{"id":2301,"date":"2021-06-28T06:53:16","date_gmt":"2021-06-28T04:53:16","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/christenverfolgung\/viel-licht-aber-immer-noch-schatten-html\/"},"modified":"2023-02-16T15:53:43","modified_gmt":"2023-02-16T14:53:43","slug":"viel-licht-aber-immer-noch-schatten-html","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/viel-licht-aber-immer-noch-schatten-html\/","title":{"rendered":"Viel Licht, aber immer noch Schatten"},"content":{"rendered":"<p class=\"p3\">Im Gespr\u00e4ch mit dem p\u00e4pstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT spricht der koptisch-katholische Bischof Kyrillos Samaan von Assiut \u00fcber die Lage der katholischen Kirche, die Beziehungen zum Islam und die \u00d6kumene mit der Orthodoxie<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Herr Bischof, vor zwei Jahren hat Papst Franziskus gemeinsam mit dem Oberhaupt der Kairoer Azhar-Universit\u00e4t in Abu Dhabi ein Dokument \u00fcber den gemeinsamen Gottesglauben und die darauf gr\u00fcndende Br\u00fcderlichkeit unterzeichnet. Hat diese Initiative in \u00c4gypten Fr\u00fcchte getragen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Auf jeden Fall. Das Dokument wurde von unserer Kirche hier in \u00c4gypten publiziert und verteilt. Und auch von muslimischer Seite beruft man sich noch immer darauf. So hat die Azhar-Universit\u00e4t anl\u00e4sslich des zweiten Jahrestages der Unterzeichnung im Februar mehrere Konferenzen veranstaltet. Auch ich war als Sprecher eingeladen und habe die Wertsch\u00e4tzung des Papstes f\u00fcr den Islam verdeutlicht, wie sie beispielsweise in seiner Enzyklika Fratelli Tutti zum Ausdruck kommt. Exemplare des Textes&nbsp;habe ich an den Gouverneur und andere wichtige Pers\u00f6nlichkeiten verteilt. Das kam gut an.<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Papst Franziskus wird in \u00c4gypten auch unter Muslimen gesch\u00e4tzt?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Sehr. Man vergleicht ihn immer mit Papst Benedikt, der nach seiner Regensburger Rede 2006 einen schweren Stand hatte. Sie wurde als Islamkritik aufgefasst. Zu Unrecht nat\u00fcrlich. Aber so war es nun mal. Mit Franziskus ist die Atmosph\u00e4re jetzt eine v\u00f6llig andere. Er hat ja auch einen direkten Draht zum Gro\u00dfimam in Kairo. 2017 war er auch zu Besuch in \u00c4gypten. Gegen\u00fcber der katholischen Kirche hat sich das Verh\u00e4ltnis des offiziellen Islams unter ihm wirklich positiv ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Nun gibt es mit den Salafisten oder den Moslembr\u00fcdern immer noch sehr christenfeindliche Gruppen.&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Ja, aber sie sind nicht mehr stark. Man h\u00f6rt von den Salafisten beispielsweise sehr wenig. Unter der Regierung des Moslembruders Mursi in den Jahren 2012\/2013&nbsp;waren sie sehr laut. Jetzt sind sie im Land isoliert. Die Mehrheit im Land ist toleranter gegen\u00fcber Nichtmuslimen geworden.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Dennoch gibt es auch heute immer wieder \u00dcbergriffe gegen Christen. Der Religionsfreiheitsbericht von KIRCHE IN NOT&nbsp;erw\u00e4hnt beispielsweise die Ermordung eines Kopten auf dem Sinai oder die Entf\u00fchrung christlicher M\u00e4dchen in Ober\u00e4gypten.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Ja, aber es ist viel weniger geworden. Die Regierung tut dagegen, was sie kann. K\u00fcrzlich wurde sogar ein Muslim hingerichtet, der einen Christen ermordet hatte. Das w\u00e4re fr\u00fcher undenkbar gewesen, dass ein Gl\u00e4ubiger wegen eines Ungl\u00e4ubigen sterben muss.<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Die Kirchen in \u00c4gypten loben immer wieder die Fortschritte, die es unter der Sisi-Regierung gegeben hat. Bei der Legalisierung von ohne Erlaubnis gebauten Kirchen hat sich wirklich etwas getan, oder?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Das stimmt. Ich habe gelesen, dass mittlerweile etwa f\u00fcnfzig Prozent der Kirchenbauten in \u00c4gypten legalisiert wurden. Bei uns in Assiut allerdings geht es sehr langsam. Der Prozess ist aufwendig.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Welche Voraussetzungen m\u00fcssen erf\u00fcllt werden?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Im wesentlichen zwei. Man muss zweifelsfrei die Eigent\u00fcmerschaft an dem Grund nachweisen, auf dem die Kirche errichtet worden ist. Au\u00dferdem braucht es einen von einem registrierten Architekten erstellten Plan des Geb\u00e4udes. Hinzu kommen bestimmte Sicherheitsanforderungen.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Wo sehen Sie mit Blick auf die Lage&nbsp;der Christen noch Verbesserungsbedarf?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Wie verlangen nicht viel und sind realistisch. Es gibt leider&nbsp;noch viele Menschen, die Christen als B\u00fcrger zweiter Klasse sehen. Das braucht noch viel Zeit.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Wie \u00e4u\u00dfert sich das?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Beispielsweise sind Christen an den Universit\u00e4ten unterrepr\u00e4sentiert. Das betrifft die Studenten, vor allem aber die Professorenschaft und die Universit\u00e4tsleitung. Ab und zu wird einer als Feigenblatt ernannt.&nbsp;Aber insgesamt werden Christen trotz vergleichbarer Qualifikation in der Regel \u00fcbergangen. Das ist auch im Bereich der \u00f6ffentlichen Verwaltung oder der Armee so.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Was kann man dagegen tun?