{"id":1977,"date":"2020-02-25T10:03:11","date_gmt":"2020-02-25T09:03:11","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/nach-11-jahren-aus-haft-entlassen-html\/"},"modified":"2023-02-21T09:03:29","modified_gmt":"2023-02-21T08:03:29","slug":"nach-11-jahren-aus-haft-entlassen-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/nach-11-jahren-aus-haft-entlassen-html\/","title":{"rendered":"Nach 11 Jahren aus Haft entlassen"},"content":{"rendered":"<p>Christ nach 11 Jahren Haft aufgrund falscher Anschuldigung gegen Kaution freigelassen.&nbsp;BHASKAR SUNAMAJHI (43) ist einer von sieben Christen, die f\u00e4lschlicherweise des Mordes an einem Hindu-F\u00fchrer im August 2008 im Distrikt Kandhamal im indischen Bundesstaat Odisha (vormals Orissa) angeklagt und verurteilt wurden. Die T\u00f6tung l\u00f6ste die schlimmste Welle der Christenverfolgung in der modernen indischen Geschichte aus. Fast 100 Christen wurden get\u00f6tet, 300 Kirchen und 6000 H\u00e4user zerst\u00f6rt. Im Dezember 2019 wurde Bhaskar nach 11 Jahren Haft zusammen mit sechs anderen christlichen Angeklagten gegen Kaution freigelassen.&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Bhaskar, der einer Pfingstkirche angeh\u00f6rt, berichtete Kirche in Not gegen\u00fcber:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u201cIch spielte gerade im Dorf Kotagarh mit meinen Freunden Karten, als am 13. Dezember 2008 gegen Mittag die Polizei in mein schlammgedecktes Haus kam. Ich war nicht \u00fcberrascht. Als <em>Gram Rakhi <\/em>(Dorfsch\u00fctzer) war ich es gewohnt, dass die Polizei auch zu ungew\u00f6hnlichen Zeiten vorbeikam, um mich abzuholen, damit ich sie bei der Untersuchung von Verbrechen und f\u00fcr verschiedene Arbeiten begleitete.<\/p>\n<p>Die Polizisten sagten zu mir: &#8218;Komm jetzt mit. Du kannst morgen wieder zur\u00fcck.&#8216; Ohne zu z\u00f6gern, machte ich mich fertig. Trotzdem war ich \u00fcberrascht, als sie mir sagten, ich solle Geld f\u00fcr meine pers\u00f6nlichen Ausgaben mitnehmen. Seitdem sind elf Jahre vergangen. Heute bin ich \u00fcbergl\u00fccklich, wieder zuhause zu sein.<\/p>\n<p>Am Anfang hatte ich keine Ahnung, warum sie mich ins Gef\u00e4ngnis steckten. Es war, als w\u00e4re ich von v\u00f6lliger Dunkelheit umgeben. Nach und nach lernte ich die anderen sechs Christen kennen, die wie ich verhaftet worden waren. Wir beschlossen, zusammen zu beten und auf den Herrn zu vertrauen, da wir kein Unrecht getan hatten.<\/p>\n<p>Anfangs behandelten uns andere (hinduistische) Gefangene als seien wir M\u00f6rder und waren uns gegen\u00fcber feindlich gesinnt. Es war eine hoffnungslose Situation. Wenn wir innerlich sehr verzweifelt waren, war das Gebet der einzige Trost f\u00fcr uns. Neben unseren gemeinsamen Gebeten begann ich jeden Tag im stillen Gebet und endete ihn auch so.<\/p>\n<p>In manchen N\u00e4chten war ich so verzweifelt und musste st\u00e4ndig weinen. Dann betete ich bis sp\u00e4t in die Nacht, bis ich einschlief. Ohne die Gebete w\u00e4re ich ein seelisches Wrack gewesen.<\/p>\n<p>Das einzig Positive, das ich mit der Zeit im Gef\u00e4ngnis verbinde, ist, dass ich richtig zu Schreiben gelernt habe. Ich war wie die meisten Menschen in unserer abgelegenen Gegend nie in einer Schule gewesen; nun nutzte ich die freie Zeit im Gef\u00e4ngnis, um das Schreiben zu lernen.<\/p>\n<p>\u201cNeben dem Lesen in der Bibel begann ich, die Kirchenlieder, die wir in unseren Gebetszeiten sangen, in ein Notizbuch zu schreiben. Betend schrieb ich jede Strophe der Lieder in einer anderen Farbe.