{"id":225,"date":"2013-08-09T06:28:58","date_gmt":"2013-08-09T06:28:58","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/orthodoxer-priester-ermordet-html\/"},"modified":"2022-12-06T15:33:35","modified_gmt":"2022-12-06T15:33:35","slug":"orthodoxer-priester-ermordet-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/orthodoxer-priester-ermordet-html\/","title":{"rendered":"Orthodoxer Priester ermordet"},"content":{"rendered":"<p><span>Die russische \u00d6ffentlichkeit ist ersch\u00fcttert \u00fcber die Ermordung des 75-j\u00e4hrigen russisch-orthodoxen Priesters Pawel Adelgeim, eines scharfen Kritikers des aktuellen Kurses von Staat und Kirche. Der in der Sowjetzeit als Dissident und Vork\u00e4mpfer der Religionsfreiheit hervorgetretene Priester war am Montagabend in Pskow von dem 27-j\u00e4hrigen Sergej Pschelintjew, einem Absolventen des Moskauer Gerasimow-Instituts f\u00fcr Filmwissenschaften, erstochen worden. Patriarch Kyrill I. betonte seine Trauer \u00fcber die Ermordung Adelgeims, der \u201eein Opfer seiner pastoralen Pflicht\u201c geworden sei. Der Gouverneur von Pskow, Andrej Turtschak, sagte, die Ermordung eines Priesters sei immer eine Herausforderung an die Gesellschaft und ein Affront gegen die Grundlagen von Moral, Ethik und Glaube. \u201eDer tragische Tod von&nbsp; Pawel Adelgeim sollte uns alle daran erinnern, dass wir die Pflicht haben,&nbsp; uns umeinander zu k\u00fcmmern\u201c, stellte Turtschak fest.&nbsp;<\/span><\/p>\n<p><span>Der Freundeskreis Adelgeims betonte am Dienstag in einer Stellungnahme, dass das Leben des Priesters vom konsequenten Kampf f\u00fcr die Wahrheit, wie er sie verstand, gekennzeichnet war. Er sei furchtlos gegen\u00fcber staatlichen und kirchlichen Autorit\u00e4ten gewesen. Im Vorjahr war Adelgeim durch seinen Ruf nach Milde f\u00fcr die \u201ePussy Riot\u201c- Punkerinnen aufgefallen. In einem Interview meinte der Priester, es zeichne sich eine Konfrontation zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und der Zivilgesellschaft ab. Er pl\u00e4diere daher daf\u00fcr, die M\u00e4dchen nicht ins Gef\u00e4ngnis zu stecken, sondern sich mit ihnen zusammenzusetzen, um ihnen zu erkl\u00e4ren, dass man in der Kirche kein Happening veranstalten, sondern zu Gott beten soll.<\/span><\/p>\n<p><span>&nbsp;<\/span><strong>Ein Priester im wahrsten Sinn des Wortes<\/strong><\/p>\n<p><span>Adelgeim war ein heftiger Kritiker des Naheverh\u00e4ltnisses zwischen Kirchenleitung und Kreml-F\u00fchrung; zugleich trat er f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Unabh\u00e4ngigkeit der Pfarrgeistlichen ein. Vor Journalisten betonte er, die Kirche k\u00f6nne nicht durch \u201evertikale Autorit\u00e4t\u201c geleitet werden, es gehe vielmehr um \u201eGemeinschaft\u201c im Sinn des orthodoxen \u201eSobornost\u201c-Begriffs, \u201eeine spirituelle Einheit und religi\u00f6se Gemeinschaft auf der Basis von Tradition und Freiheit\u201c. Der Pskower Jurist Lew Schlosberg, ein enger Freund des Priesters, sagte am Dienstag, Pawel Adelgeim sei ein Priester im wahrsten Sinn des Wortes gewesen: \u201eEr glaubte, er diente, er wollte keine Karriere machen und lebte ein volles geistliches Leben\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span>Die Bluttat geschah am Montagabend in der Konstantin-und-Helena-Kirche in Pskow. Nach Angaben von Zeugen schrie der 27-j\u00e4hrige Angreifer, der Teufel habe ihm befohlen, den Priester zu t\u00f6ten. Nach der Tat stach sich Sergej Pschelintjew zwei Mal in die Brust, ehe er \u00fcberw\u00e4ltigt und in ein Spital gebracht werden konnte.<\/span><\/p>\n<p><strong><span>Zur Person Pawel Adelgeim<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span>Der 1937 geborene Pawel Adelgeim war in stalinistischer Zeit mit seiner Mutter in die kasachische Republik verbannt worden. Dort erwachte sein Interesse an der Kirche. Er studierte in Kiew Theologie und wurde 1964 zum Priester geweiht. Wegen angeblicher \u201eVerleumdung der Sowjetmacht\u201c wurde er 1969 verhaftet und zu drei Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Unfall in seiner Lagerzeit verlor Adelgeim ein Bein. Ab 1976 diente er in der Eparchie Pskow und war eine der Zentralgestalten der religi\u00f6sen Aufbruchsbewegung dort. Es gab aber immer wieder Konflikte mit der Hierarchie. So wurde er 2008 als Hauptpfarrer einer der bedeutendsten Kirchen von Pskow abgel\u00f6st. (Quelle: CSI, Foto: Christian Klyma)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die russische \u00d6ffentlichkeit ist ersch\u00fcttert \u00fcber die Ermordung des 75-j\u00e4hrigen russisch-orthodoxen Priesters Pawel Adelgeim, eines scharfen Kritikers des aktuellen Kurses von Staat und Kirche. Der in der Sowjetzeit als Dissident und Vork\u00e4mpfer der Religionsfreiheit hervorgetretene Priester war am Montagabend in Pskow von dem 27-j\u00e4hrigen Sergej Pschelintjew, einem Absolventen des Moskauer Gerasimow-Instituts f\u00fcr Filmwissenschaften, erstochen worden. 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