritreas zielt darauf ab, der Kirche alle Dienste im Bereich Bildung und Gesundheit zu entziehen. 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