<\/p>\n<p>Es war f\u00fcr mich jeden Monat eine gro\u00dfe Erleichterung, wenn meine Frau Debaki mich besuchte. Sie brauchte einen ganzen Tag, um von unserem Dorf zum 100 Meilen entfernten Gef\u00e4ngnis von Phulbani zu kommen und musste unterwegs verschiedene Busse nehmen. Sie kam morgens am Tor des Gef\u00e4ngnisses an und wartete dort auf die &#8218;Besuchszeit&#8216;, die h\u00e4ufig am Nachmittag war.<\/p>\n<p>Als unser Sohn Daud vier Jahre alt war, beschloss Debaki, ihn bei einem Pastor in Phulbani zu lassen, der mehrere andere Kinder bei sich aufgenommen hatte. Es gab in der N\u00e4he unseres Dorfes keine Schule, und wir wollten nicht, dass unser Sohn ein Analphabet blieb wie wir.&nbsp; Manchmal brachte sie Daud mit zum Gef\u00e4ngnis. Das waren gro\u00dfartige Tage. Daud war erst sechs Monate alt als ich hinter Gitter kam.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihrer Besuche brach Debaki oft in Tr\u00e4nen aus, denn sie war allein und deprimiert. Als die Jahre vergingen, begann sie, mir zu berichten, wie gute Samariter unseren Familien Hilfe zukommen lie\u00dfen. Ab 2014 wurde sie hoffnungsvoller. Sie berichtete voller Enthusiasmus von Sozialarbeitern und anderen, die unsere D\u00f6rfer besuchten und sogar von hinduistischen Nachbarn Zeugenaussagen dokumentierten.<\/p>\n<p>Ich freute mich sehr, als im Jahr 2015 einzelne dieser Menschen, die sich bem\u00fchten, mir zu helfen, mich im Gef\u00e4ngnis besuchten. Ich war gl\u00fccklich und begann ernsthaft f\u00fcr all jene zu beten, die sich f\u00fcr unsere Freilassung einsetzten.<\/p>\n<p>Ein paar Monate sp\u00e4ter kam Debaki mit der frohen Botschaft, dass sie im M\u00e4rz 2016 mit den Ehefrauen der anderen sechs nach Neu-Delhi gehen w\u00fcrde. Anlass war der Start der Onlinekampagne f\u00fcr unsere Freilassung.&nbsp;<\/p>\n<p>Wir waren alle aufgeregt und voller Hoffnung. Wir intensivierten unsere Gebete und warteten auf den gro\u00dfen Tag. Wir wussten, die Freiheit war nahe. Doch wir mussten noch weitere drei Jahre warten.<\/p>\n<p>Wir waren begeistert, als im Mai 2019 Gornath Chalenseth freigelassen wurde. Wir wussten, dass Gott f\u00fcr uns t\u00e4tig war. Am 5. Dezember schlie\u00dflich ging ich gegen eine vom Obersten Gerichtshof Indiens bewilligte Kaution in die Freiheit. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war \u00fcbergl\u00fccklich als wir alle sieben an Heilig Abend mit der Bibel in der Hand und in Freiheit in unserem Heimatdorf Kotagarh zusammen sein konnten. Es war auch unglaublich f\u00fcr mich zu sehen, dass mein Sohn in den elf Jahren gr\u00f6\u00dfer als ich geworden&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">war. Ich bin gl\u00fccklich, wieder bei meiner Frau Debaki, den Verwandten und den Menschen des Dorfs zu sein. Ich danke Gott f\u00fcr meine Freiheit.<\/span><\/p>\n<p>Ich bitte alle sehr, f\u00fcr uns sieben zu beten. Wir sind nur auf Kaution frei. Wir sind immer noch eines Mordes angeklagt, den wir nicht begangen haben. Wir beten, dass das Oberste Gericht von Odisha die Anklage aufhebt, so dass wir in Frieden leben k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christ nach 11 Jahren Haft aufgrund falscher Anschuldigung gegen Kaution freigelassen.&nbsp;BHASKAR SUNAMAJHI (43) ist einer von sieben Christen, die f\u00e4lschlicherweise des Mordes an einem Hindu-F\u00fchrer im August 2008 im Distrikt Kandhamal im indischen Bundesstaat Odisha (vormals Orissa) angeklagt und verurteilt wurden. Die T\u00f6tung l\u00f6ste die schlimmste Welle der Christenverfolgung in der modernen indischen Geschichte aus. 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