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Es m\u00fcssen sich die Mentalit\u00e4ten \u00e4ndern. Pr\u00e4sident&nbsp;Sisi&nbsp;spricht immer wieder von der Gleichheit aller \u00c4gypter. Das ist wichtig. In Vergleich zum Moslembruder Mursi leben wir Christen unter Sisi in goldenen Zeiten. Wenn in einer neuen Stadt eine Moschee errichtet wird, fragt er immer, wann eine Kirche daneben errichtet wird. Er erinnert immer wieder daran, dass alle &#8211; Juden, Christen und Muslime &#8211; ihren Kult frei aus\u00fcben k\u00f6nnen m\u00fcssen und Gottesh\u00e4user errichten k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Nun kommt es aber auch unter Sisi vor, dass einzelne Christen in das Visier des Staates geraten. Gegen den koptischen Aktivisten und Regierungskritiker Ramy Kamel wurden schwere Vorw\u00fcrfe erhoben bis hin zum Terrorismus. Menschenrechtler halten das f\u00fcr absurd. Gibt es f\u00fcr Christen unter Sisi also nur Kultfreiheit, aber keine politische Freiheit?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Ohne auf den konkreten Fall eingehen zu wollen gibt es Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr alle \u00c4gypter unabh\u00e4ngig von ihrer Religion. Sie richten sich nicht spezifisch gegen Christen.<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Schauen wir auf die \u00f6kumenischen Beziehungen zur Koptisch-orthodoxen Kirche. Seit einigen Jahren wird katholischerseits ein Verzicht auf die Wiedertaufe bei Konversionen zur koptischen Kirche&nbsp;erwartet. Bisher ist trotz guter pers\u00f6nlicher Beziehungen zwischen Papst Franziskus und Papst Tawadros nichts geschehen. Warum?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Schon beim ersten Besuch von Tawadros in Rom entstand eine enge Beziehung zwischen den beiden Kirchenf\u00fchrern. Tawadros versprach damals, die Frage der Wiedertaufe zu kl\u00e4ren. Er gab aber zu bedenken, dass er zun\u00e4chst seine Bischofssynode \u00fcberzeugen m\u00fcsse. Ansonsten k\u00f6nnte es zu einer Spaltung kommen. Die Synode ist aber immer noch sehr von Bisch\u00f6fen gepr\u00e4gt, die Papst Tawadros\u2018 Vorg\u00e4nger&nbsp;Schenuda ernannt hat und die sehr \u00f6kumenekritisch sind.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Hat Tawadros angesichts der Kritik&nbsp;&nbsp;aufgegeben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Nein.&nbsp;Tawadros hat den mittlerweile verstorbenen Abt Epiphanios vom&nbsp;Makariosklosters beauftragt, die Bef\u00fcrworter der Wiedertaufe vom Gegenteil zu \u00fcberzeugen. Er f\u00fchrte sehr \u00fcberzeugende Argumente aus der Koptischen Tradition an. Ihm wurde auch die Erstellung eines entsprechenden Dokumentes anvertraut. Der ersten Textfassung gem\u00e4\u00df schien es so, als st\u00fcnde die Anerkennung der katholischen Taufe unmittelbar bevor. Wir haben sogar eine \u00dcbersetzung nach Rom gesendet.&nbsp;Aber kurz vor Ver\u00f6ffentlichung kam es zum Aufstand der Anh\u00e4nger der alten Linie. In der letzten Minute wurde dann eine neue Formulierung gew\u00e4hlt. Es war dann nur noch vom Bem\u00fchen die Rede, die koptische Praxis zu \u00e4ndern, nicht mehr von der festen Absicht oder gar&nbsp;Verpflichtung.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Das hei\u00dft, Tawadros wurde ausgebremst?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Ja. Er wird sogar bek\u00e4mpft wegen seiner Offenheit auch in anderen Fragen wie \u00c4nderungen der liturgischen Praxis. Er wollte aus hygienischen Gr\u00fcnden beispielsweise w\u00e4hrend der Coronapandemie die Kommunionspendung mit einem L\u00f6ffelchen aussetzen. Daraufhin wurde er beschuldigt, katholische Praktiken einf\u00fchren zu wollen. Manche opponieren auch \u00f6ffentlich gegen ihn und wollen seine Absetzung erreichen.<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Ist das nur eine Minderheit?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Das ist nicht so klar. Wenn, dann ist es eine starke. Es sind immerhin Bisch\u00f6fe darunter.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"p3\"><strong>Das hei\u00dft, in der Frage der Wiedertaufe braucht man nicht mit schnellen Ergebnissen zu rechnen.<\/strong><\/p>\n<p class=\"p3\">Nein, das braucht viel Zeit. Was vierzig Jahre lang unter Schenuda ges\u00e4t wurde, kann man nicht in ein paar Jahren ungeschehen machen. Aber Tawadros ist ein geduldiger Mann.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gespr\u00e4ch mit dem p\u00e4pstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT spricht der koptisch-katholische Bischof Kyrillos Samaan von Assiut \u00fcber die Lage der katholischen Kirche, die Beziehungen zum Islam und die \u00d6kumene mit der Orthodoxie Herr Bischof, vor zwei Jahren hat Papst Franziskus gemeinsam mit dem Oberhaupt der Kairoer Azhar-Universit\u00e4t in Abu Dhabi ein Dokument \u00fcber den [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2300,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[217],"tags":[6,55],"class_list":["post-2301","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aegypten","tag-afrika","tag-agypten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2301","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2301"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2301\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2776,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2301\/revisions\/2776"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2300"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kircheinnot.at\/christenverfolgung\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}