{"id":1987,"date":"2020-03-12T11:59:52","date_gmt":"2020-03-12T10:59:52","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/immer-mehr-opfer-von-verfolgung-html\/"},"modified":"2023-02-21T09:02:44","modified_gmt":"2023-02-21T08:02:44","slug":"immer-mehr-opfer-von-verfolgung-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/immer-mehr-opfer-von-verfolgung-html\/","title":{"rendered":"Immer mehr Opfer von Verfolgung"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr Christen werden in Burkina Faso Opfer von Verfolgung. Aus Solidarit\u00e4t reiste eine kleine Delegation des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT zu Beginn der Fastenzeit in das westafrikanische Land. Dabei trafen sie Pierre Claver Belemsigri, den Generalsekret\u00e4r der Bischofskonferenz von Burkina Faso-Niger. Oliver Maksan sprach mit dem Priester in der Hauptstadt Ouagadougou \u00fcber Islam, Dschihadismus und die Antwort der Kirche darauf.<\/p>\n<p><strong>Burkina Faso war immer stolz auf das harmonische Zusammenleben von Muslimen und Christen. Doch viele klagen, dass der heutige Islam nicht mehr viel mit dem Islam ihrer Kindheit zu tun habe. Sehen Sie das auch so?<\/strong><br \/> Es gibt seit etwa 20, 30 Jahren einen Wandel. Das hat damit zu tun, dass seit einigen Jahren bestimmte Str\u00f6mungen des Islam von der Arabischen Halbinsel bei uns Fu\u00df fassen. Die j\u00fcngeren Menschen arbeiten oder studieren dort und bringen eine bestimmte Vision vom Islam mit, die Auswirkungen auf das Zusammenleben und die Koexistenz der verschiedenen Religionen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<br \/> <\/strong>Fr\u00fcher war es \u00fcblich, dass wir an den freudigen und traurigen Ereignissen des anderen teilnahmen. Christen haben ihren islamischen Familienmitgliedern zu deren Festen gratuliert haben und umgekehrt. Sie m\u00fcssen wissen, dass wir sehr oft unterschiedliche Religionszugeh\u00f6rigkeiten in derselben Familie haben. Wir haben dennoch oder gerade deswegen zusammen gefeiert. Das ist heute bei der \u00e4lteren Generation immer noch so. Doch bei der j\u00fcngeren Generation ist es schon nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich wegen des Einflusses bestimmter radikaler Str\u00f6mungen.<\/p>\n<p><strong>Dennoch ist Burkina Faso trotz einer islamischen Mehrheit,&nbsp; zwischen vierundf\u00fcnfzig und sechzig Prozent, &nbsp;kein islamischer Staat.<br \/> <\/strong>Das ist richtig. Wir sind ein laizistischer Staat. Es gibt eine Trennung von Religion und Staat. Das war eine politische Entscheidung, die wir gef\u00e4llt haben. Der Staat arbeitet dennoch mit den Religionsgemeinschaften zusammen. Wir stehen im Dialog mit staatlichen Stellen.<\/p>\n<p><strong>Geht der Dialog zwischen Muslimen und Christen dennoch weiter?<br \/> <\/strong>Ja, Gottseidank. Wir haben im Land eine lange Tradition des interreligi\u00f6sen Dialogs. In der Provinz Soum, die jetzt so von den Terroristen heimgesucht wird, haben wir beispielsweise die Einrichtung <em>Union fraternelle des croyants<\/em> (UFC, Br\u00fcderliche Union der Gl\u00e4ubigen). Hier treffen sich Muslime, Katholiken, freikirchliche Protestanten und Angeh\u00f6rige der traditionellen Religionen, um \u00fcber das Zusammenleben und den Aufbau der Gesellschaft zu diskutieren. Man besucht sich gegenseitig. An Weihnachten etwa besucht der Imam die Messe und w\u00fcnscht den Katholiken frohe Weihnachten. Und am Ramadan gehen Bischof oder Priester in die Moscheen, um Gl\u00fcckw\u00fcnsche zu den Festen zu \u00fcberbringen. Die Aktionen der UFC konzentrieren sich auch auf den Zusammenhalt der Religionen, um gemeinschaftlich die Region voranzubringen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es hei\u00dft oft, die Dschihadisten w\u00fcrden den Islam nur instrumentalisieren. Eigentlich gehe es ihnen um etwas anderes als Religion. Wie sehen Sie das?