{"id":1983,"date":"2020-03-11T10:50:00","date_gmt":"2020-03-11T09:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/batnaya-erhebt-sich-aus-der-asche-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:01:42","modified_gmt":"2023-02-23T11:01:42","slug":"batnaya-erhebt-sich-aus-der-asche-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/batnaya-erhebt-sich-aus-der-asche-html\/","title":{"rendered":"Batnaya erhebt sich aus der Asche"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadt Batnaya befindet sich im Nordirak, etwa 24 km von Mosul entfernt. Vor der Ankunft des ISIS lebten dort 950 Familien, die allesamt chald\u00e4isch-katholisch waren. Durch das Dorf verlief die Frontlinie zwischen ISIS und Peschmerga. Es war zweifellos einer der Orte, der am st\u00e4rksten von den K\u00e4mpfen, von der Invasion islamischer Terroristen und den Bombenangriffen der Truppen der alliierten Koalition betroffen war. Laut einer Untersuchung des weltweiten katholischen Hilfswerkes KIRCHE IN NOT (ACN) waren nach der Befreiung des Gebiets nur zehn der 977 H\u00e4user unversehrt geblieben. Zwei Drittel wurden sogar v\u00f6llig zerst\u00f6rt oder abgebrannt. Auch wenn sich die vertriebenen Bewohner von Batnaya nach mehr als zwei Jahren der terroristischen Besetzung zu Ostern 2017 zu einer ersten Messe versammelten, schien eine R\u00fcckkehr unm\u00f6glich. Mehr als zwei Jahre lang war Batnaya eine Geisterstadt.<\/p>\n<p><strong>Eine vom Pfarrer unterst\u00fctzte Pionierfamilie&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>So blieb es bis zum letzten Sommer. Am 22. Juni 2019 tauchte eine erste Familie auf. Ihr Haus war in einem schlechten Zustand, aber Faris Hanna Naamo wollte zur\u00fcckkehren. \u201eSchlie\u00dflich war es mein Haus\u201c, erz\u00e4hlt er KIRCHE IN NOT. Er war dickk\u00f6pfig genug, seine Frau Hana zu \u00fcberzeugen, und zusammen mit ihren drei Kindern kehrten sie in das Dorf zur\u00fcck. \u201eEs gab keinen Strom, kein flie\u00dfendes Wasser&#8230; keine Nachbarn. Selbst so etwas Einfaches wie Einkaufen war riskant, denn man musste f\u00fcnf Kilometer durch die Kontrollpunkte bis zur n\u00e4chsten Stadt Teleskof fahren\u201c, erkl\u00e4rt Faris.<\/p>\n<p>\u201eDickk\u00f6pfig oder beharrlich?\u201c, fragt sich laut Pater Aram Rameel Hanna, Pfarrer von Batnaya, der von Anfang an eine sehr wichtige St\u00fctze f\u00fcr Faris&#8216; Familie darstellte. Das Ehepaar ist ihm sehr dankbar, denn in dieser schrecklichen Zeit gab es keinen einzigen Tag, an dem Pater Aram die Familie sie nicht besucht hat: \u201eIch wei\u00df nicht, was wir ohne ihn getan h\u00e4tten. Wir haben sehr schwere Zeiten durchgemacht, in denen es uns schwer fiel zu glauben, dass alles besser werden w\u00fcrde. Ich erinnere mich, dass meine j\u00fcngste Tochter Nour keine Freunde zum Spielen hatte, nur ihre \u00e4ltere Schwester. Sie nahm ihr Fahrrad und fuhr den ganzen Tag auf den leeren Stra\u00dfen herum. Sie tat mir leid. Als Pater Aram kam, war das ein gro\u00dfes Geschenk f\u00fcr uns, er ermutigte uns. Er war ein Hauch von frischer Luft und st\u00e4rkte unseren Glauben. Dank ihm konnten wir standhaft bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Pater Aram spielt das herunter: Er sei zu ihnen nur auf eine Tasse Tee gekommen. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass der in Harvard ausgebildete Priester, der im nahegelegenen Alqosh ein Zentrum f\u00fcr Menschen mit Traumata und Stressst\u00f6rungen leitete, gerade ein Auslandstipendium zum Abschluss seines Studiums bekommen hatte, als sein Bischof ihn bat, sich um Batnaya zu k\u00fcmmern. Also blieb er.