{"id":2157,"date":"2020-12-22T11:13:41","date_gmt":"2020-12-22T10:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/ich-habe-mitleid-mit-den-taetern-html\/"},"modified":"2023-02-16T16:02:28","modified_gmt":"2023-02-16T15:02:28","slug":"ich-habe-mitleid-mit-den-taetern-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/ich-habe-mitleid-mit-den-taetern-html\/","title":{"rendered":"\u201eIch habe Mitleid mit den T\u00e4tern\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 13.008px;\">\u00dcberlebender eines Anschlags auf koptische Christen erinnert sich.&nbsp;<\/span>In der Silvesternacht vor zehn Jahren wurde das Leben des damals 20-j\u00e4hrigen koptisch-orthodoxen Christen Kiro Khalil \u201eauf den Kopf gestellt\u201c, wie er selbst sagt. Der Ausdruck gibt das Grauen kaum wieder, dass der junge Mann durchgemacht hat: Er hat ein Attentat \u00fcberlebt, das gezielt gegen Christen gerichtet war. Drei seiner engsten Angeh\u00f6rigen starben.<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Sicherheitslage in \u00c4gypten mittlerweile etwas gebessert hat: Khalil hat auch nach dem Anschlag Diskriminierung bis hin zu Todesdrohungen erlebt. \u201eEs war zu viel, dass ein Christ den Mund aufgemacht hat\u201c, erkl\u00e4rt er, der sich seit jenem traumatischen Erlebnis f\u00fcr verfolgte Christen einsetzt. Khalil musste seine Heimat verlassen und fand Zuflucht in Deutschland \u2013 und auch ein neues Lebensgl\u00fcck: Vor Kurzem hat er geheiratet.&nbsp;KIRCHE IN NOT sprach mit Hr. Khalil.<\/p>\n<p><strong>Herr Khalil, Sie haben einen Anschlag auf eine Kirche \u00fcberlebt. Wann war das und was ist passiert? <\/strong><\/p>\n<p>Ich habe meine engsten Familienangeh\u00f6rigen bei einem Attentat auf die Kirche St. Markus und St. Petrus (Al-Qidissine-Kirche) in meiner Heimatstadt Alexandria verloren. Das war in der Silvesternacht 2010 auf 2011. Wir waren in der Kirche, um Gott f\u00fcr das zu Ende gehende Jahr zu danken. Als wir nach Mitternacht nach drau\u00dfen gingen, explodierte eine Autobombe gegen\u00fcber der Kirche. 24 Menschen starben, mehrere hundert wurden verletzt. Unter der Get\u00f6teten waren meine Mutter, meine Schwester und eine Tante. Meine andere Schwester Marina wurde sehr schwer verletzt. Sie musste 33-mal operiert werden.<\/p>\n<p><strong>Sie haben ihre engsten Angeh\u00f6rigen verloren. Wie gehen Sie um mit der Trauer und auch der Wut auf die Attent\u00e4ter?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe schon von Kindheit an Hass und Ausgrenzung erfahren, weil ich Christ bin. In der Schule wurde ich sehr oft beschimpft, allein schon wegen meines Namens Kiro, der ein traditioneller christlicher Name ist. Mein Mutter hat uns Kinder gelehrt, unsere Mitmenschen dennoch zu lieben, was auch immer sie uns angetan haben. \u201eLiebe Deinen N\u00e4chsten wie Dich selbst\u201c: Dieses Gebot Jesu hat meine Mutter in uns eingepflanzt. Das hat mir nach dem Attentat sehr geholfen, mit der Trauer umzugehen.<\/p>\n<p><strong>Letztlich war Ihr Glaube der Grund, warum Sie und Ihre Familie von diesem Anschlag getroffen wurden. Haben Sie an Gott gezweifelt?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberhaupt nicht. Bei dem Silvestergottesdienst waren 4000 Menschen in der Kirche. Davon wurden drei meiner Angeh\u00f6rigen als M\u00e4rtyrer ausgew\u00e4hlt. Auch wenn es ungew\u00f6hnlich klingt: Ich sehe das als eine besondere Gabe, statt in Verzweiflung zu fallen oder zu fragen: \u201eWar Gott ungerecht, weil er so etwas zugelassen hat?\u201c<\/p>\n<p><strong>Die T\u00e4ter und Hinterm\u00e4nner des Anschlags konnten nicht ermittelt werden. Was denken Sie \u00fcber die Attent\u00e4ter? <\/strong><\/p>\n<p>Ich habe Mitleid mit den T\u00e4tern. Die Extremisten leben unter einem starken Druck. Sie m\u00fcssen nach ihrer Vorstellung Gewalt gegen Andersgl\u00e4ubige ver\u00fcben, um Gott zu gefallen. Diese Menschen haben Blut an ihren H\u00e4nden. Wie kann ein Mensch mit solch einer Schuld leben? Ich stelle mir vor, dass sie genauso unter den Folgen dieses Anschlags leiden wie ich.<\/p>\n<p><strong>Sie leben heute in Deutschland. F\u00fchlen Sie sich hier frei, Ihren Glauben zu leben oder welche Herausforderungen f\u00fcr Gl\u00e4ubige sehen sie hier?<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland gibt es viele Freiheiten. Die sind oft ganz selbstverst\u00e4ndlich. Ich habe manchmal den Eindruck: Der Glaube schl\u00e4ft mit der Zeit ein. Oft w\u00e4chst die Kirche gerade dort, wo es Verfolgung gibt. In \u00c4gypten sterben Christen, damit sie ihren Glauben leben k\u00f6nnen. Hier in Deutschland werden Kirchen geschlossen oder in Museen umgewandelt. Das finde ich traurig.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberlebender eines Anschlags auf koptische Christen erinnert sich.&nbsp;In der Silvesternacht vor zehn Jahren wurde das Leben des damals 20-j\u00e4hrigen koptisch-orthodoxen Christen Kiro Khalil \u201eauf den Kopf gestellt\u201c, wie er selbst sagt. Der Ausdruck gibt das Grauen kaum wieder, dass der junge Mann durchgemacht hat: Er hat ein Attentat \u00fcberlebt, das gezielt gegen Christen gerichtet war. 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