{"id":2287,"date":"2021-06-09T08:44:16","date_gmt":"2021-06-09T06:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/sophia-hat-wieder-eine-stimme-html\/"},"modified":"2023-02-16T15:55:49","modified_gmt":"2023-02-16T14:55:49","slug":"sophia-hat-wieder-eine-stimme-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/sophia-hat-wieder-eine-stimme-html\/","title":{"rendered":"Sophia hat wieder eine Stimme"},"content":{"rendered":"<p>Jenen Tag im November 2018 wird die jetzt 21-j\u00e4hrige Sophia [Name von der Redaktion ge\u00e4ndert] nie vergessen. Immer wieder neu muss sie ihn durchleben \u2013 bis heute. Die junge Frau lebte damals auf einem Bauernhof im Nordosten Nigerias, nur wenige Kilometer von der Provinzhauptstadt Maiduguri entfernt. Sophia, ihre j\u00fcngere Schwester und die Eltern arbeiteten im Freien, als junge M\u00e4nner den Bauernhof umstellten. Auf Motorr\u00e4dern waren sie gekommen. Vom Vater verlangten sie die Herausgabe der M\u00e4dchen, sonst m\u00fcsse er sterben.<\/p>\n<p>Was sich danach abspielte, ist schwer in Worte zu fassen. Nach der Weigerung des Vaters, seine T\u00f6chter auszuliefern, hielt Sophia seinen Kopf in ihren H\u00e4nden. Die Angreifer hatten ihn enthauptet. Sophia fiel in Ohnmacht. \u201eSeither hat sie immer wieder Flashbacks [traumatische R\u00fcckerinnerungen; Anm. d. Red.]. Sie lebt in der st\u00e4ndigen Angst, get\u00f6tet zu werden\u201c, berichtet Joseph Bature Fidelis dem weltweiten p\u00e4pstlichen Hilfswerk \u201eKirche in Not\u201c. Der Priester hat auch einen Abschluss in Klinischer Psychologie und betreut die junge Frau.<\/p>\n<p><strong>\u201eAuf jede erdenkliche Weise missbraucht\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Mit der grausamen Ermordung ihres Vaters war das Martyrium von Sophia nicht zu Ende \u2013 im Gegenteil. Nach einer l\u00e4ngeren Zeit der Bewusstlosigkeit wachte sie im Dschungel auf. Die jungen M\u00e4nner hatten sie in ein Lager der Terrorgruppe Boko Haram verschleppt. Den Horror, den Sophia dort erlebte, beschreibt der Priester und Therapeut nicht n\u00e4her. Nur so viel: \u201eSie wurde dort wiederholt gefoltert und auf jede erdenkliche Weise missbraucht.\u201c<\/p>\n<p>Ihr gelang schlie\u00dflich die Flucht. Verwundet, ersch\u00f6pft und voller Schmerzen traf sie auf einen \u00e4lteren Mann. Er half ihr, sich in Sicherheit zu bringen. Sophia konnte sich jedoch beim besten Willen nicht erinnern, wo ihr Elternhaus lag. Stunden dauerte es, bis sich die Fragmente in ihrem Ged\u00e4chtnis zusammenf\u00fcgten und sie zu ihrer Familie gebracht werden konnte.<\/p>\n<p>\u201eDamals konnte Sophia weder sprechen noch erkl\u00e4ren, was geschehen war\u201c, erz\u00e4hlt Joseph Bature Fidelis. Ihre Mutter hatte sie zu ihm gebracht. \u201eSie sah Geister und Menschen ohne Kopf. Sie halluzinierte und hatte bedr\u00e4ngende Gedanken.\u201c Sophia ist eines der vielen Opfer von Boko Haram, das im Traumahilfezentrum der Di\u00f6zese Maiduguri Hilfe erh\u00e4lt. \u201eKirche in Not\u201c unterst\u00fctzt die Initiative, um den an ihrer Seele verwundeten Menschen Heilung zu erm\u00f6glichen. Joseph Bature Fidelis arbeitet dort. Jetzt sollen dort neue Geb\u00e4ude entstehen; die Bauarbeiten haben bereits begonnen.<\/p>\n<p><strong>Psychologischer Hilfsdienst betreut traumatisierte Menschen<\/strong><\/p>\n<p>Schicksale wie das von Sophia gibt es im Nordosten Nigerias viele. Seit Jahren wird die Region von dschihadistischen Terrormilizen heimgesucht. Muslime leiden unter ihnen ebenso wie die Christen. \u201eDurch Boko Haram haben viele Menschen ihr Leben verloren. Viele wurden vertrieben und leben in Lagern\u201c, so der Priester.<\/p>\n<p>Genau dort setzt die Di\u00f6zese Maiduguri an. Sie hat einen psychologischen Hilfsdienst aufgebaut: \u00c4rzte und Psychologen schulen sogenannte Laien-Berater, die in verschiedenen Fl\u00fcchtlingslagern psychologische Ersthilfe, Gruppenberatung und psychosoziale Unterst\u00fctzung leisten. Zwei Fachleute betreuen Einzelpersonen, die mehr Zuwendung brauchen. In besonders schweren F\u00e4llen werden traumatisierte Menschen in eine neuropsychiatrische Klinik \u00fcberwiesen.<\/p>\n<p><strong>Boko Haram soll nicht das letzte Wort haben<\/strong><\/p>\n<p>Doch es geht nicht nur um psychologische Hilfe, betont Joseph Bature Fidelis. Seine Einrichtung hilft den Binnenfl\u00fcchtlingen auch, wieder Tritt im Leben zu fassen und sich zu integrieren: \u201eWir arbeiten mit allen Beteiligten zusammen, um auf die Gefahr von Stigmatisierung und die Notwendigkeit sozialer Integration aufmerksam zu machen.\u201c Durch die Unterst\u00fctzung von \u201eKirche in Not\u201c f\u00fcr diesen Dienst konnte hunderten Menschen geholfen werden, nach den Schrecken des Boko-Haram-Terrors wieder neu zu beginnen.<\/p>\n<p>Sophia geht es heute viel besser. Sie erhielt Medikamente und eine Therapie. Die Halluzinationen verschwanden. Sie isst wieder besser, schl\u00e4ft normal. Sie hat gro\u00dfe Fortschritte auf dem Weg in ein einigerma\u00dfen normales Leben gemacht. Derzeit arbeitet sie als N\u00e4herin. In das Traumahilfezentrum kommt sie regelm\u00e4\u00dfig zur Nachsorge. Sie hat gro\u00dfe Zukunftspl\u00e4ne: \u201eSie hat gefragt, ob sie ihre Ausbildung fortsetzen kann, da sie nur einen einfachen Schulabschluss hatte. Und jetzt hat sie sich f\u00fcr Aufnahmepr\u00fcfungen angemeldet, um sp\u00e4ter an der Hochschule studieren zu k\u00f6nnen\u201c, berichtet Joseph Bature Fidelis. Boko Haram soll nicht das letzte Wort haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jenen Tag im November 2018 wird die jetzt 21-j\u00e4hrige Sophia [Name von der Redaktion ge\u00e4ndert] nie vergessen. Immer wieder neu muss sie ihn durchleben \u2013 bis heute. Die junge Frau lebte damals auf einem Bauernhof im Nordosten Nigerias, nur wenige Kilometer von der Provinzhauptstadt Maiduguri entfernt. 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