<br \/> <\/strong>Es gibt beides. Es gibt Terroristen, einheimische wie fremde, die tats\u00e4chlich mit der Waffe in der Hand wollen, das ganz Afrika islamisch wird, die wollen, dass in Burkina Faso die Scharia eingef\u00fchrt wird. Wir haben aber auch solche, die den Islam als Vorwand nutzen, um ihre \u00f6konomischen oder kriminellen Interessen durchzusetzen. Das k\u00f6nnen sie daran sehen, dass sie auch Muslime t\u00f6ten. Oft hat die Gewalt bei uns im Land auch mit alten Streitereien mit ethnischem Hintergrund oder Streit um Land zu tun. Der Islam ist da nur ein Vorwand, um mit Gewalt materielle oder \u00f6konomische Interessen durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Dutzende Christen wurden in den letzten Jahren get\u00f6tet. Wer greift sie an? Sind es Dschihadisten oder einfach nur Kriminelle?<br \/> <\/strong>Wir wissen oft nicht, wer uns angreift. Wir kennen unseren Feind nicht. Meist bekennt sich niemand zu den Angriffen.<\/p>\n<p><strong>Etwa f\u00fcnf Prozent der Burkinabe sind Protestanten. Gibt es einen offiziellen Dialog der katholischen Kirche mit ihnen?<br \/> <\/strong>Ja, es gibt eine entsprechende Kommission. Sie m\u00fcssen wissen, dass die Protestanten in unserem Land nicht den traditionellen protestantischen Gemeinschaften wie den Lutheranern oder Calvinisten angeh\u00f6ren, sondern den meist aus Amerika stammenden Freikirchen. Man muss aber sagen, dass es mit dem Islam einen besser organisierten Dialog gibt.<\/p>\n<p><strong>Wor\u00fcber spricht die katholische Kirche mit den Protestanten?<br \/> <\/strong>Wichtigster Zeitpunkt f\u00fcr Dialog und Diskussion ist die Gebetswoche f\u00fcr die Einheit der Christen. Das gibt uns die M\u00f6glichkeit, gemeinsam zu beten und nach \u00dcbereinstimmung zu suchen in bestimmten Fragen der christlichen Theologie wie beispielsweise der Anerkennung der Taufe in den verschiedenen Konfessionen, dem Verst\u00e4ndnis der Bibel und ihren \u00dcbersetzungen in die verschiedenen Landessprachen. Es wird auch \u00fcber Probleme gesprochen, die in den gemischtkonfessionellen Ehen auftreten.<\/p>\n<p><strong>Bringt der Terror Protestanten und Katholiken einander n\u00e4her?<br \/> <\/strong>Ja, eindeutig. Besonders in den D\u00f6rfern, die angegriffen werden, zeigen sich Katholiken und Protestanten solidarisch miteinander. Aber diese Solidarit\u00e4t ist eine menschliche und geht \u00fcber die Glaubenszugeh\u00f6rigkeit hinaus. Christen, Muslime, Protestanten und Angeh\u00f6rige der traditionellen Religion lassen es nicht an Bekundungen dieser Solidarit\u00e4t mangeln.<\/p>\n<p><strong>Etwa zehn bis f\u00fcnfzehn Prozent der Burkinab\u00e9 geh\u00f6ren weder dem Islam noch dem Christentum an sondern bekennen sich zu den traditionellen Religionen. Wie ist das Verh\u00e4ltnis der Kirche zu diesen Gl\u00e4ubigen?<br \/> <\/strong>Die Kirche hat einen tiefen Respekt vor der traditionellen Religion unserer Ahnen. Sie bildet den &nbsp;Ansatzpunkt&nbsp; f\u00fcr das Wort Gottes. Aber das Verh\u00e4ltnis zwischen beiden ist nicht immer leicht. Denn es kommt oft vor, dass getaufte Christen weiterhin die alten Praktiken aus\u00fcben. Das sieht die Kirche nat\u00fcrlich nicht gern. Sie m\u00fcssen allerdings sehen, dass unsere angestammte Religion eine monotheistische ist. Es gibt nur einen Gott, aber zahlreiche vermittelnde Wesen.<\/p>\n<p><strong>Ist der Synkretismus unter Katholiken weit verbreitet?<br \/> <\/strong>Die Schwierigkeit liegt oft in der Trennung von Kult und Kultur begr\u00fcndet. Aber man muss zugeben, dass der Synkretismus weit verbreitet ist.&nbsp; Wir alle haben nat\u00fcrlich Respekt vor der Religion unserer Ahnen. Aber manche Praktiken stehen f\u00fcr Christen eben im Widerspruch zu ihrem Glauben. Wir versuchen klar zu machen, dass Jesus Christus die L\u00f6sung unserer Probleme ist. Manchen Menschen, die eine schwere Last zu tragen haben, reicht aber das Vertrauen in den Herrn nicht. Sie wollen eine unmittelbare L\u00f6sung und wenden sich deshalb der alten Religion zu.<\/p>\n<p><strong>Man muss ja auch sehen, dass das Christentum in Ihrem Land noch nicht so alt ist.<br \/> <\/strong>Das stimmt. Die traditionellen Religionen waren zuerst da. Dann kam im 15. und 16. Jahrhundert der Islam. Erst Ende des 19. Jahrhunderts trafen die ersten franz\u00f6sischen Missionare im Gebiet des heutigen Burkina ein. Erst nach 1900 gab es systematischere Evangelisierungsbem\u00fchungen. Seither aber hat das Christentum wirklich Fu\u00df gefasst in unserem Land.