{"id":2009,"date":"2020-05-07T11:48:04","date_gmt":"2020-05-07T09:48:04","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/zwischen-covid-19-und-terrorismus-html\/"},"modified":"2023-02-20T12:41:55","modified_gmt":"2023-02-20T11:41:55","slug":"zwischen-covid-19-und-terrorismus-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/zwischen-covid-19-und-terrorismus-html\/","title":{"rendered":"Zwischen Covid-19 und Terrorismus"},"content":{"rendered":"<p>Die terroristische Bedrohung, die besonders f\u00fcnf Regionen im Norden und Osten Burkina Fasos betrifft, wird laut mehreren lokalen Quellen im Gespr\u00e4ch mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) \u201evon der Covid-19-Pandemie \u00fcberschattet\u201c. F\u00fcr die unmittelbar von den Terroranschl\u00e4gen betroffene Bev\u00f6lkerung ist das Coronavirus \u201eein Ungl\u00fcck mitten im Ungl\u00fcck&#8220;. Die Gespr\u00e4chspartner aus den stark von den Auswirkungen des Terrorismus betroffenen Di\u00f6zesen Dori, Kaya und Fada N\u2019Gourma sind sich einig, dass \u201eder Ernst der Lage an einigen Orten gleichgeblieben oder sogar noch schlimmer geworden ist\u201c als vor der Pandemie. Fast eine Million Menschen wurden aus diesem Gebiet vertrieben, ohne eine wirksame Reaktion seitens der nationalen oder internationalen Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>In den Departements Bourzanga (Region Centre-Nord) und Djibo (Region Sahel) finden t\u00e4glich Anschl\u00e4ge statt. Nach dem Hilfswerk vorliegenden Erkenntnissen \u201esind ganze Landstriche von der Welt abgeschnitten, aber nicht wegen der Ausgangssperre aufgrund der Pandemie, sondern wegen der dort vorherrschenden totalen Unsicherheit. Die wenigen noch bev\u00f6lkerten D\u00f6rfer beherbergen Tausende von Binnenvertriebenen, sind aber zunehmend vom Rest des Landes isoliert.\u201c<\/p>\n<p>So auch die Stadt Djibo, die seit Mitte Januar 2020 von Terroristen umzingelt ist. Von KIRCHE IN NOT befragte Quellen schildern, dass \u201ees keine \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel, keine Versorgung mit Lebensmitteln, keinen Zugang hinein oder hinaus gibt, dass es an Wasser, Treibstoff und Lebensmitteln mangelt, immer wieder zu Stromausf\u00e4llen usw. kommt\u201c.<\/p>\n<p>Nach Angaben des Nationalen Rates f\u00fcr Nothilfe und Wiederaufbau (CONASUR) leben in der Provinzhauptstadt Djibo fast 150 000 Binnenvertriebene. Unter der Blockade leidet ebenfalls die Stadt Arbinda, die 60 000 Binnenvertriebene aufgenommen hat. Die beiden St\u00e4dte sind die letzten Enklaven des Lebens in der Provinz und der einzige Schutzwall, der viele Menschen vor den Terroristen bewahrt hat.<\/p>\n<p>Ein vertriebener Priester aus der Di\u00f6zese Kaya in der n\u00f6rdlichen Zentralregion berichtet KIRCHE IN NOT von einer \u00e4hnlichen Lage dort: \u201eDie D\u00f6rfer sind so gut wie menschenleer; dort ist kein Leben mehr, obwohl es immer noch Zeichen der Hoffnung gibt. In meiner Pfarrei, in der viele Menschen Zuflucht gesucht haben, gibt es Probleme in der Grundversorgung. Das entscheidende Problem ist nach wie vor das Wasser. Es ist sehr schwierig, an dieses kostbare Gut zu gelangen, was die Frauen bei allen damit verbundenen Risiken dazu zwingt, in die wegen terroristischer Bedrohungen verlassenen Nachbard\u00f6rfer zur\u00fcckzukehren, um zu versuchen, Wasser zu beschaffen und es auf Dreir\u00e4dern zu transportieren.\u201c<\/p>\n<p>Auch in Kaya sind wichtige Gemeinden, etwa Namisgma und Dablo, von den St\u00e4dten abgeschnitten, die sie fr\u00fcher versorgt haben. In der Stadt Pensa haben sich die Terroristen nach wiederholten Anschl\u00e4gen niedergelassen, und die Stadt vom Rest des Territoriums abgetrennt.