{"id":2243,"date":"2021-04-23T07:55:23","date_gmt":"2021-04-23T05:55:23","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/religionsfreiheit-weltweit-2021-html\/"},"modified":"2023-02-22T09:26:03","modified_gmt":"2023-02-22T08:26:03","slug":"religionsfreiheit-weltweit-2021-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/religionsfreiheit-weltweit-2021-html\/","title":{"rendered":"Religionsfreiheit weltweit 2021"},"content":{"rendered":"<p>In jedem dritten Land der Welt kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des weltweit t\u00e4tigen Hilfswerks \u201eKirche in Not\u201c, das die Ergebnisse am heutigen Donnerstag in einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte.<\/p>\n<p>Dem Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit 2021\u201c zufolge, wurde dieses Grundrecht zwischen 2018 und 2020 in 62 von 196 untersuchten L\u00e4ndern nicht respektiert. Die Zahl der in diesen Staaten lebenden Menschen liegt bei fast 5,2 Milliarden. In 26 L\u00e4ndern sind die Einwohner sogar massiver Verfolgung ausgesetzt, hei\u00dft es in dem Bericht.<\/p>\n<p>Laut dem Bericht von \u201eKirche in Not\u201c ist ein drastischer Anstieg dschihadistischer Gruppen in Afrika zu verzeichnen, insbesondere in der Subsahara-Region und Ostafrika. In fast der H\u00e4lfte der Staaten des Kontinents (42 Prozent) kommt es mittlerweile zu Verst\u00f6\u00dfen gegen die Religionsfreiheit. Burkina Faso und Mosambik sind markante Beispiele.<\/p>\n<p>Die Direktorin der Projektabteilung von \u201eKirche in Not\u201c, Regina Lynch, berichtete, dass das Hilfswerk von den Projektpartnern vor Ort \u201eschockierende Berichte und Fotos von barbarischen Anschl\u00e4gen der Dschihadisten\u201c aus Mosambik erhalte, vor allem aus der Provinz Cabo Delgado im Norden. \u201eJeder, egal ob Muslim oder Christ, der die Ideologie der Dschihadisten nicht akzeptiert, wird daf\u00fcr bestraft. Die Menschen m\u00fcssen mit ihrem Leben bezahlen, sind grausamen Formen der Folter ausgesetzt oder m\u00fcssen mit ansehen, wie ihre H\u00e4user und Ernten zerst\u00f6rt werden.\u201c \u201eKirche in Not\u201c unterst\u00fctze hier Hunderttausende vertriebene Menschen mit Nothilfe und psychologischer Betreuung zur Traumabew\u00e4ltigung, so Lynch.<\/p>\n<p><strong>Drastische Zunahme dschihadistischer Gruppen in Afrika<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Nigeria f\u00f6rdere \u201eKirche in Not\u201c aktuell derartige Projekte, vor allem f\u00fcr Witwen in Maiduguri im Nordosten des Landes. Dort sind seit 2009 Dschihadisten von \u201eBoko Haram\u201c aktiv. \u201eSie greifen die lokale Bev\u00f6lkerung mit dem Ziel an, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. Wie in anderen afrikanischen L\u00e4ndern t\u00f6ten oder entf\u00fchren sie jeden, ganz unabh\u00e4ngig von seiner Religion, der ihre Weltsicht nicht akzeptiert\u201c, schildert die Projektdirektorin. <\/p>\n<p>Diese Radikalisierung treffe jedoch nicht nur den afrikanischen Kontinent. Der Bericht zeigt ein Anwachsen transnationaler islamistischer Netzwerke, die sich von Mali und Mosambik \u00fcber die Komoren bis hin zu den Philippinen erstrecken, mit dem Ziel, ein sogenanntes \u201etranskontinentales Kalifat\u201c zu errichten.<\/p>\n<p>Mark von Riedemann, Vorsitzender des Redaktionsausschusses des Berichts, betonte, dass Muslime und Christen gleicherma\u00dfen Opfer extremistischer Gewalt seien. \u201eMit der zunehmenden Radikalisierung der Islamisten werden Christen zunehmend zur spezifischen Zielscheibe f\u00fcr Terroristen.\u201c Dadurch werde vor allem der f\u00fcr die Subsahara-Region typische soziale und religi\u00f6se Pluralismus und das harmonische Zusammenlebe der Religionen zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>\u201eTransnationales Kalifat\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Bericht stellt zudem einen neuen Trend heraus. Auf k\u00fcnstlicher Intelligenz basierende Technologie, Cybernetzwerke und Massen\u00fcberwachung werden in einigen Nationen zur Verst\u00e4rkung der Kontrolle und Diskriminierung missbraucht \u2013 allen voran China. Aber auch dschihadistische Gruppen nutzen digitale Technologien, um Anh\u00e4nger zu radikalisieren und zu rekrutieren, hei\u00dft es in dem Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit 2021\u201c.<\/p>\n<p>Neben autorit\u00e4ren Regierungen und islamistischem Extremismus sei auch ein ethnisch-religi\u00f6ser Nationalismus ein wichtiger Faktor, der die Religionsfreiheit beeinflusst. Darunter falle beispielsweise die F\u00f6rderung der ethnischen und religi\u00f6sen Vormachtstellung in einigen asiatischen L\u00e4ndern mit hinduistischer und buddhistischer Mehrheit \u2013 ein Trend, der eine Bev\u00f6lkerung in Milliardenh\u00f6he betreffe. Die Folge sei eine gr\u00f6\u00dfere Unterdr\u00fcckung von Minderheiten, die zu \u201eB\u00fcrgern zweiter Klasse\u201c degradiert werden. Beispiell\u00e4nder seien Indien, Pakistan oder Myanmar.