<\/p>\n<p><strong>Man sieht es nicht als Relikt aus der franz\u00f6sischen Kolonialzeit? Bis 1960 war Burkina ja franz\u00f6sische Kolonie.&nbsp; <br \/> <\/strong>Nein. Das h\u00e4ngt zusammen mit den glaubw\u00fcrdigen Missionaren, aber auch mit der Tatsache, dass die traditionelle Religion wie gesagt eine monotheistische war. Das machte die Konversion zum monotheistischen Christentum leichter. Auch die Tatsache, dass wir traditionell unsere M\u00fctter sehr ehren, macht die Verehrung der Mutter Jesu zu einer tief verankerten Praxis der Katholiken in unserem Land. Man kann auch eine Verbindung sehen zwischen der Ehre, die man den Ahnen erweist, und der Verehrung der Heiligen .<\/p>\n<p><strong>W\u00e4chst der Glaube in Ihrem Land? Etwa 25 Prozent sind ja Mitglied der katholischen Kirche.<br \/> <\/strong>Er w\u00e4chst. Es gibt nicht nur demografisches Wachstum, sondern auch wirkliche Bekehrungen zum Christentum.<\/p>\n<p><strong>Hat das keine Folgen f\u00fcr sie? In vielen muslimischen L\u00e4ndern steht darauf die Todesstrafe.<br \/> <\/strong>Meines Wissens nicht bei uns. Je nach Milieu kann es sicher Drohungen und soziale Sanktionen geben. Aber das h\u00e4ngt sehr vom Umfeld ab. Ich habe beispielsweise einer Taufe einer ganzen muslimischen Familie beigewohnt. Die Tochter, die bei katholischen Schwestern in die Schule ging, bekehrte sich zuerst. Sie hat dann ihre ganze Familie zum Glauben gef\u00fchrt. Die aktuellen terroristischen Angriffe auf die Christen haben den Glauben unserer Gl\u00e4ubigen zudem gest\u00e4rkt. Man ist trotz der Gefahr stolz, katholisch zu sein.<\/p>\n<p><strong>Dennoch ist der Terrorismus die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr die Kirche. Wie reagiert sie darauf?<br \/> <\/strong>Wir haben vor, in diesem Jahr ein gro\u00dfes Forum zu organisieren, das sich Fragen von Pastoral und Sicherheit widmet. Das wird Gelegenheit geben, dar\u00fcber nachzudenken, wie man als Christ seinen Glauben in dieser neuen Situation der Unsicherheit und der Angriffe auf Gottesh\u00e4user leben kann. Man muss sicher neue Ausdrucksformen f\u00fcr den katholischen Glauben finden. Alle diese Fragen werden sicher im Laufe dieses Forums angesprochen werden.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angesichts des Terrorismus: Was erwarten Sie f\u00fcr Ihr Land?<br \/> <\/strong>Der Herr wirkt. Christus lebt. Das hat unser Land in seiner j\u00fcngeren Geschichte immer wieder erlebt. Das wird auch jetzt hoffentlich angesichts des Terrors so sein. Es muss einen Widerstand des Volkes geben (resistance populaire). Waffen alleine gen\u00fcgen nicht. Leider hat noch nicht jeder verstanden, dass unser Land in der Gefahr ist zu verschwinden, wenn wir uns nicht gemeinsam gegen die Terroristen wehren durch Gebet, Einigkeit und Solidarit\u00e4t. Das sind die Herausforderungen, denen wir uns stellen m\u00fcssen, wenn wir mit dem Terror fertig werden wollen.<\/p>\n<p><em>Um weiterhin die pastorale wie humanit\u00e4re Arbeit der Kirchen in Burkina Faso unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen, bittet \u201eKirche in Not\u201c um Spenden \u2013 entweder online unter:&nbsp;<a href=\"http:\/\/icm-tracking.meltwater.com\/link.php?DynEngagement=true&amp;H=AqX%2Fyxxn%2FCsKfNEzXNs%2BvxKe7ZZW379%2BIapVVCHkcj06tGRioNXHyY2%2FoLjWb6jYGawjBP%2BzL7pjxVskrEAkJ8IXBIfpk0BnT065I%2FIoTMzoErmfWJhabg%3D%3D&amp;G=0&amp;R=https%3A%2F%2Fwww.kircheinnot.at%2FWie_Sie_helfen%2FSpenden%2F&amp;I=20190917102853.000000d3254b%40mail6-60-usnbn1&amp;X=MHwxMDQ2NzU4OjVkODBiNTVjYWY4YTQzYWIyZDdhZmZlNjsxfDEwNDY3NTk6dHJ1ZTs%3D&amp;S=ruegzZUyIo45p_6DuwhbWmb8kWNBXFoJdzAYFqOI03o\">www.kircheinnot.at<\/a>&nbsp;oder auf folgendes Konto:<\/em><\/p>\n<p><em>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT<br \/>IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600<br \/>BIC: GIBAATWWXXX<\/em><br \/><em>Verwendungszweck: Burkina Faso<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Christen werden in Burkina Faso Opfer von Verfolgung. 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