{"id":2039,"date":"2020-07-07T11:09:28","date_gmt":"2020-07-07T09:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/christen-von-ausloeschung-bedroht-html\/"},"modified":"2023-02-23T12:01:42","modified_gmt":"2023-02-23T11:01:42","slug":"christen-von-ausloeschung-bedroht-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/christen-von-ausloeschung-bedroht-html\/","title":{"rendered":"Christen von Ausl\u00f6schung bedroht"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 13.008px;\">Die christliche Bev\u00f6lkerung im Irak k\u00f6nnte verglichen mit den Zahlen vor der Invasion des \u201eIslamischen Staates\u201c (IS) in den kommenden Jahren um 80 Prozent zur\u00fcckgehen, sollte die internationale Gemeinschaft keine Gegenma\u00dfnahmen ergreifen. Das ist einer der Hauptbefunde einer englischsprachigen Studie, die das weltweite p\u00e4pstliche Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c ver\u00f6ffentlicht hat. Sie tr\u00e4gt den Titel \u201eLeben nach dem IS: Neue Herausforderungen f\u00fcr das Christentum im Irak\u201c und b\u00fcndelt mehrere Umfragen, die das Hilfswerk im Jahr 2019 unter Christen in der irakischen Ninive-Ebene durchgef\u00fchrt hat.<\/span><\/p>\n<p><strong>100 Prozent der Christen f\u00fchlen sich unsicher<\/strong><\/p>\n<p>Die Gegend im Nordirak ist jahrhundertealtes christliches Siedlungsgebiet. Der IS hatte im Zuge seiner Eroberungen im Jahr 2014 auch die Ninive-Ebene okkupiert. Weit \u00fcber&nbsp;<span style=\"font-size: 13.008px;\">100 000 Christen waren damals geflohen. Die Verfolgung der christlichen Minderheit wurde international als V\u00f6lkermord eingestuft. Nach dem milit\u00e4rischen Sieg \u00fcber den IS waren viele der vertriebenen Christen in ihre alte Heimat zur\u00fcckgekehrt \u2013 mit durchaus zwiesp\u00e4ltigen Gef\u00fchlen.<\/span><\/p>\n<p>Wie die Studie offenlegt, gaben 100 Prozent der Befragten an, sich aktuell in der Ninive-Ebene unsicher zu f\u00fchlen; 87 Prozent sogar \u201esp\u00fcrbar\u201c oder \u201edeutlich\u201c unsicher. Hauptgr\u00fcnde seien gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe lokaler Milizen sowie die Sorge vor einer R\u00fcckkehr der IS-Anh\u00e4nger. Diese Bedrohung nennen 69 Prozent der befragten Christen als Hauptgrund, der sie \u00fcber eine Auswanderung nachdenken l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Christen in der Ninive-Ebene beklagen \u201eBel\u00e4stigungen und Einsch\u00fcchterungen, oft in Verbindung mit Geldforderungen\u201c von Seiten der in der Region stationierten Milizen, so die Studie. Die gr\u00f6\u00dften dieser Gruppierungen sind die \u201eShabak-Miliz\u201c und die \u201eBabylon-Brigade\u201c. Da sie zum Sieg gegen den IS beigetragen haben, gibt ihnen die irakische Regierung weitgehende Handlungsfreiheit. Rund ein Viertel der befragten Christen berichtete, dass sie mit den Angeh\u00f6rigen einer Miliz oder einer anderen milit\u00e4rischen Gruppe bereits negative Erfahrungen gemacht habe.<\/p>\n<p>Neben der mangelhaften Sicherheitslage nennen die Christen in der Studie als weitere Herausforderungen auch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung (70 Prozent), Korruption (51 Prozent) sowie religi\u00f6se Diskriminierung (39 Prozent).<\/p>\n<p><strong>\u201eKlare und dringende Warnung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Bericht stellt eine klare und dringende Warnung dar\u201c, erkl\u00e4rte der Leiter der Studie und Nahost-Referent von \u201eKirche in Not\u201c, Dr. Andrzej Halemba. \u201eOhne abgestimmte und sofortige politische Aktion werden die Christen in der Ninive-Ebene und Umgebung ausgel\u00f6scht werden.