<\/p>\n<p><strong>Appelle an nationale und internationale Beh\u00f6rden f\u00fcr ein energisches Vorgehen<\/strong><\/p>\n<p>Nach Aussage der Betroffenen erkennen die lokalen und nationalen Beh\u00f6rden zwar das Drama, unter dem die Bev\u00f6lkerung leidet. Ihre Bem\u00fchungen werden jedoch meistens aufgrund fehlender Ressourcen schnell zunichte gemacht. Viele bedauern auch, dass au\u00dferhalb des Landes das Ausma\u00df der Trag\u00f6die nicht erkannt werde: \u201eVon den 75 D\u00f6rfern in meiner Pfarrgemeinde sind nur noch zehn bewohnt. Die Menschen sind alle gegangen. Weil die D\u00f6rfer verlassen sind, befindet sich ein gro\u00dfer Teil des Territoriums in der Hand von Terroristen, die sich auf diese Weise der staatlichen Kontrolle entziehen\u201c, sagt ein Priester der Di\u00f6zese Kaya, der ebenfalls wegen der Drohungen gegen seine Gemeinde fliehen musste.<\/p>\n<p>Obwohl ausl\u00e4ndische, vor allem franz\u00f6sische Streitkr\u00e4fte pr\u00e4sent sind, sind viele Burkiner skeptisch. Sie beklagen, dass sie keinerlei Ergebnisse sehen. Sie kritisieren auch die Tatsache, dass die nationale Armee effektiver sein k\u00f6nnte, wenn sie \u00fcber die gleichen Transport- und Waffenbedingungen verf\u00fcgte wie die ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen f\u00fchlen sich die meisten Burkiner angesichts des Ungl\u00fccks ohnm\u00e4chtig, \u201evor allem, weil sich die Aufmerksamkeit im Moment auf die Coronavirus-Pandemie konzentriert, und dabei vergessen wird, dass der Terrorismus sogar noch mehr Opfer fordert als Covid19\u201c, beklagt der Priester.<\/p>\n<p>Viele fordern von den Beh\u00f6rden, dass sie bei der Verbesserung der Lage der Binnenfl\u00fcchtlinge und bei der Bek\u00e4mpfung des Terrorismus die gleiche Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit an den Tag legen wie bei der Bek\u00e4mpfung der Pandemie. \u201eBeide Gefahren bestehen mit Sicherheit. Wir sind mittendrin gefangen; es ist sehr schwer herauszufinden, was schlimmer ist. In jedem Fall sind die Folgen die gleichen, weil beide t\u00f6dliche Konsequenzen haben\u201c, sagt ein weiterer Partner von KIRCHE IN NOT aus der Region Fada N\u2019Gourma. Er hat gerade Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Bau einer Sicherheitsmauer um seine Pfarrei erhalten, nachdem sie gewaltsame \u00dcbergriffe erlitten hatte.<\/p>\n<p>Seit fast f\u00fcnf Jahren wird Burkina von einer beispiellosen terroristischen Welle heimgesucht. Im Februar 2020 reiste eine KIRCHE IN NOT-Delegation in das Land, um sich ein Bild von der Notlage der Christen im Norden des Landes zu machen, und um die Solidarit\u00e4t der Weltkirche zu bekr\u00e4ftigen. Nach den von KIRCHE IN NOT bei dem Besuch gesammelten Daten bel\u00e4uft sich die Zahl der Binnenvertriebenen auf fast eine Million. Seit 2019 wurden mehr als 1000 Menschen \u2013 Christen, Anh\u00e4nger der traditionellen Religion und Muslime \u2013 get\u00f6tet. Dreizehn Priester, sieben Ordensgemeinschaften und 193 Pastoralkoordinatoren mussten in sichereren Pfarreien Schutz suchen. Mindestens acht Pfarreien sind geschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die terroristische Bedrohung, die besonders f\u00fcnf Regionen im Norden und Osten Burkina Fasos betrifft, wird laut mehreren lokalen Quellen im Gespr\u00e4ch mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) \u201evon der Covid-19-Pandemie \u00fcberschattet\u201c. F\u00fcr die unmittelbar von den Terroranschl\u00e4gen betroffene Bev\u00f6lkerung ist das Coronavirus \u201eein Ungl\u00fcck mitten im Ungl\u00fcck&#8220;. 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