<\/p>\n<p>Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, sagte: \u201eReligionsfreiheit und Menschenw\u00fcrde sind Geschwister. Sie sind untrennbar miteinander verbunden \u2013 nicht nur durch ihre Bedeutung als elementares Menschenrecht, sondern auch durch die Verletzungen, denen sie gleicherma\u00dfen ausgesetzt sind. Ohne Religionsfreiheit kann eine wahrhaft offene und plurale Gesellschaft nicht existieren.\u201c In diesem Kontext m\u00fcsse man auch die Christenverfolgung verstehen. \u201eSie ist nicht isoliert zu betrachten, sondern immer als ein Bestandteil von Menschenrechtsverletzungen\u201c, so Koch. Als Erzbischof von Berlin sei er Menschen begegnet, die aus eigener Erfahrung von den religi\u00f6sen Verfolgungen in ihren Heimatl\u00e4ndern Ersch\u00fctterndes berichtet h\u00e4tten. Religionsfreiheit k\u00f6nne zu einem Instrument des Friedens werden, wenn die Gl\u00e4ubigen der verschiedenen Religionen sich als Weggef\u00e4hrten erkennen f\u00fcr sie eintreten. \u201eDas mag nicht immer leicht sein, aber es ist trotzdem der richtige und einzige Weg\u201c, ist sich Erzbischof Koch sicher.<\/p>\n<p><strong>\u201eReligionsfreiheit ist ein elementares Menschenrecht\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In den westlichen L\u00e4ndern registriert der Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit 2021\u201c einen Anstieg der \u201eh\u00f6flichen Verfolgung\u201c. Der zugespitzt-ironisch formulierte Begriff wurde von Papst Franziskus gepr\u00e4gt und beschreibt Tendenzen, wonach neue kulturelle Normen und Werte in Widerspruch zu den Rechten der Einzelnen auf Gewissensfreiheit stehen und bewirken, dass Religion \u201ein die geschlossenen R\u00e4ume von Kirchen, Synagogen oder Moscheen\u201c verbannt wird.<\/p>\n<p>Die Studie dokumentiert auch die tiefgreifenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Religionsfreiheit. Angesichts des Ausma\u00dfes h\u00e4tten Regierungen au\u00dferordentliche Ma\u00dfnahmen f\u00fcr notwendig erachtet, die in einigen F\u00e4llen die Religionsaus\u00fcbung im Vergleich zu s\u00e4kularen Aktivit\u00e4ten unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig stark einschr\u00e4nken. In einigen L\u00e4ndern, wie zum Beispiel in Pakistan oder Indien, wurden religi\u00f6se Minderheiten humanit\u00e4re Hilfen vorenthalten.<\/p>\n<p><strong>Covid-19-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Religionsfreiheit<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der Ergebnisse des Berichts \u201eReligionsfreiheit weltweit 2021\u201c stellte der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Pr\u00e4sident von \u201eKirche in Not\u201c (ACN) International, Dr. Thomas Heine-Geldern, fest: \u201eDie Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf religi\u00f6se Gewalt und auf religi\u00f6se Verfolgung im Allgemeinen ist zu gering und kommt oft zu sp\u00e4t \u2013 too little, too late.\u201c Auch wenn Menschenrechte in aller Munde seien, f\u00fchre die Religionsfreiheit oft ein Schattendasein. Er bezeichnet den vorliegenden Bericht als \u201eWarnsignal\u201c: Die Aussichten auf ein friedliches Zusammenleben seien d\u00fcster, \u201esolange die Religions- und Glaubensfreiheit nicht als grundlegendes Menschenrecht geachtet wird, das auf der Menschenw\u00fcrde jedes Einzelnen beruht\u201c.<\/p>\n<p>Der Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit erscheint zum 15. Mal. \u201eKirche in Not\u201c hat ihn erstmals 1999 ver\u00f6ffentlicht. Er analysiert, inwieweit das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in allen 196 L\u00e4ndern der Welt und bezogen auf alle Religionen respektiert wird. \u201eKirche in Not\u201c ist die einzige katholische Institution, die einen Bericht dieser Art herausgibt.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse, Quellen und Verfahrensweise der Studie sowie alle 196 L\u00e4nderberichte sind abrufbar unter: <span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.religionsfreiheit-weltweit.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.religionsfreiheit-weltweit.at<\/a><\/strong><\/span>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In jedem dritten Land der Welt kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des weltweit t\u00e4tigen Hilfswerks \u201eKirche in Not\u201c, das die Ergebnisse am heutigen Donnerstag in einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte. Dem Bericht \u201eReligionsfreiheit weltweit 2021\u201c zufolge, wurde dieses Grundrecht zwischen 2018 und 2020 in 62 von 196 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2242,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[179],"tags":[4,8,5,48],"class_list":["post-2243","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-international","tag-christenverfolgung","tag-islamisierung","tag-kirche-in-not","tag-religionsfreiheit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2243"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2805,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2243\/revisions\/2805"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2242"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}