<\/p>\n<p><strong>Neue Kunden f\u00fcr den Markt f\u00fcr R\u00fcckkehrer&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Nach Faris\u2019 und Hanas Familie hatte eine weitere Familie den Mut zur\u00fcckzukehren: Am 25. September 2019 kehrten Ghaliy Nouh Oraha, seine Frau Sandra und ihre f\u00fcnf Kinder zur\u00fcck. Damit waren bereits zwei Familien im Dorf. Da dachte Kaufmann Diver Salem, es sei an der Zeit, ein Gesch\u00e4ft zu er\u00f6ffnen, und so wurde der \u201eMarkt f\u00fcr R\u00fcckkehrer\u201c ins Leben gerufen. Pater Andrzej Halemba, KIRCHE IN NOT Projektverantwortlicher f\u00fcr Nahost, war bei seinem letzten Besuch im Irak von der K\u00fchnheit von Diver beeindruckt: \u201eDiver sagte mir zwar, er habe gesp\u00fcrt, dass die Zeit gekommen sei. Aber ich wei\u00df nicht, wie er sich \u00fcberhaupt vorstellen konnte, dass andere Familien es auch so sehen w\u00fcrden. Mit nur zwei Familien als Kunden h\u00e4tte er niemals \u00fcberlebt. Nat\u00fcrlich f\u00fchlten sich Familien sicherer, nachdem ein Gesch\u00e4ft er\u00f6ffnet hatte. Nun sind inzwischen wieder 75 Familien da! Ich glaube, es war eindeutig das Werk der Vorsehung, sonst h\u00e4tte es nicht so gut funktioniert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch traf sogar auf einen Mann, der aus Deutschland zur\u00fcckgekommen war und auf seine Frau wartet\u201c, f\u00e4hrt Pater Andrzej Halemba fort. Gemeint ist Basher Kiryakos Hanna, der sich wie seine Frau in Europa nicht zu Hause f\u00fchlte. Deshalb kehrte er so schnell wie m\u00f6glich zur\u00fcck: \u201eEs ist allerdings nicht leicht\u201c, betont Halemba. \u201eWir d\u00fcrfen die Gr\u00e4ueltaten im Irak nicht vergessen: Die Gefahr war real, und die Menschen waren zu Tode erschrocken. Jetzt ersteht Batnaya langsam wieder auf. Inzwischen gibt es mehr als 300 Christen in der Stadt. Ich bin sicher, dass noch mehr kommen werden, wenn wir ihnen zur Seite stehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eine neue Kindertagesst\u00e4tte<\/strong><\/p>\n<p>Die Hilfe wird dringend ben\u00f6tigt, denn f\u00fcr das Gemeinschaftsleben sind gro\u00dfe Projekte von grundlegender Bedeutung. Die Christen von Batnaya brauchen eine Kirche, einen Versammlungsraum und eine Kindertagesst\u00e4tte f\u00fcr ihre Kinder. Ein Schulbus holt jeden Morgen etwa zwanzig Kinder ab, die ihre Freunde treffen und neue Dinge lernen wollen. Aber f\u00fcr die kleinen Kinder gibt es immer noch keinen Kindergarten. Die Dominikanerinnen der heiligen Katharina von Siena, die seit mehr als hundert Jahren in Batnaya anwesend sind, mussten mit der Bev\u00f6lkerung fliehen und haben die Menschen w\u00e4hrend des Exils begleitet. Jetzt wollen sie zur\u00fcckkehren, um ihnen weiterhin zu dienen. Sie haben ein Doppelprojekt, den Wiederaufbau des Kindergartens und ihres Klosters, die beide w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe bombardiert wurden. Mit der Unterst\u00fctzung der KIRCHE IN NOT-Stiftung hoffen sie, die Spenden f\u00fcr den Beginn der Arbeit zu erhalten. \u2013 \u201e<em>In sha Allah<\/em>, so Gott will\u201c, sagen die Schwestern, die, obwohl sie in den letzten Jahren viel gelitten haben, nicht den Mut und die Hoffnung auf Gott verloren haben.<\/p>\n<p>Auch die Kirche von Mar Kiryakos und die der Unbefleckten Empf\u00e4ngnis geweihte Kapelle, die von den Terroristen des islamischen Staates gesch\u00e4ndet, verbrannt und gepl\u00fcndert wurden, brauchen Hilfe f\u00fcr den Wiederaufbau. Die Statuen wurden gek\u00f6pft, die Glasfenster zerst\u00f6rt. Die R\u00e4ume wurden als Schie\u00dfstand genutzt und Graffiti in arabischer und deutscher Sprache gemalt: \u201eSklaven des Kreuzes, wir werden euch alle t\u00f6ten. Dies ist das Land des Islam, es gibt keinen Platz f\u00fcr euch\u201c. Fari und Hana, Ghaily und Sandra, Basher Kiryakos oder Diver Salem haben den Mut und die K\u00fchnheit gehabt, zur\u00fcckzukehren und zu zeigen, dass der Glaube und die Liebe zum Land ihrer Vorfahren st\u00e4rker sind als die Angst vor den Bedrohungen. KIRCHE IN NOT hat zugesagt, sie in ihrem Anliegen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt Batnaya befindet sich im Nordirak, etwa 24 km von Mosul entfernt. Vor der Ankunft des ISIS lebten dort 950 Familien, die allesamt chald\u00e4isch-katholisch waren. Durch das Dorf verlief die Frontlinie zwischen ISIS und Peschmerga. 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