\u201c<\/p>\n<p>Die bislang positive Entwicklung stehe auf dem Spiel: \u201eHeute sind 45 Prozent der christlichen Familien wieder in ihrer alten Heimat, auch wenn teilweise nur einzelne Mitglieder zur\u00fcckkehren konnten und viele Familien nach wie vor getrennt sind\u201c, erkl\u00e4rte Halemba. In einer ersten Befragung von \u201eKirche in Not\u201c im Jahr 2016 hatten nur 3,3 Prozent der vertriebenen Christen die Hoffnung ge\u00e4u\u00dfert, wieder in ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer in der Ninive-Ebene zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. \u201eDass dieser Trend umgekehrt werden konnte, ist auf den langfristigen Wiederaufbauplan f\u00fcr die Ninive-Ebene zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dieser Erfolg ist jetzt in Gefahr, wenn nicht bald etwas geschieht\u201c, erkl\u00e4rte Halemba.<\/p>\n<p>Zusammen mit anderen Organisationen und lokalen christlichen Kirchen hatte \u201eKirche in Not\u201c 2017 den Wiederaufbau gestartet. Seither konnten \u00fcber ein Drittel der zerst\u00f6rten H\u00e4user in sechs St\u00e4dten und D\u00f6rfern der Ninive-Ebene instandgesetzt werden. Das Aufbauprojekt geht nun in eine neue Phase: Auch rund 400 kirchliche Einrichtungen wie Kirchen, Gemeindeh\u00e4user und Kinderg\u00e4rten werden wieder aufgebaut. So sollen die karitative und pastorale Arbeit der Kirche gest\u00e4rkt und weitere Anreize f\u00fcr den Verbleib der Christen gesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Christen am Wendepunkt<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Christen haben das Gef\u00fchl, an einem Wendepunkt zu stehen, was die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Bleiben angeht\u201c, erkl\u00e4rte Halemba. Auf lokaler Ebene k\u00f6nne dies nicht allein bew\u00e4ltigt werden: \u201eEs gibt Pl\u00e4ne und Initiativen, die bei einer regionalen, nationalen und internationalen Zusammenarbeit nicht nur durchf\u00fchrbar, sondern auch nachhaltig w\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>Neben Ma\u00dfnahmen, um die Wirtschaft anzukurbeln, m\u00fcssten Christen auch auf politischer Ebene dauerhaft vertreten sein, \u201eum die Verteidigung ihrer grundlegenden Menschenrechte, insbesondere das Recht auf Gleichbehandlung als irakische Staatsb\u00fcrger\u201c zu gew\u00e4hrleisten, so der Nahost-Referent.<\/p>\n<p>Die aktuelle Studie sei ein Weckruf an Christen und Politiker in aller Welt, erkl\u00e4rte auch Herbert Rechberger, Nationaldirektor von \u201eKirche in Not\u201c \u00d6sterreich: \u201eWir haben alles uns M\u00f6gliche getan und werden mit Unterst\u00fctzung unserer Wohlt\u00e4ter weiterhin alles tun, um die die christliche Pr\u00e4senz im Irak zu erhalten. Aber den Christen und anderen Minderheiten Sicherheit und Gleichberechtigung zu geben, liegt nicht allein in unserer Hand. Jede M\u00f6glichkeit, Einfluss zu nehmen, muss jetzt genutzt werden. Zuk\u00fcnftige Generationen sollten uns niemals vorhalten d\u00fcrfen: Ihr habt zu wenig getan und zu sp\u00e4t gehandelt.\u201c<\/p>\n<p>Die Studie \u201eLeben nach dem IS: Neue Herausforderungen f\u00fcr das Christentum im Irak\u201c umfasst 80 Seiten und ist in englischer Sprache verfasst. Sie kann <a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/informieren\/verfolgte-christen\/studie-christen-im-irak-2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8230;hier&nbsp; <\/a>heruntergeladen und eingesehen werden.<\/p>\n<p>Um den Christen in der Ninive-Ebene weiterhin beistehen und den Wiederaufbau sowie die pastorale und karitative Betreuung der Bev\u00f6lkerung weiterhin unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen, bittet \u201eKirche in Not\u201c um Spenden \u2013 online unter: <a href=\"https:\/\/www.kircheinnot.at\/helfen\/Spenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kircheinnot.at<\/a> oder auf folgendes Konto:<\/p>\n<p>Empf\u00e4nger: KIRCHE IN NOT<br \/>IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600<br \/>BIC: GIBAATWWXXX<br \/>Verwendungszweck: Irak<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die christliche Bev\u00f6lkerung im Irak k\u00f6nnte verglichen mit den Zahlen vor der Invasion des \u201eIslamischen Staates\u201c (IS) in den kommenden Jahren um 80 Prozent zur\u00fcckgehen, sollte die internationale Gemeinschaft keine Gegenma\u00dfnahmen ergreifen. 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